Keith Richards

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Keith Richards (2012)

Keith Richards (* 18. Dezember 1943 in Dartford, Grafschaft Kent, Vereinigtes Königreich) ist ein britischer Musiker und Songwriter.

Richards ist Gründungsmitglied der seit 1962 bestehenden britischen Bluesrock-Band The Rolling Stones und gehört der Formation seither ununterbrochen als Rhythmus- und Leadgitarrist an. Seine Riffs und Licks sind prägend für den Sound der Rolling Stones, gelegentlich tritt er auch als Sänger der Band in Erscheinung. Unter den Pseudonymen Nanker Phelge oder The Glimmer Twins schreibt Richards gemeinsam mit Frontmann Mick Jagger einen Großteil der Songs (z. B. (I Can’t Get No) Satisfaction, Paint It, Black, Street Fighting Man, Gimme Shelter, Jumpin’ Jack Flash, Sympathy for the Devil, Angie, Start Me Up). Seit 1993 gehört das Autorenduo Jagger/Richards der Songwriters Hall of Fame an.

Die Musikzeitschrift Rolling Stone platzierte Richards auf Platz vier der Liste der 100 besten Gitarristen. Als Mitglied der Rolling Stones ist Richards auch Teil der Rock and Roll Hall of Fame.

Zeitweise verwendete er den Namen Keith Richard.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richards im Jahr 1965

Keith Richards wurde am 18. Dezember 1943 in Dartford, einer Kleinstadt im Nordwesten der Grafschaft Kent, geboren. Er war das einzige Kind des Industriearbeiters Herbert („Bert“) Richards und dessen Ehefrau Doris Maud Lydia (geborene Dupree) und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Kind besuchte er zunächst die Wentworth Primary School, auf die auch der Nachbarsjunge Mick Jagger bis zu seinem Umzug im Jahr 1954 ging, was zum zwischenzeitlichen Abbruch des Kontakts führte. Anschließend wechselte Richards auf die Dartford Technical High School for Boys (1955–59) und sang dort als Sopranist im Knabenchor u. a. das Hallelujah aus Händels Messiah in der Westminster Abbey vor Königin Elisabeth II.[1]

Sein Großvater mütterlicherseits, Augustus Theodore („Gus“) Dupree, der in den 1930er Jahren in Tanzkapellen gespielt hatte, weckte bei dem kleinen Keith das Interesse am Gitarrenspiel. „Er hatte da diese Gitarre an der Wand hängen. Und er zog mich jahrelang damit auf, dass ich meinen Blick nicht von diesem verdammten Ding wenden konnte – bis er an dem Punkt angelangt war, zu sagen ‚Wenn du an sie drankommst, dann lasse ich dich damit spielen“, schrieb Richards in seiner Autobiographie Life.[2] Dupree brachte seinem Enkel unter anderem anhand klassischer spanischer Gitarrenmusik erste Stücke bei[3] („Mein Großvater war der Meinung, es sei eine gute Übung zu lernen, wo die Noten sind.“).[4] Gleichzeitig begann sich Richards für die Bluesmusik amerikanischer Interpreten wie Billie Holiday, Louis Armstrong, Howlin’ Wolf und Duke Ellington zu interessieren.

Nachdem Richards die Dartford Tech 1959 hatte verlassen müssen, wurde er am Sidcup Art College in London (Borough of Bexley) angenommen. Allerdings vernachlässigte er die Schule, um Musik zu hören oder mit seinem Mitschüler Dick Taylor selbst Musik zu spielen. Auf dem Schulweg nach London traf Richards am 17. Oktober 1961 am Bahnhof von Dartford zufällig Mick Jagger wieder, der inzwischen die London School of Economics besuchte. Sie kamen ins Gespräch, weil Jagger einige Rhythm and Blues-Schallplatten von Chuck Berry und Muddy Waters unter dem Arm trug und Richards von dieser Musik begeistert war. Diese zufällige Begegnung und das gemeinsame Interesse für den Blues führte zur Wiederaufnahme ihrer Freundschaft und dem Beitritt Richards zur Band Little Boy Blue and the Blue Boys, welcher neben Jagger auch der gemeinsame Freund Dick Taylor angehörte. Vorzugsweise an den Wochenenden besuchten Jagger und Richards angesagte Londonder Clubs, um Live-Musik zu hören und lernten 1962 Alexis Korner kennen. Gelegentlich spielten sie als Gastmusiker in dessen Gruppe Blues Incorporated und lernten den Gitarristen Brian Jones und den Pianisten Ian Stewart kennen, was schließlich nach Jones' Initiative zur Gründung der Urformation der Rolling Stones führte. Der erste Auftritt fand am 12. Juli 1962 im Londoner Marquee Club statt.

