Essenrode

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Essenrode
Gemeinde Lehre
Koordinaten: 52° 22′ 12″ N, 10° 38′ 9″ O
Höhe: 92 m ü. NHN
Fläche: 10,06 km²
Einwohner: 1100 (1996)
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38165
Vorwahl: 05301

Essenrode ist eine Ortschaft und eine Gemarkung in der Gemeinde Lehre im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hatte eine Fläche von 10,06 km².[1]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essenrode liegt etwa 14 km südwestlich von Wolfsburg, 12 km nördlich von Braunschweig und 16 km südöstlich von Gifhorn. Die Entfernung zur Kreisstadt Helmstedt beträgt rund 34 km. Essenrode liegt nördlich der Bundesautobahn 2 und westlich der Bundesautobahn 39. Nach Norden hin ist die Landschaft durch Ackerbau bestimmt, südlich von Essenrode liegen ausgedehnte Waldflächen. Unmittelbar benachbarte Ortschaften sind – beginnend im Norden, im Uhrzeigersinn – Allenbüttel, Wettmershagen, Jelpke, Klein Brunsrode, Groß Brunsrode, Wendhausen und Grassel.

Dorfstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrenhaus Essenrode

Essenrode ist ein Ort mit ländlich geprägtem Dorfkern und modernen Wohngebieten. Im Zentrum des Ortes befindet sich das Herrenhaus Essenrode, weiter westlich, umgeben von einem alten Friedhof, die St.-Johannes-Kirche. 1996 hatte Essenrode rund 1100 Einwohner.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essenrode wurde um 900 als Rodungsdorf errichtet. Die St.-Johannes-Kirche wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut und um 1400 erweitert.[3] 1196 wurde Essenrode erstmals urkundlich als Ezzenrod erwähnt. 1248 wurde die Essenroder Gemeinde aus dem Parochialverband Wettmershagen ausgegliedert. 1326 wurde Widukind von Garssenbüttel mit dem Gut Essenrode belehnt; zugleich hatte sie das Patronat über die Kirche. Die erste Essenroder Schule wurde 1611 von Hartwig von Garssenbüttel eingerichtet,[4] der 1625 kinderlos starb und damit der letzte Lehnsherr seiner Linie war. Im selben Jahr zündeten dänische Soldaten im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges das Dorf an, sodass die Hälfte der Häuser zerstört wurde. Lehnsnachfolger wurde für rund 200 Jahre die Familie von Bülow. 1738 war Baubeginn für das Schloss Essenrode, eines barocken Gebäudes, das von einem kleinen Englischen Landschaftsgarten umgeben ist und bis heute den Mittelpunkt des Ortes bildet. 1750 wurde der spätere preußische Reformer Karl August von Hardenberg, dessen Mutter eine geborene von Bülow war, auf dem Schloss geboren. Ab 1772 wurden die Essenroder Bauern aus der Gutsabhängigkeit entlassen, rund 50 Jahre, bevor die Gutsabhängigkeit in den meisten Teilen Deutschlands aufgehoben wurde.

St.-Johannes-Kirche

Am 3. Januar 1832 wurde in Gifhorn der Häusling Johann Heinrich Achilles aus Essenrode, 45 Jahre alt, wegen Raubmordes, begangen im Eyßel an dem 20 Jahre alten Böttchergesellen Julius Heinrich Ernst Friedrich Bormann aus Essenrode, enthauptet.[5]

1837 wurde das Gut an die Familie von Lüneburg verkauft,[2] die bis heute das Gut besitzt. Ab 1885 gehörte Essenrode zum neugebildeten Landkreis Gifhorn.

Die Einwohnerzahlen blieben bis 1945 etwas unter 550, während andere Orte in der Umgebung wie Gifhorn und Fallersleben durch eine Eisenbahnanbindung und Industrieansiedlung schnell wuchsen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs siedelten sich zahlreiche Menschen in Essenrode an, so dass die Einwohnerzahl bis 1996 auf 1100 stieg.[2]

Bis 1950 war die Landwirtschaft der Haupterwerbszweig; daneben gab es zahlreiche Handwerker. Heute arbeiten die meisten Einwohner in den umliegenden Großstädten Braunschweig und Wolfsburg. 1963 wurde eine Volkshochschule gegründet.[6]

Im Rahmen der niedersächsischen Verwaltungs- und Gemeindereform wurde Essenrode, das bis dahin als selbstständige Gemeinde zum Landkreis Gifhorn gehört hatte, am 1. Juli 1972 nach Lehre eingemeindet.[7] Die Gemeinde Lehre wurde am 1. März 1974 dem Landkreis Helmstedt zugeschlagen. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Essenrodes gehört anders als die Gemeinden der anderen sieben Ortschaften Lehres zur Landeskirche Hannovers.

Im Jahre 2014 wurde im Neubaugebiet Essenrode-West eine neue Straße namens „Schwester-Ella-Weg“ angelegt. Dies ist die erste nach einer Frau benannte Straße innerhalb der Gemeinde Lehre. Benannt wurde die Straße nach Ella Sonntag, die 36 Jahre lang als Diakonisse in Essenrode tätig war. Sie versorgte zu Zeiten des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter nach Misshandlungen medizinisch und zog damit den Ärger der örtlichen Nazis auf sich.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 ist Birgit Brendes (SPD) Ortsbürgermeisterin, nachdem Hartmut Discher als vorheriger Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl angetreten war. Er hatte das Amt 15 Jahre inne. Brendes' Stellvertreter ist Gernot Bosse (CDU).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essenrode liegt an der Landesstraße Wendhausen–Wettmershagen und der Landesstraße von Essenrode nach Braunschweig-Querum sowie einer Kreisstraße, die von Essenrode nach Klein Brunsrode führt. Busverbindungen (am Wochenende als Anruf-Linien-Taxi) führen nach Braunschweig-Rühme (Linie 424) sowie an Schultagen nach Lehre und Flechtorf sowie nach Wolfsburg bzw. Groß Brunsrode.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Essenrode gibt es eine Grundschule und eine Kindertagesstätte.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Bosse: Essenrode – 800 Jahre urkundliche Erwähnung 1196–1996. Selbstverlag, Essenrode 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13.9.1950 (= Statistik der Bundesrepublik Deutschland, Band 33), S. 43
  2. a b c Geschichte Essenrodes (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)
  3. Geschichte der St. Johannes-Kirche, abgerufen am 28. Januar 2017.
  4. kau: Grundschule feiert 400. Geburtstag. waz-online.de vom 15. April 2011, abgerufen am 2. Juli 2018
  5. Vgl. Blazek, Matthias: Die Hinrichtungsstätte des Amtes Meinersen – Eine Quellensammlung, Stuttgart: ibidem 2008, S. 6, ISBN 978-3-89821-957-0.
  6. Bestandsaufnahme des Ortes 1996 (Memento vom 8. Januar 2005 im Internet Archive), abgerufen am 5. September 2012.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 267.
  8. Erstmals weiblicher Straßenname - Straße im Essenroder Neubaugebiet heißt jetzt Schwester-Ella-Weg