Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau

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Landsberg am Lech–Schongau
Strecke der Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau
Streckennummer:5365
Kursbuchstrecke (DB):404a (alt) 982 (anno 1984)
Streckenlänge:28,7 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Höchstgeschwindigkeit:50 km/h
Strecke – geradeaus
von Kaufering und Augsburg
Bahnhof, Station
0,0 Landsberg (Lech) 586 m ü. NN
   
2,5 Erpfting-Friedheim
   
5,3 Ellighofen Bedarfshalt
   
7,9 Unterdießen 638 m ü. NN
   
Oberdießen bis 1928
Bahnhof ohne Personenverkehr
12,1 Asch-Leeder 655 m ü. NN
Bahnhof ohne Personenverkehr
15,6 Denklingen (Schwab) 684 m ü. NN
Bahnhof ohne Personenverkehr
20,1 Kinsau 713 m ü. NN
   
Kinsauer Zahnradbahn (1907–1929)
   
24,3 Hohenfurch
   
von Kaufbeuren
Bahnhof, Station
28,7 Schongau 681 m ü. NN
Strecke – geradeaus
nach Peißenberg

Die Bahnstrecke von Landsberg am Lech nach Schongau über Fuchstal, Denklingen und Hohenfurch, auch Fuchstalbahn genannt, ist eine Bahnstrecke, die im Hinblick auf den Güterverkehr errichtet wurde, so dass die meisten Bahnhöfe über einen Kilometer vom namensgebenden Ort entfernt sind.

VT 225 „Peiting“ der Bayeri­schen Regiobahn im Bahnhof Schongau auf Fuchstalbahn-Sonderfahrt, August 2009
nördlich Schongau, um 1900
nördlich Schongau, Mai 2014
Ehemaliger Bahnhof Hohenfurch, April 2014

Bau- und Betriebsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. November 1872 wurde die Bahnstrecke Buchloe–Kaufering–Landsberg am Lech eröffnet. Damit erhielt Landsberg Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn. Die Teilstrecke Buchloe–Kaufering wird heute zur bayerischen Allgäubahn gerechnet. Die restlichen 4,83 Kilometer führen von Kaufering nach Landsberg am Lech. Die Fuchstalbahn führt 28,71 Kilometer weiter bis Schongau und wurde am 16. November 1886[1] für den Verkehr freigegeben.

Schon 1877 wurde eine Verbindungsbahn Kaufering–Bobingen(–Augsburg) eröffnet. Damit wurde der Bahnhof Landsberg am Lech zur Nahtstelle zwischen der Lechfeldbahn Augsburg–Landsberg und der Fuchstalbahn Landsberg–Schongau.

Von 1907 bis 1929 bestand am Bahnhof Kinsau Anschluss zur Kinsauer Zahnradbahn, die als Werkbahn die am Lech gelegene Holzstofffabrik mit der Fuchstalbahn verband.[2]

1984 wurde der regelmäßige Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt, während der Güterverkehr seit 1998 von der Augsburger Localbahn kontinuierlich durchgeführt wird. Derzeit (Stand Ende 2018) fahren täglich zwei Zugpaare im Regelbetrieb.[3] Nachdem das jährliche Transportaufkommen 2012–2018 von 1,2 Millionen auf 840.000 Tonnen gesunken sei, zieht sich die Augsburger Localbahn von dieser Strecke zurück, und die DB Cargo wird den Betrieb zwischen Januar und Juni 2019 schrittweise übernehmen und sämtliche bisherigen Kunden unverändert weiter bedienen.[veraltet][3]

Die Streckenbesitzerin DB Netz sanierte 2010–2013 den Großteil der Strecke und tauschte hierzu Gleise und Schwellen aus.[4][5] Dabei wurden im Oktober 2013 die vorhandenen Reste des Bahnsteigs im ehemaligen Bahnhof Hohenfurch abgebaut.[6] Gerüchten über eine trotzdem erwogene Stilllegung wurde 2018 in Zeitungsberichten widersprochen,[7][3] laut einem Zeitungsbericht vom September 2019 ist jedoch der Bestand der Strecke „noch nicht zu hundert Prozent gesichert“.[8]

Sonderfahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein Initiative Fuchstalbahn e. V. organisierte bis 2015 hin und wieder Sonderfahrten in Kooperation mit Eisenbahnverkehrsunternehmen sowohl mit historischen Dampfzügen als auch mit modernen Triebzügen (so an den Sommerferienwochenenden 2009 mit einem Triebwagen der Bayerischen Regiobahn), zuletzt im Juli 2015 auch mit einem historischen Schienenbus der Baureihe VT 98.[9][10] Im April 2018 beschloss der Verein seine Auflösung.[11][12] Die Schienenbus-Sonderfahrten werden jetzt vom Bahnpark Augsburg organisiert, zunächst im Oktober 2018, für 2019 sind ebenfalls welche geplant.[13]

