Augsburger Localbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Augsburger Localbahn GmbH

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1889
Sitz Augsburg, Deutschland
Leitung Udo Schambeck
Mitarbeiterzahl 56 (2015)[1]
Umsatz 4,8 Mio. EUR (2011)[2]
Branche Transport, Logistik
Website www.augsburger-localbahn.de

Augsburg–Ring
Streckennummer:I
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Donauwörth und Ulm
Bahnhof, Station
Augsburg Hbf
Straßenbrücke
Gögginger Brücke
   
nach Buchloe
Bahnhof, Station
Augsburg Haunstetter Straße
   
nach Ingolstadt und München
   
Infrastrukturgrenze Deutsche Bahn–Augsburger Localbahn
   
Fa. Ilzhöfer
   
Fa. Eberle / Fa. Silberhorn / Fa. Stangl
Bahnübergang
Friedberger Straße
Bahnhof ohne Personenverkehr
Bahnhof Augsburg Ring
   
Augsburger Kammgarnspinnerei
   
Lotzbeckstraße (Straßenbahn Linie 6)
Brücke (mittel)
Reichenberger Straße
   
Martini & Cie
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Proviantbach
   
Glaspalast
Bahnübergang
Proviantbachstraße
   
Linie IV (Augsburg-Lechhausen)
   
Schlacht- und Viehhof Augsburg
Bahnübergang
Berliner Allee
   
Osram/Ledvance
Straßenbrücke
Amagasaki-Allee
Straßenbrücke
Lechhauser Straße
   
UPM-Kymmene
Straßenbrücke
MAN-Brücke
   
Dierig (Werk Stadtbach)
   
MAN Energy Solutions / MT Aerospace
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Proviantbach
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Stadtbach
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Senkelbach
   
Umspannwerk am Senkelbach
Bahnübergang
Riedinger Straße
   
manroland
   
Dierig (Werk Senkelbach / Wertach)
Straßenbrücke
Wertachbrücke
Planfreie Kreuzung – unten
Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg
   
Quieta-Werke
Brücke über Wasserlauf (groß)
Wertach (Linie II)
Augsburg–Pfersee/Göggingen
Streckennummer:II
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Wertach (Linie I)
Straßenbrücke
Bürgermeister-Ackermann-Straße
   
Eberle & Cie / Dierig (Werk Mühlbach)
Bahnübergang
Augsburger Straße (Luitpoldbrücke)
   
Spinnerei und Weberei Pfersee
Brücke über Wasserlauf (groß)
Wertach
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Wertachkanal
   
Ackermann-Göggingen AG
Bahnübergang
Gabelsbergerstraße
Straßenbrücke
Gögginger Straße
   
Renk AG
   
Hosokawa Alpine
Bahnübergang
Eichleitnerstraße
   
Linie III (Augsburg-Haunstetten)
Bahnhof ohne Personenverkehr
Bahnhof Augsburg West
Augsburg–Haunstetten
Streckennummer:III
Kursbuchstrecke:ex 303i
Streckenlänge:7,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
   
Strecke von Ulm
Bahnhof ohne Personenverkehr
Gleisbauhof
Brücke (groß)
B17
Bahnhof ohne Personenverkehr
Containerumschlagplatz
   
Öllager am Gaswerk
   
von Donauwörth und Ulm
Bahnhof ohne Personenverkehr
Augsburg Hbf (Güterbahnhof)
Straßenbrücke
Gögginger Brücke
   
nach Ingolstadt und München
Bahnhof, Station
Morellstraße
   
nach Buchloe
   
Infrastrukturgrenze Deutsche Bahn–Augsburger Localbahn
Bahnübergang
Schertlinstraße
   
