Exile on Main St.

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Exile on Main St.
Studioalbum von The Rolling Stones
Veröffentlichung 22. Mai 1972 (USA),
26. Mai 1972 (UK)
Label Rolling Stones Records;
Erstvertrieb: Atlantic, WEA
Format Doppel-LP, CD
Genre Rock, Blues, Country, Gospel
Anzahl der Titel 18
Laufzeit 66:48

Besetzung

Produktion Jimmy Miller
Studio Stargroves (Berkshire)
Olympic Studios (London)
Villa Nellcôte (Côte d’Azur)
Sunset Sound (Los Angeles)
Chronologie
Sticky Fingers
(1971)
Exile on Main St. Goats Head Soup
(1973)

Exile on Main Street ist das zehnte in Großbritannien erschienene Studioalbum der Rolling Stones, produziert von Jimmy Miller. Es wurde am 22./26. Mai 1972 veröffentlicht.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zeitpunkt seines Erscheinens wurde Exile on Main St. von vielen Musikkritikern angegriffen, da diese sich nicht mit dem recht rauen, unfertig wirkenden Produktionsstil anfreunden konnten.[1] Zudem enthält es – anders als die Vorgängeralben – keine ausgesprochenen Hitsongs. Nur Tumbling Dice (Platz 5 in GB, Platz 7 in den USA) und Happy (Platz 22 in den USA) erschienen als Single-Auskopplungen.

Heute gilt die Platte als eine der besten Veröffentlichungen der Band.[2] Es sind weniger die einzelnen Stücke, die das Album ausmachen, als vielmehr die Konsistenz der Songqualität und die durchgehende Stimmung voller Kraft und Groove. Bemerkenswert ist die in den Hintergrund gemischte Stimme von Mick Jagger. Dieser selbst ist aber im Rückblick nicht so überzeugt von den Qualitäten der Doppel-LP; in einem Rolling-Stone-Interview von 1995 schätzt er die beiden Vorgänger-Alben höher ein.

Der Song Happy, von Keith Richards gesungen, wurde im Laufe der Zeit zu dessen „Markensong“, der heute noch im Konzertprogramm seinen festen Platz hat. Auch Rip This Joint gibt es in einer von Keith Richards gesungenen Version, wurde jedoch in dieser Form nie veröffentlicht. All Down the Line existiert in zwei verschiedenen Fassungen: Version I auf den LP/CD-Versionen ist in Mono, Version II (US-amerikanische Single-Version) dagegen in Stereo abgemischt.

Anfang 1971 hatten die Stones aus steuerlichen Gründen England verlassen und sich in Frankreich angesiedelt. Im feuchten Keller der von Keith Richards für 2400 Dollar wöchentlich angemieteten Villa Nellcôte, Avenue Louise Bordes in Villefranche-sur-Mer an der Côte d’Azur, wurden ab März 1971 die Lieder eingespielt (während der Besetzung durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Gestapo-Hauptquartier genutzt). Der Strom für das Equipment wurde illegal von einer Stromleitung, die durch den Villenpark führte, abgezapft. Ab Oktober 1971 wurde gegen die Stones wegen Drogenhandels ermittelt, im Dezember desselben Jahres führten die Vorwürfe dazu, dass Keith Richards mit einem Einreiseverbot nach Frankreich belegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Songs nur als Rohmaterial vor, das Hinzufügen der Overdubs und das endgültige Mastering erfolgten bis Mai 1972 in den Sunset Sound Recorders Studios in Los Angeles. Das von Gram Parsons beeinflusste Torn and Frayed sowie Loving Cup entstanden gänzlich in Los Angeles.[1][3][4]

Einige Aufnahmen reichen allerdings bis in das Jahr 1969 zurück, wie zum Beispiel Sweet Virginia, Loving Cup, Shine a Light (1969), All Down the Line oder Tumbling Dice (1970). Zum Teil wurden die originalen Aufnahmen als Basis verwendet (Sweet Virginia), andere Stücke wie zum Beispiel Tumbling Dice (das 1970 als Good Time Women für das Album Sticky Fingers entstand) wurden neu eingespielt. Der Song Shine a Light war Titelgeber des gleichnamigen Films von Martin Scorsese über die Rolling Stones.

Wie auch bei vielen anderen ihrer Aufnahmen wurden die Rolling Stones von zahlreichen Gastmusikern unterstützt: Ian Stewart, Dr. John, Billy Preston, Bill Plummer, Nicky Hopkins und anderen. Für den Gospelchor bei Let It Loose engagierten die Stones unter anderem Tami Lynn und Shirley Goodman.

Exile on Main St. erreichte in den britischen und US-amerikanischen Hitparaden Platz 1 und konnte sich in den Charts für 16 beziehungsweise 17 Wochen halten.[1] In der Liste der 500 besten Alben des Musikmagazins Rolling Stone wird das Album auf Platz sieben geführt.[5]

2007 wurde ein Buch des amerikanischen Journalisten Robert Greenfield veröffentlicht, in dem dieser die Zeit des Entstehens des Doppelalbums in Südfrankreich beschreibt. Der Titel: Exile on Main St. – A Season in Hell with the Rolling Stones (deutsche Ausgabe: Exile on Main St. – Ein höllischer Sommer mit den Rolling Stones).

Universal, die neue Plattenfirma der Rolling Stones, legte am 14. Mai 2010 die Doppel-LP in überarbeiteter Fassung vor – als Doppel-CD – und fügte zehn weitere Songs aus den damaligen Aufnahmesitzungen dazu, darunter Pass the Wine oder Plundered My Soul. Daraufhin stieg Exile on Main St. in zahlreichen Ländern wieder in die Charts ein und erreichte in Großbritannien und Norwegen Platz 1.

Etwa zur gleichen Zeit erschien auch die Dokumentation Stones in Exile von Stephen Kijak, in der neben den Rolling Stones auch die ehemaligen Bandmitglieder Mick Taylor und Bill Wyman über die Entstehung des Albums berichten.

Titelliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Originalalbum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Titel sind geschrieben von Jagger/Richards, außer wo angegeben:

Seite 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rocks Off – 4:31
  2. Rip This Joint – 2:23
  3. Shake Your Hips (James Moore a.k.a. Slim Harpo) – 2:59
  4. Casino Boogie – 3:33
  5. Tumbling Dice – 3:45

Seite 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sweet Virginia – 4:25
  2. Torn and Frayed – 4:17
  3. Sweet Black Angel – 2:54
  4. Loving Cup – 4:23

Seite 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Happy – 3:04
  2. Turd on the Run – 2:36
  3. Ventilator Blues (Jagger/Richards/Taylor) – 3:24
  4. I Just Want to See His Face – 2:52
  5. Let It Loose – 5:16

Seite 4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. All Down the Line – 3:49
  2. Stop Breaking Down (Traditional Arr. by Jagger/Richards/Wyman/Taylor/Watts)[6] – 4:34
  3. Shine a Light – 4:14
  4. Soul Survivor – 3:49

Spieldauer: 66 Minuten, 48 Sekunden

Bonus-Tracks 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Loving Cup (Alternate take) – 5:26
  2. Pass the Wine (Sophia Loren) – 4:54
  3. I’m Not Signifying – 3:55
  4. Dancing in the Light – 4:21
  5. So Divine (Aladdin Story) – 4:32
  6. Soul Survivor (Alternate take) – 3:59
  7. Following the River – 4:52
  8. Plundered My Soul – 3:59
  9. Good Time Women – 3:21
  10. Title 5 – 1:47
  11. All Down The Line (Alternate take, Japan Bonus Track) – 4:09

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bill Wyman: Rolling with the Stones. Bandbiographie und -dokumentation. Dorling Kindersley Ltd., London 2002. ISBN 0-7513-4646-2 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Wyman: Rolling with the Stones, S. 394 f.
  2. rp-online.de (Rheinische Post vom 12. Mai 2010, Seite A8)
  3. Keith Richards: Life, S 422 ff.
  4. Steve Appleford: Rip This Joint, S. 121
  5. Joe Levy (Hrsg.): Rolling Stone. Die 500 besten Alben aller Zeiten. Aus dem Englischen von Karin Hofmann. Wiesbaden: White Star Verlag 2008, S. 22 f.
  6. Tatsächlich jedoch ein Titel von Robert Johnson