Flugplatz Kamenz

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Flugplatz Kamenz
Luftaufnahme (2017)
Kenndaten
ICAO-Code EDCM
Koordinaten

51° 17′ 47″ N, 14° 7′ 44″ OKoordinaten: 51° 17′ 47″ N, 14° 7′ 44″ O

Höhe über MSL 151 m (495 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 2,5 km nordöstlich von Kamenz
Basisdaten
Eröffnung 1918
Betreiber Fliegerclub Kamenz e.V.
Start- und Landebahnen
03/21 1100 m × 28 m Beton
03/21 1100 m × 40 m Gras



i7 i10 i11 i13

Der Flugplatz Kamenz ist ein Verkehrslandeplatz bei Kamenz. Er liegt ca. 2,5 km nordöstlich des Kamenzer Stadtzentrums. Es stehen zwei Bahnen zur Verfügung, wobei eine betoniert und mit einer Befeuerung ausgestattet ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kamenzer Flugplatz hat eine militärische Vergangenheit. Am 11. September 1916 wurde der Bau einer Fliegerstation durch den sächsischen König genehmigt. Am 20. Juli 1918 nahm die Zweigfliegerschule der Fliegerersatzabteilung 12 (FEA 12) Cottbus den Flugbetrieb zum Zwecke der Ausbildung von Offizieren auf. Nach Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte den Versailler Vertragsbestimmungen zufolge am 15. Mai 1919 die Auflösung der Fliegerstation und bis zum 15. Februar 1921 die Demontage der flugtechnischen Anlagen.

Nachdem das Gelände über einen längeren Zeitraum mit Ausnahme eines Flugtages am 31. Juli 1927 durch den Lausitzer Flugverein nicht genutzt worden war, diente das alte Werftgebäude von 1935 bis 1939 der Reichs-Segelflug-Bauschule 3 als Stützpunkt. Der Flugplatz Kamenz wurde von 1937 bis 1939 für die Luftwaffe wieder hergerichtet. Nutzer wurde die Luftkriegsschule 1 (LKS 1). 1941 errichtete die Weser-Flugzeugbau GmbH ein Zweigwerk, das Sturzkampfflugzeuge vom Typ Ju 87 produzierte, die am Platz auch eingeflogen wurden. Von Februar bis April 1945 wurde Bautzen Frontflugplatz und durch verschiedene Luftwaffeneinheiten, darunter Teile der Schlachtgeschwader SG 2 und SG 77, belegt. Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe die hier zwischen 1939 und 1945 stationiert waren.[1]

Von Bis Einheit Ausrüstung
März 1939 März 1939 III./LG 1 (III. Gruppe des Lehrgeschwaders 1) Heinkel He 111H
Februar 1945 Februar 1945 I./SG 77 (I. Gruppe des Schlachtgeschwaders 77) Focke-Wulf Fw 190F
Februar 1945 März 1945 III./SG 2 Junkers Ju 87, Focke-Wulf Fw 190
April 1945 April 1945 III./SG 77 Focke-Wulf Fw 190F

Am 26. April 1945 besetzte die Rote Armee den Flugplatz. Nach Kriegsende wurden die übriggebliebenen Hallen und Einrichtungen bis 1948 von sowjetischen Armeeangehörigen gesprengt.

Vorfeld und Hangars

Zu DDR-Zeiten übernahm im Jahr 1952 zunächst die Kasernierte Volkspolizei Luft den Platz und nutzte ihn zur Ausbildung von Flugzeugführern auf Jak-18 und Jak-11. Später wurde der Flugplatz von der NVA genutzt, die hier ab 1954 die Flugzeugreparaturwerkstatt 24 (FRW-24) und ab 1972 die Transportfliegerausbildungsstaffel 45 (TAS-45) der Offiziershochschule für Militärflieger der NVA Luftstreitkräfte stationierte. Bis 1990 wurden in Kamenz Flugzeuge der Typen Jak-18, An-2, An-14, L-410 und Z-43 gewartet.

Tower

Nach der Wende fand die Übergabe zur zivilen Nutzung statt. Am 11. Juni 1991 übernahm das Bundesvermögensamt das Gelände. Die Flugplatz Kamenz GmbH betrieb jahrelang den Flugplatz. An der Gesellschaft sind der Landkreis Kamenz mit 40 Prozent und die Stadt Kamenz mit 60 Prozent beteiligt. Trotz der hohen Bedeutung von Verkehrslandeplätzen für die regionale Wirtschaft gestaltet sich der Betrieb in dünn besiedelten Räumen oft schwierig. Eine kommerzielle Bewirtschaftung ist oft unrentabel und die Kommunen können die Defizite meist nicht ausgleichen.

Den Betrieb hat nach einer Ausschreibung per 1. Oktober 2004 der Fliegerclub Kamenz e.V. übernommen. Die Flugplatz Kamenz GmbH fungiert als Eigentümer der Liegenschaft. Entsprechend wurde die Gesellschaft am 21. September 2004 ins Grundbuch eingetragen.

Von 1918 bis 1991 war der Flugplatz mit einer Anschlussbahn an die nur dem Güterverkehr dienende Bahnstrecke Kamenz–Kamenz Nord angebunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Binder: Das Flugwesen entwickelt sich. Von den Höhen und Tiefen eines Menschheitstraumes in Kamenz. In: Sächsische Heimatblätter. Zeitschrift für Sächsische Geschichte, Denkmalpflege, Natur und Umwelt. 57. Jahrgang, 3/2011, S. 288–293.
  • Thomas Bußmann: Stahlbeton, Gras und Bahnbefeuerung – Die militärisch genutzten Flugplätze der DDR. MediaScript, Cottbus, Berlin 2011, ISBN 978-3-9814822-0-1, S. 116–119.
  • Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 2: Sachsen. VDM, Zweibrücken 2001, ISBN 3-925480-62-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Flugplatz Kamenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders). (PDF; 3,2 MB) S. 320–321, abgerufen am 28. Juni 2019.