Fediverse

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Fediverse (ein Kofferwort aus „federation“ und „universe“) bezeichnet ein Netzwerk föderierter, voneinander unabhängiger sozialer Netzwerke, Mikroblogging-Diensten und Webseiten für Online-Publikation oder Daten-Hosting. Das Konzept kam 2008 mit GNU Social auf und verbreitete sich 2016 mit Mastodon und dem davon verwendeten Kommunikationsprotokoll ActivityPub.[1]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee des „Fediverse“ ist, dass es möglich sein soll, ein Benutzerkonto auf einer beliebigen Plattform im Fediverse anzulegen und sich darüber mit Nutzern auf allen anderen Plattformen austauschen zu können, ohne dort ein weiteres Konto anlegen zu müssen. Ermöglicht wird das dadurch, dass die einzelnen Plattformen mittels bestimmter Kommunikationsprotokolle miteinander verbunden sind und so die föderierte Identität und Inhalte jeweils auf andere verbundene Plattformen und Instanzen verteilt werden.[2] Diese Praxis steht im Gegensatz zur Praxis der geschlossenen sozialen Netzwerke wie Twitter oder Facebook, bei denen Benutzer ein eigenes Benutzerkonto in jedem der Netzwerke benötigen, wenn sie mit anderen Nutzern des jeweiligen Netzwerks interagieren möchten.[3]

Begriff und Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff des „Fediverse“ wurde erstmals in Zusammenhang mit dem von verschiedenen sozialen Netzwerken genutzten Protokoll OStatus verwendet. Im Jahr 2016 wurde dies um Dienste, die das Protokoll ActivityPub verwenden, wie beispielsweise Mastodon, erweitert. In einer erweiterten Definition werden auch Netzwerke wie Diaspora, was ein eigenes Protokoll verwendet, zum Fediverse hinzugezählt,[4] da die Instanzen mit anderen Plattformen verbunden sind, die Teil des Fediverse sind. Manchmal werden auch sämtliche dezentralen Netzwerke, die als Alternative zu Netzwerken wie Facebook oder Twitter dienen können, als Fediverse bezeichnet.[5]

Die Unklarheit der genauen Definition bringt einige Probleme mit sich. So kann zum Beispiel nicht davon ausgegangen werden, dass alle Plattformen im Fediverse auch tatsächlich in allen Funktionen miteinander kompatibel sind und Inhalte von jeder Plattform in alle anderen übertragen werden können. Dies ist abhängig von der jeweiligen Implementation und dem verwendeten Protokoll. Allen einzelnen Plattformen ist nur gemein, dass sie dezentrale verteilte soziale Netzwerke und freie Software sind.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept des Fediverse kam im Jahr 2008 mit dem sozialen Netzwerken identi.ca auf, das die Software GNU Social verwendet. Neben dem Server identi.ca existierten lange Zeit nur wenige andere Instanzen, die meist von Einzelpersonen für ihren persönlichen Gebrauch betrieben wurden. Dies änderte sich 2011/2012, als es zunehmend zu Problemen auf identi.ca kam und die Plattform auf eine neue Software (pump.io) umgestellt wurde. Im Zuge der Migration von identi.ca wurden mehrere andere GNU-Social-Instanzen eröffnet.

Parallel zur Entwicklung von GNU Social implementierten andere Projekte wie Friendica, Hubzilla[6], Mastodon oder Pleroma[7] das OStatus-Protokoll, womit das Fediverse immer weiter aufgespannt wurde.

Im Januar 2016 stellte das W3C das Kommunikationsprotokoll ActivityPub vor, welches die Interoperabilität der verschiedenen Plattformen verbessern soll. Inzwischen wird dieses Protokoll von verschiedenen Plattformen ganz oder teilweise unterstützt. Diese Plattformen nutzen gleichzeitig noch andere Kommunikationsprotokolle, wodurch diese auch Teil des Fediverse werden. Der Grad der Integration und damit die Interoperabilität zwischen den einzelnen Plattformen und Netzwerken ist unterschiedlich. So sind auch innerhalb eines Kommunikationsprotokolls nicht alle Plattformen miteinander verbunden – wenngleich dies das Ziel der Protokolle wie ActivityPub ist.

Kommunikationsprotokolle und Instanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Web-Plattformen, die gemeinsam das Fediverse aufspannen, sind allesamt freie Software. Einige ähneln Twitter (zum Beispiel Mastodon oder GNU Social, ähnlich in ihrer Mikrobloggingfunktion und den Nutzerinteraktionen), während andere mehr Kommunikations- und Transaktionsmöglichkeiten bieten, die dann eher mit Google+ oder Facebook vergleichbar sind (wie Diaspora, Friendica und Hubzilla).

Teil des Fediverse sind Plattformen, die Kommunikationsprotokolle verwenden, die mehrere Plattformen im Fediverse verbinden. Einige verwenden mehrere Protokolle. Im Fediverse verwendete Protokolle sind:

  • ActivityPub; implementiert von Mastodon,[8] Friendica,[9] Pleroma, Peertube, Hubzilla,[10] und weiteren
  • DFRN; implementiert von Friendica[11]
  • Diaspora; implementiert von Diaspora, Friendica, Hubzilla, und weiteren
  • OStatus; implementiert von GNU Social, Friendica, Mastodon, Pleroma, Hubzilla, und weiteren

Selten werden auch Cloudnetzwerkprotokolle wie das von OwnCloud und Nextcloud verwendete Open Cloud Mesh hinzugezählt, da Nextcloud teilweise ActivityPub unterstützt und dadurch Verbindung zum Fediverse hat.[12]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine genaue Angabe der Anzahl verbundener Instanzen und Nutzer ist nicht möglich, da Statistiken nur per Opt-in erfasst werden. Diese machen keine Aussage zur gesamten Verbreitung des Fediverse; es können nur Aussagen zur Mindestverbreitung getroffen werden, die tatsächliche Verbreitung kann höher sein. Ein Statistikserver hatte zum 31. Dezember 2018 Kenntnis von 4.340 Instanzen (Servern), die sich auf 13 wesentliche Projekte aufteilen, die drei dynamischsten Projekte von April bis Ende Dezember 2018 sind Mastodon (+600.858 Nutzer +717 neue Instanzen), Pleroma (+2.535 Nutzer, +286 Instanzen) und PeerTube (+7.382 Nutzer, +188 Instanzen), beachtenswert ist auch das neue Projekt PixelFed (+3.668 Nutzer, +34 Instanzen). Es waren insgesamt 2.474.601 Nutzer registriert die 217 Millionen Nachrichten verfassten[13]. Rund die Hälfte der Nutzer war innerhalb des letzten halben Jahres aktiv.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eileen Brown: Is Mastodon the new social media star, or imploding black hole? In: zdnet.com. 17. April 2017, abgerufen am 5. Dezember 2018 (englisch).
  2. Leena Simon: Alternativen zu Facebook. In: Mittelbayerische. 13. April 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  3. John Hilton III (Hrsg.): Teaching Religion Using Technology in Higher Education. Routledge, New York 2018, ISBN 9781351616584, S. 104.
  4. Monika Ermert: No-Spy Konferenz: CryptoParties sind out, mehr Fediverse ist in. In: heise. 18. Juni 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  5. Sean O'Brien: Facebook Domination vs. Self-Determination. In: boingboing.net. 18. Juli 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018 (englisch).
  6. framagit.org/hubzilla/: gnusoc · master · hubzilla / addons. Abgerufen am 17. Juli 2018 (englisch).
  7. pleroma.social: Pleroma. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  8. github.com/tootsuite/mastodon/: ActivityPub support #1557. Abgerufen am 18. August 2018 (englisch).
  9. ActivityPub support in Friendica. In: friendi.ca Projektblog. 18. November 2018, abgerufen am 6. Dezember 2018 (englisch).
  10. framagit.org/hubzilla/: pubcrawl · master · hubzilla / addons. Abgerufen am 17. Juli 2018 (englisch).
  11. github.com/friendica/: DFRN2. (PDF) Abgerufen am 18. August 2018.
  12. wiki.geant.org: Open Cloud Mesh. Abgerufen am 18. August 2018 (englisch).
  13. fediverse network, 2018 Report. 31. Dezember 2018, abgerufen am 2. Januar 2019 (englisch).
  14. The Federation – A statistics hub. Abgerufen am 6. Dezember 2018.