Linie II / Linie I (Ringbahn)
Bahnhof ohne Personenverkehr
Bahnhof Augsburg West
   
Baustoff Steiger
Planfreie Kreuzung – unten
Bahnstrecke Augsburg–Buchloe
   
Bahnhof AL-Messe
Bahnübergang
Alter Postweg
   
Straßenbahn Linie 3
   
Böwe
   
Straßenbahn Linie 2
Bahnübergang
B 300 Haunstetter Straße
   
Siebentisch
   
Siebenbrunn
   
Premium AEROTEC ehem. Hst. Haunstetten-Spinnerei
   
Haunstetten-Ort
   
Verfracht-Stelle
Augsburg–Lechhausen
Streckennummer:IV
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
   
Linie I (Augsburg-Ring)
Bahnübergang
Berliner Allee
Kreuzung
Abzweig Linie I zu Osram/Ledvance
Brücke über Wasserlauf (groß)
Lech
Bahnübergang
Zugspitzstraße
   
Straßenbahn Linie 1
Bahnübergang
Blücherstraße
   
KUKA AG
Bahnübergang
Stätzlinger Straße
Bahnübergang
Meraner Straße
   
Ledvance / Kiwa
Bahnübergang
Aindlinger Straße
   
Abfallverwertungsanlage Augsburg

Die Augsburger Localbahn GmbH (AL) ist ein Augsburger Eisenbahnverkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen, das im Jahre 1889 gegründet wurde. Sie betreibt ein Gleisnetz von 40 Kilometer Länge im Augsburger Stadtgebiet (Augsburger Ringbahn), das die Industriegebiete in den Stadtteilen Haunstetten, Lechhausen und Göggingen erschließt und zu dem ein kleiner Rangierbahnhof gehört. Auf diesem eigenen Netz und bis Ende 2018 auch auf Gleisen der Deutschen Bahn in der Umgebung von Augsburg betreibt die AL Güter- und Werksverkehr mit einem Transportvolumen von insgesamt 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr (Stand 2014).[1]

Einige Augsburger Unternehmer, allen voran Heinrich von Buz (langjähriger Generaldirektor der späteren MAN AG und 29 Jahre lang Gründungsvorstand der Localbahn) und Viktor Martini, erster Vorsitzender des Aufsichtsrates der Localbahn, nahmen sich der Herausforderung an, gegen viele Widerstände die Güterbeförderung in Augsburg zu beschleunigen. Als die Güter vom Bahnhof noch mit Pferdewagen durch die Stadt transportiert wurden, kam es immer wieder zu Engpässen, teilweise brauchten Kohlenlieferungen eine Woche vom Bahnhof zur Fabrik. Verständlich, dass sich die Kutscher und Gastwirte (denn die Kutscher kehrten entlang der Strecke ein) gegen die Pläne einer Güterbahn wehrten. Die Staatsbahn erkannte schließlich, dass es ohne Güterbahn nicht geht, denn der Rangieraufwand und die Stellfläche, die die einzelnen Güterwagen einnahmen, bis sie letztlich ent- oder beladen werden konnten, war enorm. Die einzelnen Waggons wurden zum Teil sieben Tage auf Abstellgleisen immer wieder rangiert, bis sie schließlich zum Be- oder Entladen an die Reihe kamen.

Mit dem Bau und dem Betrieb in den Anfangsjahren wurden die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen beauftragt. In den Jahren 1901 bis 1927 beförderte die Augsburger Localbahn auch Personen von Augsburg nach Haunstetten. Später übernahm die Gesellschaft den Betrieb in Eigenregie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1840–1860: Vorgeschichte und allgemeine Verkehrsentwicklung in Augsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Oktober 1840 wurde die Bahnstrecke München–Augsburg eröffnet. Der erste Augsburger Bahnhof wurde als Kopfbahnhof am Roten Tor hinter der „Schüleschen Kattunfabrik“ errichtet, die später zur Textilfabrik „Nagler und Sohn“ umfunktioniert wurde. In dem ehemaligen Bahnhof war zwischenzeitlich die Militärreitschule untergebracht, seit 1920 befindet sich dort das Straßenbahndepot. Im Jahr 1847 folgte die Eröffnung der Bahnstrecke Augsburg–Donauwörth. Während des Baus der Strecke entstand der Oberhauser Bahnhof, doch es wurde schnell klar, dass man die beiden Bahnlinien verbinden sollte und so wurde bereits am 1. Juli 1846 der Augsburger Zentralbahnhof (heute Augsburg Hbf) eingeweiht. Damit war eine wichtige Nord-Süd Verbindung von München über Augsburg und Donauwörth nach Nürnberg geschaffen, das Herzstück der Ludwig-Süd-Nord-Bahn. 1847 war die Strecke Augsburg–Kaufbeuren fertiggestellt, 1852 gab man den weiteren Abschnitt bis Kempten frei, 1875 feierte man die Eröffnung der Paartalbahn nach Ingolstadt.

