Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung

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Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Fraunhofer ISI in Karlsruhe
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Fraunhofer-Gesellschaft
Bestehen: seit 1972
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Karlsruhe
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Ingenieurwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Naturwissenschaft, Sozialwissenschaft
Fachgebiete: Zukunftsforschung, Politikberatung, neue Technologien
Leitung: Marion Weissenberger-Eibl
Mitarbeiter: circa 220 (Stammpersonal)
Homepage: www.isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) ist eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Institut hat seinen Sitz in Karlsruhe. Das Fraunhofer ISI forscht in sechs Competence Centern für die Praxis und versteht sich als unabhängiger Vordenker für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Die Kompetenz im Bereich der Innovationsforschung stützt sich auf die Synergie aus technischem, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichem Wissen. Das Fraunhofer ISI ist eines der in Europa führenden Institute der Innovationsforschung.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1972 empfahl der Innovationsforscher Helmar Krupp der bis dato naturwissenschaftlich-technisch orientierten Fraunhofer-Gesellschaft, ein neues Institut zu gründen, um Folgen und Potenziale von Technologien und Innovationen zu erforschen. Diese Empfehlung wurde am 1. April 1972 mit der Gründung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe umgesetzt − Gründungsdirektor war Helmar Krupp. Ab 1990 übernahm Frieder Meyer-Krahmer die Leitung. Unter seiner Leitung wurde das Institut zu einem der international führenden Innovationsforschungsinstitute. Da „Systemtechnik“ ein nicht mehr angemessener Titel für das gewachsene Institut mit mittlerweile weit mehr als 100 Mitarbeitern war, wurde dieses 2004 umbenannt in Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI umbenannt. Seit April 2007 wird das Fraunhofer ISI von Marion Weissenberger-Eibl geleitet, unter ihrer Führung wurde die Zukunftsforschung eine Kernkompetenz. 2007 erfolgte auch die Umstrukturierung der einzelnen Abteilungen in Competence Center mit konzentrierten Geschäftsfeldern. Die Themen Energiewende sowie neue Mobilitäts- und Transportkonzepte ließen das Fraunhofer ISI weiter wachsen. Mittlerweile forscht das Fraunhofer ISI in 6 Competence Centern mit insgesamt 23 Geschäftsfeldern.[3]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fraunhofer ISI erforscht in sechs Competence Centern (CC) die Entstehungsbedingungen, Anwendungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken sowie die Märkte für innovative technische Entwicklungen. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft zu untersuchen sowie Entscheidungsgrundlagen für Wissenschaft, Unternehmen und Politik zu liefern.[4]

Energiepolitik und Energiemärkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das CC Energiepolitik und Energiemärkte forscht an der Umsetzung eines politischen und institutionellen Rahmens eines nachhaltigen Energiesystems. Mit dem Fortschreiten von Erneuerbaren Energien und Klimaschutztechnologien bewertet dieses CC energie- und klimapolitische Maßnahmen, Strategien und Instrumente, um Entscheidungsträgern ein besseres Bild des zukünftigen Energiemarktes zu geben. Die Geschäftsfelder sind Erneuerbare Energien, Energiepolitik, Klimapolitik sowie Strommärkte und -infrastrukturen.[5][4]

Energietechnologien und Energiesysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das CC Energietechnologien und Energiesystem untersucht neue Technologien, die für ein nachhaltiges Energiesystem eingesetzt werden können. Der effiziente und sinnvolle Umgang mit Energie sowie die Analyse der Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sind zentrale Themen der vier Geschäftsfelder Energieeffizienz, Energiewirtschaft, Nachfragenanalysen und -projektionen sowie Energiemanagement und Intelligente Netze.[6][4]

Foresight[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das CC Foresight entwickelt mit wissenschaftlichen Methoden einen Ausblick in die Zukunft. Um Wirtschaft, Gesellschaft und die Politik zu unterstützen, forscht das CC an alternativen Zukunftsszenarien, Entwicklungen langfristiger Ziele, Zukunftsstrategien und Veränderungen der Technik in den Geschäftsfeldern Zukünfte und Gesellschaft, Zukunftsentwürfe und -dialoge sowie Foresight zur Strategieentwicklung.[7][8][4]

Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Berücksichtigung von ökologischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten forscht das CC Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme an Innovationen, um die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung zu fördern. Der Fokus der Forschung geht von neuen einzelnen Produkten bis hin zu lang angelegten Entwicklungen in Industrie- und Entwicklungsländern. Die vier Geschäftsfelder des CCs sind Wasserwirtschaft, Nachhaltigkeitsinnovationen und Politik, Systemische Risiken und Mobilität.[6][4]

