Gerätekraftwagen

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Der Gerätekraftwagen (kurz: GKW) ist ein Einsatzfahrzeug verschiedener Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, insbesondere des Technischen Hilfswerks (THW).

Den Gerätekraftwagen ähnlich sind die Rüstwagen der Feuerwehr. Auch außerhalb des Technischen Hilfswerks werden gelegentlich von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen Gerätekraftwagen eingesetzt oder nach eigenen Bedürfnissen weiterentwickelt.

Geschichte[Bearbeiten]

GKW der 1950er bis 1970er Jahre auf Allradfahrgestell von Borgward (B 555 A)
GKW 72 der 1970er und 1980er Jahre auf Kurzhauber von Daimler-Benz
GKW 72 der 1980er Jahre auf Frontlenker von Iveco Magirus

Die erste Generation der Gerätekraftwagen wurde für den Bergungsdienst des Katastrophenschutzes (zunächst Luftschutzhilfsdienst LSHD, später THW) der damals noch jungen Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1956 bis 1959 entwickelt. Als Trägerfahrzeug wurde ein Borgward B 4500 A, ab 1959 B 555 A mit einem Allrad-Fahrgestell für 8.800 kg zulässigem Gesamtgewicht ausgewählt, das mit einer mechanischen Vorbau-Seilwinde ausgerüstet wurde. Da im Führerhaus nur drei Personen inklusive Fahrer Platz fanden, wurden im Spezialaufbau Sitze (davon zwei Klappsitze) für acht weitere Personen vorgesehen. Der Kofferaufbau erhielt hinten und an jeder Seite je eine nach außen zu öffnende einflügelige Klapptür mit Fenster sowie eine motorunabhängige Heizung. Für die mitgeführten Geräte gab es sowohl von innen als auch von außen zugängige Fächer, Schübe, Kästen und Halterungen. Der Fachdienst-Ausstattung hatte ein Gewicht von etwa 1800 kg. Die äußere Farbgebung des Fahrzeuges war zunächst khakifarben, später das Fahrgestell einschließlich Kotflügel, Stoßstange und Felgen schwarz, das Führerhaus und der Aufbau ultramarinblau lackiert.

Von 1957 bis 1961 wurden zahlreiche GKW auf Borgward-Fahrgestellen – zunächst mit 95-PS-Dieselmotoren, später mit 110 PS – beschafft, die Kofferaufbauten wurden von verschiedenen Karosseriebauunternehmen (u.a. Kässbohrer) gefertigt. Da das Unternehmen Borgward 1961 in Konkurs ging und den Geschäftsbetrieb einstellte, musste ein neuer Lieferant für das Trägerfahrzeug gefunden werden. Ab 1962 wurden die GKW auf Magirus-Deutz Mercur 120 A-L mit luftgekühltem 120-PS-Dieselmotor und 10.000 kg zulässigem Gesamtgewicht beschafft.

Für den erforderlichen Ersatzbedarf der GKW der ersten Generation und die Umstellung der taktischen Einheiten des Katastrophenschutzes von Bereitschaften auf Züge wurden 1972 unter Berücksichtigung der bisherigen Erfahrungen mit dem GKW 72 die 2. Generation des GKW konzipiert. Diese erhielten nun eine Doppelkabine mit zwei Sitzreihen, sodass alle Personen hier untergebracht werden konnte und der Kofferaufbau ausschließlich zur Unterbringung der Geräte vorgesehen werden konnte. Diese waren nun nur noch von außen zugänglich, wobei die drei nach unten abklappbaren, mit Luftfeder-Gewichtsausgleich ausgerüsteten Bordwände, die den unteren Teil der Gerätefächer abdecken, im abgeklappten Zustand als erhöhte Trittflächen dienten. Die oberen Bereiche der Gerätefächer waren durch Rollläden geschlossen. Die Seilwinde war nun hydraulisch mit automatischer Seilspulung und hatte eine maximale Zugkraft von 5 t.