1860–1885: Gründungsversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1866 gab es ein Pferdebahn-Projekt, das die Augsburger Industrie an die Staatsbahn anbinden sollte. In den Jahren 1871 und 1872 wurde die Konzession zur Anlegung einer „Lokomotiv-Güterbahn“ in Augsburg durch eine englische Gesellschaft erworben, jedoch noch nicht mit dem Bau begonnen. Ein Jahr später unternahm das Augsburger Bankhaus Heinzelmann einen neuen Versuch, dieser scheiterte ebenfalls. 1884 nahm sich Heinrich von Buz, Vorstand der Maschinenfabrik Augsburg, der Gründungsbemühungen an. Die bayerische Staatsbahn zeigte kein Interesse zum selbständigen Bau und Betrieb, somit war eine Privatgründung nötig.

1885–1890: Gründung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im darauffolgenden Jahr berieten 15 Firmen über die Errichtung einer normalspurigen Industriebahn auf Initiative von Heinrich von Buz. Im Jahr 1886 erfolgte die Vergabe eines Projektauftrages an Georg Krauß (Chef der Lokomotivenfabrik Krauss u. Co.) und Ingenieur Ritter von Schwind zur Ausarbeitung einer Bahnanlage. Im selben Jahr wurde ein Konzessionsgesuch eingereicht.

Zu den Gründern gehörten elf Firmen, ein Bankhaus und sieben Privatpersonen, die der Industrie nahestanden.

Am 24. Januar 1889 wurde die Konzession erteilt, knapp zwei Monate später, am 22. März 1889 kam es zum Vertragsabschluss zur Gründung der Aktiengesellschaft Augsburger Localbahn. Zu Beginn des nächsten Monats, am 1. April 1889, wurde die Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen. Erster Vorstand der Gesellschaft war Kommerzienrat Heinrich von Buz, erster Aufsichtsratsvorsitzender Kommerzienrat Viktor Martini. Es wurde ein Vertrag mit der Stadtgemeinde Augsburg zur Benutzung von städtischem Grund und Boden, der so genannten Servitutvertrag, geschlossen. Ein Jahr darauf folgte ein Abkommen mit den königlich bayerischen Staatsbahnen über Bau und Betrieb der Augsburger Localbahn. Am 9. Oktober 1890 wurde die Schlussschiene in die Stammlinie Ringbahn eingelegt.

1890–1910: Betriebsaufnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. November 1890 fuhr der erste Zug in die Maschinenfabrik Augsburg ein. Am 1. Mai 1891 wurde der offizielle Bahnbetrieb auf dem Ring, der Linie I, aufgenommen. Knapp drei Jahre später, am 21. August 1893 wurde der Betrieb um die Linie II nach Göggingen und Pfersee erweitert. Die Linie III nach Haunstetten wurde schließlich am 13. September 1899 eingeweiht. Um 1900 hatte die Bahn bereits 28 Anschließer und beförderte 340.000 Tonnen Ladung pro Jahr.

