Fasciatherapie

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Als Fasciatherapie oder auch Faszientherapie werden verschiedene manuelle Behandlungsformen für das bindegewebige Fasziensystem des Körpers bezeichnet. Ihnen gemeinsam ist.

  • die Behandlung des körperweiten Zugspannungs-Netzwerks der Faszien
  • das Einsetzen geeigneter manueller Techniken zur Entspannung faszialer Einschränkungen und der Förderung erhöhter Anpassungsfähigkeit an äußere Beanspruchungen
  • ihre funktionelle[1] Ausrichtung auf die Wiederherstellung möglichst neutraler und geschmeidiger Bewegungsabläufe innerhalb des Fasziennetzes des Körpers
  • ihre sanfte therapeutische Vorgehensweise, die auf propriozeptive, nozizeptive und interozeptive Wechselwirkungen[2] setzt,
  • ihre Befundung über feinfühlige Palpation[3] mit den Händen
  • ihre gemeinsame Verwurzelung in der Osteopathie
  • die Einbeziehung von funktionellen Haltungs- und Bewegungsfaktoren in einen therapeutischen „sensomotorischen Reset“ der Patienten (ähnlich dem Feldenkrais oder der Alexander-Technik)
  • und – anders als in der artikulär orientierten Strukturellen Osteopathie oder in der Strukturellen Integration (dem Rolfing) – eine Ausrichtung, die nicht primär strukturell manipulierend geprägt ist.

Der Name setzt sich zusammen aus Fascia (lateinisch fascia ‚Band, Bandage‘) und Therapie (altgriechisch θεραπεία therapeia, deutsch ‚Dienst, Pflege, Heilung‘).

Therapeutische Aufgabenstellung der Fasciatherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsames therapeutisches Ziel der verschiedenen Fasciatherapie-Formen ist es, trotz ihrer unterschiedlichen methodischen Nuancen, den möglichst gezielten Ausgleich eines Spannungs-Ungleichgewichts der miteinander vernetzten bindegewebigen Anteile des Körpers bewirken zu wollen. Faszien mit ihrer kollagenen Grundstruktur werden von Fasciatherapeuten als das Formorgan des Körpers betrachtet, also der organische Anteil, der alle Strukturen miteinander verbindet. Die Funktionalität dieses körperweiten Organs zu verbessern stellt somit die gemeinsame therapeutische Programmatik dar. Die Hauptfunktionen der Faszien lassen sich über die Mnemonic der „Vier P“[4] zusammenfassen:

  • Packaging (also Umhüllung, Strukturierung, sinnvolle Abgrenzung)
  • Protection (Schutz z. B. durch sinnvolle Bewegungseinschränkung über Sehnen und Bänder)
  • Passage (Faszien als funktionsbestimmende Gewebe-Leitschiene der Trias Arterie, Vene und Nerv)
  • Posture (Faszien als haltungsprägender Faktor)

Nach Auffassung der Methode hat der Körper die besten Voraussetzungen zur Selbstregulation und zur Gesundung, wenn die Spannungsverhältnisse im körpereigenen Fasziensystem ausgewogen sind.

Die obengenannten Ungleichgewichte entstehen nach Ansicht der verschiedenen Autoren aus

Es werden sogenannte somatische Dysfunktionen[5] behandelt statt einzelne Symptome. Die klinische Relevanz dieser somatischen Dysfunktionen wird in unausgewogener und veränderter Funktion miteinander in Beziehung stehender Körpersysteme gesehen; entsprechend der Befundung in der Osteopathie wird als Ausdruck hiervon eine durch die Hände der Therapeuten wahrnehmbare

  • veränderte Gewebebeschaffenheit
  • Bewegungseinschränkung
  • asymmetrische Position oder Spannung des Körperteils und
  • Empfindlichkeit (bzw. Schmerz)

als Maßstab der Ausprägung einer somatischen Dysfunktion bezeichnet.

Im Bewegungsapparat schlägt sich dies nun nach Auffassung der Methodik als Verkürzung, Verspannung, Verklebung (Adhäsion, Verwachsung) bis hin zur Fibrose der unterschiedlichen Faszien nieder sowie in einer veränderten Sensomotorik. Je nach Art der statischen Herausforderung soll dies dann z. B. die Fascia lata, die Plantarfascie, die Fascia thoracolumbalis,[6] die Rektusscheide oder z. B. die Fascia clavipectoralis betreffen. Auch in kleineren Faszien können sich Spannungszüge ungünstig bemerkbar machen und sich z.. B. als Myofasziales Schmerzsyndrom äußern.