Neue Technologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das CC Neue Technologien befasst sich mit der Analyse neuer Technologien und sozio-technischer Transformationen. Untersucht wird der Wandel zwischen Technologien, Innovationen und Gesellschaft. Für die Forschung ist die Kommunikation und interdisziplinäre Betrachtungsweise entscheidend. Die Geschäftsfelder Bioökonomie und Lebenswissenschaften, Innovationen im Gesundheitssystem, Informations- und Kommunikationstechniken sowie Industrielle Technologien tragen zu den wissenschaftlichen Diskursen bei.[9][10][4]

Politik – Wirtschaft – Innovation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das CC Politik – Wirtschaft – Innovation untersucht den Wandel und die Funktionsweisen von supranationalen, nationalen, regionalen und sektoralen Ebenen. Durch Anwendung von mehreren wissenschaftlichen Analyseverfahren werden Gutachten und Beratungen entwickelt, um aktuelle Prozesse besser zu verstehen und damit überlegte Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Dies geschieht in den Geschäftsfeldern Politikdesign und Bewertung, Industrielle Innovationsstrategien, Regionale Innovationssysteme und Innovationsindikatoren.[11][9][4]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut kooperiert unter anderem mit dem Karlsruher Institut für Technologie, der Universität Hannover und der Universität Kassel sowie auf internationaler Ebene mit der Universität Straßburg (Bureau d'Economie Théorique et Appliqué), der ETH Zürich (Centre for Energy Policy and Economics), dem Institute of Policy and Management der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Peking), der Virginia Tech (Blacksburg) und der School of Public Policy des Georgia Institute of Technology (Atlanta). Zudem ist das Fraunhofer ISI Mitglied in mehreren Programmen, Netzwerken und Beratungsgremien.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fraunhofer ISI sind rund 220 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt, die pro Jahr etwa 420 Forschungsprojekte bearbeiten. 60  Prozent von ihnen sind wissenschaftlich tätig. Nach Institutsangaben belaufen sich die Betriebsausgaben auf knapp 23,9 Millionen Euro. Rund 40  Prozent der Aufträge werden von nationaler staatlicher Seite vergeben, weitere 30  Prozent von der Europäischen Union. Etwa 20  Prozent der Auftraggeber kommen aus Industrieunternehmen und Wirtschaftsverbänden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "About Fraunhofer ISI"Website AURES (Auctions for Renewable Energy Support), in Englisch, Abgerufen am 6. September 2018
  2. "Fraunhofer ISI Kurzbeschreibung"Website der Stadt Karlsruhe, Iniziative karlsruhe-macht-klima, Abgerufen 6. September 2018
  3. "40 Jahre Fraunhofer-Institut für System. und Innovationsforschung ISI"Website idw – Informationsdienst Wissenschaft, in Englisch, Abgerufen am 6. September 2018
  4. a b c d e f g "Überblick über die Standorte der Institute und Forschungseinrichtungen,Seite 33 (PDF 3,76 MB)" Veröffentlicht durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, Abgerufen 6. September 2018
  5. "Wenn Stromproduktion zum Minusgeschäft wird"Website des Mitteldeutschem Rundfunks, Abgerufen 6. September 2018
  6. a b "Competence Center Energy Technology and Energy Systems"Website REFLEX – Analysis of the European energy system under the aspects of flexibility and technological progress, in Englisch, Abgerufen am 13. September 2018
  7. "Fraunhofer ISI analyzes the origins and impacts of innovations" Website von INCOBRA, in Englisch, Abgerufen am 6. September 2018
  8. "Impulse für neue Forschungsstrategien" Interview mit Dr. Simone Kimpeler – Leiterin des CC Foresight, Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Abgerufen am 6. September 2018
  9. a b „Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI“Website der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH Finanziert durch das Bundesland Baden-Württemberg, Abgerufen 6. September 2018
  10. „Die Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen in Milliardenhöhe“ Website der Hochschule Karlsruhe(HsKa), Abgerufen 6. September 2018
  11. "Fraunhofer ISI Profil"Website der Innovationsallianz Technologie RegionKarlsruhe, Abgerufen 6. September 2018

Koordinaten: 49° 1′ 40,2″ N, 8° 26′ 29,5″ O