Waldbrände in Portugal 2017

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Pedrógão Grande (Portugal)
Pedrógão Grande
Pedrógão Grande
Position der Waldbrände in Portugal 2017
Luftaufnahme der NASA vom 18. Juni 2017; die Rauchschwaden sind deutlich zu erkennen

Die Waldbrände in Portugal 2017 sind eine Naturkatastrophe, bei der mindestens 64 Personen[1] verbrannt oder an Rauchvergiftung gestorben sind[2] und mindestens 157 weitere Personen, teils schwer,[3] verletzt wurden.[4] Unter den Verletzten befinden sich über 120 Zivilpersonen, mehr als 13 Feuerwehrleute und ein Militärangehöriger.[5] Elf Personen wurden schwer verletzt.[4] Insgesamt waren am 18. Juni 2017 mehr als 60 Waldbrände in Portugal aktiv,[2] jedoch kamen die meisten Opfer bei dem Waldbrand im Kreis Pedrógão Grande 50 km südöstlich von Coimbra[2] und 200 km nordöstlich von Lissabon zu Tode. Auf der Nationalstraße 236 sind 47 Menschen zu beklagen[4]; weitere 30 Personen starben in ihren Autos,[6] als sie aus dem Gebiet zu fliehen versuchten.[7] In einigen Gebieten fiel der Strom aus. Am Sonntagabend konnten die Einsatzkräfte zwei der vier Feuerfronten unter Kontrolle bringen.[8] 20 Ortschaften mussten evakuiert werden.[9]

Zur Bekämpfung der Waldbrände werden mehr als 1700 Feuerwehrleute, davon 900 im Kreis Pedrógão Grande,[6] mit 215 Löschfahrzeugen[10] eingesetzt.[2][11] Unterstützt werden die Löscharbeiten durch zwei spanische und drei französische Löschflugzeuge.[11][12] Militärische Einheiten unterstützen die internationalen Einsatzkräfte.[13] Aufgrund der Rauchentwicklung war der Einsatz von Löschflugzeugen und Helikoptern am Sonntag lange Zeit unmöglich.[14]

Der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides sagte weitere Hilfe durch die Europäische Union (EU) zu.[15] Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bot Unterstützung an.[11] Mithilfe des Erdbeobachtungssystems Copernicus stellt die EU Karten und Satellitenbilder her, mit denen Portugal geholfen werden soll. Die Hilfsmaßnahmen seitens der EU werden bis zum 21. Juni andauern.[16]

Der portugiesische Premierminister António Costa sprach von der „größten Tragödie“ dieser Art in den vergangenen Jahrzehnten. Es ist der Waldbrand mit den meisten Todesopfern in Portugal seit Beginn der Aufzeichnungen.[17] Noch in der Nacht besuchte Costa das Krisenzentrum in der Region. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa besuchte ebenfalls die Krisenregion und lobte die Einsatzkräfte für ihren „heldenhaften“ Einsatz.[18] Auch Tierbestände fielen den Flammen zum Opfer.[19]

Die Flammen breiteten sich zu Beginn der neuen Woche weiter aus. Die Nachbarkreise Coimbra und Castelo Branco sind durch die Waldbrände bedroht.[17] Behörden warnen davor, es gebe noch viel Wald, der brennen könne. Elf Distrikte in Portugal werden aufgrund der extremen Brandgefahr überwacht.[6]

Nach Einschätzung europäischer Beobachter wurden bereits mindestens 26.000 Hektar Wald zerstört.[4]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rauch und Waldbrand in Portugal (18. Juni 2017)

Auf der iberischen Halbinsel herrschten Mitte Juni 2017 Temperaturen von über 35 °C,[7] örtlich über 40 °C,[2] (Granada 41,5 °C)[20] was den Ausbruch von Waldbränden begünstigte. Hinzu kamen atmosphärische Instabilität und trockene Winde.[21]

Die Ursachen des Brandereignisses sind noch nicht abschließend ermittelt; jedoch geht die Polizei von einem Blitzschlag aus.[22] Am Nachmittag des 17. Juni zog ein Gewitter auf, das sich über dem Gebiet entlud, ohne dass es dabei regnete. „Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde.“ Anfangs wurde spekuliert, ob Brandstiftung die Waldbrände ausgelöst hätte.[8][3]

Löscharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wir machen Fortschritte im Kampf gegen die Flammen – in allen betroffenen Provinzen: Coimbra, Leiria und Castelo Branco. Allerdings brennen hier große Gebiete, viele sind nur schlecht zugänglich. […] In manchen Zonen ist der Rauch einfach so stark, dass die Piloten der internationalen Löschflugzeuge nichts sehen können, viele müssen also am Boden bleiben.“

Elisio Oliveira, Feuerwehrchef: Tagesschau[23]

Durch die starke Rauchentwicklung konnten die internationalen Löschflugzeuge am Sonntagabend nicht abheben.[14] Die Feuerwehr ist mit 1700 Mann und 215 Löschfahrzeugen unterwegs im Einsatz.[6][10] Zwei der vier Feuerfronten konnten unter Kontrolle gebracht werden.[8] Neben den französischen und spanischen Löschflugzeugen unterstützten weitere sechs internationale Löschflugzeuge bei der Brandbekämpfung.[4]

