Gasometer Schöneberg

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Gasometer Schöneberg
Gasometer Schöneberg
Gasometer Schöneberg
Standortdaten
Staat: Deutschland
Region: Berlin-Brandenburg
Stadt: Berlin
Baudaten
Bau: 1908–1910
Betrieb: ab 1913
Stilllegung: 1995
Umbau: seit 5. Mai 2011
Nachnutzung: Veranstaltungsort
Technische Daten
Typ: Niederdruckgasbehälter
Bauweise: Teleskopgasbehälter
Höhe: 78 m
Nutzvolumen: 160.000
Sonstiges

unter Denkmalschutz seit 1994

Der Gasometer Schöneberg ist ein 1913 in Betrieb genommener und 1995 stillgelegter Niedrigdruck-Gasbehälter auf dem ehemaligen Gelände der GASAG in Berlin-Schöneberg. Das seit 1994 unter Denkmalschutz stehende[1] und 78 Meter hohe Bauwerk gilt als Landmarke und markantes Wahrzeichen Schönebergs auf dem EUREF-Campus im Stadtquartier Rote Insel.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schöneberger Gasometer gehört zum Typus der Teleskopgasbehälter, er speicherte das Stadtgas in einer ausfahrbaren Glocke, die aus mehreren teleskopartig ineinandergeschachtelten Stahlelementen, sogenannten „Wassertassen“, bestand und in ein Wasserbassin eingelassen war. So konnte der Gasbehälter mit seiner maximalen Speicherkapazität 160.000 m³ Gas speichern, das für den Haushaltsgebrauch und die Straßenbeleuchtung genutzt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Stahlgerüst in den ehemaligen Gasometer

Der Gasometer Schöneberg wurde von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG) als Ingenieurbau[2] zwischen 1908 und 1910 errichtet und war zu dieser Zeit mit seinem Füllvolumen einer der drei größten Gasbehälter Europas. Bei der Errichtung kam es am 19. August 1909 zu einem schweren Unglück, als ein 85 Meter hoher Montagemast durch die von vorbeifahrenden Zügen verursachten Erschütterungen einknickte, das Behältergerüst durchschlug und auf die Gleise der Ringbahn stürzte. Hierdurch, durch Genehmigungsprobleme und Proteste der Anwohner verzögerte sich die Inbetriebnahme bis 1913.[2] Ursprünglich war geplant, den Gasometer im heutigen Wagnerviertel in Friedenau zu errichten, was bei der Bevölkerung der seinerzeit neu entstandenen Landhauskolonie auf großen Widerstand stieß.[3]

Der Maler Lyonel Feininger hat das Wahrzeichen der Roten Insel im Bild festgehalten.[4] Das Bild Gasometer in Berlin-Schöneberg entstand wahrscheinlich im Herbst 1912 und ist stark vom Futurismus beeinflusst.

Der Teleskopgasbehälter wurde 1994 zusammen mit anderen Bauten auf dem Gelände, unter anderem dem vom Berliner Architekten Alfred Messel entworfenen Retortenhaus und Kesselhaus, unter Denkmalschutz gestellt und 1995 außer Betrieb genommen. Das Führungsgerüst des Teleskopbehälters ist stark von Rost befallen.[5] Am 5. Mai 2011 begann eine Sanierung der Stahlkonstruktion, die nach Angaben des Auftraggebers voraussichtlich vier Jahre dauern und 3,8 Millionen Euro kosten soll.[6][7][8]

Neue Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korrosionsschäden am Führungsgerüst, 2010

Im Februar 2007 erwarb das private Projektentwicklungsunternehmen denkmal+plus das GASAG-Gelände zusammen mit dem Industriedenkmal und stellte Ende Mai 2007 eine Projektskizze zur Umgestaltung des Areals und zur Nutzung des Gasometers vor. Der Plan sieht vor, im Inneren des Gasometers ein Gebäude zu errichten. Auf dem umgebenden Grundstück sollen neben den denkmalgeschützten Altbauten, die renoviert werden, zahlreiche Neubauten entstehen, die anfangs eine Höhe von bis zu 65 Metern haben sollten, inzwischen infolge von Einsprüchen der Anwohner auf 57 Meter für das Baufeld im Gasometer (Oberkante 98,5 Meter über NHN) verringert wurden. Die obersten zwei Felder des Führungsgerüstes des Gasometers bleiben somit frei. Auf den weiteren neun Baufeldern können laut Bebauungsplan Gebäude mit einer maximalen Höhe zwischen 29,5 und 55 Metern entstehen, Dachaufbauten können allerdings diese Höhen überschreiten.[9]