Mitte 1962 brach Richards seine Ausbildung am Sidcup Art College ab, um sich ganz der Musik und der Entwicklung der Band zu widmen. Er verließ sein Elternhaus und wohnte zunächst mit Mick Jagger und Brian Jones unter bescheidenen Verhältnissen in einer Wohngemeinschaft in 102 Edith Grove (Stadtteil Chelsea). Zu dieser Zeit trennten sich Richards Eltern, was zu einer langjährigen Entfremdung mit seinem Vater führte, die erst 1982 beigelegt werden sollte.

Nachdem die Rolling Stones 1963 bei Decca Records ihren ersten Plattenvertrag unterzeichnet hatten, strich Bandmanager Andrew Loog Oldham den Buchstaben s aus Richards Nachnamen. In den späten 1970er Jahren fügte Richards es seinem Namen wieder an.

Rolling Stones[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1973
Richards (links) mit Darryl Jones und Bobby Keys (Hyde Park, 6. Juli 2013)

Seit Gründung der Band trug Richards als Rhythmusgitarrist maßgeblich zum Klang der Rolling Stones bei, auch wenn er erst ca. zehn Jahre später seinen durch sanfte Verzerrung und offene Stimmung (open G tuning) geprägten eigenen Sound fand. Gemeinsam mit Bassist Bill Wyman und Schlagzeuger Charlie Watts sorgte er für die rhythmische Grundlage, auf der sich Sänger Mick Jagger und Leadgitarrist Brian Jones präsentieren konnten. Nachdem zunächst Brian Jones quasi Chef der Rolling Stones gewesen war, bildeten ab 1964 mehr und mehr Richards und Jagger das Zentrum der Band. Manager Andrew Loog Oldham ermutigte die beiden, eigene Lieder für die Band zu schreiben, die zuvor hauptsächlich Werke anderer Musiker gecovert hatte. Richards hat hunderte von Liedern geschrieben; das Komponisten-Duo Jagger-Richards gehört mit Lennon/McCartney von den Beatles und Page & Plant von Led Zeppelin zu den erfolgreichsten Songwritern in der Geschichte der Rock-Musik. Im Mai 1965 fiel Richards auf einer Tournee in einem Hotel in Clearwater, Florida, nachts ein Riff ein, den er mit Mick Jagger zum Rolling-Stones-Klassiker (I Can’t Get No) Satisfaction machte. Durch seine Freundschaft mit dem Musiker Gram Parsons (Byrds, Flying Burrito Brothers) konnte Keith Richards seine Kenntnisse der Country-Musik vertiefen, was sich auf den Stones-Alben seit 1970 deutlich bemerkbar machte.

Im Laufe der Jahre brachte sich Richards zunehmend auch als Sänger ein, nachdem er bereits regelmäßig beim Begleitgesang mitgewirkt hatte. Auf dem Album December’s Children (And Everybody’s) (1965) ist Keith Richards erstmals mit einem Solopart bei The Singer Not the Song zu hören, ebenso 1967 auf der LP Between the Buttons bei Something Happened to Me Yesterday. Schließlich sang er auf der LP Let It Bleed (1969) erstmals Leadstimme in You Got the Silver. Auf dem Album Exile on Main St. (1972), aufgenommen in Richards’ Villa Nellcôte in Villefranche-sur-Mer an der Côte d’Azur, in der sich die Rolling Stones niedergelassen hatten, nachdem sie 1971 aus steuerlichen Gründen England verlassen hatten, ist Happy mit Richards als Sänger enthalten. Auch auf dem Album Goats Head Soup (1973) singt er solo: Coming down again. Ab dem Album Some Girls (1978) wurde es zur Gewohnheit, dass sich auf den Stones-Alben stets auch mindestens ein Lied mit Keith Richards als Lead-Sänger befindet.

Nach dem Ausstieg von Gitarrist Mick Taylor im Jahr 1974 (Ersatzmann für Brian Jones seit 1969) wählten die Rolling Stones Ron Wood als dessen Nachfolger, der bei der US-Tournee 1975 als Gast mitspielte und schließlich 1976 festes Bandmitglied wurde. Wood verkörpert zusammen mit Richards das Bild des typischen Rock ’n’ Rollers.

