Geyer-Werke

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Geyer-Werke AG, Hauptgebäude

Die Geyer-Werke, heute CineMedia Film, sind der älteste filmtechnische Dienstleister („älteste Filmfabrik“) Deutschlands.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Am 15. Juli 1911, wenige Monate nach Uraufführung der ersten „programmfüllenden“ Kinofilme in Europa und Deutschland, gründete Karl August Geyer in Berlin-Lankwitz eine „Kino-Kopier-Gesellschaft m.b.H“. Geyer legte mit dieser ersten Filmkopieranstalt Deutschlands, die sich damals mit der fotografischen Entwicklung von Negativfilmen sowie der Herstellung von Positivkopien fürs Kino befasst, den Grundstein für das Entstehen eines neuen Dienstleistungszweigs in der Filmindustrie, die Postproduktion. Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Produktion eines Filmes - vom Drehbuch über Aufnahme und Entwicklung, bis hin zur Kopie - noch komplett in einer Hand. Davor wurden Kinofilme noch mühselig von Fotografen, Streifen für Streifen, entwickelt und kopiert.

Aufgrund der damals noch als Filmmaterial verwendeten Nitrozellulose („Zelluloid“) brach 1917 ein Großfeuer aus, das einen großen Teil des Filmlagers vernichtete.

Im Jahr 1918 wurde die „Geyer-Maschinenbau GmbH“, die sich der Produktion von Filmkameras, Filmschnittapparaten und ähnlichem gewidmet hatte, aus den Geyer-Werken ausgegliedert, sie verlegten ab 1924 auch ihren Firmensitz.

Geyer rationalisierte 1922 die zuvor zeitaufwändige manuelle Herstellung von Vorführkopien durch eigens entwickelte Maschinen und Verfahren. Seine erste Eigenkonstruktion war z.B. eine Perforiermaschine mit beidseitiger Vierlochstanzung, was heute noch Standard ist. Auch bereits 1922 arbeiteten die Geyer-Werke zusammen mit Hans Vogt, Joseph Massolle und Jo Engl, den Erfindern des noch heute gültigen Lichttonverfahrens (Tri-Ergon), an der Herstellung erster Tonfilme. 1926 wurde das Unternehmen in „Geyer-Werke AG“ umbenannt, mit Sitz im Stadtteil Berlin-Neukölln, Harzer Straße 39-46. Der renommierte Architekt Otto Rudolf Salvisberg wurde mit einem 1927–1928 erstellten Erweiterungsbau aus Backstein-Klinkern (mit Stilelementen der Neuen Sachlichkeit) beauftragt. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Für den Film „Reichsparteitag 1934“ (Triumph des Willens) von Leni Riefenstahl veranlasste Adolf Hitler eigens die Einrichtung einer „Geschäftsstelle für den Reichsparteitagsfilm“, ansässig in den Kopieranstalten der Geyer-Werke. Am 6. Dezember 1934 besuchte Hitler Riefenstahl während ihrer Arbeit in den Geyer-Werken und „…hier hat sich der Führer als Erster Teile aus dem ‚Triumph des Willens‘ vorführen lassen“[1] Auch ein „Archiv des Reichsparteitags“ (später als „Filmarchiv des Nationalsozialismus“ bezeichnet) hatte Riefenstahl im Auftrag der NSDAP auf dem Gelände der Geyer-Werke eingerichtet. Der Verbleib des Archivs ist bis heute ungeklärt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Geyer-Werke GmbH 1949 in Hamburg-Rahlstedt neu gegründet, 1954 wurden auch die Geyer-Werke in Berlin wieder eröffnet. Die Hamburger Geyer-Werke synchronisierten und vervielfältigten ab Januar 1950 die Filme der „Neuen Deutschen Wochenschau“, die zuvor in einem direkt angrenzenden Gebäude geschnitten worden waren.

Viele bekannte Kinofilme der Nachkriegszeit wurden in den Geyer-Werken bearbeitet, z.B. "Der dritte Mann", "Große Freiheit Nr. 7" und "Sissi", in späteren Jahren sämtliche Filme Rainer Werner Fassbinders und die meisten Produktionen von Wim Wenders, die Fernsehreihe Tatort, in jüngerer Zeit z.B. die Kinofilme Lola rennt, Die Unberührbare, Das Leben der Anderen oder Waltz with Bashir.

Anfang der 1960er Jahre, nachdem das neue Medium Fernsehen weite Verbreitung gefunden hatte, nahm Geyer auch die Videopostproduktion ins Unternehmensprogramm auf, 1961 auch Synchronisationsstudios.

