Gerhard Branstner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gerhard Branstner (2. v. l.)
am 4. Dezember 1967 in Ostberlin

Gerhard Branstner (* 25. Mai 1927 in Blankenhain; † 18. August 2008 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Branstner besuchte ab 1934 die Volksschule und begann 1942 eine dreijährige Verwaltungslehre.[1] Nach zweiwöchigem Fronteinsatz kam er 1945 kurzzeitig in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Anschließend war Branstner in französischer (bis 1947) und zuletzt in belgischer Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde.[1] Als Sohn armer Eltern (sein Vater war Porzellanarbeiter) erhielt er in der DDR von 1949 bis 1951 die Möglichkeit, sein Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät in Jena nachzuholen.[1] Anschließend studierte er von 1951 bis 1956 Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der er später auch als Dozent tätig war.[1] 1953 heiratete Branstner. Aus der Ehe gingen zwei Söhne (geboren 1955 und 1957) sowie eine Tochter (geboren 1959) hervor.[1] Mit einer Arbeit Über den Humor und seine Rolle in der Literatur promovierte er 1963 zum Dr. phil. (später als „Kunst des Humors“ veröffentlicht). Ab 1962 war er Cheflektor im Eulenspiegel-Verlag und im Verlag Das Neue Berlin und wurde 1968 freiberuflicher Schriftsteller.[1] Der 1973 erschienene Band Ich kam, sah und lachte enthält acht Vertonungen von Branstner-Gedichten. Sechs davon hat Branstner komponiert, eine Siegfried Matthus, eine weitere Wolfgang Pietsch.

Branstner war ab 1960 bis mindestens 1983 inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit unter den Decknamen „Friedrich“ und „Richter“.[2][3]

Im April 2000 wurde Branstner aufgrund seines am 14. März 2000 in der Jungen Welt veröffentlichten Artikels Klartext, Herr Genosse Gysi![4] aus der PDS ausgeschlossen; der Ausschluss wurde allerdings bereits im Juni aufgrund seines Einspruchs von der Bundesschiedskommission der Partei wieder aufgehoben.[5][6][7]

Zuletzt lebte er in Berlin und trat dort, neben seiner Tätigkeit als Autor, zumeist auf Theaterveranstaltungen und Lesungen auf. Sein Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aphorismen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle: [9])

  • Leider machen wir mitunter so unintelligente Fehler, dass wir nicht einmal daraus etwas lernen können.
  • Wenn Lügen kurze Beine haben, muss die Wahrheit doch nicht auf Stelzen gehen.
  • Das Einfache schwerverständlich zu machen ist die Genialität der Dummköpfe.

Rezensenten über Branstner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein Spezialist ausgesprochen humoristischer SF ist Gerhard Branstner. Sein … Die Reise zum Stern der Beschwingten ist eine swiftsche Reise durch verschiedene groteske Staatswesen, darunter einen Staat der Molch-Kapitalisten oder Kapitalistenmolche. Die Bewohner des ‚Sterns der Beschwingten‘ treiben sprachlich ein heiteres Spiel mit der Wirklichkeit. ‚Gerade durch dieses heitere Spiel, welches den Ernst verstellt, wird aber die Wirklichkeit nur um so treffender bezeichnet.‘“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen, Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Faltblatt [1973] des Henschelverlages mit Kurzbiografie zu Branstner (dem Band Ich kam, sah und lachte beigefügt).
  2. Beate Müller: "Stasi - Zensur - Machtdiskurse" S. 341
  3. Joachim Walther: Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik. Ch. Links, Berlin 1996, ISBN 3-86153-121-6; mit diversen Fundstellen sowohl unter Klar-, als auch unter Decknamen.
  4. Gerhard Branstner: Klartext, Herr Genosse Gysi! In: junge Welt. 14. März 2000, abgerufen am 15. November 2022.
  5. Peter Feist: Widersprüche aushalten – Parteiausschluß gegen Gerhard Branstner als stalinistischer Rückfall der PDS. In: Junge Welt vom 2. Mai 2000. (Volltext auf marxismus-online.eu, abgerufen am 9. April 2013).
  6. Peter Feist: Kalaschnikow – Das Politmagazin, Ausgabe 16, Heft 3/00, S. 45 f. (Volltext auf marxismus-online.eu, abgerufen am 9. April 2013).
  7. PDS Berlin: Schiedsverfahren „Ausschlussantrag gegen Genossen Gerhard Branstner“ (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), Beschluss der Bundesschiedskommission vom 24. Juni 2000, abgerufen am 9. April 2013.
  8. Eintrag auf berlin.friedparks.de (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), abgerufen am 9. April 2013.
  9. Gerhard Branstner: Die Weisheit des Humors. Hinstorff Rostock 1968, S. 28
  10. Heyne Science Fiction Magazin # 4, hrsg. von Wolfgang Jeschke, Wilhelm Heyne Verlag, München 1982, ISBN 3-453-30832-8, S. 229.