Mitte der 1980er Jahre drohten die Rolling Stones zu zerbrechen, da Mick Jagger Solo-Projekte anging und wenig Lust verspürte, mit den Stones zu arbeiten, geschweige denn auf Tour zu gehen. Das Verhältnis der Glimmer Twins war mehr als angespannt. Eine Reaktion Richards’ darauf war die Zusammenstellung der Band X-Pensive Winos. Er nahm mit ihr 1988 sein erstes Soloalbum Talk Is Cheap auf und ging auf Tournee. Der große Erfolg wollte sich weder bei Jagger noch bei Richards einstellen. Nach einer heftigen Auseinandersetzung versöhnten sie sich, schrieben auf Barbados gemeinsam Lieder für das 1989 veröffentlichte Album Steel Wheels und absolvierten mit den Rolling Stones 1989/90 die bis dahin größte Tournee der Rockgeschichte.

Die Musikzeitschrift Rolling Stone würdigte die Songwriting-Partnerschaft Jagger/Richards mit Rang sechs in ihrer Liste der 100 besten Songwriter aller Zeiten.[5]

Solokarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richards und Schlagzeuger Steve Jordan während der Aufnahmen zu Talk Is Cheap, New York 1988

Außer der Single Run Rudolph Run/The Harder They Come auf Rolling Stones Records im Dezember 1978 gab es eine lange Zeit für Keith Richards keinen Grund, außerhalb der Rolling-Stones-Welt Schallplatten zu veröffentlichen. Konzerte mit den New Barbarians liefen eher als privates Vergnügen. Erst aufgrund der Solo-Aktivitäten Mick Jaggers und dessen Weigerung, mit den Stones auf Tournee zu gehen, nahm Keith Richards 1988 mit den X-Pensive Winos das Album Talk Is Cheap auf und ging mit diesen auf Tour. Richards trat dabei als Leadsänger und Gitarrist in Erscheinung. 1992 folgten mit Main Offender ein zweites Soloalbum in Zusammenarbeit mit den X-Pensive Winos sowie eine weitere Konzert-Tournee. 2015 erschien Richards' drittes Solo-Album Crosseyed Heart.

Richards trat 1985 anlässlich des von Bob Geldof organisierten Live-Aid-Konzerts zusammen mit Bob Dylan und Ron Wood in Philadelphia auf. 1986 führte er die Band anlässlich des 60.Geburtstages von Chuck Berry bei zwei Konzerten in St. Louis. Am 10. Juli 2004 war er beim Gram-Parsons-Tribute-Konzert dabei und gehörte zu den ‚Friends‘ bei Willy Nelson & Friends (Outlaws and Angels, 2004). Ende der 1990er Jahre leitete und produzierte Keith Richards ein Album der jamaikanischen Rasta-Band Wingless Angels.

Auf diversen Alben unterstützt Richards (zumeist als Gitarrist, manchmal auch als Sänger) befreundete Kollegen. Eine Auswahl: Ron Wood, Peter Tosh (Bush Doctor, 1978), Black Uhuru (Vital Selection, 1980), Nona Hendryx (The Heat, 1985), Tom Waits (Rain Dogs, 1985, Bone Machine, 1992 und Bad As Me, 2011). Aretha Franklin (Jumpin’ Jack Flash, 1986), John Phillips (Pay Pack & Follow, Aufnahmen von 1973 u.a. auch mit Mick Jagger, Ron Wood und Mick Taylor, veröffentlicht 2001), Uptown Horns Revue (1993), Ivan Neville (Thanks, 1995), Jimmy Rogers All Stars (1999), Sheryl Crow (Live at Central Park, 1999) Peter Wolf (Sleepless, 2002), Tim Ries (The Rolling Stones Project, 2005) und Buddy Guy (2006). Auf der Hank Williams Tribute-CD Timeless ist er mit dem Lied You win again zu hören (2001). Im Rahmen der Charles-Mingus-Hommage Weird Nightmare: Meditations on Mingus spielte er 1992 mit Charlie Watts und der Bläsergruppe The Uptown Horns zusammen; dabei sang und spielte er den Blues Oh Lord, Don’t let them Drop that Atomic Bomb on Me.

