Marteria

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Marteria bei Rock am Ring 2017

Marteria (* 4. Dezember 1982 in Rostock; bürgerlich Marten Laciny) ist ein deutscher Rapper, auch unter dem Namen Marsimoto bekannt. Sein Künstlername geht auf die Anfangsbuchstaben seines Vornamens zurück sowie auf „Materia“, das lateinische Wort für Stoff oder Materie.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marten Laciny ist das jüngste Kind einer Lehrerin und eines Seemanns.[2] Er wuchs mit einem acht Jahre älteren Bruder und einer vier Jahre älteren Schwester bei seiner alleinerziehenden Mutter[3] im Rostocker Stadtteil Groß Klein auf.[4] Der begabte Fußballer war Kapitän aller Jugendmannschaften des F.C. Hansa Rostock, zu dem er heute noch eine enge Verbindung pflegt. Als Rechtsverteidiger war er Stammspieler der U-15-, U-16- und U-17-Nationalmannschaft.[5]

Als er 1999 bei einer Reise nach New York von einem Modelscout entdeckt wurde, nahm er von dort aus Modelaufträge in der ganzen Welt an. Bei seinem ersten Fotoshooting arbeitete er als Male Model für Claudia Schiffer, danach unter anderem für Diesel und Hugo Boss. Seine Fußballkarriere gab er zugunsten der Modelkarriere in den USA auf.[3] 2003 stieg er jedoch wieder aus dem Modelgeschäft aus und ging zurück nach Rostock, um fortan eine Rap-Karriere zu verfolgen.

2003 zog er nach Berlin-Friedrichshain. Hier absolvierte er eine Ausbildung zum Schauspieler an der Schauspielschule Reduta-Berlin. Laciny ist Vater eines Jungen (* 2007), dem sowohl das Lied Louis auf dem Album Zum Glück in die Zukunft als auch das Lied Gleich kommt Louis in dem Album Zum Glück in die Zukunft II gewidmet ist, und lebt in Berlin-Kreuzberg.[6][7] Am 20. Februar 2015 heiratete er die Schauspielerin Jadu Freydank.[8]

Am 29. März 2015 wurde Marteria in ein Krankenhaus eingeliefert. Zuvor hatte er bei einem Benefizspiel von Hansa Rostock Fußball gespielt und zwei Stunden nichts getrunken. Es drohte ein akutes Nierenversagen. Nach der erfolgreich verlaufenen Dialyse zog er sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück. Er verließ Berlin und zog zurück an die Ostseeküste. Laut eigenen Angaben habe der Vorfall sein Leben verändert. So gab er unter anderem Alkohol und Drogen auf. Stattdessen geht er in seiner Freizeit Angeln.[9] Nach einer Anzeige der Tierrechtschutzorganisation PETA im Sommer 2017 aufgrund des in einem YouTube-Video festgehaltenen Praktizierens des so genannten Fangen und Freilassens akzeptierte Marteria im Februar 2018 eine Bußgeldzahlung in Höhe von 5000 € wegen Tierquälerei.[10]

Musikkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marteria (2011)

Im Alter von 16 Jahren hatte Marteria als Mitglied der Hip-Hop-Gruppe Underdog Cru auf dem Label P.O.sin-music seine erste Veröffentlichung auf dem Album Maximum. Mit 18 Jahren unterschrieb er den ersten Solovertrag bei Punchline, einem Label von SPV. Er lieferte dort sein Debütalbum ab, das wegen der Insolvenz der Plattenfirma nie veröffentlicht wurde.

Im Jahr 2002 ging er als Teil von Underdog Cru auf Europatour mit Mark B & Blade (England), den Delinquent Habits und Flowmarkt aus Hannover. 2001 bis 2003 war er als Teil der Underdog Cru live auf dem größten Hip-Hop-und-Reggae-Festival Europas splash! auf der Bühne zu sehen.

Sein Erstlingswerk Halloziehnation, das von Dead Rabbit produziert wurde, wurde von der Presse gelobt und vom Szenemagazin Juice mit 4½ von 6 Kronen ausgezeichnet. Auch sein zweites Album Base Ventura erhielt diese Bewertung. Diese beiden Alben veröffentlichte er bei dem Label Magnum12, wo er den Grundstein für seine Karriere legte. Im Spätherbst 2007 unterzeichnete er einen Vertrag mit dem Musikverlag Nesola. Im Dezember 2007 begleitete er Jan Delay unter seinem zweiten Künstlernamen Marsimoto im Vorprogramm der Tournee. Im Frühjahr 2008 unterzeichnete er einen Label-Deal bei Four Music,[11] wo er seither veröffentlicht.

