Residenzschloss Arolsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Residenzschloss Arolsen

Residenzschloss Arolsen

Staat Deutschland
Ort Bad Arolsen
Entstehungszeit 1710–1728
Erhaltungszustand Vollständig
Ständische Stellung Fürsten
Heutige Nutzung Wohnsitz des Fürstlichen Hauses
Geographische Lage 51° 23′ N, 9° 1′ OKoordinaten: 51° 22′ 51″ N, 9° 1′ 19″ O
Höhenlage 293 m ü. NHN
Residenzschloss Arolsen (Hessen)

Das Residenzschloss Arolsen ist ein barockes Schloss in Bad Arolsen im Kreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen (Deutschland). Das Schloss ist eine Dreiflügelanlage, an die sich ein etwas jüngerer englischer Garten anschließt, dessen zentrales landschaftsarchitektonisches Gestaltungselement ein ausgedehntes Rondell ist. Das Schloss war die Residenz der Fürsten zu Waldeck aus dem Haus Waldeck, von deren Nachfahren es noch heute bewohnt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1131 wird das Kirchdorf Arolsen (bzw. damals noch „Aroldessen“) anlässlich der Stiftung des Augustinerinnenklosters Aroldessen erstmals erwähnt. Wie bei vielen Schlössern war auch der Vorgängerbau des heutigen Residenzschlosses ein Kloster. Von 1526 bis 1530 wurde es von Graf Philipp III. von Waldeck-Eisenberg aufgehoben und säkularisiert und danach von ihm zum Schloss umgebaut. Dieses Schloss und die Reste des Klosters wurden 1710 endgültig abgetragen.

Bau und Geschichte des Schlosses ab 1710[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachhäuser des Hofs
Östlicher Seitenflügel

An gleicher Stelle errichtete Baumeister Julius Ludwig Rothweil d. Ä. nach Versailler Vorbild von 1710 bis 1728 für den Grafen Friedrich Anton Ulrich von Waldeck und Pyrmont das neue Schloss. Im Januar 1712 wurde der Graf in den erblichen Fürstenstand erhoben. Beflügelt durch diese Erhebung fallen die Hauptarbeiten des Gebäudekomplexes in Arolsen in die Jahre 1713 bis 1722. So wurde 1719 der Außenbau mit den beiden Giebeln der Hofseite und anschließend 1720 der der Gartenseite vollendet. Am 13. September 1720 zogen Friedrich Anton Ulrich und seine Frau, Louise von Zweibrücken-Birkenfeld, in das Schloss ein. Erst 1725 wurden die inneren und äußeren Ehrenhofflügel mit Umfassung und Wachhäusern errichtet.

Nach Vollendung des Hauptbaues 1728 dauerten die Einrichtung, Ausstattung und Möblierung noch mehrere Jahrzehnte, bis das Schloss endgültig seiner Nutzung übergeben wurde. 1728 wurde Karl zu Waldeck und Pyrmont regierender Fürst; er ließ die beiden Appartements von Fürst und Fürstin umgestalten. Im Westflügel war seit dieser Zeit die Münze zu Arolsen untergebracht. 1740 wurden die Zimmer im inneren Westflügel noch barock ausgestattet, doch nach 1746 wurde das Audienzzimmer der Fürstin im zeitgemäßeren Rokokostil eingerichtet. 1751 wurde das Musikzimmer umgestaltet, und schließlich wurden 1745 (??) die beiden Flügel im Dachgeschoss ausgebaut. Von 1749 bis 1758 wurde der Marstall und 1755 bis 1761 das Regierungshaus von Friedrich Franz Rothweil d. J. gebaut. Von 1763 bis 1778 wurde das nahe gelegene „Neue Schloss“ als Witwensitz (Wittumspalais) fertiggestellt. Von 1809 bis 1811 wurde von Landesbaumeister Theodor Escher der „Große Saal“ eingerichtet.

Am 2. August 1858 wurde im Schloss Arolsen Emma von Waldeck und Pyrmont geboren. Sie heiratete am 7. Januar 1879 in der Schlosskapelle in Arolsen König Wilhelm III. der Niederlande und wurde Regentin der Niederlande und Stammmutter des aktuellen niederländischen Königshauses.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1840 errichtete „Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek“ enthält heute Literatur zu nahezu allen im 17./18. Jahrhundert relevanten Wissensgebieten. Der Sammelschwerpunkt liegt bei Allgemeinem, Geographie, Geschichte, Literatur und Militaria. Grundstock der Bibliothek waren die 400 Werke, Handschriften und Drucke, die 1576 bei der Aufhebung des nahe bei Arolsen gelegenen Augustiner-Chorherrenstifts Volkhardinghausen an das Haus Waldeck übergingen. Die Bibliothek hat gegenwärtig einen Bestand von 35.000 Bänden, die auf fünf Räume verteilt sind. Darüber hinaus befinden sich 300 Landkarten, 500 Kupferstichwerke und mehrere tausend Einzelstiche im Bestand der Bibliothek. Seit 1988 besteht eine „Gesellschaft der Freunde der Hofbibliothek Arolsen e.V.“, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Hofbibliothek als Waldeckische Stätte der Begegnung im Bereich der Kultur- und Geistesgeschichte, vorwiegend des 18. Jahrhunderts, zu fördern.[1]

Finanzielle und staatsrechtliche Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlossbau beanspruchte die Staatsfinanzen des kleinen Fürstentums übermäßig. Nach der Gründung des Deutschen Bundes war Waldeck so verschuldet, dass es die Beitragszahlungen zum Bund nicht aufbringen konnte. Der Landtag erzwang daher 1867 den Akzessionsvertrag mit Preußen, womit Waldeck einen erheblichen Teil seiner Eigenständigkeit verlor.