Nachdem der mit Keith Richards befreundete Schauspieler Johnny Depp wiederholt Richards als Vorbild für seine Verkörperung des eigentümlichen Piratenkapitäns Jack Sparrow in der Pirates-of-the-Caribbean-Filmreihe genannt hatte, gab dieser 2007 im dritten Teil Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt sein Schauspieldebüt als Jack Sparrows Vater. In einer kleinen Rolle spielt er Captain Teague Sparrow, einen alten, gitarrespielenden Piraten, der den Piratenkodex hütet. Für den 2011 in die Kinos gekommenen vierten Teil Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten übernahm Keith Richards den Part erneut.

Im Juli 2015 veröffentlichte Richards mit Trouble den ersten Song seines dritten Soloalbums Crosseyed Heart, das am 18. September 2015 erschien.[6]

Keith Richards’ Gitarrenspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richards während eines Konzerts (1982)

Keith Richards gilt als einer der bekanntesten und einflussreichsten Gitarristen der Rockmusik. Beeinflusst wurde er unter anderem von Bo Diddley, Scotty Moore, Muddy Waters und Chuck Berry, der als sein größtes Vorbild gilt. So sagte er 1986 bei der Einführung Chuck Berrys in die Rock and Roll Hall of Fame, es falle ihm „etwas schwer, jemanden zu würdigen, bei dem ich alles geklaut habe“.[7] Außerdem organisierte er 1986 zwei Konzerte zu Ehren Berrys, der in jenem Jahr seinen 60. Geburtstag feierte. Berrys Einfluss auf Keith Richards ist besonders gut in dem Rolling Stones Song „Starfucker“ (auch als „Star Star“ bekannt) zu hören. Er verwendet viele typische Chuck-Berry-Licks. Ungewöhnlich ist, dass sich Keith Richards als Gitarrist nicht etwa durch virtuose Soli und lange Improvisationen auszeichnete wie viele andere Gitarristen seiner Zeit, darunter Eric Clapton, Jimi Hendrix und Carlos Santana, sondern durch größtenteils auf Grundlagen basierende, aber überaus prägnante Riffs und Licks. Sein wirksam reduziertes Gitarrenspiel, das eines der Erfolgsgeheimnisse der Rolling Stones ist, brachte ihm den Ruf ein, einer der besten Rhythmusgitarristen der Rockmusik zu sein; er ist auch unter dem Spitznamen „The Human Riff“[8] bekannt. Ein typisches Beispiel für sein Spiel ist der Hauptriff von „Satisfaction“, der aus nur drei Tönen besteht. Ein Ereignis, das Keith Richards entscheidend geprägt hat, waren die Sessions mit Ry Cooder 1968 und 1969. Dieser brachte ihm offene Stimmungen näher. Richards begann mit diesen Stimmungen zu experimentieren und sie bei Songs einzusetzen, was man unter anderem in „Jumpin’ Jack Flash“ hören kann. Inzwischen sind offene Stimmungen, insbesondere Open-G, charakteristisch für Keith Richards. Dazu gehört auch, dass die Gitarre statt mit den üblichen 6 Saiten nur mit 5 bespannt ist.

Equipment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keith Richards spielt diverse Gitarren und Amps. Er setzt bei Gitarrenverstärkern auf Röhrenverstärker von Fender und Marshall. Er spielt diverse Akustikgitarren sowie die E-Gitarrenmodelle Fender Stratocaster, Gibson Les Paul, Gibson Les Paul Junior und Gibson ES-335. Als sein Markenzeichen gelten aber alte Fender Telecasters, die oftmals mit einem Halshumbucker modifiziert wurden. Sie sind in der Regel in Open-G gestimmt und haben nur fünf Saiten, da Keith Richards die tiefe E-Saite entfernt.

