Gempfing

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Koordinaten: 48° 40′ 23″ N, 10° 59′ 7″ O

Gempfing
Stadt Rain
Höhe: 407 m
Fläche: 6,85 km²
Einwohner: 414 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 86641
Vorwahl: 08432

Gempfing ist ein Ortsteil der Stadt Rain im Landkreis Donau-Ries, der zum Regierungsbezirk Schwaben in Bayern gehört. Zu Gempfing werden auch das Dorf Überacker und der Einödhof Schlagmühle gezählt, die von jeher zur Pfarrei gehören, Gemeindeteile von Gempfing waren und gemeinsam am 1. Juli 1972 nach Rain eingegliedert wurden.[2] Ebenfalls an diesem Tag wurde der Landkreis Neuburg an der Donau, zu dem die selbstständige Gemeinde Gempfing bis dato gehörte, im Zuge der Gebietsreform in Bayern aufgelöst. Gempfing und Rain wurden dem Landkreis Nördlingen-Donauwörth, der am 1. Mai 1973 die heutige Bezeichnung Landkreis Donau-Ries erhielt, zugeschlagen.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gempfing liegt 6 km südöstlich von Rain an der Staatsstraße 2027, die von Ehekirchen kommend nach Rain führt, sowie an den Kreisstraßen DON 31 (nach Etting) und DON 33 (von Bayerdilling und Sallach kommend in Richtung Grenze zum Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bei Burgheim). Gempfing und Überacker liegen am Nordrand des Unteren Lechrains der Aindlinger Terrassentreppe. Naturräumlich gehört es so zur Donau-Iller-Lech-Platte, die wiederum Teil des Alpenvorlandes ist, eine der Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früheste Ausgrabungen in der Gegend weisen auf eine Besiedelung bereits in der Jungsteinzeit hin.
Die Gründung Gempfings als echter -ing-Ort wird in der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts durch die Bajuwaren vermutet.
Gempfing gehörte zur Gründungsausstattung des Benediktinerinnenklosters St. Walburg in Eichstätt, das der Edelfreie Leodegar (auch Luitger) aus dem Grafengeschlecht von Lechsgmünd und Graisbach mit Urkunde vom 24. Juni 1035 stiftete. Leodegar starb am 21. Februar 1074 auf dem Weg nach St. Mang in Füssen in Gempfing.[3] Im 13./14. Jahrhundert baute das Eichstätter Kloster seine herrschaftliche Position in Gempfing kontinuierlich zu einer Hofmark aus, zu der der Klosterbesitz 1310 erhoben wurde.[4] So löste St. Walburg 1306 das Schutzrecht im Dorf Gempfing vom Grafen Berthold von Graisbach mit 200 Pfund Heller ab, ebenso vier Jahre später die Rechte des Maiers von Gempfing.[5] 1389 nahm jedoch der Pfleger von Rain Gempfing gegen Roggen- und Haberabgaben wieder in seinen Schutz. 1435 beauftragte die Äbtissin ausdrücklich den Pfleger zu Rain mit dem Schutz des Gempfinger Klostergutes.[6] Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gempfing zweimal niedergebrannt und – gerade wieder aufgebaut – im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 nochmals vollständig zerstört.[7]
Das Kloster St. Walburg blieb bis zur Säkularisation 1805/06 Grund- und Patronatsherr in Gempfing (um 1800: 44 Haus- und Hofstellen in der Hofmark; zum Maierhof gehörten 1728 54 Jauchert Ackerland)[8]. Spätestens seit 1324 war die Gempfinger Pfarrei St. Vitus in das Kloster St. Walburg inkorporiert, dabei blieb es bis 1806. In Bayerdilling war die St. Peterskapelle seit 1313 der Pfarrei Gempfing inkorporiert, und in der Filiale Wengen hatte die Abtei das Patronat über das Frühmessbeneficium von 1464 bis 1806 inne.[9] Im 17. Jahrhundert fungierte der Zehntmeier, also den Inhaber des klostereigenen Gempfinger Zehnthofs, als Richter der Abtei. Ab 1700 gab es einen eigenen klösterlichen Hofmarksrichter.[10] Auch erschien wiederholt die Äbtissin selbst in Gempfing, beispielsweise bis 1624 zum jährlich einmal stattfindenden sogenannten Bauding, bei dem bis zum 15. Jahrhundert die Lehen von der Äbtissin neu vergeben werden konnten und ab dem 16. Jahrhundert auch die Inhaber eines Gutes mit Erbrecht zu erscheinen hatten.[11] Das ehemalige Richterhaus, im 18. Jahrhundert von der Äbtissin als „Schloss“ bezeichnet[12] und jetzt Zum Bräu genannt, hat sich erhalten. 1752 bestand Gempfing aus 34 zur Abtei gehörenden Anwesen.[13] Für 1754 ist überliefert, dass die damalige Äbtissin Adelgundis I. Pettenkoferin († 1756), die mit dem bayerischen Hochadel gute Kontakte pflegte, mit sieben Nonnen 26 Tage lang zur Erholung in Gempfing weilte.[14] Unter ihr entstand auch ein Ölgemälde von Gempfing, das im Kloster St. Walburg verwahrt wird.[15] Gempfing war eine wichtige Einnahmequelle des Eichstätter Klosters und lieferte beispielsweise gegen Ende des Alten Reiches 18 Prozent der gesamten (Getreide-)Gilteinnahmen. Die Bauern hatten unter mehreren Reichnissen wie Gültgänse, Gülthennen, Gilteier, Zehentgänse, Zehenthühner und „Käsgeld“ jährlich ein „gült Schwein“ zu reichen, entweder in natura oder in Geld. 1724 verglichen sich die Hofmarkbauern nach jahrelangem Rechtsstreit mit dem Kloster in Sachen Scharwerksdienste.[16] Im 18. Jahrhundert konnte auch der über 100 Jahre währende Streit über das Präbendhaus (=Benefiziatenhaus) in Gempfing durch Verhandlungen des Eichstätter Weihbischofs Johann Adam Nieberlein beigelegt werden, das Präbendhaus mit Stadel wurde neu errichtet.[17] Der gesamte Klosterbesitz in Gempfing wurde am 11. Oktober 1806 zugunsten des Kurfürstentums Bayern öffentlich versteigert; Wald, Äcker, Wiesen und sämtliche Gebäude bis auf den Zehentstadel, den der Staat zum eigenen Gebrauch zurückbehielt, ersteigerte die Gemeinde Gempfing um 20810 Gulden.[18] In der Eichstätter Abtei haben sich Gempfinger Archivalien über die Säkularisation hin erhalten.[19]