Im Februar 2009 trat er für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit seinem Titel Zum König geboren beim Bundesvision Song Contest 2009 an und belegte den zwölften Platz. Im August 2010 erschien das Album Zum Glück in die Zukunft, an dem neben Yasha, Miss Platnum und Jan Delay auch Casper und Peter Fox mitwirkten. Bei der Echoverleihung 2011 trat Marteria mit dem Titel Niemand (Was wir nicht tun) gemeinsam mit Joy Denalane, Max Herre und Klaus Doldinger auf.

Marteria bei Rock im Park 2014

Marteria war im Jahr 2012 als Co-Autor an verschiedenen Musikstücken des Albums Ballast der Republik der Punkrockband Die Toten Hosen beteiligt.[3] Im selben Jahr startete er mit Yasha und Miss Platnum das Projekt Lila Wolken. Am 14. September 2012 erschien unter diesem Titel eine EP mit fünf gemeinsamen Liedern, der Titelsong schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der deutschen Charts.

Am 31. Januar 2014 erschien das Album Zum Glück in die Zukunft II, welches Platz 1 in den deutschen Albumcharts erreichte und mit Platin ausgezeichnet wurde.[12] Drei Singles daraus wurden bereits im Dezember 2013 veröffentlicht: Bengalische Tiger, Kids (2 Finger an den Kopf) und OMG![13] Ende Januar 2014 stellte Marteria an acht verschiedenen Orten in Deutschland Fotos, Videos und Geschichten einer dreiwöchigen interkontinentalen Reise unter dem Titel „Weltreise mit Marteria“ vor, die ihn zusammen mit dem Fotografen Paul Ripke unter anderem von Europa über Südamerika und Alaska bis nach Asien geführt hatte.[14] Der Abschluss der Promo-Tour fand passend zum Thema im Zeiss-Großplanetarium in Berlin statt.[15][2]

Beim zehnten Bundesvision Song Contest am 20. September 2014 trat Marteria mit seiner Heimathymne Mein Rostock an und erreichte den vierten Platz.[16][17] Im Juni 2015 spielte er in seiner Heimatstadt Rostock ein Open-Air-Konzert vor 20.000 Zuschauern.

Marteria agierte in der deutschen Version des Charity-Songs Do They Know It’s Christmas von Band Aid mit, der am 21. November 2014 Weltpremiere feierte. Im Mai 2017 trat er erneut als Mitautor verschiedener Musikstücke auf dem Album Laune der Natur der Band Die Toten Hosen in Erscheinung.[18]

Am 26. Mai 2017 erschien sein siebtes Soloalbum Roswell, das den zweiten Platz der deutschen Albumcharts erreichte. Am 7. Juni 2017 wurde ein eng mit dem Album verknüpfter Film mit dem Titel Antimarteria veröffentlicht.

Auf dem Kosmonaut Festival 2018 kündigten Marteria und Casper ein gemeinsames Album mit dem Titel 1982 an, welches am 31. August 2018 erschien.[19]

Am 1. September 2018 trat Marteria vor 32.000 Zuschauern im Rostocker Ostseestadion auf. Neben Casper waren als Gäste auch Arnim Teutoburg-Weiß, Miss Platnum und Feine Sahne Fischfilet dabei. Das Konzert war das erste Solo-Konzert eines deutschen Rappers, das in einem Stadion stattfand. Marteria erfüllte sich damit einen "Kindheitstraum".[20] Zwei Tage später war Marteria einer der Künstler, der im Rahmen der Aktion #wirsindmehr nach fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz vor 65.000 Besuchern bei einem kostenlosen Konzert gegen Rechtsextremismus auftrat.

Marsimoto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marteria als Marsimoto beim splash! 2012

Neben seinem Künstlernamen Marteria ist er auch unter dem Pseudonym Marsimoto bekannt. Marsimoto entstand als Hommage an das Alter Ego Quasimoto des US-amerikanischen Rappers Madlib. Beide fallen durch ihre gepitchte Stimme auf. Marterias Idee, Marsimoto als Alter Ego zu erschaffen, entstand aus einer Spielerei mit Effekten eines Aufnahmewerkzeugs. Wegen der positiven Resonanz entschloss er sich, als Marsimoto ein Album zu veröffentlichen.

Marteria veröffentlichte als Marsimoto seine Soloalben Halloziehnation (2006), Zu zweit allein (2008), Grüner Samt (2012), Ring der Nebelungen (2015)[21] und Verde (2018).