Drogen, Exzesse und Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Pressekonferenz zur Premiere des Konzertfilms Shine a Light auf der Berlinale 2008
Im Jahr 2008

Nach einer Party, an der neben Mick Jagger, Marianne Faithfull und auch George Harrison teilgenommen hatten, wurde Richards Landsitz Redlands aufgrund eines anonymen Hinweises der Boulevardzeitung News of the World am 12. Februar 1967 von der Polizei durchsucht. Ausgestattet mit einer richterlichen Vollmacht beschlagnahmten die Ermittler diverse Substanzen für forensische Tests. Begleitet von enormen öffentlichem Medieninteresse wurden Jagger und Richards am 10. Mai vor dem Chichester Magistrates Court aufgrund des Besitzes von Aufputschmitteln ohne Rezept und Marihuana (Jagger) sowie der Duldung des Gebrauchs von Cannabis (Richards) angeklagt. Am 29. Juni wurde Richards zu einer einjährigen Gefängnisstrafe und einer Geldstrafe von 500 £ verurteilt. Anschließend verbrachte Richards eine Nacht im Gefängnis von Wormwood Scrubs, Jagger in Brixton. Nach einem Tag wurden sie gegen eine Kaution von 14.000 £ wieder entlassen. Aus Mangel an Beweisen hob das Berufungsgericht das Urteil gegen Richards am 31. Juli 1967 wieder auf, Jaggers Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

In den 1970er Jahren war Richards heroinabhängig. Er geriet dadurch auch immer wieder in Konflikte mit dem Gesetz; so wurde er 1978 in Toronto wegen Drogenbesitzes zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Außerdem sollte er zwei Benefizkonzerte in Kanada bestreiten. Die Konzerte zu Gunsten von Erblindeten fanden am 22. April 1979 in Oshawa, Kanada statt. Der erste Teil wurde dabei von Ron Woods Freizeitband The New Barbarians und die zweite Hälfte von den Stones bestritten, wobei als Übergang zum Stonesauftritt Prodigal Son von Beggar’s Banquet gespielt wurde. Mit den New Barbarians ging Keith dann ab dem 7. Mai 1979 auch auf eine kurze US-Tour. Nach mehreren erfolglosen Entziehungskuren gelang ihm 1979 der Absprung von Heroin, wobei er anderen Drogen (Kokain, Beruhigungsmittel, Alkohol) nach wie vor kräftig zusprach. Laut eigener Aussage[3] lebt er nur deshalb noch, weil er immer auf höchste, pharmazeutische Qualität achtete und auch mit der Dosierung vorsichtig war.

Der Beginn der Europa-Konzertreihe der Bridges-to-Babylon-Tournee 1998 musste verschoben werden, da Richards in seiner Bibliothek von der Leiter gefallen war. Auch 2006 kam es wieder zu Verzögerungen, da Richards während einer Pause der Bigger-Bang-Tournee in einer Hotelanlage auf den Fidschi-Inseln angeblich von einer Palme stürzte und in einem Krankenhaus in Auckland, Neuseeland, wegen Kopfverletzungen operiert werden musste. Später gestand er dann aber, dass er nicht von einer Palme gefallen sei, sondern vom rutschigen Ast eines abgestorbenen Baumes. Diese „Geschichte“ hat er wohl nur der Presse erzählt, weil es ihm offensichtlich unangenehm war, nicht termingerecht auftreten zu können. Bei dieser Operation wurde ihm ein Blutgerinnsel aus dem Schädel entfernt. Da er seitdem gerinnungshemmende Medikamente nehmen muss, verzichtet er auf Anraten der Ärzte seither völlig auf Kokain und andere blutverdünnende Drogen. In seiner Autobiographie behauptet er, dass ihm der Verzicht erstaunlich leicht gefallen sei: Die Drogen seien seiner wohl inzwischen überdrüssig geworden.[3]:720

Im April 2007 wurde bekannt, dass Richards eigenen Angaben zufolge Teile der Asche seines 2002 eingeäscherten Vaters zusammen mit Kokain geschnupft habe, da er „nicht hätte widerstehen können“,[9] was später wieder dementiert wurde.[10] 2010 erörterte Richards diesen Vorfall so, dass er nur "einen Hauch"[3]:721 zu sich genommen habe: "Ich konnte ihn nicht einfach so wegwischen, also fuhr ich mit dem Finger drüber und schnupfte das bisschen.[3]:721

Im Mai 2008 räumte Richards in einem Interview ein, dass er und Bandkollegen wie Mick Jagger die Presse früher mit falschen Geschichten über ihr „wildes Leben“ versorgt hätten, um zur eigenen Legendenbildung beizutragen.[11]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1967 und 1979 war Richards mit der deutsch-italienischen Schauspielerin und Model Anita Pallenberg liiert. Aus dieser Beziehung gingen insgesamt drei Kinder hervor: Marlon Leon Sundeep (* 1969), Angela (* 1972) und Tara Jo Jo Gunne (*/† 1976).