Mögliche Reaktivierung des Personenverkehrs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kontrast zum immer weiter steigenden Verkehrsaufkommen auf der parallel verlaufenden B 17 und der positiven Wanderungsbilanz in die Regionen um München, insbesondere der Region Lech, forderte die Initiative Fuchstalbahn e. V. bis zu ihrer Auflösung 2018 die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke.[14]

Im Jahr 2002 hatte ein Gutachten eine Reaktivierung des Personenverkehrs positiv bewertet,[15] die bayerische Staatsregierung lehnte dies jedoch wegen der seinerzeit auf 10–13 Millionen Euro bezifferten Kosten zur Wiedererrichtung der Infrastruktur ab.[16] Mitte 2013 unterstützte auch der Landkreis Landsberg am Lech die Reaktivierungs­forderungen.[17] Bedenken wurden jedoch in der Stadtverwaltung von Landsberg am Lech u. a. wegen der dadurch häufiger geschlossenen Bahnschranken über Hauptverkehrsstraßen im Stadtbereich geäußert.[18] Mitte 2013 wurde die Einholung eines aktualisierten Gutachtens diskutiert, das je zur Hälfte vom Landkreis Landsberg und vom Landkreis Weilheim-Schongau finanziert werden und 2014 vorliegen sollte.[19] Mit Stand Dezember 2013 war es jedoch nicht in Auftrag gegeben.[20] Im Februar 2014 äußerte sich der bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann ablehnend zu einer Mitwirkung der Planung, Finanzierung und Kontrolle des Schienennahverkehrs zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft an einem solchen Gutachten.[21] Mitte 2014 wurden die Infrastrukturkosten – Errichtung der benötigten Haltepunkte, Sicherung der Bahnübergänge und entsprechende Sicherungstechnik (Streckenstellwerk) – auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt,[22] die zu erheblichem Teil von den beteiligten Gemeinden zu tragen wären.[21]

Laut einem Zeitungsbericht vom August 2016 ist neben anderen Voraussetzungen ein durch eine gesicherte Prognose belegtes Potenzial von mindestens tausend Reisenden pro Werktag erforderlich; daran hätten die zuständigen Fachbehörden jedoch „erhebliche Zweifel“ wegen der verhältnismäßig dünnen Besiedlung der Region, der siedlungsfernen Lage vieler Bahnstationen und der gute Ausbauqualität der parallel laufenden Bundesstraße 17.[23]

Laut einer im Oktober 2017 getroffenen Aussage des Geschäftsführers der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Johann Niggl, ist die Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Fuchstalbahn „kein Thema mehr“.[24] Auch Vertreter der an der Strecke liegenden Gemeinden stehen einem solchen Vorhaben gemäß Zeitungsberichten vom Juli 2016[25] und Juli 2019[26] mittlerweile skeptisch gegenüber.

Möglicher Haltepunkt Schongau-Nord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Überlegungen, die auf der Pfaffenwinkelbahn von Weilheim zum Bahnhof Schongau verkehrenden Züge auf der Trasse der Fuchstalbahn nach Norden zu einem neuen, beim Schongauer Krankenhaus gelegenen Haltepunkt Schongau-Nord weiterfahren zu lassen. Die Kosten dafür werden mit 20 Millionen Euro veranschlagt, von denen 18 Millionen auf den dann erforderlichen Neubau des Stellwerkes Schongau entfallen würden. Außerdem seien die Errichtung einer Wendemöglichkeit sowie spezielle Baumaßnahmen wegen der Lage in einer Hangschräge notwendig. Die Errichtung des Haltepunktes könnte eine Umwidmung des Streckenabschnitts Schongau–Schongau-Nord auf die Bahnstrecke Weilheim–Schongau zu Lasten der Fuchstalbahn zur Voraussetzung haben, damit nicht von einer Teil-Reaktivierung des Personenverkehrs auf letzterer Strecke gesprochen werden kann, was politisch problematisch wäre.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. EOS Verlag, St. Ottilien 2011, 384 Seiten, Farbabbildungen, ISBN 978-3-8306-7455-9, Seite 216–243

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Hofer: Die Eisenbahn in Schongau. Herausgeber: Stadt Schongau, Schongau 1986, S. 24
  2. Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. 2011, S. 244–248.
  3. a b c Jörg von Rohland: Fuchstalbahn: DB übernimmt. merkur.de, 28. November 2018, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  4. Neue Gleise für die Fuchstalbahn. In: merkur.de. 27. Mai 2010, abgerufen am 11. November 2013.
  5. Bahngleise zwischen Hohenfurch und Kinsau werden ausgewechselt. In: merkur.de. 26. September 2013, abgerufen am 7. April 2014.
  6. Hohenfurchs Tor zur Welt ist geschlossen. In: merkur.de. 6. Oktober 2013, abgerufen am 7. April 2014.
  7. Gerüchte um die Fuchstalbahn. Augsburger Allgemeine, 4. Oktober 2018, abgerufen am 4. Oktober 2018.
  8. Max Edinger: Fuchstalbahn fährt in ungewisse Zukunft. In: merkur.de. 24. September 2019, abgerufen am 25. September 2019.
  9. Oliver Sommer: Geburtstagsfeier als Schienenbus-Premiere. merkur.de, 30. Juni 2015, abgerufen am 30. Juni 2015.
  10. Andreas Hoehne: Der alte Schienenbus kehrt zurück. Augsburger Allgemeine, 1. Juli 2015, abgerufen am 2. Juli 2015.
  11. Jörg von Rohland: Nach über 20 Jahren – Fuchstalbahn: Verein löst sich auf. Merkur online, 17. April 2018, abgerufen am 18. April 2018.
  12. Die Initiative Fuchstalbahn rollt ins Aus. Augsburger Allgemeine, 15. April 2018, abgerufen am 19. April 2018.
  13. Jörg von Rohland: 700 begeisterte Fahrgäste – Fuchstalbahn wird zur Touristen-Attraktion. Merkur online, 24. Oktober 2018, abgerufen am 25. Oktober 2018.
  14. Tyll-Patrick Albrecht: Fuchstalbahn, das fehlende Bindeglied für rentablen SPNV. (PDF) Initiative Fuchstalbahn e. V., 24. April 2014, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 15. Januar 2015.
  15. Gutachten über Reaktivierung der Fuchstalbahn fällt sehr positiv aus. Forum Bahnhof Geltendorf, 20. März 2002, abgerufen am 14. Januar 2015.
  16. Kein Geld vom Freistaat für Fuchstalbahn. Allgäuer Zeitung, 29. Oktober 2002, abgerufen am 15. Januar 2015.
  17. Janina Bauch: Fuchstalbahn und Stadtbahn aus einem Guss? Kreisbote, 5. September 2013, abgerufen am 11. November 2013.
  18. Dieter Schöndorfer, Andreas Hoehne: Eine Alternative für Pendler. Augsburger Allgemeine, 5. Oktober 2013, abgerufen am 14. Januar 2015.
  19. Nach Gespräch mit Minister Zeil: Neues Gutachten für die Fuchstalbahn. Merkur Online, 28. Juli 2013, abgerufen am 11. November 2013.
  20. Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Markus Ganserer, Martin Stümpfig, Christine Kamm vom 07.11.2013 – Antwort des Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr vom 06.12.2013. (PDF) Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Bayerischen Landtag, 6. Dezember 2013, S. 2 (Punkt 7), archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 14. Januar 2015.
  21. a b Boris Forstner: Das Aus für die Fuchstalbahn? – Unerfreulicher Bahn-Brief vom Minister. Kreisbote, 8. Februar 2014, abgerufen am 14. Januar 2015.
  22. Konzept für umweltfreundliche Bahnprojekte in ganz Bayern. (PDF) Bund Naturschutz, 22. August 2014, S. 11 (Punkt 26), abgerufen am 25. November 2017.
  23. Johannes Jais: Es fehlen die Voraussetzungen. Kreisbote, 16. August 2016, abgerufen am 4. Oktober 2018.
  24. a b Boris Forstner: Krankenhaus-Halt kostet 20 Millionen Euro. Merkur Online, 27. Oktober 2017, abgerufen am 29. Oktober 2017.
  25. Gerald Modlinger: Die Fuchstalbahn fährt aufs Abstellgleis. Augsburger Allgemeine, 13. Juli 2016, abgerufen am 30. Oktober 2017.
  26. Jörg von Rohland: Personenverkehr soll wieder aufleben, doch die Gemeinden stellen sich quer. Merkur Online, 19. Juli 2019, abgerufen am 20. Juli 2019.