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben

Jahr Titel
Pseudonym
Chartplatzierungen[22] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH
2006 Halloziehnation
als Marsimoto
73
(1 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 7. Juli 2006
2007 Base Ventura
als Marteria
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 28. September 2007
2008 Zu zweit allein
als Marsimoto
84
(1 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 17. Oktober 2008
2010 Zum Glück in die Zukunft
als Marteria
7 Gold
(13 Wo.)
35
(1 Wo.)
67
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 20. August 2010
Verkäufe: + 100.000
2012 Grüner Samt
als Marsimoto
3
(4 Wo.)
25
(1 Wo.)
13
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. Januar 2012
2014 Zum Glück in die Zukunft II
als Marteria
1 Platin
(37 Wo.)
2
(12 Wo.)
3
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: 31. Januar 2014
Verkäufe: + 200.000
2015 Ring der Nebelungen
als Marsimoto
3
(10 Wo.)
4
(5 Wo.)
6
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. Januar 2015
2017 Roswell
als Marteria
2 Gold
(30 Wo.)
2
(7 Wo.)
4
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Mai 2017
Verkäufe: + 100.000
2018 Verde
als Marsimoto
3
(5 Wo.)
7
(2 Wo.)
17
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. April 2018
1982
als Marteria
1
(10 Wo.)
3
(3 Wo.)
6
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 31. August 2018
mit Casper
Nummer-eins-Alben 2
Top-10-Alben 7 5 4
Alben in den Charts 9 7 7

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1 Live Krone

  • 2014: in der Kategorie Bester Live-Act
  • 2015: in der Kategorie Bester Künstler

Deutscher Musikautorenpreis

  • 2016: in der Kategorie Komposition Hip-Hop

Hiphop.de Awards

Preis für Popkultur

  • 2016: in der Kategorie Lieblings-Solokünstler

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Single Verstrahlt wurde im Soundtrack zum Spiel FIFA 12 verwendet.[25]
  • Als Sponsor unterstützt Marteria das Beachsoccer-Team der Rostocker Robben, das 2013, 2014, 2015, 2017 und 2018 Deutscher Meister wurde.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marteria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Marteria am 8. November 2010. Abgerufen am 20. Oktober 2011.
  2. a b Michael Pilz: Das Leben ist kein Computerspiel. In: Welt am Sonntag, 2. Februar 2014, Seite 18
  3. a b c Jenke – ich bleibe über Nacht, RTL vom 23. November 2014
  4. Als Rapper Marteria auf den Boulevard ging. In: Berliner Morgenpost, 7. September 2011
  5. dfb.de: Früher Abwehrspieler, heute Chartstürmer
  6. Toni Kroos vs Marteria – Zwei Hansa-Youngster starten durch. Abgerufen am 9. Oktober 2012.
  7. Marterias Wohnung im Video. Abgerufen am 2. Januar 2011.
  8. Marteria hat geheiratet! In: Bravo.de. 23. Februar 2015, abgerufen am 11. Juli 2017.
  9. Dennis Pohl: Rapper Marteria – Aliens aus Ostdeutschland. In: Spiegel Online. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  10. Deutsche Presse-Agentur: „Fischquälerei“: Rapper Marteria muss Geldstrafe zahlen. Nürnberger Nachrichten, 2. Februar 2018, abgerufen am 5. Juni 2018.
  11. Renzo Wellinger: Four Music signt Rapper Marteria. In: Musikmarkt.de. 1. Juli 2008, abgerufen am 6. Januar 2016.
  12. Marteria: Zum Glück in die Zukunft II. Mit Tracklist. In: 16bars.de. Abgerufen am 13. Dezember 2013.
  13. Marteria: Vorgeschmack aufs neue Album. In: yaez.de. 11. Dezember 2013, abgerufen am 13. Dezember 2013.
  14. Florian Levenig: Kleines Kino: Marteria am Dienstag im Cinema/Karten nur via EinsLive, In: Hallo Münster, 22. Januar 2014, Ausgabe 6/2014, S. 11
  15. Stefan Strauss: Marteria unterm Sternenhimmel. In: Berliner Zeitung, 26. Januar 2014, abgerufen am 31. Januar 2014
  16. Marteria will Image von Rostock verbessern. In: Schweriner Volkszeitung, 10. September 2014
  17. BSC 2014 – Auftritt von Marteria
  18. „Laune der Natur“: Die Toten Hosen präsentieren ihr neues Album in Köln. Abgerufen am 8. Mai 2017.
  19. Casper und Marteria sorgen auf Festival für gleich mehrere Riesen-Überraschungen. Abgerufen am 9. Juli 2018.
  20. Stefanie Büssing: Marteria: Spektakel der Superlative im Ostseestadion Artikel der Ostsee-Zeitung vom 3. September 2018
  21. Marsi macht immobil. In: The Gap, 12. Juni 2015. Abgerufen am 25. August 2015.
  22. Chartquellen: DE AT CH
  23. a b Hiphop.de Awards 2012 – Die Preisverleihung. 11. Februar 2013, abgerufen am 1. Januar 2017.
  24. a b Jonas Lindemann: Hiphop.de Awards 2014: Alle Gewinner im Überblick. 15. Januar 2015, abgerufen am 1. Januar 2017.
  25. FIFA 12-Tracklist: Diese 39 Songs kriegt ihr zu hören. In: goal.com, 13. September 2011
  26. Marteria sponsert Beach-Soccer-Team Rostocker Robben. In: hiphop.de