Biomechanische Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich dem Rolfing werden die miteinander verbundenen Faszien des Körpers als „körperweites dreidimensionales Netz“[7] betrachtet. Anders als im Rolfing steht aber bei der Fasciatherapie nicht die strukturelle Behandlung dieses Netzes mit der Zielsetzung der optimierten Neuausrichtung des Klienten in die Schwerkraftsachse im Vordergrund. Der ökonomischere Gebrauch des Bewegungsapparats ist ein erwünschter Nebeneffekt der Fasciatherapie aber sie hat vielmehr neben der Therapie des Bewegungsapparats auch die Selbstregulation im therapeutischen Fokus: vaskuläre Förderung der Hämodynamik, die Verbesserung des Lymphflusses und somit auch die homöostatische Verbesserung der Selbstheilungskräfte des Körpers als Aufgabe.

Als Anschauungsmodell für die therapeutische Zielsetzung wird von den verschiedenen Protagonisten der Methodik gern ein mechanisches Modell herangezogen: das Tensegrity Modell[8] des amerikanischen Architekten und Philosophen Buckminster Fuller und des amerikanischen Bildhauers Kenneth Snelson baut auf einer Statik auf, in der diskontinuierliche Kompressionselemente von einem kontinuierlichen Spannungszug zu einer Gesamtform vernetzt werden, die ihre relative Stabilität aus einer hohen Anpassungsfähigkeit gegen einwirkende Kräfte bezieht. Verglichen mit dem menschlichen oder tierischen Körper

Ein unausgewogenes dynamisches Spannungsverhältnis entspricht in diesem Modell einem ungünstigen Spannungszug aus einem oder mehreren Anteilen dieses Fasziennetzes, welches dann das Gesamtsystem, also den davon betroffenen Körper in eine Belastung versetzt, die in der Folge unter Kraftaufwand kompensiert werden muss.

Kompensationen überflüssig werden zu lassen oder eingeschränkte Funktionen effizienter ausgleichen zu können ist somit eine der Herangehensweisen: nach palpatorischer Befundung des sogenannten Spannungsmusters versucht der Therapeut dazu beizutragen die verfestigten Strukturen durch manuelle Einflussnahmen und/oder durch Bewegungs-Erfahrungen wieder geschmeidiger werden zu lassen.

Viszerale Faszien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faszien gibt es nicht nur im Bewegungsapparat, sondern auch sehr dichte Aufhängungen der Organe und Meningen um das Zentralnervensystem herum. Die Auffassung der Methodik ist es, dass es auch hier systemübergreifende – vernetzte – Spannungsungleichgewichte gibt, die Belastungen in der Kapazität zur Homöostase des Körpers bewirken. So werden in der Methodik auch Wechselwirkungen z. B. über das Vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) zwischen den Faszien des Bewegungsapparats und einzelner Organe untersucht (somatoviszerale[9] Dysfunktionen). Es wird somit nicht nur der Bewegungsapparat behandelt, sondern auch die „Faszien“ des Organsystems, z. B. die Aufhänge-Strukturen verschiedener Anteile des Verdauungssystems, z. B. das Mesenterium des Dünndarms, Bänder der Leber (Ligamentum falciforme) oder der Gebärmutter (Ligamentum latum uteri, Ligamentum sacrouterinum). Durch deren Zug-Beanspruchungen über Ptosen (Absenkungen) und Adhäsionen (Verklebungen) kommt es der fasciatherapeutischen Lehre zufolge auch umgekehrt zu Belastungen des Bewegungsapparats und zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen (viszerosomatische Reflexe[10]) bzw. zur Einengung von Blutgefäßen. Dies wird in vergleichbarer Form auch in der Osteopathie[11] postuliert, aus der die Methodik teilweise stammt.