Ein angeblicher Flugzeugabsturz eines Löschflugzeuges stellte sich später als Falschmeldung heraus. Am Dienstagabend dementierte der portugiesische Zivilschutz seine Aussage, bei der ein Löschflugzeug von Canadair nahe der Gemeinde Louriceira abgestürzt sei. Nach einer Zeitung hätten Feuerwehrleute einen Knall gehört und einen Feuerball gesehen. Der Zivilschutz erklärte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein anderes Fluggerät verunglückt sei, das aber nichts mit den Löscharbeiten zu tun habe, oder dass Gasflaschen im Feuer explodiert seien.[24]

Hilfsorganisationen bauten in vielen Dörfern provisorische Zelte auf und verteilten Lebensmittel. Auch Schulen und Sporthallen wurden zu Schlaflagern umgebaut.[25]

Am Abend des 20. Junis waren ein Großteil der brennenden Flächen unter Kontrolle gebracht worden. An den meisten Feuerfronten sei das Feuer unter Beherrschung. Ein Sprecher der Einsatzleitung meint, die Lage habe sich deutlich gebessert.[26] Schließlich konnten die Waldbrände am 22. Juni vollständig unter Kontrolle gebracht werden.[27]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portugal verhängte eine dreitägige Staatstrauer, die bis Dienstag, den 20. Juni, galt.[28]

Auch die portugiesische Fußballnationalmannschaft spielte während des FIFA-Konföderationen-Pokals gegen die mexikanische Fußballnationalmannschaft in Kasan in Trauerflor. Vor Auftakt des Spiels wurde eine Schweigeminute abgehalten.[29] In einer Mitteilung der Mannschaft heißt es: „Wir senden unser inniges Beileid an die Familien, Freunde und Angehörige der Opfer. Wir wissen zwar, dass bloße Worte ihren Schmerz nicht minimieren können. Aber wir werden sie heute auf dem Spielfeld in unseren Herzen tragen.“[8]

Der deutsche Außenminister Gabriel sprach dem portugiesischen Regierungschef Costa sein Beileid aus: „Es sind erschütternde Bilder von eingekesselten Dörfern und Menschen, die dem Inferno auf der Flucht in ihren Autos zum Opfer gefallen sind.“[11] Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte ihre Anteilnahme aus,[30] der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schickte Marcelo Rebelo de Sousa ein Kondolenzschreiben. Darin heißt es: „Die dramatischen Bilder von dem zerstörerischen Waldbrand in Portugal, dem so viele Menschen nicht entfliehen konnten, haben mich sehr betroffen.“[31]

Kritik an den Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohner kritisieren die Einsatzkräfte, da sie stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen hätten. „Wir hatten weder Wasser noch Strom und wurden zu allem Übel unserem Schicksal überlassen“, beklagen Einwohner. Auch eine Überbelastung der Feuerwehr wird kritisiert. So seien viel zu wenige Feuerwehrmänner im Einsatz gewesen. Des Weiteren wird kritisiert, die Einheimischen seien zum Teil nicht rechtzeitig alarmiert worden, auch weil Telefonverbindungen nicht mehr funktioniert hätten.[32][3] Auch die Zeitung Jornal de Notícias schreibt, dass die Kommunikationsantennen der Feuerwehr durch die Hitze beschädigt worden.[33]

Nach dem Forstwissenschaftler Paulo Fernandes von der Universität Trás-os-Montes und Alto Douro hätte die Katastrophe verhindert werden können, wenn man rechtzeitig Straßen gesperrt hätte.[34] Des Weiteren fordert er die bessere Nutzung meteorologischer Daten.[35]

Die Umweltschutzorganisation Quercus gibt den portugiesischen Behörden Mitschuld an der Brandkatastrophe. Sie kritisiert, die Regierung habe lange Zeit den Anbau von Eukalypten gefördert. „Eukalyptus hat sich in Portugal stark und ohne Regeln ausgebreitet. Das Ergebnis ist offensichtlich: Bei diesen Waldbränden waren die größten verbrannten Flächen Eukalyptusplantagen“, wie der Umweltschützer Hilario Costa meint.[25][34]

Nach Informationen der portugiesischen Zeitung Público müssen die Einsatzpläne der Feuerwehr alle zwei Jahre überarbeitet werden. Dies sei jedoch nicht geschehen, da die Abgeordneten im portugiesischen Parlament, dem Assembleia da República, nicht als dringend notwendig erachtet haben.[33]

Die spanische Tageszeitung El Mundo schreibt, dass die Brandkatastrophe das Ende für Costa sein könnte. Das „desaströse Management der Tragödie könnte das Ende der politischen Karriere von Ministerpräsident António Costa bedeuten.“[36]

