Fürstenstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fürstenstein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Fürstenstein
Fürstenstein
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Fürstenstein hervorgehoben
Koordinaten: 48° 43′ N, 13° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Höhe: 577 m ü. NHN
Fläche: 19,3 km²
Einwohner: 3289 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94538
Vorwahlen: 08504, 08544
Kfz-Kennzeichen: PA
Gemeindeschlüssel: 09 2 75 121
Gemeindegliederung: 20 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeinde Fürstenstein
Vilshofener Str. 9
94538 Fürstenstein
Webpräsenz: www.fuerstenstein.de
Bürgermeister: Stephan Gawlik (CSU)
Lage der Gemeinde Fürstenstein im Landkreis Passau
Landkreis Deggendorf Landkreis Rottal-Inn Landkreis Freyung-Grafenau Passau Witzmannsberg Windorf Wegscheid Vilshofen an der Donau Untergriesbach Tittling Tiefenbach (bei Passau) Thyrnau Tettenweis Sonnen Salzweg Ruhstorf an der Rott Ruderting Rotthalmünster Pocking Ortenburg Obernzell Neukirchen vorm Wald Neuhaus am Inn Neuburg am Inn Malching Kößlarn Kirchham (Landkreis Passau) Hutthurm Hofkirchen (Donau) Hauzenberg Haarbach Bad Griesbach im Rottal Fürstenzell Fürstenstein Eging am See Büchlberg Breitenberg (Niederbayern) Beutelsbach Bad Füssing Aldersbach Aidenbach Aicha vorm Wald ÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Ansicht von Fürstenstein

Fürstenstein ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Passau.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstenstein liegt in der Region Donau-Wald im nördlichen Landkreis Passau sowie im südlichen Bayerischer Wald, hier regional als Dreiburgenland bezeichnet. Fürstenstein befindet sich 20 km nordöstlich von Vilshofen an der Donau, 10 km von der Bundesautobahn 3 (Ausfahrt Aicha vorm Wald) sowie jeweils 22 km von Passau und Grafenau entfernt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Fürstenstein hat 20 Ortsteile[2]:

Es gibt nur die Gemarkung Fürstenstein.

Gemeindewappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde führt seit 1953 ein eigenes Wappen. Der Stufengiebel aus schwarzen Steinen ist die redende Schildfigur der 1599 ausgestorbenen Herren von Schwarzenstein, die als Orts- und Burgherren von Fürstenstein und Englburg in der Geschichte der Gemeinde von 1474 bis 1597 und als Inhaber hoher bayerischer und fürstbischöflich-passauerischer Ämter eine wichtige Rolle spielten. Von den Schwarzensteinern ging der schwarze Stufengiebel im Wappen 1602 an deren Rechtsnachfolger und Teilerben, die Freiherren von Taufkirchen, über.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstenstein gehörte den Grafen de la Perusa. Der Ort war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz Schloss Fürstenstein war. 1818 entstand die politische Gemeinde.

Der Bau der Donaubrücke bei Vilshofen gab 1871/72 den Anstoß zur Erschließung des reichen Granitvorkommens bei Fürstenstein. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Steinbrüche in der Umgebung sowie zehn Granitwerke, in denen verschiedenartige Pflastersteine hergestellt wurden.

Das Jahr 1913 brachte den Anschluss an die Bahnstrecke Deggendorf–Kalteneck, die in den 1920er Jahren der Fürstensteiner Granitindustrie zu einer neuen Blütezeit verhalf. Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich anschließend in Fürstenstein besonders schwer aus mit Hunderten von Arbeitslosen.