Geschichte und myofaszialer Schwerpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wichtiger Teilbereich der Fasciatherapie, die „Myofascial Release Methodik“ wurde nach ihrer anfänglichen Entwicklung in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts aus der Osteopathie herausgelöst und von Physiotherapeuten und medizinischen Masseuren als allgemeine manuelle Behandlungsmethode außerhalb des osteopathischen Kontexts verwendet. Einer der bekanntesten Vertreter dieses Zweiges der Myofascial Release Methodik ist John Barnes. Diese Herauslösung von Methoden aus der Osteopathie lässt sich dadurch nachvollziehen, dass die Osteopathie keine eigenständige definierte Methodik darstellt, sondern aus mehreren verschiedenen Einzelmethoden zusammengesetzt ist. Da sie medizinhistorisch gesehen in ihrem Ursprungsland, den Vereinigten Staaten, seit ihrer Gründung durch Andrew Taylor Still eine ärztlich-akademische Disziplin war, entwickelten die nicht-ärztlichen Körpertherapeuten (Physiotherapeuten, Medizinische Masseure und in den Vereinigten Staaten die „bodyworker“) in der Folge Interesse an der Anwendung der ungefährlichen funktionellen osteopathischen Ansätze – also der Methoden, bei deren korrekter und verantwortungsbewusster Anwendung durch Nicht-Ärzte keine Gefährdung ihrer Patienten zu befürchten war (z. B. durch falsche Behandlung zu vermeidender Kontraindikationen). Die Myofascial Release Methodik wurde in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts aus der Osteopathie herausgelöst und von Physiotherapeuten und Medizinischen Masseuren als allgemeine manuelle Behandlungsmethode außerhalb des osteopathischen Kontexts verwendet. Die Methodik verbreitete sich gerade in den achtziger und neunziger Jahren von Michigan, Californien und Pennsylvania aus auch nach Europa. Zwei der bekanntesten Vertreter dieses Zweiges der Myofascial Release Methodik sind Carol J. Manheim PT[12] John Barnes, PT.

Vorgehensweise im Myofascial Release[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der stark vom Myofascial Release geprägten funktionellen Fasciatherapie wird fast ausschließlich manuell behandelt, aktive Bewegung des Patienten wird nur vereinzelt eingesetzt, um z. B. dessen aktive Bewegung gegen Druck des Therapeuten (z. B. Beugung oder Streckung von Extremitäten) als Verstärkung des zielgerichteten therapeutischen Druckes zu nutzen.

Meist wird angemessener Druck gegen eine Bewegungseinschränkung einer Faszie in tangentialer Form eingebracht, z. B. im Bereich der Fascia superficialis.[13] Dieser Druck wird durch den Therapeuten an der Dehngrenze gehalten bis eine Gewebereaktion einsetzt in Form von Nachgiebigkeit. Diese auch Compliance genannte Nachgiebigkeit des Gewebes wird in Echtzeit palpatorisch aufgenommen und es wird nun eine neue Dehngrenze gesucht bis zum Erreichen des erwünschten therapeutischen Ergebnisses, also einer größeren Geschmeidigkeit in der Faszie. Von Behandlern wird dieser Weg durch die Nachgiebigkeit („Ease“) hindurch auch als „fascial creep“[14] bezeichnet.

Der funktionelle fasciatherapeutische Ansatz sieht so aus, dass es hier nicht ausschließlich zu einer aktiven Beanspruchung der Dehngrenze kommt, sondern die Nachgiebigkeit des Gewebes unter ständiger palpatorischer Kontrolle verfolgt wird, um den sogenannten „Punkt der balancierten Spannung“ zu erreichen und das Gewebe zum Nachlassen von Spannung, dem sogenannten „Release“ veranlasst wird. Die Methodik vertritt die Auffassung, dass es gerade in einer spannungsneutralen Positionierung über ein propriozeptives Feedback zu einer Verbesserung der sensomotorischen Regulation von Hypertonus kommt.

Eine dritte Ausprägung ist die kombinierte Herangehensweise, in der über die Positionierung von Körperteilen die regionale Spannung reduziert wird, während gleichzeitig direkter dehnender Druck eingebracht wird.

Verbreitung und damit verbundene Unterschiede in der Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fasciatherapie wird in ganz Westeuropa gelehrt. In der französisch- und deutschsprachigen Schweiz und den frankophonen Ländern (Belgien, Frankreich) als Fasciatherapie – in Deutschland meist als Faszientherapie. Die Methode wird hauptsächlich von Physiotherapeuten, Medizinischen Masseuren und Heilpraktikern ausgeübt – nur vereinzelt sind es Ärzte, die sich in der Komplementär-Medizin positionieren.

