Eukalypten

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Eukalypten
Eucalyptus scoparia

Eucalyptus scoparia

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Myrtengewächse (Myrtaceae)
Unterfamilie: Myrtoideae
Tribus: Eucalypteae
Gattung: Eukalypten
Wissenschaftlicher Name
Eucalyptus
L’Her.

Die Eukalypten (Eucalyptus), auch Blaugummibäume genannt, sind eine artenreiche Pflanzengattung in der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Die über 600 Arten sind in Australien und Indonesien heimisch. Der Gattungsname Eucalyptus beruht auf dem haubenartig geschlossenen Blütenkelch (der Calyptra), der während des Knospenstadiums die „versteckten“ Staub- und Fruchtblätter verbirgt; der Name ist eine Neuschöpfung aus den altgriechischen Wörtern εὖ eu, "schön, gut" und καλυπτός kalyptos, "versteckt". Die Erstveröffentlichung erfolgte 1788 durch den französischen Botaniker Charles Louis L'Héritier de Brutelle, in der Zeit, als er in London arbeitete, mit der ersten Eukalyptus-Art Eucalyptus obliqua.

Beschreibung[Bearbeiten]

Eucalyptus globulus, Illustration

Habitus[Bearbeiten]

Die meisten Eukalyptusarten sind relativ schnellwüchsige, hohe, immergrüne Bäume und Sträucher (beispielsweise Eucalyptus vernicosa aus dem westlichen Tasmanien). Der Riesen-Eukalyptus (Eucalyptus regnans) gilt als der Laubbaum mit der größten Wuchshöhe; ein Exemplar dieser Art wurde mit einer Wuchshöhe von 97 m und einem Stammumfang bis zu 20 Meter auf Tasmanien gemessen.

Borke und Rinde[Bearbeiten]

Das Erscheinungsbild der Rinde von Eukalyptusbäumen ändert sich im Laufe des Alters. Wie andere Bäume auch setzen Eukalyptusarten jährlich eine neue Schicht Borke an und erweitern so ihren Stammesumfang. Bei manchen Arten stirbt die äußerste Schicht ab, und löst sich darauf in langen Streifen (wie bei Eucalyptus sheathiana) oder in unterschiedlich großen „Flocken“ (Eucalyptus diversicolor, Eucalyptus cosmophylla oder Eucalyptus cladocalyx) vom Baum. Bei vielen Arten kann die tote Rinde jedoch einfach am Baum verbleiben. Durch die Witterungseinflüsse bekommt diese Rinde ihr typisches, alterndes Aussehen. Viele andere Arten sind auch als sogenannte half-barks und blackbutts bekannt, was darauf anspielt, dass bei diesen Arten die abgestorbene Borke nur im unteren Bereich des Stammes oder als große, schwarze Ansammlung direkt am Fuß des Baumes behalten wird. Die glatte, obere und jüngere Rinde der half-barks und die Rinde anderer glattrindiger Eukalyptusarten können bemerkenswerte und höchst interessante Farben annehmen (wie beispielsweise bei Eucalyptus deglupta).

Blätter[Bearbeiten]

Die Jugendblätter und die Blätter an älteren Bäumen unterscheiden sich bei den meisten Arten deutlich (Heterophyllie). Zum Beispiel sind die Jugendblätter gegenständig - die adulten Blätter wechselständig und oft sind die adulten Blätter sichelförmig oder herz-eiförmig. Meist sind die Blätter ledrig. Die Blattspreite ist oft um 90° gedreht, um weniger Angriffsfläche für die hohe Einstrahlung zu bieten.

Früchte von Eucalyptus globulus.

Blütenstände, Blüten und Früchte[Bearbeiten]

Die doldigen und oft zusammengesetzten Blütenstände enthalten oft viele Blüten. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind vierzählig. Während des Knospenstadiums ist die Blüte von einer Kapsel, „Operculum“ genannt, umgeben, welche meist aus den weniger auffälligen (meist 2 × 4) Blütenhüllblättern besteht. Statt auffälliger Blütenhüllblätter enthalten die Blüten eine große Anzahl (20 bis 150) an langen Staubblättern, welche in ihrer Farbe je nach Art weiß, rot, oder gelb sein können. Manchmal ist nur ein Teil der Staubblätter fertil. Die Blüte ist also nicht mit den Blütenhüllblättern, sondern mit den Staubgefäßen geschmückt, dies kommt bei unterschiedlichen Blütenpflanzentaxa vor. Wenn die Blüte sich öffnet, werden die Staubgefäße erweitert und das Operculum wird abgesprengt. Der Name des Eukalyptus (gr.: gut-versteckt) leitet sich vom Operculum und dessen Funktion ab. Zwei bis sieben Fruchtblätter sind zu einem halbunterständigen oder unterständigen Fruchtknoten und einem gemeinsamen Stempel verwachsen. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie) oder Vögel (Ornithophilie).