Auf der Haunstetter Linie III fuhren ab dem 1. Mai 1901 auch Personenzüge. Ausgangsbahnhof der Züge nach Haunstetten war der Augsburger Hauptbahnhof. Die Strecke war im Reichskursbuch als Strecke 303i Augsburg–Haunstetten eingetragen. Im ersten Jahr wurden bereits 75.453 Personen befördert. Als die Straßenbahn nach Haunstetten fertiggestellt war, wurde die Personenbeförderung aufgegeben. Die Linie III war damit die einzige Strecke der Augsburger Localbahn mit planmäßigem Personenverkehr.[3]

Im Jahr 1910 wurde die Linie I durch ein Lechhochwasser stark beschädigt.

1910–1950: Betriebsübernahme und weiterer Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1913 übernahm die Augsburger Localbahn auf der Linie I die Betriebsführung und den Stückgutverkehr von der Bayerischen Staatsbahn. Dafür wurden von Krauss drei Lokomotiven der bayerischen Gattung D VIII angeschafft. Gründungsvorstand Heinrich von Buz starb am 8. Januar 1918, Nachfolger wurde Direktor Heinrich Pfeifer (Betriebsdirektor der Maschinenfabrik Augsburg). Im Jahr 1922 waren drei eigene Dampflokomotiven auf der Linie I in Betrieb, drei Jahre später begann man mit dem Bau der Stammlinie nach Lechhausen. Ein Jahr später, 1926, erfolgte der Bau der größten Localbahnbrücke mit einer Spannweite von 118 Metern. Die ungefähr 300 Tonnen schwere Stahlbrücke über den Lech ruhte auf drei Stützpfeilern und war für Lastzüge der Klasse E zulässig. Als erstes wurde die Textilfabrik Prinz mit der neuen, über den Lech reichenden Linie erschlossen. Die Eröffnungsfahrt fand am 2. November statt. Zum 31. Dezember 1927 wurde der Personenverkehr nach Haunstetten wegen der Inbetriebnahme der Straßenbahn eingestellt. 1930 begann man mit dem Bau einer eigenen Reparaturwerkstätte. Von den 51 eigenen Brücken mussten wegen steigender Belastung sechs verstärkt und drei erneuert werden.

In den Jahren 1933–1935 übernahm die Localbahn den gesamten Betrieb auf allen Linien. Die bisher einzelnen Linien II und III wurden durch den Bau des Rangierbahnhofs West miteinander verbunden. Erst 1948/49 erfolgte durch den Bau einer freitragenden, 75,4 Meter langen und 347 Tonnen schweren Stahlbrücke aus Kriegsbeständen über die Wertach, die ursprünglich die Beresina in Russland überspannen sollte, die Verbindung zu Linie I. Im Jahr 1936 feierte man die größte Tagesleistung seit Bestehen der Localbahn mit 362 beförderten Wagen, 73 Gleisanschließern und 90 Anschlussbenutzern. 1937 stieg das Jahrestransportaufkommen auf 115.163 Eisenbahnwagen, nach der Anschaffung einer weiteren D VIII waren fünf eigene Dampflokomotiven im Einsatz.

Zwei Jahre später, 1939, feierte man 50-jähriges Jubiläum mit 82,126 km eigenen Gleisanlagen:

  • Linie I 49,731 km; (Ring)
  • Linie II 16,321 km; (Göggingen, Pfersee)
  • Linie III 14,360 km; (Haunstetten)
  • Linie IV 1,714 km; (Lechhausen)

    (Die km-Angaben beziehen sowohl Streckengleise als auch Nebengleise mit ein.)

Weiterhin gehörten zum Bestand 51 Bahnbrücken, fünf Lokomotiven (davon vier Nassdampf- und eine Heißdampf-), vier Packwagen, 62 offene und 50 gedeckte Güterwagen, 29 X-Wagen sowie drei Sprengwagen. 105 dieser Güterwagen waren im Reichsbahn-Güterwagenverband eingestellt. Die Jahresfracht betrug 670.433 Tonnen.