Methodische Ausprägungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene methodische Ansätze, die sich als Fasciatherapie oder Faszientherapie präsentieren. Ihre behandlungstechnische Charakterisierung unterscheidet sich meist graduell über die Art der manuellen therapeutischen Einflussnahme und über die Art und Weise, wie Bewegung als therapeutisches Mittel integriert wird. Im weiteren werden die methodischen Ausprägungen vorgestellt, die zur Fasciatherapie gerechnet werden:

Funktionelle Fasciatherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

arbeitet mit Methoden wie dem

  • Unwinding[15]
  • Indirektem[16] und direktem Myofascial Release
  • Lymphtechniken
  • Strain-Counterstrain
  • Myofaszialer Induktionstherapie (MIT)[2]
  • Ligamentär-Artikulären Spannungstechniken und mit der
  • Behandlung thorakaler, viszeraler und pelvikaler Fascien.

All diese Bereiche sind eher funktionell ausgerichtet und somit auch als Therapieansatz für Funktionelle Syndrome konzipiert. Dies bedeutet, wie auch schon der Begriff „(Fascia-)Therapie“ signalisiert, eine eindeutige klinische Ausrichtung auf die medizinische Behandlung körperlicher Beschwerden z. B. aus dem orthopädischen Bereich wie die Plantarfasziitis oder chronische Rückenschmerzen oder unspezifische Spannungs-Kopfschmerzen anders als bei methodischen Ausprägungen, die sich primär das allgemeine Wohlbefinden ihrer Patienten zur Aufgabenstellung machen.

In deutlicher Abgrenzung dazu befinden sich eher strukturell orientierte Methoden, die vor allem die strukturelle Integrität des Körpers anstreben, z. B. das Rolfing oder auch bekannt als strukturelle Integration. Deren Ideal ist die Ausrichtung ihrer Klienten an der senkrechten Linie in der Schwerkraft und ein Erreichen größerer Geschmeidigkeit, um deren Wohlbefinden zu verbessern.

Fasciatherapie ist eine manuelle Regulationstherapie und bedient sich häufig der Methodik des Myofascial Release, einem Begriff der erstmals in den 1960er Jahren von Robert Ward D.O. dafür benutzt wurde, schmerzhafte Faszienabschnitte des Körpers in Bezug zu bringen mit anderen Arealen und gezielt in Spannungsbeanspruchung zu bringen – sei es indirekt über Annäherung oder direkt über Straffung und Spannungserhöhung. Die ersten gezielten Behandlungsansätze für Faszien werden Andrew Taylor Still dem Gründer der Osteopathie zugeschrieben.

Fasciatherapie mittels Myofascial Release ist gekennzeichnet durch

  • eine gezielte Kontaktnahme zu Bereichen des Körpers, die eine auffällige Gewebebeschaffenheit (Textur) und eine Bewegungseinschränkung (Restriktion) der dort befindlichen Fascien aufweisen,
  • eine vernetzte Herangehensweise, die nicht primär die Körperregion der Beschwerden behandelt sowie
  • eine permanente Rückkontrolle des geeigneten therapeutischen Drucks über Palpation.

Fasciatherapie / Fasciapulsologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fasciapulsologie ist eine manuelle Therapie und wurde in Frankreich von Christian Carini[17] in Anlehnung an die Funktionelle Osteopathie entwickelt. Er unterrichtete sie etwa dreißig Jahre lang. Das therapeutische Ziel ist dem der Funktionellen Osteopathie sehr ähnlich. Es geht hauptsächlich um eine Verbesserung der Zirkulation – in der Osteopathie auch formuliert als „Gesetz der Arterie“, dem Prinzip, dass eine Zone die besser versorgt und entsorgt wird (arteriell, venös, lymphatisch) auch eine gesteigerte Selbstheilungskraft entwickeln kann. Somit sind die in der Fasciapulsologie verwendeten Techniken häufig auf die faszialen Führungsschienen (Septen), die den Gefäßen Halt geben, ausgerichtet. Die Lehre der Fasciapulsologie hat als didaktisches Ziel, die Sensibilität der sie erlernenden Fasciatherapeuten zu verfeinern, um die Fluktuation der Blutgefäße befunden zu können und deren Hämodynamik zu verbessern. Eine weitere Zielsetzung Carinis war eine Harmonisierung des „Trauma-Gedächtnisses des Körpers“.