Der GKW 72 wurde in zwei Fertigungsserien beschafft: die erste Serie mit 61 Fahrzeugen von 1975 hatte ein Daimler-Benz Kurzhauber-Allrad-Fahrgestell mit (zunächst) einfach-bereifter Hinterachse, einem 130-PS-Dieselmotor und einer Seilwinde mit max. 5-t-Zug nach vorn. Die Doppelkabine wurde bei verschiedenen Karosseriebauunternehmen, der Kofferaufbau von der Firma Büssing und Sohn in Braunschweig gefertigt. Die etwas geänderte zweite Fertigungserie hatte ein Magirus-Deutz 170 D 11 FA Frontlenker-Allrad-Fahrgestell mit doppelt-bereifter Hinterachse und luftgekühltem 176-PS-Dieselmotor. Die vorn angebrachte Seilwinde hatte max. 5-t-Zug nach vorn und max. 9,5-t-Doppelzug nach hinten. Der Geräteaufbau stammte von der Firma Voll in Würzburg.

Heutige Gerätekraftwagen[Bearbeiten]

Man unterscheidet dabei zwischen GKW 1 und GKW 2. Das Einsatzfeld des GKW ist vielseitig – sowohl beim THW als auch bei Feuerwehr oder anderen Hilfsorganisationen wird dieses Fahrzeug in unterschiedlichen Ausführungen eingesetzt. Gerade Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz bauen oft alte THW- oder Feuerwehrfahrzeuge zu selbst entwickelten, eigenen Bedürfnissen entsprechenden Fahrzeugen aus.

Bezeichnung und Funkrufname[Bearbeiten]

Beim THW werden zur Fahrzeugbezeichnung eine Kombination aus Buchstaben und teilweise Zahlen verwendet. Im Falle des Gerätekraftwagen bedeuten dabei:

Im BOS-Funk meldet sich der Sprechfunker des GKW 1 mit dem Funkrufnamen „Heros Ortsname xx/51“

Die taktische Einheit (oben mit xx gekennzeichnet) leitet sich von der Gruppe ab zu der der GKW 1 gehört. Dies können sein:

  • GKW 1 im ersten Technischen Zug (1. TZ): „Heros Ortsname 22/51“
  • GKW 1 im zweiten Technischen Zug (2. TZ): „Heros Ortsname 27/51“

Sollte die im Ortsverband dislozierte 1. Bergungsgruppe zusätzlich über die Komponente „ASH“ (Abstütz-System-Holz) verfügen, lautet der Funkrufname des GKW 1 im ersten Technischen Zug „Heros Ortsname 23/51“.

Gerätekraftwagen 1[Bearbeiten]

Gerätekraftwagen 1
Gerätekraftwagen 1
Fahrzeugdaten
Einsatz seit Juni 2008
Motor 280 PS Viertakt-Turbo-Dieselmotor, Reihensechszylinder 7,5 Liter Hubraum
Getriebeart Automatik (automatisiertes Schaltgetriebe) TipMatic
zul. Gesamtgewicht 16.100 kg (abgelasteter 18 Tonner)
Länge / Höhe / Breite 8,10 m / 3,35 m / 2,55 m
Besatzung 1 / 8
Generatoren 8 kVA (im Kofferaufbau)
Seilwinde 50 kN / 100 kN
Anhängelast 19.900 kg
Verwendung in 1. Bergungsgruppe

Der Gerätekraftwagen 1 (kurz: GKW 1) ist ein Einsatzfahrzeug des THW entsprechend der StAN der 1. Bergungsgruppe. Er ist zudem meist das Einsatzfahrzeug der Schnelleinsatzgruppe. Der GKW 1 dient zur Beförderung der Einsatzmannschaft und als Geräteträger der Ausstattung. Ferner ist er selbst Arbeitsgerät durch seine technischen Möglichkeiten (z.B. durch die Seilwinde 50 kN bzw. 100 kN Zugkraft).

