Fackel

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Dieser Artikel behandelt die Lichtquelle Fackel. Andere Bedeutungen siehe Fackel (Begriffsklärung).
Fackel eines Feuerspuckers
Entzünden von Jonglierfackeln

Eine Fackel ist ein Beleuchtungskörper in Form eines Stockes, der mit brennbarem Material versehen oder umwickelt ist. Er wird am oberen Ende angezündet, von wo aus er allmählich nach unten abbrennt. Am unteren Ende hält man die Fackel mit der Hand oder steckt sie in eine (Wand-)Halterung.

Die wohl älteste Form der Fackel ist ein am oberen Ende mit Pech oder verdicktem Öl bestrichener Holzstab. Heutzutage werden Fackeln nur noch selten als Leuchtmittel eingesetzt, wohl aber für spezielle Anwendungen. Zu Unterhaltungszwecken dienen Wachsstofffackeln, bei Jongleuren und Feuerschluckern Kevlarstofffackeln mit Petroleum oder Lampenöl. Magnesiumfackeln werden als Signalmittel („Hochseefackel“) oder als sogenanntes bengalisches Feuer genutzt. Man bezeichnet auch die noch nicht angezündete Form als Fackel. Fackeln dienen als Lichtquelle und können daher – wie andere historische Lichtquellen auch – eine symbolische Bedeutung haben.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das deutsche Wort Fackel ist eine sehr alte Entlehnung des gleichbedeutenden lateinischen facula (vulgärlateinisch auch facla), das seinerseits eine Diminutivform von fax (Gen. facis), „Kienspan“ darstellt.[1][2] Es findet sich bereits in einigen der ältesten Schriftzeugnisse des Althochdeutschen (8. Jahrhundert, in Formen wie facchala, fachala oder fackala), ebenso im Altsächsischen (fakla) und im Altenglischen (fæcele); im Gotischen fehlt es noch, ebenso im Altnordischen. Die skandinavischen Sprachen übernahmen das Wort aber um 1700 aus dem Deutschen (dänisch und norwegisch fakkel[3], schwedisch fackla[4]), im Niederländischen (fakkel) ist es seit dem 13. Jahrhundert bezeugt[5]; ferner gelangte es über das Deutsche auch ins Ungarische (fáklya) sowie ins Tschechische (fakule).

Während das lateinische Lehnwort in den genannten Sprachen wie im Deutschen heute naturalisiert ist, also nicht oder kaum mehr als Fremdwort wahrgenommen wird, sind die entsprechenden Abkömmlinge von lat. facula in den romanischen Sprachen (französisch facule, italienisch fiaccola, katalanisch falla, spanisch hacha und portugiesisch facha) im Wortsinn „Fackel“ heute mehr oder minder ungebräuchlich oder haben eine merkliche Bedeutungsverengung erfahren, wurden jedenfalls allesamt durch Entlehnungen oder Entsprechungen von französisch torche bzw. okzitanisch entorche verdrängt (it. torcia, kat. torxa, sp. antorcha, port. tocha; außerdem englisch torch), das ursprünglich wohl „Wisch, Strohbüschel, Besen“ bedeutet (vgl. frz. torcher „wischen, kehren, putzen“). So wird spanisch hacha kaum mehr im Sinne von „Fackel“, sondern vornehmlich im Sinne von „Opferkerze, Altarkerze, Prozessionskerze“ gebraucht; im Deutschen ist das Gegenteil der Fall, hier konnte sich frz. torche nur mundartlich in ebendieser kirchlichen Sonderbedeutung etablieren, insbesondere im Alemannischen und Bairischen („Tortsche“), aber auch im Westfälischen („Torste“, heute zumeist ein Prozessionsstab ohne Docht, Wachs oder Flamme, aber mit Blumenschmuck). Im Katalanischen ist falla i. S. v. „Fackel“ gleichermaßen obsolet oder veraltend und verbindet sich hier nurmehr mit den brauchtümlichen Stroh- oder Papierfiguren, die in Katalonien zu bestimmten Kirchenfesten feierlich verbrannt werden, bekannt sind insbesondere die falles de Sant Josep, die jedes Jahr im März in Valencia zu besichtigen sind, bevor sie angezündet werden.[6]

Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fackelzug zur Lewes Bonfire Night

In den Heiligtümern des Mithraskultes stellte die nach oben gerichtete Fackel den Sonnenaufgang dar, die nach unten gerichtete Fackel den Sonnenuntergang. Auch in vielen anderen vorchristlichen und vorislamischen Religionssystemen war die Fackel ein göttliches Attribut, so beispielsweise der syrischen Göttinnen Astarte und Anath oder der Persischen Anahita. In der griechischen Mythologie war die Fackel ein Attribut der Hekate und ein Requisit bei den Mysterien von Eleusis, da Demeter bei der Suche nach ihrer geraubten Tochter eine Fackel getragen hatte.

In der christlichen Tugendlehre ist die aufrecht gehaltene Fackel ein Symbol für die Kardinaltugend Weisheit.