1808 wurde Gempfing zusammen mit Kunding ein Steuerdistrikt im Landgericht Rain. 1818 wurde daraus die Gemeinde Gempfing, wobei Staudheim eingegliedert wurde, jedoch nicht das ebenfalls zum Pfarr- und Schulbezirk gehörende nahe Dorf Überacker.[20]

Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde in die Stadt Rain eingegliedert.[21]

In Gempfing fand vom 13. Mai bis 4. Juni 2000 die Kunst- und Werkausstellung Künstliches Dorf Gempfing – Zeichen in der Provinz im Rahmen der Schwäbischen Kulturtage am nördlichen Lechrain statt. [22]
Mit der Veranstaltungsreihe Kultur im Pfarrhof Gempfing trägt der Förderverein Gempfinger Pfarrhof seit dem Jahr 2006 zur Belebung dieses denkmalgeschützten Gebäudes bei, das für seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr benötigt wird. Im Besitz des Vereins befinden sich auch Zeichnungen von Josef Oberberger.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirchberg-Ensemble mit Pfarrkirche St. Vitus und mit Marienkapelle (auch: Frauenkapelle bzw. Friedhofskapelle, gestiftet 1411, im Kern noch 15. Jahrhundert). Die Pfarrkirche birgt in den Langhausmauern noch Reste der Basilika des 11. Jahrhunderts, der Turm entstand um 1300 oder im frühen 14. Jahrhundert, Chor und Westteil des Langhauses wohl 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche barockisiert. Die Frauenkapelle wurde 1411 gestiftet und im frühen 18. Jahrhundert verändert.
  • Pfarrhaus, ein zweigeschossiger Walmdachbau aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts; mit barocken Stuckdecken.
  • Präbendarhaus, ein ehemaliges Kaplanhaus, 1737 von Johann Benedikt Ettl erbaut.
  • Ehemaliges Richterhaus, um 1700, mit geschweiften Giebeln, 1902 neubarock verändert, und mit 2 Fassadenheiligen (links Leonhard als Mönch, rechts Bischof Ulrich oder Willibald?)

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Förderverein Gempfinger Pfarrhof, gegründet zu Jahresbeginn 2008[23]
  • Freiwillige Feuerwehr Gempfing
  • Gempfinger Viergesang, gegründet 1994[24]
  • Schützenverein „Almenrausch“, gegründet 1925[25]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zum 900jährigen Jubiläum der Abtei St. Walburg in Eichstätt. Historische Beiträge von J. Braun und anderen; Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag 1935.
  • Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Heft 2: Das Landgericht Rain; München 1966, Digitale Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Anton Löffelmeier: Das Kloster St. Walburg in Eichstätt am Ende des Alten Reiches; in: Sammelblatt Historischer Verein Eichstätt, 87 (1994), S. 7–110.
  • Maria Magdalena Zunker: Geschichte der Benediktinerinnenabtei St. Walburg in Eichstätt von 1035 bis heute; Lindenberg: Kunstverlag Josef Fink 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.rain.de/index.php?id=0,25
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 532
  3. *Der Stifter Leodegar von Lechsgemuend im Ökumenischen Heiligenlexikon
  4. Zunker, S. 86; Historischer Atlas, S. 31
  5. Zunker, S. 90
  6. Zum 900jährigen Jubiläum..., S. 34
  7. Zunker, S. 48
  8. Sammelblatt HV Eichstätt, S. 12, 17
  9. Zunker, S. 98
  10. Zunker, S. 94
  11. Zum 900jährigen Jubiläum..., S. 30; Zunker, S. 88
  12. Zunker, S. 92
  13. Historischer Atlas, S. 18
  14. Zum 900jährigen Jubiläum..., S. 39; Zunker, S. 57
  15. Zunker, S. 54, 93
  16. Sammelblatt HV Eichstätt, S. 22, 26, 28, 33, 41
  17. Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt, 6. Jg. (1957), Nr. 3, S. 10
  18. Sammelblatt HV Eichstätt, S. 87f.
  19. Zunker, S. 126
  20. Historischer Atlas, S. 41ff.
  21. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 532.
  22. Ruth Borisch und Rainer Wilhelm, Künstliches Dorf Gempfing – Zeichen in der Provinz, Dokumentation der Kunst- und Werkausstellung vom 13. Mai bis 4. Juni 2000 im Rahmen der „Schwäbischen Kulturtage am nördlichen Lechrain“, herausgegeben von der Interessengemeinschaft Rainer Winkel und dem Bezirk Schwaben.
  23. http://www.gempfing.de/pfarrhof/
  24. http://www.br-volksmusikplattform.de/artist/gempfingerviergesang
  25. http://www.almenrausch-gempfing.de/

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]