Ernst Blum (Psychoanalytiker)

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Ernst Blum (* 15. November 1892[1] in Bruchsal[2]; † 30. Januar 1981[3] in Bern[2]; heimatberechtigt in Zürich[3]) war ein deutsch-schweizerischer Psychiater und Psychoanalytiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Blum entstammte einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie aus Bruchsal. Er verbrachte seine Kindheit in Bruchsal, Karlsruhe und Stuttgart, bis die Familie um 1900 nach Zürich auswanderte.[2] Am Realgymnasium,[4] das er ab dem 13. Lebensjahr besuchte, legte er die Matura ab[2]. Blum studierte vom Wintersemester 1911/12 bis zum Wintersemester 1917/18 Medizin an der Universität Zürich, mit einem Unterbruch im Sommersemester 1914, das er an der Universität Montpellier verbrachte.[4] 1917 absolvierte er das Staatsexamen,[3] danach arbeitete er beim Neurophysiologen Constantin von Monakow[2]. 1919 wurde er bei Walter Rudolf Hess promoviert.[5] Anschliessend liess er sich bei Eugen Bleuler in Psychiatrie ausbilden.[2]

Am Ende des Studiums lernte er Elsa Alide Sapas[4] kennen, die zum Studium aus Estland in die Schweiz gekommen war und ebenfalls eine Ausbildung in Neurophysiologie und Psychiatrie absolvierte.[2] 1922 zogen sie nach Wien, wo sich Blum von Sigmund Freud und seine Verlobte von Otto Rank analysieren liess und sie Aufnahme in der Mittwochsgesellschaft fanden.[2] Zurückgekehrt in die Schweiz, nahmen sie Wohnsitz in Bern[2] und heirateten 1923[4]. Sie hatten zusammen drei Töchter.[6] Blum arbeitete an verschiedenen Kliniken in der Umgebung von Bern. 1940 wurden seine Frau und die Töchter bei einem Besuch in Estland verhaftet und nach Sibirien deportiert. Die Töchter konnten nach drei Jahren zurückkehren, seine Frau verstarb im Gulag.[2] 1941 wurde Ernst Blum an der Universität Bern für Psychiatrie und Neurologie habilitiert. Er arbeitete als leitender Arzt der Psychiatrischen Poliklinik und lehrte bis 1957 an der Universität Bern.[3] Mit dem Vermögen seines Vaters baute er ein kleines Privatsanatorium auf. Mit zunehmendem Alter zog er sich zurück und praktizierte in seiner Privatpraxis. 1981 verstarb Ernst Blum in einem Altersheim in Bern.[2]

Blum war ein Vertreter der Daseinsanalyse.[7] In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte er sich mit den Grenzgebieten von Philosophie, Literaturwissenschaft und Psychoanalyse. Insbesondere setzte er sich mit der Phänomenologie auseinander.[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Blum zum 70. Geburtstag am 15. November 1962. In: Der Psychologe. Bd. 14 (1962), H. 11, S. 401.
  • Manfred Pohlen, Arthur Trenkel (Hrsg.): Psychotherapie als Dialog. Zum 80. Geburtstag von Ernst Blum. Hans Huber, Bern/Stuttgart 1973, ISBN 3-456-30566-4 (mit Bibliographie von Ernst Blum).
  • Manfred Pohlen: Freuds Analyse. Die Sitzungsprotokolle Ernst Blums. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 978-3-498-05303-1 (Leseprobe; PDF; 145 KB).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kürschners deutscher Gelehrten-Kalender. 13. Ausgabe (1980). Bd. 1, S. 313.
  2. a b c d e f g h i j k l Manfred Pohlen: Freuds Analyse. Die Sitzungsprotokolle Ernst Blums. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 978-3-498-05303-1, S. 24–29 (Leseprobe; PDF; 145 KB).
  3. a b c d Blum, Ernst. In: Die Dozenten der bernischen Hochschule 1528–1984. Universität Bern, Bern 1984, Eintrag 4.4.108 (PDF, abgerufen am 8. April 2018).
  4. a b c d Blum, Ernst, Matrikeledition der Universität Zürich, abgerufen am 8. April 2018.
  5. Eintrag der Dissertation, Bibliothekskatalog NEBIS, abgerufen am 8. April 2018.
  6. Eintrag zu Dokument zur Deportation von Elsa Alide Blum und ihrer drei Töchter im Estnischen Nationalarchiv, Archivportal Europa, abgerufen am 8. April 2018.
  7. Der Analytiker und sein Jahrhundert. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. April 2006, abgerufen am 8. April 2018.