Am 4. Juni 2008 wurde eine neue Version des GKW 1 auf MAN-Fahrgestell an den Ortsverband Borna übergeben. Insgesamt 56 Fahrzeuge sind in der Beschaffung, von denen die ersten im Sommer 2008 schon an 14 Ortsverbände ausgeliefert waren.[1]

Verwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

  • Transportfahrzeug
    • Aufnahme der Bergungsgruppe einschließlich der persönlichen Ausstattung
    • Transport der Geräte- und Werkzeugausstattung der Bergungsgruppe
    • sowie von einsatzbedingter Zusatzbeladung bzw. Sonderausstattung
    • Arbeitsplatz / Befehlsstelle der Zugführung (bei anderweitiger Nutzung des MTW)
  • Arbeitsgerät
    • durch im Fahrgestell eingebaute, hydraulische Seilwinde mit 50 kN bzw. 100 kN Zugkraft
    • durch Verwendung als Arbeitsplatz zur Wartung/Instandsetzung der Ausstattung und zur Vorbereitung von Hilfskonstruktionen
    • Sprechfunkstelle mit fest eingebautem Funkgerät (4-m-Band)
  • Zugfahrzeug

Ausrückeordnungen[Bearbeiten]

Der GKW 1 ist Bestandteil des Technischen Zuges. Er rückt oft als erstes Fahrzeug aus. Ferner ist er Bestandteil der Schnelleinsatzgruppe.

Technik[Bearbeiten]

Technischer Aufbau[Bearbeiten]

Der GKW 1 ist meist ein in Kastenbauweise realisierter Lkw mit Allradantrieb. Er verfügt über eine Seilwinde mit 5 bzw. 10 Tonnen Zugkraft.

Beladung[Bearbeiten]

In der Regel ist auf dem GKW 1 ein Großteil der STAN-Gerätschaften der 1. Bergungsgruppe verlastet. Viele Ortsverbände statten aber den GKW 1 noch zusätzlich mit Sondergerätschaften aus, da dieses Fahrzeug meist auch als SEG-Fahrzeug zum Einsatz kommt. Somit wird der GKW 1 an die örtlichen Gegebenheiten angepasst.

Detaillierte Beladeliste[Bearbeiten]
Teil Anzahl
40-t-Hebekissen 2
15-t-Hydraulikheber 2
10-t-Büffelwinden 2
Hydraulische Rettungsschere S 90 1
Hydraulischer Rettungsspreizer SP 30 1
Mehrzweckzug 1,6 t mit Zubehör 1
Motorsägen 2
Motortrennschleifer 1
Notstromaggregat 8 kVA 1
Stative mit je 1 × 1.000-Watt-Scheinwerfern 2
Bohrhammer 2
Brennschneidgerät mit Zubehör 1
Atemschutzgeräte in Schnelleinsatzhalterung 4
Rollgliss 1
Bergeschleppe 1
Schleifkorbtrage 1
komplette Werkstatt mit Werkbank und Schraubstock 1
Steckleitern üblicherweise: 1 × Steckleiter Typ A, 3 × Steckleiter Typ B und 1 × Zusatz-Steckelement (ggf. 1 × Verbindungsstück) 4
Schiebleiter 1
Tauchpumpen 1
Verkehrssicherungsausstattung (Verkehrsleitkegel, Warnleuchten, Faltwarnschilder) 1
Abstützmaterial 1

Besonderheit[Bearbeiten]

Es gibt auch zwei GKW 1 bei der Feuerwehr Hamburg (rot lackiert) bei den Freiwilligen Feuerwehren mit der Sonderkomponente „Bergung und Beleuchtung“ (FF Eppendorf und FF Warwisch) sowie einen zur Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule. Daneben werden auch regelmäßig vom THW ausgesonderte Gerätekraftwagen von (oft kleineren) kommunalen Feuerwehren über die Vebeg erworben, und dort in unterschiedlichster Weise, etwa als Jugendgruppenfahrzeug oder Rüstwagenersatz weitergenutzt. Ein solcher GKW 1 tut beispielsweise gegenwärtig (als Jugendgruppenfahrzeug mit feuerlöschtechnischer Beladung Tragkraftspritze) in der Freiwilligen Feuerwehr Schalksmühle (Löschgruppe Hülscheid) seinen Dienst.