Christian Carini gründete im September 1979 die Lemniscate-Akademie in Frankreich, in der er seine Methode unter dem Namen Fasciatherapie unterrichtete. Er benannte die Methode 1988 um in Fasciapulsologie, um sie inhaltlich weiter zu präzisieren und von anderen Methoden abzugrenzen. Christian Carini verstarb 2018. Seine Methodik wird größtenteils in französischsprachigen Regionen angewendet.

Fasciatherapie nach der „Methode Danis Bois[18][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Physiotherapeut und Osteopath, Danis Bois, gründete die nach ihm benannte Methode in den 1980er Jahren in Anlehnung an die Osteopathie. Die Methodik basiert auf dem Prinzip, dass Faszien im Körper allgegenwärtig sind und körperliche, emotionale oder Belastungstraumata ihre biodynamischen Eigenschaften beeinflussen und funktionelle Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Eingeweide- und des Gefäßsystems verursachen.

Die Durchführung dieser Ausprägung der Fasciatherapie ist ebenso sanft im Sinne der strukturellen Beeinflussung von Fascien wie die anderen genannten funktionellen Ansätze. Die therapeutische Technik zielt darauf ab, die selbstregulierenden Kräfte

  • durch Berührung und
  • sogenannte „Sensorische Gymnastik“[19]

zu mobilisieren und wiederzubeleben. Diese „Sensorische Gymnastik“ ähnelt den Herangehensweisen des Unwindings in der Funktionellen Osteopathie, oder den sogenannten Écoute-Techniken, die über feinfühlige manuelle Begleitung von sich andeutenden Abweichungen des spontanen Bewegungsverhaltens Dysfunktionen befunden und über propriozeptive Erfahrung neutralisieren sollen. Die Praktiker der Methode Danis Bois geben an, dass sie vier Haupt-„Instrumente“ in ihrer Behandlung benutzen:

  • die Beziehungsberührung
  • Sensorische Gymnastik
  • Gewahrseins-Meditation
  • Gesprächsführung