Seit 1967 sind die Geyer-Werke auf dem Gelände der FSM in München-Unterföhring vertreten. Seit Anfang 1988 gehören das Kopierwerk und die Videotransform der Bavaria Film GmbH in Geiselgasteig zur Hamburger Geyer-Werke GmbH. Im Gegenzug ist die Bavaria Film GmbH seither mit etwa 25 % an den Geyer-Werken beteiligt. 1989 übernahm die Geyer-Werke GmbH das „Atlantik Film“-Kopierwerk in Hamburg-Ohlstedt, 1999 die „Bavaria Ton“, eines der größten und modernsten Tonstudios in Deutschland. Die Geyer-Werke in Unterföhring existieren heute allerdings nicht mehr.

1996 übernahm die heutige CineMedia Film AG die Mehrheit der Anteile an der Geyer-Gruppe. 1998 erfolgte eine Umfirmierung in „CineMedia Film AG Geyer-Werke“. Die Geyer-Werke sind als „CinePostproduction GmbH & Co. KG Geyer Berlin“ noch immer mit einer Niederlassung am ursprünglichen Berliner Standort in der Harzer Straße 39 vertreten. Die Firma CinePostproduction hat ihren Hauptsitz heute in Grünwald bei München, ist in allen Stufen der digitalen Bildbearbeitung von Kino- und Fernsehfilmen tätig und ist das größte Postproduktionsunternehmen Deutschlands. Das Unternehmen ist eine Tochter der im CDAX börsennotierten „CineMedia Film AG“ (CineMedia wiederum gehört zu 52,85 % der Tele München Fernseh GmbH + Co. Produktionsgesellschaft von Dr. Herbert G. Kloiber und zu 27,04 % der Bavaria Film GmbH). Zur Firmengruppe CinePostproduction gehören die „Atlantik Film“ in Hamburg, die „Bavaria Bild & Ton“ in München sowie die Niederlassung „Geyer Köln“.

Zitat von Karl Geyer: „Das bohemehafte Niveau des Filmbetriebs ist dem Schaffen bei der Filmfertigbearbeitung in höchstem Grade abträglich.“


Die Migration zu digitaler Projektion im Kino hat naturgemäß auch Auswirkungen auf die Unternehmen der traditionellen analogem Filmwirtschaft. Anfang August 2013 erklärte Christian Sommer (CineMedia Vorstand) "Schon im 2. Quartal des Jahres 2013 hat das Metervolumen von analogen Filmvorführkopien um 30 % unter dem des 1. Quartals gelegen." (Quelle: Blickpunkt Film)

Zum 19. August 2013 hat die CineMedia Film AG Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Bilder[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Bundesarchiv/Filmarchiv, Triumpf des Willens, Filmmappe 17345 - „Feuilletons für Triumph des Willens“, Werner Klette: „Wie der Film vom Reichsparteitag in Nürnberg entstand“. Siehe auch: Jürgen Trimborn: Leni Riefenstahl. Eine deutsche Karriere. Aufbau-Verlag, Berlin 2002.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Koerber: Die Filmfabrik — Eine Firmengeschichte der Geyer-Werke. In: Klaus M. Boese, et. al.: Zur Geschichte des Filmkopierwerks / A Short History of Cinema Film Post-Production. Weltwunder der Kinematographie. Bd. 8, S. 133ff., Polzer Media Group, 2006. ISBN 3-934535-26-7
  • Martin Koerber: Die Filmfabrik. Eine Firmengeschichte der Geyerwerk. In: Frank Arnold u.a.: Nahaufnahme Neukölln. Berlin 1989, S. 112-153.
  • „Chronik der Karl Geyer-Filmfabrik“, Band 1 (1911–1921); vorhanden in: Stiftung Deutsche Kinamathek, Berlin.
  • 40 Jahre GEYER Werke. Neue Deutsche Wochenschau Nr. 77 vom 17. Juli 1951. Erhalten im Archiv der Deutschen Wochenschau GmbH in Hamburg.
  • 100 Jahre für den Film. Geyer-Werke - CinePostproduction 1911 - 2011. Vom Kopierwerk zum digitalen Dienstleister. Cinepost Production, Berlin / August Dreesbach Verlag, München 2011. ISBN 978-3940061-60-7

Weblinks[Bearbeiten]

52.48388888888913.450861111111Koordinaten: 52° 29′ 2″ N, 13° 27′ 3″ O