Fußwaschung

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Die Fußwaschung. Fresko von Giotto di Bondone in der Cappella degli Scrovegni, Padua
Die Fußwaschung. Glasfenster in der Sint Janskerk, Gouda

Die Fußwaschung (lat. Mandatum „Auftrag, Gebot“) ist eine rituelle Handlung, die im Orient die Gastfreundschaft symbolisieren soll (etwa im Alten Testament: 1 Mos 18,4 EU). Die Fußwaschung wird im Neuen Testament als Handlung Jesu an seinen Jüngern beschrieben. Von den Worten Jesu Mandatum novum do vobis (Joh 13,34 VUL, „ein neues Gebot gebe ich euch“) hat der Ritus seine liturgische Bezeichnung.

Die Fußwaschung beim letzten Abendmahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Vorabend seines Kreuzestodes wusch Jesus Christus während des letzten Abendmahls seinen Jüngern die Füße und trocknete sie mit dem Tuch, das ihn umgürtete. Durch dieses Beispiel wollte er zeigen, dass auch die Jünger untereinander zum Dienen bereit sein müssen. Nur der Evangelist Johannes beschreibt das Geschehen (Joh 13,1-11 EU), das durch die Abschiedsreden Jesu und sein Hohepriesterliches Gebet fortgeführt und entfaltet wird (Joh 13-17 EU). Das Johannesevangelium erwähnt beim Abendmahl nicht die Einsetzung der Eucharistie; die Thematik der eucharistischen Gestalt des Leibes Jesu findet sich hier in einem Gespräch Jesu mit den Juden, Joh 6,27-59 EU (besonders Verse 51 bis 58).

Petrus wollte sich von Jesus die Füße zunächst nicht waschen lassen, ließ es aber geschehen, nachdem dieser ihm sagte: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.“ (Joh 13,8 EU)

Ritus der Fußwaschung im Gottesdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußwaschung am Gründonnerstag in Porto Alegre, Brasilien (2012)

In einigen Kirchen wird der Ritus der Fußwaschung regelmäßig praktiziert.

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der katholischen Kirche gehört die Fußwaschung zur Liturgie des Gründonnerstags. Vor der Reform der Karwochenliturgie 1955 wurde der Ritus unabhängig von der Feier der heiligen Messe separat „zu geeigneter Stunde“ und nur in Bischofs- und Klosterkirchen vollzogen, häufig in der Karmette am Morgen oder im Laufe des Vormittags. Dazu wurde die Antiphon Ubi caritas mit den Versen des Hymnus Congregavit nos in unum Christi amor gesungen.

Seit 1956 ist die Fußwaschung Teil der Messfeier vom letzten Abendmahl, verpflichtend in Kathedral- und Abteikirchen, fakultativ in allen anderen Kirchen. Der Zelebrant der heiligen Messe wäscht dabei zwölf (örtlich auch weniger) zuvor bestimmten Gläubigen die Füße; der Ritus gehört zu den Sakramentalien. In der Diözese Mailand praktizierte man zur Zeit des heiligen Ambrosius die Fußwaschung als Teil des Sakraments der Taufe.

Nach einer Bitte Papst Franziskus’ veröffentlichte die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im Januar 2016 ein Dekret, demzufolge künftig die Fußwaschung an allen Gläubigen vollzogen werden kann. Wer ausgewählt werde, solle sich „in aller Schlichtheit zur Verfügung stellen.“[1] Verbunden mit einem historischen Rückblick auf die liturgiegeschichtliche Entwicklung des Mandatums wird die Ausführung der Reformbitte des Papstes in einem Begleitbrief aus der Kongregation erläutert.[2]

Östlich-orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den orthodoxen Kirchen ist es im Patriarchat von Jerusalem Brauch, dass der Patriarch anlässlich des Großen Donnerstags zwölf Priestern die Füße wäscht.

Protestantismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Protestantismus wird die Fußwaschung unter anderem bei den Gemeinden der Siebenten-Tags-Adventisten, der Gemeinde Gottes Deutschland KdöR und des Freikirchlichen Bundes der Gemeinde Gottes und zum Teil auch bei den Mennoniten praktiziert. Bei den Mennoniten findet die Fußwaschung in Zusammenhang mit dem Abendmahl als einleitender Bestandteil statt.[3] Sie wird auch im mennonitischen Dordrechter Bekenntnis von 1632 behandelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hildegard Giess: Die Darstellung der Fußwaschung Christi in den Kunstwerken des 4.–12. Jahrhunderts. Herder, Roma 1962.
  • Wolfram Lohse: Die Fußwaschung (Joh 13, 1–20). Eine Geschichte ihrer Deutung. Diss., Erlangen 1967 (2 Bde.).
  • Georg Richter: Die Fußwaschung im Johannesevangelium. Geschichte ihrer Deutung. Biblische Untersuchungen 1. Pustet, Regensburg 1967.
  • John Christopher Thomas: Footwashing in John 13 and the Johannine Community. JSNTSup 61. Academic Press, Sheffield 1991, ISBN 1-85075-308-3.
  • Christoph Niemand: Die Fußwaschungserzählung des Johannesevangeliums. Untersuchungen zu ihrer Entstehung und Überlieferung im Urchristentum. Studia Anselmiana 114. Pontificio Ateneo S. Anselmo, Rom 1993.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fußwaschung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20160106_decreto-lavanda-piedi_ge.html
  2. http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20160106_commento-decreto-lavanda-piedi_ge.html
  3. Leitfaden. Verband deutscher Mennonitengemeinden in der AMG, abgerufen am 2. April 2010 (PDF; 295 kB).