Gerade der meditative Aspekt dieser Arbeit unterscheidet sie grundlegend von der Funktionellen Fasciatherapie und der Fasciapulsologie. Das Gewahrwerden und die Betonung der Achtsamkeit vermittelt über sogenannte Perzeptive Pädagogik sind in dieser Methodik das Charakteristikum – nicht so sehr die klinisch-komplementärtherapeutische Ausprägung wie in den beiden anderen methodischen Ausprägungen der Fasciatherapie, die ebenfalls sehr sanfte manuelle Palpation einsetzen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Danis Bois: Le moi renouvelé. Introduction à la somato-psychopédagogie. Verlag Point d'Appui, 2006, ISBN 2-913514-19-7.
  • C. Carini (in Zusammenarbeit mit Micheline Bourgoin): Les mains du coeur. Robert Laffont, 1995, ISBN 2-221-07641-9.
  • Jean Claude Guimberteau, Colin Armstrong: Faszien – Architektur des menschlichen Fasziengewebes. KVM der Medizinverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86867-318-0, Kapitel 5, S. 141–170.
  • W. L. Johnston: Funktionelle Techniken. Urban & Fischer/ Elsevier, München 2009, ISBN 978-3-437-57770-3, S. 24–29.
  • Serge Paoletti: Faszien, Anatomie – Strukturen – Techniken. Urban & Fischer, München 2001, ISBN 3-437-56100-6.
  • R. Schleip, T. W. Findley, L. Chaitow, P. A. Huijing (Hrsg.): Lehrbuch Faszien – Grundlagen – Forschung – Behandlung. Urban & Fischer/ Elsevier, 2014 München, ISBN 978-3-437-55306-6, S. 58–80 und S. 217 ff.
  • Louis Schultz, Rosemarie Feitis: The Endless Web: Fascial Anatomy and Physical Reality. North Atlantic Books, Berkeley, CA 1996, ISBN 1-55643-228-3.
  • T. Spinaris, E. L. DiGiovanna: Myofascial release. In: An Osteopathic Approach to Diagnosis and Treatment. 3. Auflage. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia, PA 2005, ISBN 0-7817-4293-5, S. 80–82.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. L. Johnston, H. D. Friedman: Funktionelle Techniken. 1. Auflage. Elsevier, München 2009, ISBN 978-3-437-57770-3, S. 190–205.
  2. a b R. Schleip, W. T. Findley, L. Chaitow, P. Huijing: Lehrbuch Faszien Grundlagen, Forschung, Behandlung. 1. Auflage. Urban & Fischer/ Elsevier Verlag, München August 2014, S. 234 ff.
  3. Alexander S. Nicholas, Evan A. Nicholas: Atlas Osteopathische Techniken. Urban & Fischer, 2009, abgerufen am 23. März 2019.
  4. Philipp Richter, Eric Hebgen: Triggerpunkte und Muskelfunktionsketten in der Osteopathie und manuellen Therapie. Georg Thieme Verlag, 2007 (google.de [abgerufen am 22. März 2019]).
  5. Educational Council on Osteopathic Principles (ECOP): Glossary of Osteopathic Terminology, S. 53. (PDF) 2011, abgerufen am 22. März 2019 (englisch).
  6. H. M. Langevin, K. J. Sherman: Pathophysiological model for chronic low back pain integrating connective tissue and nervous system mechanisms. In: Med Hypotheses. Band 68, 2007, S. 74–80, doi:10.1016/j.mehy.2006.06.033, PMC 3189915 (freier Volltext) – (englisch).
  7. R. Louis Schultz, Rosemary Feitis: The Endless Web: Fascial Anatomy and Physical Reality. 1. Auflage. North Atlantic Books, Berkeley, CA 1996, ISBN 1-55643-228-3.
  8. Jean-Claude Guimberteau: Faszien: Architektur des menschlichen Fasziengewebes. 1. Auflage. KVM – der Medizinverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86867-318-0, S. 141–170.
  9. Somatoviszerale Sensorik. In: Basiswissen Physiologie, Online. Springer, Berlin/ Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-71402-6, doi:10.1007/978-3-540-71402-6_16.
  10. Andrea Vetter: Der Einfluss von Schmerzen bei viszeralen Dysfunktionen auf somatische Strukturen und dessen Bedeutung für die Physiotherapie. Bachelor-Arbeit. Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (CH), 2009 (zhaw.ch [PDF; abgerufen am 22. März 2019]).
  11. Jean-Pierre Barral, Alain Croibier: Manipulation viszeraler Gefäße: Osteopathie in Theorie und Praxis. 1. Auflage. Urban & Fischer Verlag/ Elsevier, 2011, ISBN 978-3-437-58204-2.
  12. Carol J. Manheim: Praxisbuch Myofascial Release. 1. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern 2011, ISBN 978-3-456-84873-0.
  13. Serge Paoletti: Faszien. 2. Auflage. Urban & Fischer Verlag/ Elsevier, 2011, ISBN 978-3-437-56101-6.
  14. Thomas Findley: Second International Fascia Research Congress. In: Int Journal of Therapeutic Massage and Bodywork. Multimed, 2009, PMC 3091466 (freier Volltext) – (englisch).
  15. Budiman Minasny: Understanding the Process of Fascial Unwinding. In: Int J Ther Massage Bodywork. Band 2, Nr. 3. Multimed, 2009, S. 10–17, PMC 3091471 (freier Volltext) – (englisch).
  16. M. S. Ajimsha: Effectiveness of direct vs indirect technique myofascial release in the management of tension-type headache. In: Journal of Bodywork and Movement Therapies. Elsevier, 2011, abgerufen am 23. März 2019 (englisch).
  17. C. Carini (in Zusammenarbeit mit Micheline Bourgoin): Les Mains du coeur. 1. Auflage. Robert Laffont, 1995, ISBN 2-221-07641-9.
  18. Isabelle Eschalier: La fasciathérapie : Une nouvelle méthode pour le bien-être. Guy Trédaniel éditeur, 2010, ISBN 978-2-8132-0145-4.
  19. Hélène Courraud-Bourhis: La biomecanique sensorielle Methode Danis Bois. 1. Auflage. Edition Point d´appui, 1999, ISBN 2-913514-03-0.