Der letzte regierende Fürst, Friedrich zu Waldeck und Pyrmont, wird durch ein Ultimatum des aus Kassel angereisten Arbeiter- und Soldatenrats am 13. November 1918 abgesetzt. Die Verhandlungen über die Vermögensaufteilung und den Verbleib der fürstlichen Familie dauerten bis 1929. Sie endeten mit der Gründung der „Waldeckischen Domanialverwaltung“,[2] eines Eigenbetriebes des heutigen Landkreises Waldeck-Frankenberg, die den größten Teil des Waldes und die fürstlichen Schlösser übernahm. Im Gegenzug dazu wurde der fürstlichen Familie ein Nießbrauchrecht am Arolser Schloss, den Nebengebäuden und einigen landwirtschaftlichen Flächen eingeräumt und ein Forstamt überlassen. Zum Erhalt und der Pflege des Schlossinventares, der Bibliothek und der Kunstsammlungen wurde mit der Stiftung des Fürstlichen Hauses Waldeck und Pyrmont eine gemeinnützige Familienstiftung gegründet.

Nutzung seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Dauermarke von 2004 aus der Reihe Sehenswürdigkeiten

2009 wurden die seit 1987 andauernden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten abgeschlossen. Mit dem „Christian Daniel Rauch-Museum“ im Marstall gegenüber dem Residenzschloss wurde 2002 zwischenzeitlich eine weitere kulturelle Einrichtung geschaffen. Das Schloss beherbergt heute ein Museum der Fürstlichen Stiftung, das Führungen durch die Prunksäle und Salons anbietet, eine Ausstellung zur waldeckischen Militärgeschichte, ein städtisches Museum mit wechselnden Ausstellungen, ein Standesamt, und es wird weiterhin von den Nachfahren der Fürstenfamilie bewohnt. In den Sommermonaten werden auf dem Schloss die Arolser Barockfestspiele aufgeführt und im Steinernen Saal Schlosskonzerte gegeben. In einem Teil des Westflügels befindet sich die im deutschen Sprachraum bedeutende Bibliothek Adolf Brehm.

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenkunstguss im Schlossinneren

Das barocke Treppenhaus, der Gartensaal und der Weiße Saal sind die dominierenden Repräsentationsräume. Im Inneren wurden die Decken mit Stuckarbeiten von dem Mitarbeiter Julius Ludwig Rothweils d. Ä. Andrea Gallasini schmuckvoll barock ausgestattet. Die Deckengemälde von 1721 bis 1722 stammen von dem italienischen Maler Carlo Lodovico Castelli. 1721 fertigte der Kassler Maler Magnus de Quitter die Supraporten für das Pfälzische Zimmer und das Kronprinzenzimmer an. Skulpturen von Christian Daniel Rauch, Ernst Rietschel und Alexander Trippel schmücken die Räume. Die Wohnräume sind mit wertvollen niederländischen Wandteppichen, Möbeln und Gemälden aus dem 18. Jahrhundert ausgestattet. Im Schloss Arolsen befinden sich das einzige Ölgemälde von Heinrich Aldegrever, Bilder von Martin van Meytens, Ziessens sowie Heinrich und Friedrich August Tischbeins. Bedeutendstes Gemälde ist das Werk Iphigenie erkennt Orest von Wilhelm Tischbein. Über dem Gartensaal liegt der Weiße Saal mit umlaufender Galerie. In einem Seitenflügel befindet sich eine umfangreiche Bibliothek mit altem historisch bedeutsamem Buchbestand, sowie eine reichhaltige historische Grafiksammlung. In Schloss Arolsen wird zudem eine umfangreiche Sammlung von Eisenkunstgüssen ausgestellt.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlossteich

Der zum Schloss gehörende französische Garten existiert heute nicht mehr in seiner Vollständigkeit. Stilistisch rein in französischer Gartenarchitektur ist das kleine kreisrunde Buchsbaumrondell am Hauptportal erhalten geblieben. Dem Residenzschloss gliedert sich nunmehr, nach modistischen Änderungen, ein englischer Garten mit Teich aus dem 18. Jahrhundert an. Zu den gartenarchitektonischen Gestaltungselementen zählt eine noch heute fast vollständig erhaltene alte Allee am Schlossteich.

Wirtschaftsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Schloss gehören ein Wirtschaftshof mit Orangerie, eine Gärtnerei und eine 1819 bis 1824 von Theodor Escher angelegte Reithalle.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arolser Barock-Festspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1986 finden jährlich die Arolser Barock-Festspiele rund um das Residenzschloss statt, es finden auch immer Konzerte im Steinernen Saal, der Schlosskapelle und der Fürstlichen Reitbahn statt. Sie sind über die Jahre hinweg zu einer Größe der deutschen Festivallandschaft geworden. Sie zählen zu den absoluten Höhepunkten des Klassik-Jahres und halten immer wieder aufs Neue hochkarätige Konzerte und renommierte Künstler bereit[3]. Die Intendantin der Festspiele ist seit 2009 die Echo Klassik Preisträgerin und Mozarteum Professorin Dorothee Oberlinger[4]

Schlosskonzerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arolser Schlosskonzerte finden seit 1951 jährlich über den Sommer verteilt im Steinernen Saal des Residenzschlosses statt. Sie stehen in der Tradition der einst von den Arolser Regenten initiierten Konzerte der Arolser Hofmusik und bieten internationalen Solisten und Ensembles von Weltrang, aber auch junge Nachwuchs-Stars eine Bühne. Die interpretatorische Auseinandersetzung mit Kammermusik in originalen und ungewöhnlichen Besetzungen ist ein Markenzeichen dieser Konzertreihe[5].

Schlossgespräche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die seit 2017 jährlich stattfindende Gesprächsreihe Schloss-Gespräche im Steinernen Saal des Residenzschlosses Bad Arolsen ist eine Auseinandersetzung mit zentralen Fragen und Begriffen des Menschseins. Herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Kirche und Gesellschaft entfalten im Rahmen intensiver Gespräche ihre Perspektiven auf elementare Themenfelder. Gesprächspartner in der Vergangenheit waren unter anderem Neo Rauch, Gerald Hüther, Felicitas Hoppe, Claudius Tanski, Robin Alexander und Wolfgang Büscher[6].

made for Arolsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 fand parallel zur documenta IX die Ausstellung "made for Arolsen" mit Skulpturen und Projektionen von Larry Bell, Damien Hirst, Jeff Koons, Hanno Otten, Nicola Torke und Gerard Williams statt. Jeff Koons zeigte sein Werk „Puppy“, ein 13 Meter hohes „Hündchen“, bestehend aus 20.000 Blumen, vor dem Buchsbaumrondell[7].

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Graf Friedrich Anton Ulrich beabsichtigte 1706 den Neubau des Residenzschlosses und seiner angrenzenden Ortschaft, die Pläne schuf Baumeister Julius Ludwig Rothweil als moderne Barockanlage im Stil von Schloss Versailles. Ziel war auch die planmäßige Ortsbebauung östlich des Schlosses, wie sie an dessen West-Seite gezielt verwirklicht wurde: Ursprünglich sollte es als Ergänzung zum westlichen Stadtgebiet zwischen Residenzschloss und Evangelischer Kirche spiegelverkehrt auch eine in Ost-Richtung orientierte, vorgegebene Bebauung geben. Damit wäre das Residenzschloss zur geographischen Stadtmitte geworden. Jedoch wurde dieser Teilplan nicht verwirklicht, und so ist die Stadtkirche Arolsen de facto die Ortsmitte.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Brauns: Wanderungen durch Nordhessen und Waldeck. A. Bernecker Verlag, Melsungen 1971.
  • Bernhard Buchstab, Birgit Kümmel (Hrsg.): Die Sanierung des Residenzschlosses Arolsen. 1986–2009. Theiss, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-8062-2327-9.
  • Dieter Großmann: Schloß Arolsen. 11. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1991. (Große Baudenkmäler, Heft 147)
  • Gerhard Menk: Arolsen: Residenzbildung und Schlossbau unter kleinstaatlichen Bedingungen. In: Bernd Heidenreich, Klaus Böhme (Hrsg.): Hessen. Geschichte und Politik. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-016323-X, S. 225–233 (Schriften zur politischen Landeskunde Hessens 5).
  • Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 17.
  • Franz Weinitz: Das fürstliche Residenzschloß zu Arolsen. Geschichtliches, Bau- und Kunstgeschichtliches. Leipzig 1907

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schloss Arolsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freunde der Hofbibliothek. Abgerufen am 1. Februar 2022.
  2. Homepage Waldeckischen Domanialverwaltung (Memento vom 12. Oktober 2015 im Internet Archive)
  3. Barock-Festspiele - Bad Arolsen. Abgerufen am 1. Juni 2021.
  4. Dorothee Oberlinger. Abgerufen am 1. Juni 2021.
  5. Schlosskonzerte - Volksbildungsring Bad Arolsen. Abgerufen am 1. Juni 2021.
  6. Arolser Schloss-Gespräche. Abgerufen am 1. Juni 2021.
  7. Veit Loers, Brigitte Kölle: made for Arolsen. 1. Auflage. Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Spangenberg 1992.
  8. https://www.unser-stadtplan.de/Stadtplan/Bad-Arolsen/map/Stadtplan-Bad-Arolsen.map