Während das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg das Projekt unterstützt, haben sich einige Anwohner der Roten Insel in einer Bürgerinitiative Gasometer Schöneberg zusammengeschlossen und befassen sich kritisch mit den Plänen der Projektentwickler.[10]

Anfang September 2008 wurde Europas größte LED-Werbewand am Gasometer angebracht, die bei Dunkelheit Werbebilder und -videos ausstrahlte. Der Erlös hieraus sollte teilweise in die Renovierung des Gasometers fließen.[11] Ende 2011 wurde die Leuchtwerbung außer Betrieb genommen und im Frühjahr 2012 abgebaut. Ein nennenswerter Beitrag für die Sanierung des Gasometers wurde nicht erzielt.[12]

Auf der Grundfläche inmitten des Gasometers steht seit August 2009 die ehemalige „Bundestagsarena“, ein der Reichstagskuppel nachempfundener „Fliegender Bau“ als Veranstaltungsraum. Die Kuppel ist von Wasser umgeben und CO₂-neutral beheizbar. Beim Einbau der als Folienzelt gestalteten Konstruktion kam es zu zahlreichen auffälligen Veränderungen am Wasserbehälter des Gasometers, die von der Denkmalpflege kritisiert wurden.[13] Die Kuppel wird für Veranstaltungen unterschiedlicher Art genutzt.[14]

Seit dem Wintersemester 2012/2013 bietet die Technische Universität Berlin auf dem neuen TU-Campus EUREF am Gasometer Berlin-Schöneberg drei disziplinübergreifende Masterstudiengänge rund um den Themenkomplex „Stadt und Energie“ an:[15]

  • Energieeffizientes Bauen und Betreiben von Gebäuden (M. Sc.)
  • Energieeffiziente urbane Verkehrssysteme (M. Sc.)
  • Urbane Versorgungsinfrastrukturen (M. Sc.)

Seit dem 24. Januar 2011 werden die Veranstaltungskuppel im Gasometer sowie ein Nachbargebäude durch ein Biogas-Blockheizkraftwerk mit Strom und Wärme versorgt.[16] Auf dem obersten Ring des Gasometers befindet sich seit 2011 eine Windmessanlage. Sie ist Teil eines intelligenten Stromnetzes des umliegenden Geländes (Micro Smart Grid).[17] Das Netz wird vor Ort mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt.[18]

Vom 11. September 2011 bis zum 29. November 2015 wurde in der Veranstaltungskuppel von Günther Jauch der gleichnamige Polit-Talk im Ersten geführt.[19]

Das am 14. September 2012 veröffentlichte Musikvideo zu dem Lied Lila Wolken von Marteria, Yasha & Miss Platnum spielt auf der Spitze des Gasometers.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gasometer Schöneberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste zum Gaswerk Schöneberg
  2. a b Stephan Lepiorz u. a.: Das Gaswerk Schöneberg in der Torgauer Straße. Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin 2005, S. 79 f.
  3. Hermann Ebling: Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort. 1871 bis 1914. edition Friedenauer Brücke, Berlin 2007, ISBN 978-3-9811242-1-7, S. 59.
  4. Feiningers Gemälde auf der Seite der SPD Schöneberg
  5. Geschichte des Schöneberger Gasometers
  6. Bild.de: Sanierung des Schöneberger Gasometers gestartet
  7. RBB-Nachrichten: Gasometer in Berlin-Schöneberg wird saniert
  8. Das Gasometer-Denkmal in Schöneberg wird saniert.
  9. Bebauungsplan 7-29 (textliche Festsetzungen; PDF; 4,06 MB) vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abteilung Bauwesen Amt für Planen, Genehmigen und Denkmalschutz, Fachbereich Planen
  10. Selbstdarstellung der Bürgerinitiative Gasometer Schöneberg
  11. Bi-Gasometer: Darstellung über Genehmigung der Leuchtwerbung am Gasometer, Text des Vertrages
  12. Bi-Gasometer: Bericht über Abbau der Leuchtwerbung
  13. Bi-Gasometer: Aufsatz über Geschichte Gasometer (PDF, 920 kB)
  14. Berlin Gasometer und Schmiede
  15. Technische Universität Berlin: Studieren in der energieeffizienten Stadt von morgen (abgerufen 2. April 2013)
  16. Strom und Wärme CO₂-neutral. In: Paperpress vom 25. Januar 2011.
  17. Micro Smart Grid auf dem EUREF-Campus. Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) GmbH. Abgerufen am 26. April 2012.
  18. Jean Pierre Bassenge: Sonne tanken. In: Berliner Zeitung, 30. Mai 2012.
  19. Ort gefunden: Jauch talkt zentraler als Anne Will. Bei: DWDL.de, abgerufen am 19. April 2011.

Koordinaten: 52° 28′ 53″ N, 13° 21′ 26″ O