Garlstedt

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Wappen von Garlstedt
Koordinaten: 53° 16′ 48″ N, 8° 42′ 7″ O
Höhe: 36 m ü. NHN
Einwohner: 424
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 27711
Vorwahl: 04795
Karte
Lage von Garlstedt in der Stadt Osterholz-Scharmbeck

Garlstedt (plattdeutsch Garls[t]) ist, seit der Eingemeindung im Zuge der Gebietsreform von 1974, der vom Zentrum am weitesten entfernte Stadtteil von Osterholz-Scharmbeck im niedersächsischen Landkreis Osterholz und hat ungefähr 1.200 Einwohner.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Garlstedt stammt vermutlich von Garleff ab, einem germanischen Stammesältesten.[1] Eine ältere Form des Namens ist Garlste.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garlstedt liegt im Norden der „Langen Heide“ und nahe der Siedlung entspringt die Drepte.

Zehn-Mark-Banknote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt von der 10 Deutsche-Mark-Note mit Garlste als Messpunkt

In den Jahren 1824 und 1825 hielt sich Carl Friedrich Gauß im Zuge der Hannoverschen Landesvermessung zeitweise in Garlste auf.[3] Der Gauß’sche Vermessungspunkt Garlste liegt auf 48,9 m über NN am Waldweg „An der Forst“. Ein Ausschnitt des Vermessungsnetzes mit Garlste als trigonometrischem Punkt ist auf dem letzten 10-Deutsche-Mark-Schein abgebildet, der von 1991 bis 2001 gesetzliches Zahlungsmittel war.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde erstmals 1250 erwähnt; allerdings weisen zahlreiche Hügelgräber auf eine frühe Besiedelung hin, die der Stein- und Bronzezeit zuzuordnen sind. 1830 wurde eine Lure entdeckt; die „Lure von Garlstedt“ wurde in das Wappen der Gemeinde aufgenommen.

Am 1. März 1974 wurde Garlstedt in die Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck eingegliedert.[5]

Garnison und Heeresschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begrüßung am Kasernentor

In Garlstedt befindet sich die ursprünglich US-amerikanische Lucius D. Clay-Kaserne, die zwischen 1975 und 1978 erbaut und am 17. Oktober 1978 mit einer 200 Mann starken Vorhut eröffnet wurde. Es handelte sich um Soldaten der 75. US-Brigade, einer Vorausabteilung der 2nd Armored Division („Hell on wheels“) aus Texas, die gemäß einer neuen NATO-Doktrin in die Bundesrepublik teil-vorverlegt wurden. Die Brigade wurde im Juli 1978 in 2nd Armored Division (forward) umbenannt und bezog im Oktober 1978 die neu errichtete Kaserne in Garlstedt.

Die Fluktuation der Vorausabteilung war sehr groß; von den Soldaten, die dort anfänglich ihren Dienst angetreten hatten, befand sich schon nach 18 Monaten kaum einer mehr in der Kaserne. So ergibt sich für die Zeit von 1978 bis 1992 eine Gesamtzahl von 28.000 in Garlstedt stationierten US-Soldaten.

