Friedrich Gramsch

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Friedrich Gramsch (* 23. Oktober 1894 in Braunsberg, Provinz Ostpreußen; † 1. Oktober 1955 in St. Augustin bei Siegburg) war ein Landrat in der Weimarer Republik, ein leitender Ministerialbeamter in der Zeit des Nationalsozialismus und Landkreistagsgeschäftsführer in der Bundesrepublik Deutschland.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gramsch studierte Rechtswissenschaften in Tübingen und wurde dort Mitglied des Corps Suevia. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, in dem er 1917 schwer verletzt wurde.[1] Nach seinem Referendarexamen (1918) wurde er ab 1919 in der Verwaltung des Regierungsbezirkes Königsberg als Regierungsreferendar beschäftigt. Nach weiteren Stationen arbeitete der promovierte Jurist schließlich 1924 als Regierungsrat im Preußischen Ministerium des Innern und wurde von hier 1927 auf den Posten des Landrates im Kreis Heiligenbeil versetzt.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1933 wurde Gramsch zum Ministerialrat befördert, vermutlich im preußischen Staatsministerium unter Hermann Göring [2]. Nach seinem Wechsel in die Vierjahresplanbehörde war er dort in der Geschäftsgruppe Devisen tätig, die von seinem Studienfreund Erich Neumann geleitet wurde. Auf Vorschlag von Göring beförderte man Gramsch 1937 zum Ministerialdirigenten, ein Jahr später zum Ministerialdirektor. Gramsch und Neumann bildeten Görings "Brain trust" [3], was die Pläne zur Ausplünderung der von Deutschland im Zweiten Weltkrieg besetzten Länder anbelangte. Vermutlich 1942 löste Gramsch Neumann als Leiter der Geschäftsgruppe Devisen ab. Offenbar gehörte Gramsch nicht der NSDAP an. Noch 1941 pflegte er – wie sein Kollege in der Vierjahresplanbehörde Friedrich Kadgien – Kontakt zu Helmuth James von Moltke, einem Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Begründer der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis [4].

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gramsch wurde im Rahmen der Nürnberger Prozesse vernommen[5]. Ein Plan zur Ausplünderung des besetzten Frankreich war von ihm ausgefertigt gewesen und wurde im Prozess vorgelegt[6]. Über eine Internierung und über seine Entnazifizierung ist nichts bekannt.

Nach 1945 war Gramsch von 1947 bis 1953 Geschäftsführer des Landkreistags in Niedersachsen und bekleidete den Posten des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Landkreistags von 1953 bis 1955. Außerdem saß er im Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge.[7]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gramschs Vater war Friedrich Karl Gramsch, 1892 bis 1900 Landrat im Kreis Braunsberg und später preußischer Regierungspräsident in Königsberg, seine Mutter Charlotte eine geborene von Stosch-Rodelshöfen.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Kreis: ein Handbuch, S. 338
  2. Ralf Banken: Die deutsche Goldreserven- und Devisenpolitik, in: Neue Ergebnisse zum NS-Aufschwung, hrsg. von Peter Hampe u. a., S. 67
  3. Robert Bohn: Reichskommissariat Norwegen, Nationsozialistische Neuordnung und Kriegswirtschaft, 2000, S. 143
  4. siehe dazu Helmuth James von Moltke: Briefe an Freya 1939–1945, 2007, S. 251 u. a.
  5. Affidavit Friedrich Gramsch, 19. November 1947 Nbg.Dok. NI 13262 / Nbg.Dok. NID 13351
  6. Nürnberger Prozesse, 22. Januar 1946 zeno
  7. Götz Aly: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, Band 1, S. 725
  8. Altpreußische Biographie, hrsg. von Historische Kommission für Ost- und Westpreussische Landesforschung, 1975, S. 929