Anno 1941 wurde die erste Diesellok in Dienst gestellt. Nach Kriegsende, vom 28. April bis zum 6. Juni 1945, wurde der Betrieb wegen schwerer Kriegsschäden eingestellt. Von 1946 bis 1948 wurden mit speziellen Seitenwandwaggons der Localbahn 185.500 Tonnen Trümmerschutt abtransportiert; diese wurden am Rosenauberg zu einem Stehwall aufgeschüttet; die Grundlage für das Augsburger Rosenaustadion (Fußballstadion) wurde so errichtet. Die provisorischen Gleise wurden dafür mitten durch die Stadt verlegt. In den Jahren 1948 und 1949 erfolgte durch den Bau der oben erwähnten Wertachbrücke der Lückenschluss zwischen Linie I und II. Der Betrieb konnte reibungslos vom Ringbahnhof aus gesteuert werden.

1950–1975: Schrittweise Modernisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktueller Ausbauzustand des Gleisnetzes

Im Jahr 1955 wurden erstmals Blinklichtanlagen an der Siebentisch- und Gentnerstraße eingesetzt. Ein Jahr später folgte der Einsatz von fünf neuen Diesellokomotiven des Typs Krauss-Maffei ML 440 C, 46 Tonnen Eigengewicht, 440 PS (324 kW), MAN-Motor und Sprechfunk. Der Dampfbetrieb ging mit der Ausmusterung von neun Dampfloks und einer Diesellok zu Ende. Ein neuer Transportrekord mit der größten je transportierten Jahresfracht wurde aufgestellt: Die Beförderungsleistung betrug 864.000 Tonnen. 1958 ging die erste magnetisch von der Lokomotive aus gesteuerte Blinklichtanlage für Schienenverkehr in Deutschland, (eine Localbahn-Siemens-Entwicklung) in Betrieb. Eine weitere Diesellok Krauss-Maffei ML 440 C und weitere Blinklichtanlagen an der Haunstetter, Inneren Ufer-, Berliner Allee und Otto-Lindenmayer-Straße gingen ebenfalls in Betrieb.

Im Jahr 1960 betrug die Jahresfracht 859.000 Tonnen, das Unternehmen hatte 175 Beschäftigte. Ein Jahr darauf wurde das Unternehmen Augsburger Localbahn AG in eine GmbH umgewandelt. Anno 1962 entstand die Rangieranlage RVI in Lechhausen. Drei Jahre später begann der Einsatz der ersten tragbaren Sprechfunkgeräte. Eine Verkehrssignalanlage ging an der Friedberger Straße in Betrieb, 1966 eine weitere an der Luitpoldbrücke. Seit 1971 werden die Weichen im Bahnhof West elektrisch angetrieben, zugleich gingen die Kohletransporte drastisch zurück. Im Jahr 1975 erhielten die Lokomotiven einen Funk-Alarm-Empfänger für die Feuerwehrvorwarnung, damit die oft langen Güterzüge bei einem Feuerwehreinsatz nicht die Straßenübergänge blockierten.

1975–1998: Beginn des Rückbaus und weitere Modernisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Bahngleis am Rand des Haunstetter Ortskernes

1976 wurde der Bahnhof Schwab in Haunstetten aufgelassen, der bis dahin als Endstation der Lokalbahn diente. Der Stückgutverkehr wurde eingestellt und Personal abgebaut. Die Bahnübergänge an der Firnhaber-, Aindlinger- und Raiffeisenstraße erhielten Lichtzeichenanlagen. Ein Jahr später lehnte die DB eine Übernahme des Betriebes ab. Es folgte weiterer Personalabbau, der sich auch im Jahr darauf fortsetzte. Nun waren noch 64 Mitarbeiter angestellt.