Die Fruchtstände sehen oft zapfenartig aus. Die holzigen, trockenen Kapselfrüchte, in englischer Sprache auch gumnuts genannt, sind meistens kegelförmig und besitzen an ihren Enden ventilartige Öffnungen, die geöffnet den eigentlichen Samen freigeben.

Verbreitung[Bearbeiten]

Natürliche Verbreitung

Sie haben ihre Heimat in Australien, inklusive Tasmanien, und der Osthälfte Indonesiens. Heute aber wachsen manche Arten auch in vielen anderen subtropischen Gebieten der Welt. In Australien besteht der Baumbestand heute zu 70 % aus Eukalyptusarten. Kein anderer Kontinent hat einen so stark von einer einzelnen Gattung dominierten Baumbestand.

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Eucalyptus wurde 1789 vom französischen Botaniker Charles Louis L'Héritier de Brutelle mit der Beschreibung der Art Eucalyptus obliqua neu aufgestellt.[1] In der artenreichen Gattung werden über 800 Arten unterschieden. Sie wird in vier Untergattungen gegliedert:[2]

  • Untergattung Eudesmia: Mit etwa 20 Arten.
  • Untergattung Nothocalyptus: Mit nur einer Art.
  • Untergattung Symphyomyrtus: Mit etwa 450 Arten.
  • Untergattung Monocalyptus: Mit etwa 140 Arten.

Einige ursprünglich in die Gattung Eucalyptus eingeordnete Arten werden heute anderen Gattungen wie Corymbia zugeordnet. Die folgende Auflistung der über 600 anerkannten Arten und Arthybriden[3] ist ohne Berücksichtigung der Untergattungszugehörigkeit alphabetisch sortiert, wobei neben dem botanischen Autorkürzel auch die Veröffentlichung mit Erscheinungsjahr der Erstbeschreibung angegeben ist:

Nutzung und Ökologie[Bearbeiten]

Koala frisst Eukalyptusblätter

Anbau[Bearbeiten]

In mehreren Weltregionen, in denen Eukalypten nicht heimisch sind, wird Eukalyptus wegen seiner Schnellwüchsigkeit und guten Holzqualität angebaut. Beispiele für solche Regionen sind Südeuropa und Südafrika.

Nutzung[Bearbeiten]

Eukalypten dienen sowohl zur Gewinnung stark riechender ätherischer Öle als auch zur Holzgewinnung. Sie sind die Futterpflanzen des Koala und einiger anderer Beuteltiere, für die meisten anderen Tier- und Pflanzenarten sind sie dagegen giftig und nutzlos. Auch die Koalas fressen bevorzugt alte Blätter, in denen die Giftstoffe nicht mehr so konzentriert sind wie in den jungen Trieben und Blättern.

Ätherisches Eukalyptusöl[Bearbeiten]

Das ätherische Öl wird mittels Wasserdampfdestillation der Blätter und Zweige gewonnen. Allerdings finden sich über 50 Eukalyptusarten, aus denen man ätherisches Öl gewinnt, die sich alle in ihrer biochemischen Zusammensetzung und Wirkweise unterscheiden. Welche Eukalyptusart sich im Fläschchen befindet, darüber gibt der botanische Name Auskunft.

Unter dem Namen des bekanntesten Vertreters Blauer Eukalyptus (Eucalyptus globulus) finden sich auch Vermischungen mit anderen Eukalyptussorten, da nach dem Europäischen Arzneibuch verschiedene Arten zur Gewinnung des Eukalyptusöles herangezogen werden dürfen. Auch wird Eukalyptus globulus rektifiziert, das heißt es wird mittels einer Nachdestillation der Anteil der stark reizenden Inhaltsstoffe abgesenkt. Aus diesem Grund sollte der Gehalt des Cineols in Prozent auf dem ätherischen Ölfläschchen stehen.