Gerätekraftwagen 2[Bearbeiten]

Gerätekraftwagen 2
Gerätekraftwagen 2
Fahrzeugdaten
Besatzung 0/2/7 // 9
Generatoren 50 kVA, 3 kVA
Verwendung in 2. Bergungsgruppe
zul. Gesamtgewicht 14.000 kg
Antrieb Dieselmotor Allrad

Der Gerätekraftwagen 2 (kurz: GKW 2) ist ein Einsatzfahrzeug der 2. Bergungsgruppe und war Nachfolger der Mannschaftskraftwagen (MKW). Seit 2006 werden keine GKW 2 mehr für die 2. Bergungsgruppe des THW ausgeliefert. Nachfolger für die GKW 2 sind die neuen Mehrzweckkraftwagen (kurz: MzKw).

Verwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

  • Transportfahrzeug
    • Aufnahme der Bergungsgruppe einschließlich der persönlichen Ausstattung
    • Transport der Geräte- und Werkzeugausstattung der Bergungsgruppe
  • Arbeitsgerät
    • durch Verwendung als Arbeitsplatz zur Wartung / Instandsetzung der Ausstattung und zur Vorbereitung von Hilfskonstruktionen
  • Zugfahrzeug
    • als Zugfahrzeug für Anhänger

Ausrückeordnungen[Bearbeiten]

Der GKW 2 ist Bestandteil des Technischen Zuges und rückt oft zur Unterstützung von Fachgruppen aus.

Technik[Bearbeiten]

Technischer Aufbau[Bearbeiten]

Der GKW 2 ist meist ein in Kastenbauweise realisierter Lkw mit Allradantrieb.

Beladung[Bearbeiten]

In der Regel ist auf dem GKW 2 ein Großteil der STAN Gerätschaften der 2. Bergungsgruppe verlastet. Aufgrund der „schweren Bergung“ B2B sind in vielen Ortsverbänden Sondergerätschaften wie Betonkettensäge, Plasmaschneider oder große Hebekissen vorhanden.

Detaillierte Beladeliste[Bearbeiten]
Teil Anzahl
Absicherungsmaterial 1 Satz
Ölbindemittel ca. 10 kg
Werkzeug
Feuerlöscher 1
Abschleppstange für Lkw 1
Hydraulikheber 6,5 t 1
Bohr und Aufbrechhammer 1
Zahnstangenwinde
Elektroschweißgerät 1
Schaufeln, Spitzhacken, Spaten etc.
Kettensäge 51 cm Schwert 1
Leitern (bis 4,5 m Länge) 4
4-m-Funkgerät 1
Hebekissen 40 t 2
Elektrokettensäge 25 cm Schwert 1
Notstromaggregat (50 KVA) 1
Notstromaggregat (3 KVA) 1
Scheinwerfer (1000 W) 2
Stative (5 m) 2
Atemschutzgeräte + Ersatzflaschen 4
Elektrotauchpumpe (1000 l/min) + 50 m B-Druckschlauch 1
Werkzeugsatz (Holz-, Metall-, Gesteinbearbeitung) je 1
Sanitätsausrüstung (Verbandmaterial, etc.) 1
Kabeltrommeln (50 m 230 V) 2
Kabeltrommel (50 m 400 V) 1
Mehrzweckzug (20 m / 50 m, mit Umlenkrollen bis 32 kN) 1
Drahtseile, Ketten und sonstige Anschlagmittel 1
diverses Kleinmaterial

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Technisches Hilfswerk – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Technisches Hilfswerk

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Werle: Fahrzeug mit hohem Einsatzwert · Der neue Gerätekraftwagen GKW 72. In: ZS-Magazin, Heft 6/77, S. 10–12, Bundesverband für den Selbstschutz, Köln 1977.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Magazin „Bevölkerungsschutz“ des BBK, Ausgabe 4/2008, S. 40 ff., Verlag BBK Bonn/ Moeker Merkur Druck.