Reaktionen der Behörden auf die Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem vermeintlichen Flugzeugabsturz eines Löschflugzeuges wiesen die zuständigen Behörden die Kritik von sich. Der Leiter des Zivilschutzes Vitor Vaz Pinto erklärte: „Es gab keine Missverständnisse. Es gab eine Warnung über einen Flugzeugabsturz und wir haben das Protokoll für solche Situationen eingehalten.“[37]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldbrände in Portugal 2017 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schlimme Waldbrände in Portugal: Löschflugzeug abgestürzt. In: Focus. 20. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  2. a b c d e Portugal forest fires kill 62 near Coimbra. In: BBC News. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017 (englisch).
  3. a b c Portugal: „Stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen“. In: Der Spiegel. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  4. a b c d e Debatte über Behördenversäumnisse nach Waldbrand in Portugal. In: Salzburg24. 20. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  5. Brände: Flammen fressen sich in Portugal weiter vorwärts. In: Die Zeit. 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.
  6. a b c d Raphael Minder: Portugal Forest Fire Traps Drivers, Killing at Least 62 People. In: New York Times. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017 (englisch).
  7. a b Dörfer von Flammen eingekesselt – viele Tote. In: Spiegel Online, 18. Juni 2017. 
  8. a b c d Waldbrände in Portugal: Erste Erfolge im Kampf gegen die Flammen. In: Tagesschau. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  9. Portugal: „Wir können uns an keine schlimmere Tragödie erinnern“. In: Die Zeit. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  10. a b Mehr als 60 Tote bei Waldbrand in Portugal. In: Salzburger Nachrichten. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  11. a b c d Waldbrände: Portugals Kampf gegen die Feuerwand. In: Tagesschau. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  12. Portugal: Blitzschlag wohl Ursache für Waldbrand. In: Frankfurter Rundschau. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  13. Raphael Minder: Portugal Fires Kill More Than 60, Including Drivers Trapped in Cars. In: New York Times. 18. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017 (englisch).
  14. a b Trockengewitter könnte verheerenden Brand ausgelöst haben. In: Die Welt. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  15. Waldbrand in Portugal: Rettungskräfte stoßen auf immer weitere Opfer. In: Der Spiegel. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 207.
  16. Waldbrand in Portugal: So hilft Europa. In: Euronews. 20. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  17. a b Waldbrand in Portugal: „Noch viel Wald, der brennen kann“. In: Der Spiegel. 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.
  18. Hans-Christian Rössle: Waldbrände in Portugal: Tod im Flammenmeer. In: Frankfurter Zeitung. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  19. Waldbrand in Portugal: „Stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen“. In: Der Spiegel. 18. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.
  20. [Hitzewelle: 54 Grad in Pakistan – Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt vor einer anhaltenden Hitzewelle.] http://science.orf.at, 20. Juni 2017 (abgerufen 27. Juni 2017).
  21. Seria possível evitar o incêndio que matou tanta gente? 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017 (portugiesisch).
  22. Blitzeinschlag soll Waldbrände ausgelöst haben – 62 Tote. In: Tages-Anzeiger. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  23. Waldbrände in Portugal: Noch immer wüten die Flammen. In: Tagesschau. 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.
  24. Waldbrände in Portugal: Zivilschutz korrigiert Berichte über abgestürztes Löschflugzeug. In: Der Spiegel. 20. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017.
  25. a b Waldbrände in Portugal: Noch immer wüten die Flammen. In: Tagesschau. 19. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  26. Portugal: Waldbrand unter Kontrolle. In: DiePresse.com. 20. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  27. Portugals Waldbrand unter Kontrolle – Feuer kam „ungewöhnlich und erschreckend plötzlich“. In: Epoch Times. 22. Juni 2017, abgerufen am 22. Juni 2017.
  28. Portugal: Staatstrauer wegen verheerenden Waldbrands. In: Die Zeit. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  29. Portugal: Schweigeminute für Waldbrand-Opfer vor Confed-Cup-Auftakt. In: Stuttgarter Nachrichten. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  30. Dreitägige Staatstrauer: Viele Tote bei Waldbrand in Portugal. In: n-tv. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  31. 61 Tote bei Waldbrand in Portugal – Feuer zum Teil unter Kontrolle. In: tz. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  32. Mehr als 60 Tote: Waldbrand in Portugal – Vorwürfe gegen die Feuerwehr. In: RP Online. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  33. a b Waldbrand: Debatte über Versäumnisse der Behörden. In: Nachrichten.at. 20. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  34. a b Umweltschützer: Forstverwaltung und Politik tragen Mitschuld an Katastrophe. In: Deutschlandfunk. 19. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  35. Mehr als 60 Tote: Feuerhölle löst Trauer und Wut in Portugal aus. In: Tiroler Tageszeitung. 18. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2017.
  36. Portugal: Flammen, Pannen und das Problem mit dem Eukalyptus. In: Saarbrücker Zeitung. 21. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017.
  37. Waldbrand in Portugal: Behörden stritten Fehler ab. In: Kleine Zeitung. 21. Juni 2017, abgerufen am 22. Juni 2017.