Fomalhaut b

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Exoplanet
Fomalhaut b
(Dagon)

Hubble-Bild des Fomalhaut-Systems

Hubble-Bild des Fomalhaut-Systems
Sternbild Südlicher Fisch
Position
Äquinoktium: J2000.0
Rektaszension 22h 57m 39,04625s [1]
Deklination −29° 37′ 20,0533″ [1]
Orbitdaten
Zentralstern Fomalhaut
Große Halbachse 115 AE [2]
Exzentrizität 0.11 [2]
Umlaufdauer 320000 d [2]
Weitere Daten
Masse 3  +0−3 MJ [2]
Entfernung 7.7 pc [2]
Methode Imaging [2]
Geschichte
Datum der Entdeckung 2008

Fomalhaut b (Dagon) ist ein etwa 25 Lichtjahre entfernter Planet, der den Stern Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch umkreist. Er war der erste Exoplanet, der direkt im optisch sichtbaren Licht nachgewiesen werden konnte. Nahezu gleichzeitig wurde allerdings um HR 8799 ein Planetensystem im infraroten Licht entdeckt. Mehrere Objekte wurden vorher im infraroten Licht entdeckt, sind jedoch weder im optisch sichtbaren detektiert worden, noch sind sie in einem Multiplanetensystem.

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bildausschnitt ist die Bewegung von Fomalhaut b binnen zwei Jahren zu sehen; das Zentralgestirn wurde hier abgedeckt, um die lichtschwachen umgebenden Objekte nicht zu überstrahlen.

Der Hauptreihenstern Fomalhaut der Spektralklasse A war, seitdem in den 1980er Jahren vom Satelliten IRAS um ihn ein ausgedehnter Staubring (ähnlich dem Kuipergürtel) entdeckt wurde, ein Ziel der Suche nach Planetensystemen. 2004 wurde durch Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops festgestellt, dass diese Staubscheibe eine scharfe innere Begrenzung hat. Die Vermutung lag nahe, dass ein massereicher Planet die Staubscheibe gravitativ beeinflussen müsse. Ein weiterer Hinweis ergab sich dadurch, dass die Staubscheibe elliptisch und nicht exakt auf den Stern zentriert ist.[3]

Seit 2001 wurde Fomalhaut von einer Arbeitsgruppe um Paul Kalas von der University of California, Berkeley beobachtet. Wiederholte Hubble-Aufnahmen zwischen 2004 und 2006 zeigten einen Lichtpunkt innerhalb des Staubrings, der sich offenkundig auf einer Keplerschen Bahn um Fomalhaut bewegt. Die Entdeckung wurde im November 2008 veröffentlicht. Dies war der erste direkte optische Nachweis für die Existenz von Exoplaneten.

2010 wurde das System erneut vom Hubble-Teleskop fotografiert. Auf dem neuen Foto weicht Fomalhaut b von seiner vorherberechneten Bahn ab. Dies veranlasste Skeptiker dazu, die Existenz von Fomalhaut b in Frage zu stellen. Allerdings könnten die Abweichungen auch durch die Verwendung einer anderen Kamera zu erklären sein.[4]

Bahneigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dimensionen des Fomalhaut-Systems und unseres Sonnensystems im Vergleich. Fomalhaut b liegt sehr weit außen und hat eine entsprechend lange Umlaufzeit.

Bahnberechnungen aufgrund mittels des Hubble Teleskops im Jahre 2012 getätigter Beobachtungen ergaben, dass Fomalhaut b den Zentralstern auf einer weit exzentrischeren Bahn umläuft, als bisher angenommen. Der Abstand schwankt zwischen 49 AE und 290 AE bei einer Umlaufzeit von etwa 2000 Jahren.[5]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spekulative Ansicht von Fomalhaut b mit Ringsystem, Fomalhaut und Teilen der Staubscheibe im Hintergrund.

Die physikalischen Eigenschaften von Fomalhaut b können nur aus den Bahnparametern extrapoliert werden. Die Berechnungen gehen davon aus, dass Fomalhaut b maximal etwa dreimal so massereich wie Jupiter sein kann, andernfalls würde er die Staubscheibe zerstören.[6] Die wahrscheinliche Masse liegt zwischen der halben und der doppelten Jupitermasse. Sein Radius entspräche in jedem Fall etwa dem des Jupiter.

Die Oberflächentemperatur dürfte in etwa der des Neptun (−200 °C) entsprechen, da die höhere Leuchtkraft Fomalhauts die Entfernung kompensiert. Der Planet erscheint eine Milliarde mal lichtschwächer als Fomalhaut. Dies ist immer noch viel heller, als die Oberfläche des Planeten allein erwarten lassen würde. Eine mögliche Erklärung ist, dass Fomalhaut b von einem gewaltigen Ringsystem aus Eis und Staub umgeben ist, das den Dimensionen der Bahnen der Galileischen Monde um Jupiter entsprechen dürfte.

Eigenname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei allen Exoplaneten ergibt sich die systematische Bezeichnung aus der Bezeichnung des Sterns und einem entsprechend der Reihenfolge der Entdeckung hinzugefügten Kleinbuchstaben. Nach einem öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb der Internationalen Astronomischen Union (IAU) erhielt Fomalhaut b am 15. Dezember 2015 zusätzlich den Eigennamen Dagon, der auf die Gottheit Dagān zurückgeht.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Simbad
  2. a b c d e f Exoplanet.eu
  3. Paul Kalas, James R. Graham & Mark Clampin: A planetary system as the origin of structure in Fomalhaut's dust belt; Nature (2005), 435, S. 1067–1070; doi:10.1038/nature03601.
  4. astronomie-heute.de abgerufen am 27. September 2011
  5. J.D. Harrington and Ray Villard: NASA's Hubble Reveals Rogue Planetary Orbit for Fomalhaut B. NASA, 8. Januar 2013, abgerufen am 1. August 2016.
  6. Paul Kalas, James R. Graham, Eugene Chiang, Michael P. Fitzgerald, Mark Clampin, Edwin S. Kite, Karl Stapelfeldt, Christian Marois, John Krist: Optical Images of an Exosolar Planet 25 Light-Years from Earth; Science (2008), Vol. 322, no. 5906, S. 1345–1348; doi:10.1126/science.1166609.
  7. International Astronomical Union: NameExoWorlds - The Approved Names. Abgerufen am 3. Januar 2016.