In ihrer Autobiografie Das wilde Leben bestätigt Uschi Obermaier unter anderem Affären mit Keith Richards und Mick Jagger.

1979 lernte Richards das amerikanische Model Patti Hansen kennen und das Paar heiratete am 18. Dezember 1983 (seinem 40. Geburtstag) im mexikanischen Cabo San Lucas. Das Paar hat zwei Töchter: Theodora (* 1985) und Alexandra (* 1986), die beide ebenfalls als Models arbeiten.

Inzwischen hat Keith Richards fünf Enkelkinder: Drei von seinem Sohn Marlon, zwei von seiner Tochter Angela.

Hauptwohnsitz der Familie ist ein Anwesen nahe der Stadt Weston im US-Bundesstaat Connecticut. Daneben besitzt Richards seinen 1966 erworbenen Landsitz Redlands im südenglischen Sussex sowie ein Anwesen auf der Karibikinsel Parrot Cay (Turks- und Caicosinseln).

Memoiren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2010 veröffentlichte Richards unter dem Titel „Life“ eine 736 Seiten umfassende Autobiografie. Er nahm beim Schreiben die Hilfe seines Freundes James Fox in Anspruch. Die Rechte für das Buch wurden 2007 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main versteigert. Ein Wettbieten führte zu einem Vertrag mit einem Vorschuss von 5,5 Millionen Euro.[12]

Der Musiker setzte darüber hinaus seinem Großvater ein Denkmal in dem Kinderbuch Gus und ich (Heyne 2014). Richards Tochter Theodora steuerte zahlreiche Illustrationen dazu bei. Erzählt wird, wie Keith als kleiner Junge durch Besuche beim Opa auf Gitarren aufmerksam wurde und sich allmählich eine lebenslang wirkende Begeisterung aufbaute. Beigefügt ist eine CD, auf der der Rockgitarrist selber liest und spielt.[13]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Keith Richards:[14]

  • „Es behauptet ja keiner, dass man gleich das biblische Alter von 70 Jahren erreichen muss. Als ich 20 war, konnte ich mir noch nicht mal vorstellen, wie man sich mit 28 fühlt.“ (1971)
  • „Ich kann mich diesbezüglich nur wiederholen: Ich habe keine Probleme mit Drogen. Nur mit Cops.“ (1972)
  • „Drinks waren nie mein Problem. Ich hab’ meine besten Sachen geschrieben, wenn ich hackevoll war.“ (1977)
  • „Ich bin wer ich bin – und ich hab’ eine verdammt robuste Verfassung.“ (1997)
  • „Manchmal hat man das Gefühl, dass einem der Tod gewünscht wird. Fuck, seit den frühen Siebzigern hat man mir den Tod an den Hals gewünscht.“ (1997)
  • „Ich bin mein bester Saufkumpan. Was genau ich trinke oder einwerfe, scheint Außenstehende mehr zu interessieren als mich selbst. Die Vorstellung, etwas zu nehmen, um sich dadurch in Keith Richards zu verwandeln, ist völlig bizarr.“ (2002)
  • „Hey, ich hab’ das weiße Licht am Ende des Tunnels gesehen. Aber wenn dann nichts passiert und man wieder zurückkommt – das ist der wahre Schock.“ (2002)
  • „Mick und ich sind keine besonders guten Freunde – dafür sind wir einfach zu oft aneinander geraten –, aber wir sind Brüder, und Brüder sind unzertrennlich.“ (2007)
  • „Manchmal leih’ ich mir ein bisschen Pot von meinen Kids, die eben gelegentlich Gras rauchen. Meistens ist es natürlich umgekehrt.“ (2008)
  • „Einige der besten Anekdoten über mich betreffen Situationen, in denen ich nicht anwesend war – jedenfalls nicht bewusst anwesend. Aber ich muss wohl da gewesen sein, weil’s zu viele Leute gibt, die den Vorfall bestätigen.“ (2010)
  • „Ich achtete sehr sorgfältig darauf, wie viel ich nahm. Ich habe nie etwas eingeworfen, nur weil ich das High noch steigern wollte. Deshalb versauen es sich die meisten Leute.“ (2010)
  • „Ich hab’ in meinem Leben so viel Koks durch die Nase gejagt, dass ich’s heute überhaupt nicht mehr vermisse. Ich glaube, die Droge hat resigniert.“ (2010)

Solo-Aufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[15][16][17] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1988 Talk Is Cheap 20
(7 Wo.)
300! 30
(1 Wo.)
37
(3 Wo.)
24
(23 Wo.)
US: Gold Gold
1992 Main Offender 60
(10 Wo.)
300! 300! 45
(1 Wo.)
99
(10 Wo.)
US: Gold Gold
2015 Crosseyed Heart 3
(… Wo.)
1
(… Wo.)
4
(… Wo.)
7
(… Wo.)
11
(… Wo.)