Die unterschiedlichen Eukalyptusarten eignen sich durch ihre Inhaltsstoffe nicht für Kinder unter sechs Jahren oder für die meisten Tiere. In großen Mengen sind sie auch für erwachsene Menschen giftig. Eukalyptusöl findet eine Anwendung in der Bienenpflege als Wirkstoff gegen Milbenbefall.

Inhaltsstoffe verschiedener Eukalyptus-Arten:

Auswirkungen im Ökosystem[Bearbeiten]

Der Anbau von Eukalyptus führt häufig zu Problemen, weil er den Boden bis in die Tiefe austrocknet, den heimischen Tieren keinen Lebensraum bietet, andere Pflanzenarten aggressiv verdrängt und eine Waldbrandgefahr verstärkt. In verschiedenen Regionen haben sich die durch Eukalyptus angefeuerten, intensiveren Waldbrände negativ auf die heimische Fauna ausgewirkt, den Nährstoffgehalt der Böden verringert und zu stärkerer Bodenerosion geführt.[5][6] Mit Programmen wie Working for Water werden unter anderem Eukalypten gezielt entfernt, um vor allem die Schäden, die sie im Wasserhaushalt einzelner Regionen verursachen, zu beseitigen.[7]

Waldbrandgefahr[Bearbeiten]

Eukalyptus fördert mit seinen hochbrennbaren Ölen Wahrscheinlichkeit und Intensität von Waldbränden direkt. Einige der forstwirtschaftlich im Mittelmeerraum genutzten Eukalyptusarten geben auch ölige Substanzen in den Boden ab, wodurch sich die Waldbrandgefahr weiter erhöht.[8] Der Eukalyptus hat auch die Eigenschaft, von Zeit zu Zeit große Äste abzuwerfen. Die am Boden liegenden Äste sind besonders förderlich bei Waldbränden, denn sie führen das Feuer näher an den Baum heran. Auch die Eigenschaft, dass Samenkapseln durch Feuereinwirkung aufplatzen, ist bei der Bekämpfung von Waldbränden nachteilig.

Eukalyptus profitiert von Waldbränden, da seine Wurzelstöcke und Samen ein Feuer überleben und sehr schnell wieder austreiben, bevor andere Pflanzenarten sich erholt haben. Das Feuer ist für Eukalyptus in der Gesamtbilanz positiv im Wettbewerb mit anderen Waldpflanzen,[9] denn es dient nicht nur der Beseitigung von Parasiten, sondern hilft dem Eukalyptus bei der Fortpflanzung (Pyrophilie). Besonders durch die hohe Hitze des Feuers können die Samenschalen des Baumes platzen. Viele Arten bilden sogenannte Lignotuber (spezielle Speicherwurzeln) aus, die ein Wiederaustreiben auch nach völliger Zerstörung der oberirdischen Teile ermöglichen.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • M. I. H. Brooker: A new classification of the genus Eucalyptus L'Hér. (Myrtaceae). In: Australian Systematic Botany. Band 13, Nummer 1, S. 79–148, doi:10.1071/SB98008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sert. Angl.: 18 (1789).
  2. Systematik nach Hill 1991.
  3. World Checklist of Eucalyptus. In: The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 7. Juni 2008.
  4. Informationen zu Eukalyptus-Öl.
  5. Andrew D. Thomas, Rory P. D. Walsh, Richard A. Shakesby: Nutrient losses in eroded sediment after fire in eucalyptus and pine forests in the wet Mediterranean environment of northern Portugal. In: Catena, Band 36, Nr. 4, 1999, S. 283–302.
  6. J. C. Z. Woinarski, J. Risler, L. Kean: Response of vegetation and vertebrate fauna to 23 years of fire exclusion in a tropical Eucalyptus open forest, Northern Territory, Australia. In: Austral Ecology, Band 29, Nr. 2, 2004, S. 156–176.
  7. Andrew Balmford: Wild hope – On the Front Lines of Conservation Success. The University of Chicago Press, London 2012, ISBN 978-0-226-03600-7, Pos. 1254.
  8. Stefan H. Doerr, Richard A. Shakesby, Rory P. D. Walsh: Spatial variability of soil hydrophobicity in fire-prone eucalyptus and pine forests, Portugal. In: Soil Science, Band 163, Nr. 4, 1998, S. 313–324.
  9. H. H. Shugart, I. R. Noble: A computer model of succession and fire response of the high‐altitude Eucalyptus forest of the Brindabella Range, Australian Capital Territory. In: Australian Journal of Ecology, Band 6, Nr. 2, 1981, S. 149–164.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eukalyptus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien