Mastodon (Software)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mastodon

Mastodon Logotype (Simple)
Mastodon Single-column-layout.png
Web-Benutzeroberfläche
Basisdaten

Entwickler Eugen Rochko, Mastodon gGmbH
Erscheinungsjahr 5. Oktober 2016[1]
Aktuelle Version 3.5.2[2]
(3. Mai 2022)
Programmiersprache Ruby on Rails[3], React[3], Node.js[3]
Kategorie Verteilter Microblogging-Dienst
Lizenz AGPL-3.0[4]
joinmastodon.org

Mastodon ist ein verteilter Mikroblogging-Dienst, der seit 2016 von Eugen Rochko, einem deutschen Programmierer aus Jena bzw. der von ihm gegründeten Mastodon gGmbH entwickelt wird. Im Gegensatz zu großen vergleichbaren Plattformen wie Twitter ist Mastodon als dezentrales Netzwerk konzipiert. Der Dienst basiert dadurch nicht auf einer zentralen Plattform, sondern besteht aus vielen verschiedenen Servern, die von Privatpersonen, Vereinen oder sonstigen Stellen eigenverantwortlich betrieben werden können und miteinander interagieren.

Das Projekt ist Freie Software und steht mit seinem Quelltext unter der GNU Affero General Public License zur Verfügung. Die Entwicklung und unter anderem der Betrieb der Instanz mastodon.social werden fast ausschließlich durch Spenden an Rochko finanziert.[5][6] Die Instanzen des Dienstes sind Teil des Fediverse, also mit anderen sozialen Netzwerken verbunden.

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Mastodon können angemeldete Nutzer telegrammartige Kurznachrichten verbreiten. Diese Nachrichten werden „Toots“ oder übersetzt „Tröts“ genannt.[7] Mastodon erlaubt in der Standardeinstellung pro Beitrag (Tröt) 500 Zeichen,[8][9] diese lassen sich aber gemäß ActivityPub-Protokoll anpassen. Die Tröts können von Nutzern kommentiert, geteilt und favorisiert werden.

Nutzer erstellen einen Account auf einem der vielen verschiedenen Server (Instanzen) und können von dort Nutzern auf allen anderen Servern sowie anderen Diensten des Fediverse folgen.[10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung von Mastodon startete im März 2016.[11] Das Projekt Mastodon wurde zuerst am 5. Oktober 2016 auf Hacker News öffentlich bekannt gemacht.[12] Die ältesten noch aktiven Server sind mastodon.social, die Instanz des Entwicklers, awoo.space, social.tchncs.de und icosahedron.website. Die inzwischen über 2.800 Instanzen sind über joinmastodon.org zu finden.

Als wesentliche Server, die die Verbreitung von Mastodon jeweils beschleunigten, kamen hinzu:

  • im April 2017 mit mstdn.jp, dem ersten japanischen Server mit Zehntausenden von neuen Nutzern in wenigen Tagen
  • im Mai 2018 nach einer Gesetzesänderung in den USA (Stop Enabling Sex Traffickers Act), die zur Gründung von switter.at, einer offenen und freien Plattform für Sexarbeiter, führte, die in kurzer Zeit die 100.000-Nutzer-Schwelle überschritt und inzwischen über 200.000 Nutzer zählt.[11] Switter wurde am 14. März 2022 eingestellt; es gibt nur noch eine Informationsseite.[13]

Ab Version 1.6 wurde das ActivityPub-Protokoll vom W3C unterstützt (und auch OStatus als Ausweichlösung).[5][8] Allerdings wurde die Implementation des OStatus-Standards ab Version 3.0 entfernt und damit auch die Kompatibilität zu GNU Social.[14]

Technische und funktionale Meilensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oktober und November 2016 – Interface für mobile Endgeräte, Hashtags, Suche nach Nutzern, aus „Veröffentlichen“ wird im Deutschen „Tröt“[11]
  • Dezember 2016 und Januar 2017 – Aus „reblog“ wird „boost“ (deutsch „Teilen“), verschiedene Funktionen kommen hinzu, wie ein geschlossener Account, private Nachrichten, Inhaltswarnungen (Warnung vor Reiz auslösenden Inhalten) und Zwei-Faktor-Authentisierung
  • Februar 2017 – Eine Meldefunktion für Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen wurde eingeführt und die öffentliche Timeline wurde in eine lokale Timeline für die eigene Instanz und eine föderierte Timeline aufgeteilt
  • März, April, Juni 2017 – Emojis können über den Editor den Beiträgen hinzugefügt werden, GIF-Autoplay kann in den Einstellungen deaktiviert werden, Spalten im Webinterface werden flexibel und Nutzer können ihren Account löschen
  • August, September 2017 – Update des Mastodon Logos, Push-Benachrichtigungen werden implementiert, Mastodon implementiert ActivityPub nach OStatus, Beiträge können an das Profil geheftet werden
  • Oktober, Dezember 2017 – Eigene Emojis können auf einer Instanz verwendet werden,[15] alternative Texte für angehängte Medien (Bilder und Videos) zur Verbesserung der barrierefreien Darstellung, eine Listenfunktion wird eingeführt
  • März 2018 – Eine Suchfunktion und eine Downloadfunktion zum Backup für Nutzerdaten wird eingeführt
  • Mai 2018 – Die Metadaten des Nutzerprofils können flexibel angepasst werden, die Datenschutzerklärung wurde an die DSGVO angepasst
  • September 2018 – Die Föderationsunterstützung ist um Möglichkeiten zum Auffinden von Inhalten erweitert worden und die Darstellung der Profildaten wurde neu gestaltet[16]
  • Oktober 2018 – Linkvorschauen werden nun in Beiträgen angezeigt und Links können in den Profildaten verifiziert werden[17]
  • April 2019 – Es können Umfragen erstellt werden. Keybase-Profile können nun verifiziert werden. Sie werden wie verifizierte Links im Profil dargestellt.[18]
  • Mai 2019 – Bilder in Beiträgen, die mit einer Inhaltswarnung versehen wurden, werden mittels Blurhash-Algorithmus verschwommen dargestellt anstatt hinter einer schwarzen Fläche versteckt. Dieselbe Darstellung wird auch auf Bilder angewendet, die nachgeladen werden. Bilder hinter dieser Darstellung werden nicht in den Browser-Cache geladen.[19]
  • Juni 2019 – Es wurde ein einspaltiges Layout zur Verbesserung der Benutzererfahrung eingeführt.[20]
  • August 2020 – Der Audioplayer wurde überarbeitet, die Unterstützung weiterer Audio- und Videoformate bekannt gegeben.[21]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Backend ist in Ruby on Rails geschrieben, für das Frontend kommen die JavaScript-Bibliotheken React.js und Redux zum Einsatz.[8] Mastodon verfolgte anfangs eine API-first-Herangehensweise und Rochko verwendete damals cURL, um Mastodon zu steuern. Er erweiterte die Software nach der Universität in seiner Freizeit mit einer grafischen Benutzeroberfläche.[22]

Apps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2021 bzw. 2022 gibt es offizielle Apps für iOS und Android, die ebenfalls Open-Source[23] sind. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Apps für alle Plattformen mit teilweise größerem Funktionsumfang.[24] Die Apps wurden mit öffentlichen Geldern aus dem Prototype Fund unterstützt.[25]

Nutzung und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Nutzer Instanzen
25. Mai 2017[26] 650.000 1624
13. Januar 2020[27] 3,463 Mio. 2608
12. November 2020[28] 2,906 Mio. 2484
13. April 2022 5,025 Mio.[29] ca. 3700[30]
4. Mai 2022 5,166 Mio.[31] 3786[32]

Im April 2017 hatte die Instanz mastodon.social etwa 42.000 Nutzer.[33][34] Die wesentlichen Länder (nach Nutzern) waren 2019 Japan (ca. 0,8 Millionen), Deutschland (ca. 0,4 Millionen), die Vereinigten Staaten und Frankreich (je ca. 0,14 Millionen).[35] Die Gesamtnutzerzahl lässt sich aufgrund der Dezentralität nur ungenau bestimmen.

Seit dem 23. Januar 2018 ist das ActivityPub-Protokoll eine offizielle Empfehlung des W3C.[36]

Im Juli 2019 wechselte Gab, ein Netzwerk, das mit Hasstexten, Antisemitismus und Rassismus in Verbindung gebracht wird, auf einen Mastodon-Fork und betrieb plötzlich den größten Knoten des Netzes.[37] In einer offiziellen Stellungnahme distanzierte sich Mastodon von Gab. Einige Instanzen und Apps blockierten daraufhin die Server von Gab, da es in völliger Opposition zu Mastodon und deren Philosophie gesehen wird.[38]

Nutzung durch öffentliche Stellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2020 startete der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) in Deutschland eine eigene Mastodon-Instanz, die auch allen anderen öffentlichen Stellen auf Bundesebene als datenschutzkonforme Alternative zu Twitter zur Verfügung steht,[39] im Januar 2021 folgte der Landesbeauftragte in Baden-Württemberg, nachdem er sich zuvor von Twitter abgemeldet hatte.[40][41] Mittlerweile sind verschiedene öffentliche Stellen wie das Bundespresseamt[42], das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)[43], das Bundesbildungsministerium, der rheinland-pfälzische Landtag[44] und die Landesregierung von Baden-Württemberg[45] auf Mastodon vertreten.

Auch der Europäische Datenschutzbeauftragte hat in einem Pilotprojekt unter dem Namen "EU Voice" einen eigenen Mastodon-Server für EU-Behörden aufgesetzt[46], auf dem unter anderem die Europäische Kommission und der Europäische Gerichtshof vertreten sind.[47]

Twitter-Übernahme durch Elon Musk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Folge der angekündigten Twitter-Übernahme durch Elon Musk im April wechselten zehntausende Nutzer zu Mastodon, darunter auch einige Prominente.[48][49] Die Anzahl stündlicher Posts wurde dabei mehr als verdoppelt (von grob 5.000 Anfang April zu grob 10.000 Ende April),[31] was bei einigen Servern zu vorübergehenden Performance-Problemen führte.[50]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mastodon (social network) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eugen Rochko: Show HN: A new decentralized microblogging platform. (abgerufen am 23. Mai 2020).
  2. github.com. 3. Mai 2022 (abgerufen am 4. Mai 2022).
  3. a b c In: Readme.
  4. LICENSE. In: GitHub.
  5. a b Gargron: Frequently Asked Questions. (Nicht mehr online verfügbar.) In: tootsuite/mastodon. 21. Januar 2017, archiviert vom Original am 4. April 2017; abgerufen am 6. April 2017 (englisch).
  6. Casey Newton: Mastodon.social is an open-source Twitter competitor that’s growing like crazy. In: The Verge. 4. April 2017, abgerufen am 6. April 2017 (englisch).
  7. Berlet, Tristan & Christian Allner. Radio. Mastodon — #Onlinegeister Quickie (Social-Media-Podcast) (Interview). #Onlinegeister - Radio über Netzkultur, Social Media und PR. Radio Corax Halle (Saale). 26. April 2017. Zugriff 25.05.2017.
  8. a b c Daniel Berger: Dezentral und Open Source: Ist Mastodon das bessere Twitter? In: heise online. 5. April 2017, abgerufen am 6. April 2017.
  9. Matt Burgess: Could Mastodon be the social network to replace Twitter? In: Wired. 5. April 2017, abgerufen am 6. April 2017 (englisch).
  10. Joinmastodon.org. Mastodon gGmbH, abgerufen am 27. April 2022.
  11. a b c Eugen Rochko: Mastodon's 2 Year Anniversary. 14. Oktober 2018, abgerufen am 2. Januar 2019 (englisch).
  12. A new decentralized microblogging platform. Abgerufen am 2. Januar 2019 (englisch).
  13. A Memorial for Switter, a sex worker-friendly social network. In: Switter. Assembly Four, abgerufen am 26. April 2022 (englisch).
  14. Your self-hosted, globally interconnected microblogging community: tootsuite/mastodon. TootSuite, 8. Oktober 2019, abgerufen am 8. Oktober 2019.
  15. Eugen Rochko: Mastodon 2.0. In: Mastodon Blog. 19. Oktober 2017, abgerufen am 27. Mai 2019 (englisch).
  16. Eugen Rochko: Mastodon 2.5 released. In: Mastodon Blog. 5. September 2018, abgerufen am 27. Mai 2019 (englisch).
  17. Eugen Rochko: Mastodon 2.6 released. In: Mastodon Blog. 31. Oktober 2018, abgerufen am 27. Mai 2019 (englisch).
  18. Eugen Rochko: Mastodon 2.8. In: Mastodon Blog. 10. April 2019, abgerufen am 27. Mai 2019 (englisch).
  19. Eugen Rochko: Improving support for adult content on Mastodon. In: Mastodon Blog. 5. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019 (englisch).
  20. Eleanor: Mastodon 2.9 - Introducing the single-column layout. Abgerufen am 14. Juni 2019 (englisch).
  21. Eugen Rochko: Mastodon 3.2 released. In: Mastodon Blog. 2. August 2020, abgerufen am 22. März 2021 (englisch).
  22. Join the federation?! Mastodon awaits... with Eugen Rochko (The Changelog #315). Abgerufen am 22. Januar 2021 (englisch).
  23. Mastodon-Repositorys. In: GitHub. Abgerufen am 24. April 2022 (englisch).
  24. Get the Mastodon app. In: joinmastodon.org. Mastodon gGmbH, abgerufen am 24. April 2022 (englisch).
  25. Mastodon: Mobile Apps und E2E-Verschlüsselung. In: Prototype Fund. Open Knowledge Foundation Deutschland, abgerufen am 26. April 2022.
  26. mastodon instances. In: Grafana Network Overview. 25. Mai 2017 (mastodon.xyz [abgerufen am 25. Mai 2017]).
  27. Mastodon Instances. (Nicht mehr online verfügbar.) In: fediverse network. Archiviert vom Original am 13. Januar 2020; abgerufen am 10. Januar 2020 (englisch).
  28. Mastodon Instances. (Nicht mehr online verfügbar.) In: fediverse network. Archiviert vom Original; abgerufen am 4. Mai 2021 (englisch).
  29. Mastodon Users (@mastodonusercount@bitcoinhackers.org). In: Mastodon. 13. April 2022, abgerufen am 26. April 2022 (englisch).
  30. Advanced list. In: instances.social. thekinrar, abgerufen am 15. April 2022 (englisch).
  31. a b Mastodon Users (@mastodonusercount@bitcoinhackers.org). In: Mastodon. 4. Mai 2022, abgerufen am 4. Mai 2022 (englisch).
  32. Advanced List. In: instances.social. thekinrar, abgerufen am 4. Mai 2022 (englisch).
  33. Adam Boult: What is Mastodon? The new social network vying to be the next Twitter. In: The Telegraph. 5. April 2017, abgerufen am 6. April 2017 (englisch).
  34. usercount on mastodon.social. In: Mastodon. 5. April 2017 (mastodon.social [abgerufen am 6. April 2017]).
  35. Country Drilldown, Mastodon Monitoring Project. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 2. Januar 2019 (englisch).@1@2Vorlage:Toter Link/dashboards.mnm.social (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  36. ActivityPub. In: W3C. 23. Januar 2018, abgerufen am 15. März 2018 (englisch).
  37. Adi Robertson: How the biggest decentralized social network is dealing with its Nazi problem. 12. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  38. Wie frei darf oder muss Freie Software sein?, Linux News vom 18. Juli 2019
  39. @1@2Vorlage:Toter Link/www.behoerden-spiegel.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: BfDI startet alternativen Social-Media-Kanal) , Behörden-Spiegel vom 13. Oktober 2020
  40. LfDI Brink nutzt und unterstützt Social Media Plattform Mastodon, LfDI vom 19. Januar 2021
  41. Torsten Kleinz: Soziales Netzwerk Mastodon: Einsamer Twitter-Ersatz für Behörden. In: spiegel.de. Der Spiegel (online), 16. April 2022, abgerufen am 16. April 2022.
  42. @Bundespresseamt@social.bund.de. In: Mastodon (social.bund.de). 2022, abgerufen am 15. April 2022.
  43. BSI jetzt auch auf der Open-Source-Plattform Mastodon präsent, BSI vom 6. April 2021
  44. Profile auf social.bund.de. In: social.bund.de. BfDI, abgerufen am 15. Mai 2022.
  45. Landesregierung BW (@RegierungBW@bawü.social). In: bawü.social. LfDI BW, abgerufen am 15. April 2022.
  46. EDPS launches pilot phase of two social media platforms. In: European Data Protection Supervisor. 28. April 2022, abgerufen am 28. April 2022 (englisch).
  47. Entdecke EU Voice. In: social.network.europa.eu. Abgerufen am 28. April 2022 (englisch).
  48. u. a. Jan Böhmermann, El Hotzo, Ralph Ruthe, Dirk von Gehlen
  49. Barbara Wimmer: Riesen-Ansturm auf Twitter-Alternative Mastodon. In: futurezone. 26. April 2022, abgerufen am 26. April 2022.
  50. Eugen (@Gargron@mastodon.social). In: Mastodon. 25. April 2022, abgerufen am 27. April 2022 (englisch).