Auf den Hebriden wurden Fackeln benutzt, um das Böse abzuwenden, solange ein Kind nicht getauft war: Eine Fackel wurde bis zur Taufe dreimal täglich um die Wiege getragen, um böse Geister zu vertreiben.

Ab dem 17. Jahrhundert stand die Fackel – oft zusammen mit dem Buch – als Zeichen für die geistige Aufklärung: Die Freiheitsstatue in New York trägt eine Fackel und ein Buch zum Zeichen, dass die USA allen Bürgern freien Zugang zur Bildung und zum Erreichen von Wissen ermöglichen würden. Die Fackel ist in diesem Sinne der „sprechende“ Name einer von dem österreichischen Essayisten Karl Kraus editierten kulturpolitischen Zeitschrift der Zeit vor dem Nationalsozialismus.

Zu den deutschen studentischen Bräuchen gehörte bis in die 1960er-Jahre der Fackelzug zur Ehrung von – meist akademischen – Persönlichkeiten. Fackelumzüge sind jedoch in vielerlei Kulturen zu vielerlei Anlässen üblich, zum Beispiel bei der Walpurgisnacht.

Die Olympische Fackel ist ein Zeichen des Friedens und der Verbundenheit zwischen den Völkern.

Der „Große Zapfenstreich“ wird traditionell bei Dunkelheit im Schein von Fackeln zelebriert.[7]

2015 entzündeten im Rahmen der Bewerbung für die Olympischen Spiele 20.000 Menschen in Hamburg rund um die Binnenalster gleichzeitig Fackeln, womit laut dem Guinness-Buch der Rekorde der bisherige Rekord mit 3.777 Teilnehmern weit übertroffen wurde.

Künstlerischer Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jonglage mit drei Fackeln

Die Jonglierfackel ist ähnlich aufgebaut wie eine Jonglierkeule, nur dass das obere Ende des Holzstabes einen Metallmantel hat und eine Wicklung aus einem Kevlargewebe für das Petroleum oder Lampenöl.

Daneben werden ähnliche, aber speziell geformte Fackeln für das Feuerschlucken verwendet.

Einsatz als Signalmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handfackel
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Häufig werden sogenannte Handfackeln als Signalmittel eingesetzt. Dabei handelt es sich neuzeitlich um Magnesiumfackeln mit extrem hoher Lichtstärke (mehr als 60.000 Candela). Die Handfackeln bestehen aus einem mit Magnesium gefüllten Metallrohr, das meist über einen hitzebeständigen Kunststoffgriff verfügt. Die Zündung erfolgt über einen Schlag- oder Reißzünder. Die Brenndauer variiert je nach Modell zwischen einer und 15 Minuten. Die Flamme erreicht Temperaturen von über 2.000 °C. Handfackeln sind hauptsächlich in den Farben rot und weiß erhältlich. Häufig werden solche Handfackeln auch bei Sportveranstaltungen gezündet.

Genutzt wird diese Art Fackel in seltenen Fällen auch zur Beleuchtung bei Taucheinsätzen, in denen Tiefen erreicht werden, die gewöhnliche Unterwasserscheinwerfer zerstören würden. Dies ist möglich, da das unedle Magnesium Oxide aus der Umgebung (Wasser, Stickoxid, Kohlenstoffoxide) aufspalten kann und für die eigene Verbrennung nutzt. Das dadurch entstehende Magnesiumoxid trübt allerdings relativ schnell das umgebende Wasser ein.

Mindestens seit dem Frühmittelalter[8] wurden Fackeln jedoch schon auf Signalfeuerbergen eingesetzt. Flurnamen wie Vogelsang wurden immer wieder[9][10] auch von Signalfeuerstätten abgeleitet (sengen und Fackel, vor allem in süddeutschen Dialekten Fåckel).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fackel. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts (DWDS).; die dortigen Angaben zur Etymologie entsprechen dem Eintrag Fackel in: Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1993.
  2. Lemma fackel. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  3. Lemma Fakkel im Ordbog over det danske Sprog (Onlineausgabe)
  4. Lemma fackla im Svenska Akademiens ordbok (Onlineausgabe)
  5. Lemma fakkel (toorts) in: Marlies Philippa et al.: Etymologisch Woordenboek van het Nederlands. Amsterdam University Press, Amsterdam 2003-2009.
  6. Lemma falla1 im Gran Diccionari de la llengua Catalana (Onlineausgabe).
  7. bundeswehr.de, Der Große Zapfenstreich
  8. Mittelalter-Lexikon:Signalfeuer
  9. Josef Stern: Wo Römerräder rollten: Überlegungen zum Verlauf römischer Straßen Band 24 des Österreichischen Archäologischen Instituts: Sonderschriften, Verlag A. Hartleben - Dr. W. Rob Verlag, 1994, ISBN 978-3-9500221-0-0
  10. Orte der Kraft im Tennengau

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fackel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Fackel – Zitate
 Commons: Fackel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien