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Frances Reed Elliott

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Frances Reed Elliott, Zeitungsausschnitt 1918

Frances Reed Elliott auch Frances Elliott Davis (* 28. April 1882 nahe Shelby (North Carolina); † 2. Mai 1965 in Mount Clemens, Michigan) war die erste afroamerikanische Krankenschwester, die Mitglied des amerikanischen Roten Kreuzes wurde. Sie wurde am 2. Juli 1918 in den American Red Cross Nursing Service (dt. Schwesternschaft des amerikanischen Roten Kreuzes) aufgenommen. Elliott war eine Pflegelehrerin und Organisatorin in verschiedenen Einrichtungen. Sie kämpfte für die Gleichberechtigung afroamerikanischer Schwestern im Ersten Weltkrieg. Mit der von ihr organisierten ersten Pflegeschule für Schwarze in Michigan ermöglichte sie dort ansässigen afroamerikanischen Frauen den Zugang zur Pflegebildung. Sie arbeitete in der öffentlichen Gesundheitspflege und engagierte sich für Arme und Arbeiter während der Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten.

Familiärer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elliott wurde am 28. April 1882 etwa 15 Kilometer entfernt von Shelby in North Carolina geboren. Ihre Mutter Emma Elliott entstammte der Familie Elliott; eine sehr respektierte und angesehene weiße Familie, ihr Vater Edward Donoho Elliott war Nachfahre der ersten Siedler in North Carolina und ein methodistischer Prediger. Frances Elliotts Vater Darryl (Nachname unbekannt) war der Sohn einer ehemaligen afroamerikanischen Sklavin der Familie Elliott und eines Cherokee und war ein Sharecropper (dt. Pächter). Wann die Affäre zwischen der weißen Pflanzertochter und dem afroamerikanischen Cherokee begann, ist nicht ganz klar, möglicherweise wuchsen sie gemeinsam auf der Plantage der Familie Hinton’s Creek auf.[1]

Die damaligen Gesetze des Bundesstaates verboten die Ehe oder das Zusammenleben von Schwarzen und Weißen, in den segregierten Südstaaten fühlten sich Weiße in ihrem sozialen Status häufig bedroht, insbesondere Interaktionen und Verbindungen zwischen schwarzen Männern und weißen Frauen konnte für den Schwarzen ernstzunehmde Folgen haben.[2] Als die Schwangerschaft von Elliotts Mutter bekannt wurde, floh ihr Vater Darryl aus berechtigter Angst gelyncht zu werden und verließ North Carolina.[3] Ihre Mutter verließ den Staat ebenfalls und ließ sich in Tennessee nieder. In ihrem Testament hinterließ sie ihrer Tochter ihren Anteil am Grundbesitz der Familie. Emma Elliott starb, als ihre Tochter fünf Jahre alt war. Von der weitläufigen Familie weigerten sich alle das schwarze Kind aufzunehmen und Frances Elliott kam unter staatliche Obhut.[1]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elliott lebte bis zu ihrem 17. Lebensjahr in fünf verschiedenen Pflegefamilien. Ihre Schulbesuche und Ausbildung waren bestenfalls sporadisch, aber dank der afroamerikanischen Pflegefamilie Dorsett bemühte Elliott sich, ihre Lese- und Schreibfähigkeiten stetig zu verbessern, um eines Tages Krankenschwester werden zu können. Die Familie Dorsett organisierte schließlich eine Pflegestelle bei einem Prediger in Raleigh (North Carolina), um ihr den Zugang zu besseren Schulen zu ermöglichen. Der Prediger Withrow war überwiegend am Geld interessiert, das Elliott ihm dank ihres Grundbesitzes einbrachte und nahm sie von der Schule, damit sie zusätzlich noch arbeiten gehen konnte.[1]

Als Elliott bei der weißen Familie Reed als Kindermädchen arbeitete, nahmen diese sich ihr an. Sie schickten Elliott auf ein Internat in Knoxville (Tennessee), um der Familie Withrow zu entfliehen und versorgten sie acht Jahre lang mit Schulgeld, Kleidung und allem was sie brauchte. Aus Dankbarkeit nahm Elliott den Namen Reed an. Nach ihrem Schulabschluss am historischen afroamerikanischen Knoxville College plädierten die Familie Reed und ihr Verlobter für eine Ausbildung als Lehrerin, aber Elliott wollte ihren Wunsch als Krankenschwester zu arbeiten durchsetzen. Sie trennte sich von ihrem Verlobten und arbeitete zunächst als Lehrerin in Henderson (North Carolina), um selbst genug Geld für die Pflegeschule zu verdienen. Elliott verließ den Süden im Jahr 1910 und zog nach Washington, D.C.[3]

Ausbildung und frühe Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krankenschwestern am Freedmen’s Hospital

Elliott begann ihre Ausbildung als Krankenschwester 1910 an der Freedmen’s Hospital Training School for Nurses, einer Pflegeschule, die afroamerikanische Schwestern ausbildete. Es gab zwei Abschlussprüfungen, die nach Rasse abgehalten wurden, die Prüfungen für weiße Schwestern galten als die anspruchsvollsten und waren am höchsten geschätzt. Elliott forderte, dass sie ebenfalls das Examen für weiße Schwestern ablegen durfte und wurde die erste schwarze Krankenschwester, die diesen Abschluss im District of Columbia erreichte.[4]

Nach ihrem Examen übernahm Elliott einige Arbeitsstellen als private Krankenschwester und wechselte dann ans afroamerikanische Provident Hospital nach Baltimore, Maryland als Oberschwester. Neben ihrer Arbeit dort besuchte sie weitere zusätzliche Kurse an der Columbia University.[5] Elliott hatte das Bedürfnis mehr zu tun und begann sich für die Arbeit des Amerikanischen Roten Kreuzes (ARK) zu interessieren. Dort jedoch galten noch die Politik der Rassendiskriminierung und /-trennung, so dass ihr Bemühen um eine Aufnahme zunächst scheiterte.

Zu dieser Zeit waren viele diskriminierende Praktiken gegenüber schwarzen Menschen im Gesundheitswesen üblich. So wurden afroamerikanische Schwestern und Patienten nur mit Vornamen angesprochen, während man von ihnen erwartete, die weißen Schwestern und anderes Personal mit Nurse Nachname, Miss oder Misses anzusprechen. Außerdem wurde es den schwarzen Schwestern schwer gemacht den Berufsverbänden und dem Roten Kreuz beizutreten, in dem als Voraussetzung für den Beitritt eine Ausbildung in einem Krankenhaus mit über 50 Betten gefordert wurde. Für die meisten Schwestern, die beinahe alle im Freedman’s Hospital, einem kleinen segregierten Krankenhaus ihre Ausbildung durchliefen, machte diese Bedingung eine Aufnahme beinahe unmöglich.[6]

Amerikanisches Rotes Kreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Elliott ursprünglich beim ARK aufgrund ihrer Hautfarbe abgelehnt wurde, blieb sie beharrlich. Aufgrund ihres hohen akademischen Ausbildungsstandes konnte auch kein weiterer Grund gefunden werden Elliott abzulehnen. Im Sommer 1916 wurde sie schließlich in das Pflegeprogramm für ländliche Gemeinden (engl. rural nursing program) aufgenommen und für ein Weiterbildungsprogramm an die Columbia University geschickt. Ein Jahr später wurde sie nach Jackson (Tennessee) zu ihrer ersten Aufgabe für das ARK geschickt. Offiziell in das ARK aufgenommen wurde sie am 2. Juli 1918 und wurde als erste afroamerikanische Krankenschwester Mitglied des ARK Nursing Service.[7] In der Folge wurden etwa 90 farbige Krankenschwestern bis zum Ende des Krieges im Roten Kreuz zugelassen.[8]

Während des Ersten Weltkrieges meldete Elliott sich freiwillig beim U.S. Army Nurse Corps. Ihre weißen Kolleginnen beim ARK erhielten alle automatisch ihre Rot-Kreuz-Abzeichen, die ihnen erlaubten ins Corps zu wechseln. Elliots Abzeichen war jedoch mit "1A" gekennzeichnet und wies sie als erste afroamerikanische Schwester aus, von daher wurde ihr der Wechsel untersagt. Elliott gab sich nicht geschlagen und trug durch die pflegerische Versorgung von Soldaten und ihren Familien in Chattanooga (Tennessee) zu den Kriegsanstrengungen bei.[9] Sie durfte jedoch niemals an Einsätzen in Übersee teilnehmen.[4] Das System der Kennzeichnung schwarzer Krankenschwestern blieb bis 1949 üblich, jedoch wurde die Zulassungspolitik des Nurse Corps 1941 geändert und die erste schwarze Krankenschwester Della H. Raney wurde im Corps angenommen.[10]

Spanische Grippe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elliott kehrte in ihre Station nach Jackson zurück, als im September 1918 die Spanische Grippe in den Vereinigten Staaten ausbrach. Die Grippe breitete sich schnell aus und betraf Soldaten und Zivilisten gleichermaßen. Millionen Menschen erkrankten und die Grippe verursachte eine nationale Gesundheitskrise, auf die das Land nur ungenügend vorbereitet war. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende und die Krankenschwestern kämpften nun gegen die Grippe.

Als die Grippe Jackson erreichte, suchte Elliott nach Wegen, um ihrer Gemeinde zu helfen. In einer Zeit als nur wohlhabende Amerikaner ein Auto besaßen und fahren konnten, nahm sie Fahrstunden und begann von Haus zu Haus zu fahren um den betroffenen Familien, ob schwarz oder weiß zu helfen. Sie selbst erkrankte im Winter 1918/1919 schwer an der Grippe und behielt einen Herzfehler zurück.[1]

Karriere nach 1920[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eleanor Roosevelt, Unterstützerin von Elliot, besucht eine schwarze Pflegeschule (1936)

In den frühen 1920er Jahren übernahm Elliott einige verschiedene Aufgaben, ehe sie 1927 mit Unterstützung des ARK beim Detroit Public Health Department eingestellt wurde. Dort übernahm sie große Anstrengungen um die Ärmsten in Detroit zu unterstützen und zog schließlich mit ihrem Mann William Davis in ein heruntergekommenes Viertel von Detroit um näher bei ihren Schutzbefohlenen zu sein. Sie erhielt 1929 ein Stipendium des Rosenwald Fund um ihren Bachelor an der Columbia University Teachers College zu erlangen, ihr Gesundheitszustand war jedoch zu schlecht um anzunehmen. Als Direktorin der Pflegeausbildung in Tuskegee (Alabama) und Organisatorin der ersten Pflegeschule für afroamerikanische Schwestern in Michigan am Dunbar Hospital in Detroit, leistete sie einen großen Beitrag zum ARK. Elliott leitete pränatale Stationen, Entbindungsstationen und Kinderkrankenhäuser in Detroit und betreute einen Laden in der Ford Motor Company um die Arbeiter während der Wirtschaftskrise mit Nahrungsmitteln zu versorgen.[11]

In den 1940er richtete Elliott eine Kinderstation an der Carver School ein. Wegen Unterstützung wandte sie sich an die damalige First Lady Eleanor Roosevelt und zur großen Überraschung Elliotts beteiligte sich die First Lady persönlich an dem Projekt, half bei der Planung und der Finanzierung der Einrichtung. Danach kehrte Elliott mit 62 Jahren in den Pflegeberuf zurück und arbeitete im nahegelegenen Eloise Hospital in Wayne County als Krankenschwester.

Karriereende und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 69 Jahren setzte sich Elliott schließlich zur Ruhe. Sie war neben der Mitgliedschaft beim Roten Kreuz auch bei der National Association of Colored Graduate Nurses, der National Organization of Public Health Nursing, der League of Nursing Education und der American Nurses Association Mitglied.[12] Das ARK plante eine Zeremonie um Elliott für ihre lange Karriere, ihre Verdienste und ihre Ausdauer bei der Überwindung der Rassenschranken zu ehren. Elliott starb neun Tage vor der Veranstaltung am 2. Mai 1965 in Mount Clemens, Michigan an einem Herzinfarkt. Sie wurde auf dem Rosehill Cemetery in Eaton Rapids, Michigan beigesetzt.[13]

Im Jahr 2019 wurde Elliott vom ARK im Rahmen des Black History Month geehrt.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jessica A. Bandel: World War I Nurse Frances Reed Elliott Davis. In: North Carolina Department of Natural and Cultural Resources. 3. August 2017, abgerufen am 30. Juni 2020 (englisch).
  • Jean Maddern Pitrone: Trailblazer: Negro nurse in the American Red Cross. Harcourt 1969, ISBN 978-0152896508 (englisch).
  • Phoebe Ann Pollitt: African American and Cherokee Nurses in Appalachia. McFarland 2016, ISBN 978-0786479658 (englisch).
  • Dalyce Newby: Davis, Frances Elliott. In: American National Biography Online, Oxford University Press, 2000, ISBN 978-0-19-860669-7 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Jessica A. Bandel: World War I Nurse Frances Reed Elliott Davis bei North Carolina Department of Natural and Cultural Ressources, veröffentlicht am 3. August 2017 (englisch) abgerufen am 23. Juni 2020
  2. Lisa D. Cook, Trevon D. Logan, John M. Parman: Racial Segregation and Southern Lynching in Social Science History Band 42, Ausgabe 4, 2018 (englisch) S. 635–675
  3. a b Phoebe Ann Pollitt: African American and Cherokee Nurses in Appalachia McFarland, 2016, ISBN 978-0786479658 (englisch) S. 117
  4. a b Phoebe Ann Pollitt: African American and Cherokee Nurses in Appalachia McFarland, 2016, ISBN 978-0786479658 (englisch) S. 118
  5. Pitrone, Jean Maddern. Trailblazer; Negro nurse in the American Red Cross. New York, Harcourt, Brace & World, 1969. 191 p.
  6. Judith Walzer Leavitt: Women and Health in America: Historical Readings University of Wisconsin Press, 1999, ISBN 978-02991-5964-1 (englisch) S. 475–487
  7. Amerikanisches Rotes Kreuz: Significant Dates Abschnitt 1910–1929 (englisch) abgerufen am 23. Juni 2020
  8. American Nurse: Three Red Cross Women Who Persevered: African American History Month vom 14. Februar 2017 (englisch) abgerufen am 1. Juli 2020
  9. National Underground Railroad Freedom Center: Heroes of the American Red Cross (englisch) abgerufen am 23. Juni 2020
  10. National Negro Health News: Negro Nurses, 1944, Band 12, Ausgabe 2, S. 7
  11. a b Amerikanisches Rotes Kreuz: Red Cross Celebrates African American History Month vom 1. Februar 2019 (englisch) abgerufen am 23. Juni 2020
  12. Phoebe Ann Pollitt: African American and Cherokee Nurses in Appalachia McFarland, 2016, ISBN 978-0786479658 (englisch) S. 119
  13. Find a Grave: Frances Elliott Davis
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