Weitere Veröffentlichungen

  • 1978: Run Rudolph Run (7″-Single)
  • 1991: Live at the Hollywood Palladium 1988
  • 1993: Eileen (5-Track Japan Mini Album)
  • 1997: Wingless Angels – Volume I (Gesang und Gitarre)
  • 2006: The New Barbarians – Buried Alive (Live 1979)
  • 2007: The First Barbarians – Live From Kilburn (Live 1974)
  • 2010: Wingless Angels – Volume II (Gesang und Gitarre)
  • 2010: Vintage Vinos (Kompilation)

Filme/Gastauftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keith Richards und Koautor James Fox: Life. übersetzt von Willi Winkler, Wolfgang Müller und Ulrich Thiele[18] Heyne Verlag, München 2010, ISBN 978-3-453-16303-4.[19]
  • Victor Bockris: Keith Richards – Die Biographie des legendären Gitarristen der Rolling Stones. 1992, Heyne Verlag.
  • Barbara Charone: Get Off of My Cloud. Keith Richards und die Rolling Stones. München 1981, Rogner & Bernhard.
  • Philipp Norman: The Rolling Stones - die Geschichte einer Rocklegende. München 1984, DroemerKnaur.
  • Stanley Booth: Keith: Till I roll over dead. London 1994, Headline Book.
  • Kris Needs: Keith Richards: Before they make me run. London 2004, Plexus Books.
  • Stephen Davies: Die Stones. Hamburg 2002, Europa Verlag GmbH, ISBN 3-203-76075-4.
  • Michael Leonard (Hrsg.): Das Grosse Illustrierte Handbuch Gitarre. Hamburg 2006, Nikol Verlagsgesellschaft, ISBN 3-937872-35-3.
  • Lars Thieleke: Keith Richards. Seine Instrumente, Spielweise und Studiotricks. PPV Medien, Bergkirchen 2012, ISBN 978-3-941531-94-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Keith Richards – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Victor Bockris: Keith Richards. The Unauthorised Biography. Omnibus Press, London 2012, ISBN 978-0-85712-846-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. https://www.gitarrebass.de/stories/keith-richards-6-dinge-die-wir-von-ihm-lernen-koennen/
  3. a b c d e Keith Richards: Life. Heyne, 2010.
  4. https://www.gitarrebass.de/stories/keith-richards-6-dinge-die-wir-von-ihm-lernen-koennen/
  5. The 100 Greatest Songwriters of All Time. Rolling Stone, August 2015, abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  6. Thorsten Mumme: Opa ist ein Rolling Stone, das macht ihm Kummer. In: welt.de. 19. Juli 2015, abgerufen am 20. Juli 2015.
  7. Info auf derwesten.de
  8. Info auf keefrichards.com
  9. Keith Richards’ Koks-Geschichte auf spiegel.de
  10. Bericht (Memento vom 27. März 2010 im Internet Archive) auf netzeitung.de
  11. DDP: Keith Richards: Groupies sind wie Rastplätze, vom 15. Mai 2008, Abgerufen am 15. Mai 2008.
  12. Bericht auf spiegel.de
  13. Keith Richards veröffentlicht Kinderbuch über seinen Großvater, Der Standard vom 12. September 2014, abgerufen 22. Oktober 2014
  14. https://www.rollingstone.de/ich-habe-keine-probleme-mit-drogen-nur-mit-cops-die-38-lebensweisheiten-des-keith-richards-2-616892/#click_first
  15. Chartquellen: DE AT CH UK US
  16. The Billboard Albums von Joel Whitburn, 6th Edition, Record Research 2006, ISBN 0-89820-166-7
  17. Quellen für Auszeichnungen: US
  18. «Ich habe nichts davon vergessen» in: Tages-Anzeiger vom 30. Oktober 2010.
  19. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 31. Oktober 2010, Seite 59: Machen Sie das bloß nicht nach!