Ernst Pöhner

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Ernst Pöhner (* 11. Januar 1870 in Hof an der Saale; † 11. April 1925 bei Feldkirchen) war Polizeipräsident in München und einer der Beteiligten am Hitler-Ludendorff-Putsch im Jahr 1923.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pöhner war Sohn des Hofer Stadtsekretärs und Kanzleivorstandes Johann Georg Pöhner und dessen Ehefrau Johanna Karolina Sophia Pöhner, geb. Kirchner. Er wuchs in Hof an der Saale auf und legte dort am Gymnasium im Jahr 1887 das Abitur ab. Anschließend studierte er an der Universität München Rechtswissenschaften, um die juristische Laufbahn im Königreich Bayern einzuschlagen. Nach verschiedenen Stationen war er ab 1904 Landgerichtsrat in München. Dort war er zudem Mitglied der Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes[1] und schloss sich später auch der Thule-Gesellschaft an.[2]

Im Jahr 1910 heiratete Pöhner Grete, geborene Thein, drei Jahre später wurde er Vater eines Sohnes.

Er nahm als Hauptmann der Reserve am Ersten Weltkrieg teil. 1915 wurde Pöhner zum Oberlandesgerichtsrat befördert und war nach dem Ersten Weltkrieg Leiter des Gefängnisses Stadelheim in München,[3] bevor er am 3. Mai 1919 zum Polizeipräsidenten von München ernannt wurde. In dieser Eigenschaft deckte er die Aktivitäten des antisemitischen Geheimbundes Organisation Consul[4] und schuf eine „politische Abteilung“, deren Leitung er Wilhelm Frick übertrug.

Während des Kapp-Putsches im März 1920 erzwang Pöhner zusammen mit dem Leiter der rechtsradikalen Einwohnerwehren Georg Escherich und dem General Arnold von Möhl in einer staatsstreichähnlichen Aktion den Rücktritt der sozialdemokratischen Landesregierung Hoffmann und sorgte für die Einsetzung der rechten bürgerlichen Regierung unter Gustav von Kahr. Pöhner opponierte offen gegen die Aufhebung des Ausnahmezustands in Bayern, was seine Beurlaubung nach sich zog. Am 28. September 1921 trat er als Polizeipräsident zurück und wurde im Oktober Rat am Obersten Landesgericht in München.

Pöhner kannte Adolf Hitler seit 1920. Im November des Jahres 1923 war er führend am Hitler-Ludendorff-Putsch beteiligt. Er sollte neuer bayerischer Ministerpräsident werden. Wahrscheinlich hatte er auch an dem Verfassungsentwurf mitgewirkt, den die Putschisten in Kraft setzen wollten.[5] Als Angeklagter im Hitler-Prozess 1924 erklärte er, was ihm als Hochverrat vorgeworfen werde, bereits seit fünf Jahren betrieben zu haben. Wegen Hochverrats wurde er vom Münchner Volksgericht am 1. April 1924 zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er aber lediglich drei Monate verbüßte. Pöhner ab Januar 1925 in Landsberg in Festungshaft, aus der er am 31. März unter Bewährungsauflagen vorzeitig entlassen wurde.

Noch während seiner Haftzeit wurde Pöhner bei der Landtagswahl am 6. April 1924 für den Völkischen Block in Bayern, eine Mitgliedsorganisation der Nationalsozialistischen Freiheitspartei, in den bayerischen Landtag gewählt. Im Dezember des Jahres trat er zur DNVP über.

Am 11. April 1925 verunglückte er bei einem Autounfall in der Nähe von Feldkirchen tödlich. Bei seiner Beerdigung am 16. April trat erstmals die SS öffentlich auf.[6]

Hitler lobte Pöhner und Frick in Mein Kampf als „die einzigen höheren Staatsbeamten, die schon damals den Mut besaßen, erst Deutsche und dann Beamte zu sein.“[7]

In Hof wurde in der Zeit des Nationalsozialismus eine Straße nach ihm benannt, die seit 1946 Friedrich-Naumann-Straße heißt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Peters: Alldeutscher Verband (ADV), 1891-1939. In: Historisches Lexikon Bayerns. 11. März 2011, abgerufen am 9. März 2012.
  2. Hermann Wilhelm: Dichter, Denker, Mörder. Berlin 1989, S. 44f (Memento vom 10. April 2005 im Internet Archive).
  3. Reinhard Weber: Ein tüchtiger Beamter von makelloser Vergangenheit. Das Disziplinarverfahren gegen den Hochverräter Wilhelm Frick 1924. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 42 (1994), S. 148. (PDF; 7,7 MB)
  4. Martin Sabrow: Organisation Consul (O.C.), 1920-1922. In: Historisches Lexikon Bayerns, Zufgriff am 6. Februar 2016
  5. Hans Günter HockertsPöhner, Ernst. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 560 f. (Digitalisat).
  6. Paul Hoser: Schutzstaffel (SS), 1925-1945. In: Historisches Lexikon Bayerns. 18. März 2011, abgerufen am 9. März 2012.
  7. Adolf Hitler: Mein Kampf. Eher-Verlag, München 1942, S. 403, zitiert bei Hans-Christian Jasch: Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik. Der Mythos von der sauberen Verwaltung. De Gruyter, Berlin/New York 2012, S. 116 (abgerufen über De Gruyter Online).
  8. Entstehung der Straßennamen und Lage der Straßen in Hof – Buchstabe F auf www.stadt-hof.org abgerufen am 3. Dezember 2013
Vorgänger Amt Nachfolger
Karl Vollnhals Münchner Polizeipräsident
3. Mai 1919 bis 1. Oktober 1921
Eduard Nortz