Die handbetriebenen Weichen im Bahnhof Ring wurden 1981 auf elektronische Stellwerkstechnik umgerüstet. Im Jahr darauf wurde die erste Diesellokomotive auf Funkfernsteuerungsbetrieb umgestellt, 1983 und 1984 wurde jeweils eine weitere Lok umgerüstet, so dass Ende 1984 bereits drei Lokomotiven über Funkfernsteuerung verfügten; das erleichterte und beschleunigte den Rangierbetrieb. Im Jahr 1985 erhielt die Fa. Böwe elektronisch geregelte Torsteuerungs- und Signalanlagen, so dass sich fortan das Werkstor von der Lok aus per Magnetschalter öffnen ließ. Drei Jahre später wurden 400.000 Tonnen Transportgut befördert und ungefähr 14.800 Waggons bewegt. Am 1. Januar 1989 gehörte die Localbahn mit ihren funkferngesteuerten Lokomotiven zu den modernsten nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland. Die gesamte Gleislänge betrug 67,089 km; davon gehörten 26,506 km den 66 privaten Anschließern und Benutzern, und 40,583 km waren localbahneigene Gleise.

Beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 1999 wurde die südliche Brücke über die Wertach durch am Strompfeiler hängengebliebenes Treibgut stark beschädigt. Als am 23. Mai 1999 das flussaufwärts befindliche Gögginger Ackermann-Wehr einstürzte und das Hochwasser außer Kontrolle geriet, ließ die Stadt Augsburg aus Hochwasserschutzgründen die Brücke sofort abbauen. Bei einem Einsturz der Brücke wäre der gesamte Flusslauf blockiert worden, so dass sich der Fluss aufgestaut hätte. Wenige Monate später errichtete die Localbahn mit einem Zuschuss der Stadt Augsburg eine neue Brücke ohne Strompfeiler.

1998–2018: Güterverkehr auf fremden Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 übernahm die Augsburger Localbahn den Güterverkehr auf der Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau und (bis 2005) auf der Bahnstrecke Schongau–Peißenberg bis Peiting Ost. Der Güterverkehr zwischen den Standorten Schongau und Augsburg der UPM-Kymmene Papier GmbH & Co.KG, der ursprünglich als reiner Werksverkehr betrieben wurde, wird immer mehr zur Bedienung anderer Kunden genutzt. Im Rahmen eines Logistikprojektes ist es 2007 gelungen, 500 jährliche LKW-Fahrten mit Papierrollen auf die Schiene zu verlagern.

Seit August 2007 betreibt die AL regelmäßigen Holzverkehr zum Gleisanschluss des Sägewerks Anton Heggenstaller in der Nähe des Bahnhofs Radersdorf an der Strecke Augsburg-Hochzoll – Ingolstadt (Paartalbahn). Aufgrund der Eingleisigkeit und Grenzlast der Strecke ist kein Ganzzugverkehr möglich, so dass der Zug deshalb in zwei Zugteilen gefahren werden muss. Für die Bedienung des Anschlusses gibt es wegen des Taktverkehrs im Schienenpersonennahverkehr ein beschränktes Zeitfenster.

Im Jahr 2007 wurden insgesamt 1,12 Mio. t befördert. Davon entfielen 853.000 t auf die Augsburger Güterbahn, 369.000 t wurden auf der Fuchstal- und 106.000 t auf der Paartalbahn befördert.[4]

Der Bahnpark Augsburg fährt manchmal mit einem historischen Schienenbus VT 98 auf der Ringstrecke[5].

Ab August 2018 fährt die Kübler-Spedition MAN-Schiffsdiesel mit ihrem neuen Tragschnabelwagen nach Mannheim, um sie dort auf Rheinschiffe zu verladen[6].

Zum Jahresende 2018 gibt die AL den Güterverkehr außerhalb des eigenen Netzes (auf der Fuchs- und Paartalbahn) aus Wirtschaftlichkeitsgründen auf. Da DB Cargo auf der Fuchstalbahn ab 2019 den Güterverkehr übernimmt, ist dort die Bedienung der Güterkunden gesichert.[7][8]

Bahnhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Augsburg Ring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Augsburg Ring

