Flugplatz Köthen

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Flugplatz Köthen
2009-07 Köthen 02.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDCK
IATA-Code KOQ
Koordinaten
51° 43′ 16″ N, 11° 57′ 42″ OKoordinaten: 51° 43′ 16″ N, 11° 57′ 42″ O
93 m (305 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 2 km südlich von Köthen
Basisdaten
Eröffnung 1928
Betreiber Flugsportverein Köthen e.V.
Start- und Landebahn
07/25 800 m × 15 m Beton

Der Flugplatz Köthen (IATA-Code KOQ, ICAO-Code EDCK) ist ein deutscher Flugplatz in Köthen (Sachsen-Anhalt). Er ist als Sonderlandeplatz kategorisiert.

Die befestigte Start- und Landebahn von 2500 Metern Länge ist nicht nutzbar. Als behelfsmäßige Start- und Landebahn dient ein früherer Rollweg von 800 m Länge und 15 m Breite.

Fluggesellschaften und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt keine kommerziellen Linien- oder Charterflüge, lediglich in den Sommermonaten findet unregelmäßiger Sport-Flugbetrieb statt. Für die heutigen Jets ist die desolate Behelfslandebahn zu kurz. Eine Modernisierung oder die Wiederinbetriebnahme der eigentlichen Start- und Landebahn ist nicht vorgesehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1923 wurde mit der Bildung der Flugwissenschaftlichen Arbeitsgruppe Cöthen FLUWIAC der Grundstein der Köthener Fluggeschichte gelegt. Im Jahr 1928 wurde vom Stadtrat der Beschluss gefasst, südlich der Stadt einen Flugplatz anzulegen. In Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges zog 1937 das „Luftnachrichten- Lehr- und Versuchsregiment“ auf das Gelände, der Flugplatz wurde jetzt ausschließlich militärisch genutzt. Durch den Bau der Luftwaffenkaserne wurde Köthen Garnisonsstadt.

Tatsächliche Kriegshandlungen, von gelegentlichen Einsätzen einiger Messerschmitt Bf 109 zur Flugabwehr abgesehen, sollen vom Köthener Fliegerhorst im Zweiten Weltkrieg nicht ausgegangen sein. Im Sommer 1944 stürzte wenige Kilometer südöstlich des Flugplatzes, nahe dem Dorf Gnetsch, eine amerikanische B-17 Flying Fortress auf einen Acker. Am 14. April 1945 wurde der Militärflugplatz von amerikanischen Jagdbombern angegriffen und durch vorrückende Einheiten der 3rd Armored Division eingenommen.[1]

Nach Abzug der Amerikaner besetzten ab Juli 1945 Truppen der sowjetischen Armee den Flugplatz. Seit 1951 wurde hier das 73. sowjetische Garde-Jagdfliegerregiment (73 Gw.IAP) mit MiG-Jagdfliegerstaffeln stationiert.[2] Zunächst MiG-15 und MiG-17, später MiG-21, sowie ab den 80er Jahren die MiG-23 und zum Schluss die MiG-29. Ab 1983 waren auf dem Flugplatz Köthen zudem Transporthubschrauber vom Typ Mil Mi-8 und Kampfhubschrauberstaffeln des Types Mil Mi-24 stationiert. Diese wurden jedoch 1988 verlegt. In dieser Zeit waren regelmäßig Fallschirmspringerübungen zu beobachten. Kurzzeitige Stationierungen von anderen Einheiten, bspw. von Jak-28-Bombern des 668. BAP während des Manövers „Oktobersturm“ im Oktober 1965, erfolgten bis 1975. Zwischen 1961 und 1965 lagen in Köthen auch Teile von Hubschrauber- und Jagdfliegergeschwadern der NVA.

Der Tower

Am 29. April 1952 soll eine DC-4 auf dem Weg von Frankfurt nach Berlin-Tempelhof den offiziellen Flugkorridor verlassen haben. In der Nähe des Ortes Könnern bei Köthen eröffneten zwei sowjetische MiG-15 den Beschuss. Die DC-4 soll 89 Einschüsse aufgewiesen haben, zwei Passagiere wurden leicht verletzt, die Maschine konnte in Berlin Tempelhof notlanden. Der zivile Luftverkehr von und nach Berlin wurde für kurze Zeit eingestellt. Der Beschuss soll durch MiGs des 73. Garde-Jagdfliegerregiments (73 Gw.IAP siehe auch 16. Luftarmee), welches in Köthen stationiert war, ausgeführt worden sein. Diese Angaben wurden aus politischen Gründen nie offiziell bestätigt.

Im Kalten Krieg wurde von Köthen aus die westliche Außengrenze der Warschauer-Pakt-Staaten überwacht und zwischen der Ostsee und Ungarn regelmäßig abgeflogen. Flugtage waren dienstags, donnerstags und sonnabends. Zuletzt waren hier MiG-29 und Mi-24 stationiert, der Flugbetrieb endete im Mai 1991.

Der Abzug der sowjetischen Streitkräfte im Jahr 1991 wurde durch den Einsatz des Großraumtransportflugzeuges Antonow An-124 unterstützt und im August abgeschlossen. Seitdem wird ein Teil des Flugplatzes durch einen Fliegersportklub genutzt. Die ehemalige Hauptlandebahn wurde auch aufgrund ihres desolaten Erhaltungszustandes abgerissen. Frühere Kasernengebäude stehen noch heute leer oder wurden zu Verwaltungsgebäuden der Landkreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld, Finanzamt Köthen und privaten Wohnhäusern umgenutzt.

Zur Erinnerung an die Köthener Luftfahrtgeschichte trägt seit März 1992 eine Boeing 737-300 der Lufthansa, mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-ABES, den Namen „Köthen/Anhalt“.

Solarenergie-Kraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf 55 Hektar großen Teilflächen und dem Rollfeld des Flughafens wurde bis Ende 2008 durch das rheinland-pfälzische Unternehmen juwi eines der größten Photovoltaik-Kraftwerke Deutschlands errichtet. Mit einer installierten Nennleistung von 15 Megawatt und einer Modulfläche von etwa 145.000 m² sollen damit über 13 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden, was dem Jahresbedarf von über 4000 Haushalten entspricht.[3]

Solarenergie-Kraftwerk auf dem Flugplatz Köthen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Büttner: Rote Plätze. Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994. Fliegerhorste–Aerodrome–Militärbrachen. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flugplatz Köthen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regina Michel: Geschichten über Zeit und Leute: Das Leben in der Region zwischen Köthen und Bitterfeld 1900 bis 1945. Weißandt-Gölzau: Eigenverlag Kultur- und Heimatverein Weißandt-Gölzau 1990 e.V. 2006, ISBN 3-00-019476-2.
  2. Flugplatz Köthen | Military Airfield Directory. Abgerufen am 1. Dezember 2017.
  3. Unternehmensangaben (Memento vom 1. September 2009 im Internet Archive)