Gerhard Bätz

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Gerhard Bätz (ca. 1952)

Gerhard Bätz (* 21. April 1938 in Sonneberg) ist ein deutscher Restaurator und Miniaturist. Seit den 1950er Jahren schuf er gemeinsam mit Manfred Kiedorf Rokoko-Miniaturen,[1] die heute in der Ausstellung Rococo en miniature präsentiert werden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Kaufmanns Karl Bätz (gefallen 1941 in Frankreich) wuchs in Sonneberg auf. Schon in frühester Kindheit lernte er die vom Vater und Großvater gegründete „Farben- und Spielzeugindustriebedarfsartikelhandlung Oskar Bätz“ kennen. In deren umfangreichen Lagerhaus mit allen möglichen Spielzeugeinzelteilen bekam er Einblick in die Arbeitsweisen der Spielzeugherstellung.

Von 1951 bis 1953 absolvierte er bei der Sonneberger Konsumgenossenschaft eine Ausbildung zum Gebrauchswerber. Dabei lernte er in der Handelsschule den zwei Jahre älteren Manfred Kiedorf kennen. Von 1955 bis 1959 war er zusammen mit Kiedorf in Erfurt und Weimar und betrieb Studien zu Malerei und Zeichnen bei Otto Paetz und Alfred Ahner. Gelegentlich arbeitete er während dieser Zeit als Werbedekorateur.

1956 bewarb er sich an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wurde dort jedoch nicht zum Studium angenommen.

Gulliver in Lilliput

Nachdem die Überreste eines bei einer Ausstellung des Deutschen Spielzeugmuseums 1956 in Ungarn während des dortigen Volksaufstands zerstörten Exemplars der Schaugruppe „Gulliver in Liliput“ längere Zeit im Magazin des Museums gelagert hatten, wurde der damalige Museumsdirektor Otto Keil auf Bätz’ Miniaturen aufmerksam. Keil beauftragte Gerhard Bätz damit, die 1843/44 entstandene Schaugruppe aus Brotteig wiederherzustellen. In Honorararbeit restaurierte Bätz ein halbes Jahr lang die Gulliver-Gruppe. Danach wurde er im Deutschen Spielzeugmuseum pro forma auf einer Hausmeisterstelle beschäftigt, begann 1960 am Museum eine Ausbildung und war anschließend bis 1978 als Restaurator im Deutschen Spielzeugmuseum tätig.

Seit 1975 war Bätz Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR, Sektion Restaurierung und Kunsthandwerk. Mit seinen Miniaturen war er an der VIII. und IX. Kunstausstellung der DDR beteiligt, weitere Ausstellungen folgten.

1984 stellte er einen Ausreiseantrag. Nachdem er seinem Halbbruder bei einem misslungenen Fluchtversuch half, wurde er zu 10 Monaten Haft verurteilt, bereits nach 7 Monaten erfolgte 1986 die Ausbürgerung aus der DDR. Seine Frau Elfi konnte ihm einen Monat später folgen. Nun in der Bundesrepublik lebend unternahm er Studienreisen nach Italien und Frankreich. Von 1988 bis 2000 war Bätz als Restaurator in Fulda tätig.

Als Bätz’ Lebenswerk gelten die im Laufe von über 50 Jahren zusammen mit seinem Freund Manfred Kiedorf geschaffenen Phantasiereiche der Schlösser der gepriesenen Insel. Dieses im Jahre 2006 vom Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in Rudolstadt angekaufte Gesamtkunstwerk wird seit 2007 in den restaurierten Räumen der ehemaligen Hofküche des Schlosses präsentiert.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Bätz: Quodlibets. Nymphenzeug und Allerlei. Residenzschloss Heidecksburg, Rudolstadt 2009, ISBN 978-3-910013-75-9
  • Helga Kämpf-Jansen, Jens Henkel (Hrsg.): Rococo en miniature. Die Schlösser der gepriesenen Insel. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 2007, ISBN 978-3-910013-67-4
  • Reinhild und Peter Schneider (Hrsg.): Die Schlösser der gepriesenen Insel. Rokoko en miniature von Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf. Kunstverlag, Gotha 2000, ISBN 3-931182-24-X

Hörfunk und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Die Schlösser der gepriesenen Insel – Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf in den Residenzen ihrer Fantasie“ – Hörbild von Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf, Regie: Matthias Thalheim, Mitteldeutscher Rundfunk, Februar 2007
  • „Von der Lust am Prunken“ – Film von Ria Weber Mitteldeutscher Rundfunk 2007, auch als DVD erschienen, Telepool 2007

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Sie kennen Dyonien und Pelarien nicht, die beiden glanzvollen Königreiche der gepriesenen Insel? Das ist fatal! Schon als Jugendliche in den fünfziger Jahren haben die Freunde Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf angefangen, ihre schnörkelreiche 1:50-Traumwelt zu spinnen, ein Leben lang und ungezählte Stunden dauerte das private Basteln, Dichten, Fantasieren. Jetzt bildet Rococo en miniature mit seinen unglaublichen Schlössern, grandiosen Festgesellschaften und kauzigen Hofschranzen ein eigenes, wunderbar durchgeknalltes Privatuniversum auf Schloss Heidecksburg – dem Idealbild der thüringischen Residenz“

zitiert nach: art – Das Kunstmagazin, 11/2015, S. 56/57, wo die Rudolstädter Schlösserwelt als einer der 42 definitiven Lieblingsplätze der ART-Redaktion präsentiert wird

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerhard Bätz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rokokolores für zwei von Peter Juppenlatz, Fotos: Fritz Meffert, in Stern, Heft 12 vom 16. März 2000, S. 202