Im Streckennetz der Augsburger Localbahn befinden sich insgesamt drei Bahnhöfe. Der größte und zugleich wichtigste ist der Bahnhof Augsburg Ring an der Friedberger Straße im Osten der Innenstadt. Es handelt sich hierbei um einen reinen Güterbahnhof. Dort werden seit Gründung der Localbahn die Züge vom Hauptbahnhof zerlegt und gemäß ihrem Ziel neu zusammengestellt. Die Lage war Anfang des 20. Jahrhunderts besonders günstig, da die meisten metall- und textilverarbeitenden Betriebe in der Nähe des Bahnhofs lagen. Neben den Rangier- und Sortiergleisen befindet sich in diesem Bahnhof eine Betriebswerkstätte, die sowohl eigene als auch fremde Lokomotiven und Wagen instandsetzt.

Bahnhof Augsburg West[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof West besteht aus einem Netz an Rangiergleisen und dient als Güterbahnhof für die Betriebe, die im Südwesten der Stadt liegen. In der Vergangenheit wurden von dort besonders die Textilfirmen in Göggingen bedient. Vom Bahnhof West besteht direkte Verbindung zu den Gleisen der Deutschen Bahn und zum Bahnbetriebswerk. In Richtung Norden mündet auf Höhe Morellstraße ein Gleis ein, das eine Verbindung zum Hauptbahnhof herstellt.

Bahnhof AL-Messe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messebahnhof der AL

Die Bahnreform machte es der Augsburger Localbahn wieder möglich, auch Personen zu befördern. Aus diesem Grund und wegen des raschen Aufstiegs des Messewesens (Neubau des Messezentrums) entstand für den Sonderzugverkehr direkt neben dem Haupteingang zur Messe (östlich der Schwabenhalle) der Haltepunkt AL-Messe. Er besteht aus einem Stichgleis mit einem ungefähr 60 Meter langen Bahnsteig, das direkt vom Augsburger Hauptbahnhof angefahren werden kann. Hier können auch Güter, beispielsweise Ausstellungsstücke, angeliefert werden. Genutzt wurde der Bahnsteig im Personenverkehr bislang jedoch nur wenige Male im Rahmen von Sonderfahrten anlässlich von Messen, so zur großen Feuerwehrausstellung Interschutz im Jahr 2000.

Ehemaliger Bahnhof Haunstetten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor 1927 der damals noch eigenständige Ort Haunstetten an die Augsburger Straßenbahn angeschlossen wurde, fuhren auf der Haustetter Linie III der Augsburger Localbahn auch Personenzüge. Diese verkehrten vom Augsburger Hauptbahnhof auf der eingleisigen Strecke ab dem heutigen Univiertel östlich der Haunstetter Straße bis zum Bahnhof Haunstetten (48° 18′ 24,4″ N, 10° 54′ 41,3″ O). Der Bahnhof befand sich auf Höhe des Krankenhauses kurz vor dem ehemaligen Martini-Werk. Personenzüge fuhren von 1901 bis 1927 nach Haunstetten, danach wurden das Wartehäuschen sowie später auch der Gleisanschluss abgebaut.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

V 100 und ML 440 C der AL

Eigene Fahrzeuge besitzt die Localbahnverwaltung seit 1913. So erwarb man damals drei Bayerische D VIII. Eine stärke ELNA-Lokomotive wurde 1928 angeschafft. 1940 und 1941 wurden zwei Bayerische D VII in Dienst gestellt. In den 1950er Jahren wurden erneut Bayerische D VIII und Bayerische D VII gekauft. Anschließend wurden die Dampflokomotiven Schritt für Schritt verkauft oder außer Dienst gestellt und durch Diesellokomotiven ersetzt. Dazu gehörte eine kleine Diesellok der Kölner Deutz-Werke sowie die bis heute eingesetzten Rangierlokomotiven von Krauss-Maffei.

