Mitteldeutscher Verlag

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Sitz in Halle (Saale)

Der Mitteldeutsche Verlag (mdv) ist ein unabhängiger Verlag mit Sitz in Halle (Saale). Geschäftsführer ist Roman Pliske. Der Verlag ist Mitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Geschichte[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitteldeutsche Verlags-GmbH wurde am 27. April 1946 auf Initiative der Provinzialverwaltung Sachsen als Verlag für Verwaltungsschriften sowie für Werke privater Autoren gegründet. 1947 wurde das Land Sachsen-Anhalt alleiniger Gesellschafter, 1952 erfolgte die Umbenennung in Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale. 1959 war der Verlag Mitveranstalter der 1. Bitterfelder Konferenz („Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische Nationalliteratur braucht dich!“), in deren Folge im Mitteldeutschen Verlag verstärkt junge Autoren verlegt wurden. Auf dieser Basis entwickelte sich der Verlag in den 1960er- und 1970er-Jahren zu einem bedeutenden Verlag für Gegenwartsliteratur in der DDR.

1963 wurde das Kollektiv des Mitteldeutschen Verlages Halle mit dem Händelpreis des Bezirkes Halle ausgezeichnet.

Autoren bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur DDR-Zeit zählten zu den Autoren des Mitteldeutschen Verlags Bruno Apitz (Nackt unter Wölfen), Volker Braun, Günter de Bruyn, Heinz Czechowski, Hanns Cibulka, Elke Erb, Peter Gosse, Uwe Greßmann, Werner Heiduczek, Wolfgang Held, Kerstin Hensel, Bernd Jentzsch, Werner Lindemann, Erich Loest, Erik Neutsch (Spur der Steine), Georg Maurer, Karl Mickel, Martin Selber, Harry Thürk, Helmut Vogt und Christa Wolf. Zu den nicht belletristischen Autoren gehörte der Pianist, Musikschriftsteller und Herausgeber Bronislaw von Pozniak (1887–1953).

1990 bis 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wurde der Verlag durch ein Management-Buy-out privatisiert, musste aber 1996 die Gesamtvollstreckung beantragen.

1997 konnte eine neu gegründete Gesellschaft aus der Gesamtvollstreckung Namen und Buchbestände des Verlages übernehmen und mit den Autoren eine Verständigung hinsichtlich der Rechteübertragung erzielen.

2001 erwarb der Verlag Namen, Buchbestände und damit verbundene Rechte der Anhaltischen Verlagsgesellschaft Dessau und führt seitdem deren Programm als Imprint fort.

2013 vernichtete ein Großbrand die Hälfte der Verlagsproduktion.[2]

2014 erschien das letzte Werk Gelindes Grausen von Erich Loest, der schon zu DDR-Zeiten bis zu seiner Ausreise 1981 im mdv publizierte.[2]

2019 erhielt der Verlag gemeinsam mit 65 anderen kleinen und unabhängigen Verlagen den Deutschen Verlagspreis.[3]

Corona-Krise 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Absage der Leipziger Buchmesse Anfang März 2020, das Verbot von Lesungen und die Schließung der Buchhandlungen hat auch den Mitteldeutschen Verlag „mit voller Wucht getroffen“ (siehe Sozioökonomische Auswirkungen der COVID-19-Pandemie#Buchbranche). Die zehn Angestellten befanden sich komplett in Kurzarbeit. Mitte Mai waren „die Hälfte der finanziellen Rücklagen, die ... in den vergangenen 15 Jahre erarbeitet“ wurden, aufgebraucht.[2]

Autoren nach 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotografen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Ladiges: Der Mitteldeutsche Verlag Halle und die Literaturpolitik der DDR (1960–1968). In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte. Band 14. Harrassowitz Verlag, 2005, ISBN 3-447-05211-2, ISSN 0940-1954, S. 189–249.
  • Eberhard Günther: 60 Jahre Mitteldeutscher Verlag. Ein Überblick. In: Mitteldeutscher Verlag 1946–2006. Verlagsgeschichte und Gesamtkatalog. Mitteldeutscher Verlag, Halle/S. 2006, S. 7–70.
  • Eberhard Günther: Verleger – mehr als ein Beruf. Erinnerungen. Projekte-Verlag, Halle 2009, ISBN 978-3-86634-849-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Website des Verlages
  2. a b c Jürgen Kleindienst: Verschoben in die Unsichtbarkeit. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 13. Mai 2020, S. 9
  3. Preisträger des ersten Deutschen Verlagspreises ausgezeichnet / "Leuchttürme unserer vielfältigen Literaturlandschaft". Abgerufen am 21. März 2020.

Koordinaten: 51° 29′ 15,4″ N, 11° 58′ 45,7″ O