Im April 1945 traf auf dem Bahnhof des Ortsteils Nammering ein Evakuierungszug aus Buchenwald mit 4480 Häftlingen aus dem KZ Buchenwald ein, die nicht mehr bis zu ihrem vorgesehenen Ziel im KZ Dachau gelangten. An Entkräftung und durch die brutale Behandlung der SS-Wachmannschaften starben 794 der Häftlinge, welche verscharrt oder auf verschiedene Friedhöfe verteilt wurden. Mehrere Gedenksteine und ein Mahnmal erinnern an dieses Geschehen.[3]

Im Jahr 1958 nahm die Firma Ernst Roederstein, Spezialfabrik für Kondensatoren GmbH, mit 10 Personen die Produktion auf. In den Jahren 1960 und 1961 wurde das Werk in Oberpolling wesentlich erweitert. Zu Beginn der 1980er Jahre arbeiteten hier über 1 100 Beschäftigte.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahl im Jahr[4]
1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2000 2008 2009 2010 2011 2012 2013
908 1.246 1.658 2.339 3.066 3.931 3.446 3.669 3.550 3.489 3.452 3.408 3.392 3.332 3.292 3.279

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt zusammen:

  • CSU: 8 Sitze (51,99 Prozent der Stimmen)
  • FWG: 6 Sitze (36,24 Prozent der Stimmen)
  • SPD: 2 Sitze (11,77 Prozent der Stimmen)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Stephan Gawlik (CSU). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Josef Wax (Neue Liste der Gemeinde) und 2014 mit 61,33 Prozent der gültigen Stimmen im Amt zum zweiten Mal bestätigt.

Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 1.261 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 173 T€. Im Jahr 2013 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 1.672 T€, davon die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 251 T€.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Schloss und zur Pfarrkirche von Fürstenstein

Schloss Fürstenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Fürstenstein ist eine der drei Burgen des Dreiburgenlandes. Das Schloss Fürstenstein, das Wahrzeichen der Gemeinde, ist neben der Saldenburg und der Englburg eines der drei namengebenden Bauwerke des Dreiburgenlandes im Bayerischen Wald. Wann die Burg erbaut wurde ist bis heute unklar. Ältestes bekanntes Datum in der Historie ist die Zerstörung der Burg im Jahre 1332. In der Folgezeit wurde sie wieder errichtet und war Herrschaftssitz vieler Adelsgeschlechter. 1848 wurde das Schloss durch einen Brand zerstört und verfiel. Im Jahr 1860 erwarb der Passauer Bischof Heinrich von Hofstätter die Ruine. Er ließ Schloss Fürstenstein wiederaufbauen und übergab es 1861 den Englischen Fräulein. Diese richteten ein Erziehungsheim für verwahrloste Knaben ein. Seit Mai 2007 befindet sich das Schloss in Privatbesitz.

Mahnmal KZ-Transport 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mahnmal KZ-Transport 1945 steht im Ortsteil Nammering. 1984 errichtete man es zum Gedenken an die Opfer verschiedener Nationalitäten des Evakuierungszuges aus Buchenwald. Aus dem KZ Buchenwald kommend erreichte am 20. April 1945 ein Zug nach mehrwöchiger Fahrt und unter Inkaufnahme Hunderter von Todesopfern auf dem Weg in das Konzentrationslager Dachau den Ort Nammering. Hier in Nammering wurden zum einen die bereits während des Transportes verstorbenen Häftlinge beigesetzt, zum anderen aber auch Überlebende in einem Steinbruch in der Nähe des damaligen Bahngeländes erschossen. Das Mahnmal KZ-Transport 1945 wurde ungefähr 300 Meter östlich der Staatsstraße 2127 an der Stelle errichtet, an der der Transport 1945 für mehrere Tage zu stehen kam. Eine Gedenktafel auf dem ehemaligen Nammeringer Bahngelände erinnert an die Geschehnisse und Verbrechen dieser Tage. 1984 errichtete man es zum Gedenken an die Opfer verschiedener Nationalitäten des Evakuierungszuges aus Buchenwald. Im Rahmen einer Gedenkfeier am 19. April 2015 zum 70. Jahrestages des Transportes wurde zudem durch die IG Metall ein weiterer Gedenkstein für die ermordeten Gewerkschaftsmitglieder des Zuges aufgestellt. Seit diesem Zeitpunkt präsentiert der Arbeitskreis KZ-Transport 1945 eine Dauer-Ausstellung mit den Geschehnissen aus 1945 entlang des Donau-Ilz-Radwegs.

Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturidyll Kollnbergmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das malerische und denkmalgeschützte Naturidyll Kollnbergmühle mit dem ältesten Mühlweiher des Bayerischen Waldes und einem noch funktionstüchtigen Wasserrad ist beliebtes Naherholungsziel der Region. Ein Wassertretbecken mit Rastplatz laden zum Verweilen ein. Im Winter ist die Kollnbergmühle Einstiegspunkt für eine herrliche Langlaufloipe.

Felsmassiv Am Hohen Stein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesteinsformen des einzigartigen und bizarren Felsmassivs Am Hohen Stein unweit des Schlosses erinnern an den Bug eines Schiffes aus der Urzeit. Im Volksmund wird das beeindruckende Felsendenkmal deshalb auch als Arche Noah bezeichnet. Herrliche Ausblicke bieten sich hier nach Süden ins weite Donautal und bei guter Sicht bis hinüber zu den Alpen. Im Norden eröffnet sich der Blick über die Wogen des Bayerischen Waldes und die weiteren Burgen des Dreiburgenlandes.

Donau-Ilz Radweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Donau-Ilz-Radweg hat eine Länge von 50 km. Er führt von der Donau in Niederalteich auf einer ehemaligen Bahntrasse durch den Sonnenwald und das Dreiburgenland über die Gemeinde Fürstenstein ins Ilztal. Ab hier geht es auf ruhigen Nebenstraßen mit hügeligen Passagen zum Anschluss an den Adalbert-Stifter-Radweg in Bruckmühle, der eine Verbindung zum Dreiländereck Bayern-Österreich-Tschechien herstellt. Bei der Umwandlung von stillgelegten Bahntrassen in Radwege werden Schienen und Schotter entfernt und da der Untergrund durch die vorherige Nutzung als Bahnstrecke stark verdichtet ist, eignen sie sich hervorragend als Grundlage für Radwege.

Pilgerweg Via Nova[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Via Nova ist ein im Juli 2004 neu geschaffener europäischer Pilgerweg, der alten Wallfahrtsrouten folgt und verbindet mit drei Hauptsträngen und einigen Nebenwegen Bogen in Bayern, Příbram in Tschechien und St. Wolfgang im Salzkammergut (Österreich), ein seit dem Mittelalter europaweit bedeutendes Wallfahrtszentrum. Dieser junge, zeitgemäß ausgeformte Pilgerweg, führt auf 280 Kilometern quer durch Niederbayern und Oberösterreich. Die Wegstrecke läuft dabei auch durch das Gemeindegebiet der Gemeinde Fürstenstein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 420 und im Bereich Handel und Verkehr 228 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1139. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 14 Betriebe, im Bauhauptgewerbe 10 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 62 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 780 ha, davon waren 242 ha Ackerfläche und 537 ha Dauergrünfläche.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: Schuljahr 2013/14):

  • drei Kindergärten: 111 Kindergartenplätze mit 79 Kindern[5]

Derzeit befindet sich ein neues Kindergartengebäude im Bau, das in Zukunft die drei bisherigen Kindergärten ersetzen wird.

  • eine Grundschule mit 4 Klassen, 5 Lehrern und 98 Schülern[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fürstenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Datenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online mit Details zur Gemeinde Fürstenstein
  3. Gedenksteine am Bahngleis in Richtung Aicha, an der Nammeringer Kirche (mit einem Text, der das konkrete Geschehen verschweigt) sowie auf dem Fürstensteiner Friedhof, wo 39 der Opfer begraben wurden. Bei Nammering wurde das Mahnmal KZ-Transport 1945 errichtet. Quelle: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 139
  4. Daten des Landesamtes für Statistik in Bayern
  5. Landesamt für Statistik in Bayern, Statistik der Kinder und tätigen Personen in Tageseinrichtungen, abgerufen am 8. Januar 2015
  6. Landesamt für Statistik in Bayern, Statistik der allgemeinbildenden Schulen, abgerufen am 8. Januar 2015