Die AL setzt aktuell im Rangierdienst vier Rangierlokomotiven des Typs Krauss-Maffei ML 440 C von Krauss-Maffei aus dem Jahr 1956 ein. Im Streckenverkehr werden sechs in den Jahren 1998 bis 2000 remotorisierte Diesellokomotiven (AL 41–46) des Typs V 100 der Deutschen Reichsbahn (DR) eingesetzt.[9][10] Von den V100-Dieselloks gehen Schallemissionen aus, die niedriger als beim LKW-Verkehr liegen, da diese Loks remotorisiert und modernisiert wurden. Der Betrieb ist rund um die Uhr gestattet. Der Streckenverlauf der Localbahn führt teilweise durch dicht bewohntes Gebiet. So liegt auch der Rangierbereich mitten in einem Augsburger Wohngebiet. Die negative Einstellung der Bürger zu den nächtlichen Schallemissionen wird oft in öffentlichen und lokalpolitischen Veranstaltungen deutlich.[11]

Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Gesellschafter sind aktuell (Stand: 31. Dezember 2008) an der AL beteiligt:

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung Gesamttonnage Güterverkehr der Augsburger Localbahn zwischen 2005 und 2015[12]

Die von der Augsburger Localbahn beförderte Gütermenge unterlag im Zeitraum zwischen 2005 und 2015 gewissen Schwankungen. Der niedrigste Wert lag 2006 bei rund 981.000 Tonnen. 2010 dagegen stieg die Beförderungsmenge auf knapp 1.249.000 Tonnen an. In den darauffolgenden Jahren fiel die beförderte Gesamttonnage allerdings wieder ab. Das nebenstehende Diagramm gibt die beförderte Gesamttonnage mit Bezug zum Geschäftsjahr wieder.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Baum: Die Augsburger Localbahn, EK Reihe Regionale Verkehrsgeschichte Band 30; Freiburg: Eisenbahn Kurier 2000, ISBN 3-88255-444-4
  • Udo Schambeck, Klaus Meyer: Damit Unmögliches möglich wird. Innovative Güterverkehrs-Konzepte. In: Güterbahnen. Heft 2/2008, S. 28–31, Alba Fachverlag Düsseldorf, ISSN 1610-5273
  • W. Bublies, E. Mathe: Mit der Augsburger Localbahn durch die Industriegeschichte. Brigitte Settele Verlag, 2. Auflage 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Augsburger Localbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Unternehmenseckdaten. Augsburger Localbahn GmbH, 2015, archiviert vom Original am 6. Januar 2016; abgerufen am 6. Januar 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.augsburger-localbahn.de
  2. Udo Schambeck (Augsburger Localbahn GmbH): Ansprüche der Güterbahnen an das (bayerische) Streckennetz. Fachgespräch zum Thema Güterverkehr auf der Schiene. Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag, 6. März 2012, archiviert vom Original am 6. Januar 2016; abgerufen am 6. Januar 2016 (PDF). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gruene-fraktion-bayern.de
  3. Zintl, Bayerische Nebenbahnen, S. 141
  4. Siehe Schambeck, Meyer, 2008
  5. Localbahnrundfahrt des Bahnparks Augsburg. Abgerufen am 31. Januar 2018.
  6. Kübler - Hansebubeforum. Abgerufen am 11. September 2018.
  7. Stefan Krog: Bei der Localbahn steht Personalabbau an. Augsburger Allgemeine, 26. November 2018, abgerufen am 30. November 2018.
  8. Jörg von Rohland: Fuchstalbahn: DB übernimmt. Merkur.de, 28. November 2018, abgerufen am 30. November 2018.
  9. Fahrzeugliste mit genauen Herkunftsangaben. Abgerufen am 11. November 2010.
  10. Bilder von den AL-Fahrzeugen im täglichen Einsatz im Zeitraum 1999 bis 2002. Abgerufen am 11. November 2010.
  11. Politischer Frühschoppen, 20. März 2011, zugegen waren Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, Dr. Christian Ruck (MdB) und der Stadtrat Ralf Schönauer
  12. Statistisches Jahrbuch der Stadt Augsburg 2016. Seite 71.

Koordinaten: 48° 21′ 25,2″ N, 10° 55′ 4,8″ O