Im Zuge der Kuwait-Krise wurde 1990 der größte Teil der US-Soldaten an den Golf gebracht, im Zweiten Golfkrieg wurden 18 von ihnen getötet. Da das militärische Material größtenteils zunächst im Irak bzw. in Kuwait verblieb, nutzten die Amerikaner die Gelegenheit, die Kaserne zu schließen. Am 1. Oktober 1992 wurde ein offizielles „Flaggeeinholen“ vollzogen und die Kaserne dem Heer der Bundeswehr übergeben. Sie wird seitdem unter Beibehaltung des Namens als Truppenschule genutzt, in der pro Jahr etwa 15.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet ihre logistische Ausbildung erhalten. Anfänglich wurde der Lehr- und Ausbildungsbetrieb an der Nachschubschule des Heeres vorrangig am alten Standort „Roland-Kaserne“ (Bremen-Grohn) fortgeführt. Im Oktober 1999 nahm aber mit dem Umzug des Kommandeurs der Nachschubschule und Generals der Nachschubtruppe die Truppenschule offiziell ihren Betrieb in Garlstedt auf. Am 1. Oktober 2006 erfolgte aufgrund eines Unterstellungswechsels vom Heer zur Streitkräftebasis (SKB) eine Umbenennung in „Logistikschule der Bundeswehr“.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 erregte die Sichtung eines Lichtphänomens über Garlstedt am 13./14. Januar ein gewisses Aufsehen. Da die neue US-amerikanische Kaserne involviert war, stieg sogar die Alarmrotte der NATO auf, um das vorgebliche UFO abzufangen. Worum es sich letztendlich gehandelt hatte, konnte bis heute nicht geklärt werden.[6]

1996 wurde Garlstedt bundesweit durch die Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma am 25. März bekannt, da die Entführer als Versteck einen Keller in einem Haus in Garlstedt nutzten. (Interessanterweise hat die Reemtsma-Familie durch Philipp Fürchtegott Reemtsma eine ihrer Wurzeln in Osterholz-Scharmbeck und Garlstedt ist Stadtgebiet.)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gauß-Stein in Schmidts Kiefern
  • In Garlstedt finden sich eine Anzahl von Grabhügeln aus der Bronzezeit (1800 - 700 vor unserer Zeitrechnung). Den beeindruckendsten Fund in einem dieser Grabhügel stellt wohl die Garlstedter Lure dar, die auch als Vorlage für das Garlstedter Gemeindewappen diente. Die 1830 bei Straßenarbeiten entdeckten Bruchstücke dieses bronzezeitlichen germanischen Blasinstruments ist zurzeit der südlichste Fund eines derartigen Instrumentes. Zahlreiche urgeschichtliche Grabhügel befinden sich im Forst Die Elm zwischen der Hülseberger Straße und dem Garlstedter Kirchweg.
  • Brockmannsmühle: Hofanlage und Wassermühle aus dem 14. Jahrhundert. Ein Schwungrad mit Transmission und Bleiakkumulatoren sorgte bereits für elektrischen Strom, als in Bremen noch die Gasbeleuchtung dominierte.
  • Schmidts Kiefern: Kiefernwald mit teilweise 150-jährigen Kiefern im Gebiet des Truppenübungsplatzes Garlstedt.
  • Wald-Lehrpfad: mit Schautafeln über das Leben von Flora und Fauna im Garlstedter Forst.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garlstedt verfügt mit dem SV Garlstedt über einen Sportverein, dessen Sportler in den Bereichen Badminton, Walking, Gymnastik, Kinderturnen, Aerobic und Fußball aktiv sind. Die beiden Herren- und mehrere Jugendfußballmannschaften spielen allesamt auf Kreisebene. 1965 eröffnete der Bremer Club zur Vahr einen 18-Loch Golfplatz, auf dem 1985, zum 80-jährigen Clubjubiläum die „German Open“ ausgetragen wurden. Gewinner des internationalen Turniers war Bernhard Langer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chronik:Garlstedt im Wandel der Jahrtausende; u.a. von Christiane Rambacher

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Garlstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weser-Kurier Nr. 253 S.3 vom 27. Oktober 2008 von Ilse Okken nach einer Herbstwanderung mit Christiane Rambacher.
  2. Z. B. wird der Ort im Statistischen Handbuch des Königreichs Hannover von 1824 in dieser Schreibweise aufgeführt.
  3. G. Waldo Dunnington: Carl Friedrich Gauss: Titan of Science. The Mathematical Association of America, 2004. Seiten 130 und 133
  4. Bargeld der Deutschen Mark
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 244.
  6. Weser-Kurier vom 15. Januar 1980