Leni Riefenstahl

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Leni Riefenstahl (1933 als Darstellerin im Film SOS Eisberg)

Helene Bertha Amalie „Leni“ Riefenstahl (* 22. August 1902 in Berlin; † 8. September 2003 in Pöcking) war eine deutsche Filmregisseurin, -produzentin und -schauspielerin sowie Drehbuchautorin, Cutterin, Fotografin und Tänzerin. Sie gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte – einerseits für ihre Werke von vielen Filmschaffenden und -kritikern als „innovative Filmemacherin und kreative Ästhetin“[1] verehrt und geachtet,[2][3] andererseits wegen ihrer Beteiligung an der Propaganda für die Diktatur des Nationalsozialismus moralisch verurteilt und geschmäht.[4]

Nachdem Riefenstahl ihre ursprünglich eingeschlagene Tanzkarriere aufgrund einer Knieverletzung beenden musste, etablierte sie sich während der 1920er Jahre im Deutschland der Weimarer Republik als Schauspielerin im Bergfilmgenre. Durch ihr 1932 veröffentlichtes Regiedebüt Das blaue Licht, bei dem sie als Hauptdarstellerin, Koproduzentin und -drehbuchautorin fungierte, wurden führende NSDAP-Politiker wie der Parteichef Adolf Hitler und Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels auf sie aufmerksam. Nach der im Jahr darauf erfolgten Machtübernahme der NSDAP wurde Riefenstahl zur „Reichsfilmregisseurin“[5] ernannt und erhielt den Auftrag, die „Reichsparteitagstrilogie“ zu drehen. Die Propagandaproduktionen Sieg des Glaubens, Triumph des Willens und Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht entstanden in den Jahren 1933 bis 1935. Triumph des Willens wurde 1935 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig als beste ausländische Dokumentation ausgezeichnet und erhielt auf der Pariser Weltausstellung den Grand Prix.[6]

1938 drehte Riefenstahl Olympia, eine zweiteilige Dokumentation über die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin. Der Film wurde vielfach als ästhetisches Meisterwerk gelobt,[6] aber auch für seine propagandistischen und ideologischen Elemente kritisiert. Riefenstahl bekam für ihre Arbeit unter anderem den Coppa Mussolini, eine olympische Goldmedaille vom Internationalen Olympischen Komitee und den Kinema Junpo Award verliehen.

Während des Zweiten Weltkrieges dokumentierte sie mit dem „Sonderfilmtrupp Riefenstahl“ Hitlers Polenfeldzug.

In der Nachkriegszeit wurde sie trotz ihrer Einbindung in die nationalsozialistische Filmpolitik laut eines Spruchkammerbeschlusses lediglich als „Mitläuferin“ eingestuft.[6] Dennoch gestaltete es sich nach der militärischen und politischen Niederschlagung des NS-Regimes für Riefenstahl ab 1945 schwer, weitere Aufträge als Regisseurin und Produzentin zu erhalten, so dass sie ihr Filmschaffen nach Tiefland (1954) aufgab.

Ab den 1960ern betätigte sich Riefenstahl als Fotografin und veröffentlichte mehrere Bildbände. Zu ihren bekanntesten Werken dieser Zeit zählen Fotoreportagen über das Volk der ostafrikanischen Nuba im Sudan und Unterwasseraufnahmen. 2002 veröffentlichte sie mit dem Dokumentarfilm Impressionen unter Wasser ihr letztes Werk.

Riefenstahl starb am 8. September 2003 im Alter von 101 Jahren.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Kindheit, Jugend und Tanzkarriere[Bearbeiten]

Helene Bertha Amalie Riefenstahl, genannt „Leni“, kam am 22. August 1902 in Berlin-Wedding zur Welt. Zweieinhalb Jahre später wurde ihr Bruder Heinz Riefenstahl (1905–1944) geboren.[7] Ihr Vater Alfred Riefenstahl (1878–1944) war ein Handwerksmeister, der sich einen eigenen Installateurbetrieb aufgebaut hatte. Ihre Mutter Bertha Ida Riefenstahl (1880–1965, geborene Scherlach) war Näherin und als jüngstes von 18 Kindern im polnischen Włocławek aufgewachsen.[7] Ihre ersten Lebensjahre wohnte Riefenstahl mit ihrer Familie in der Prinz-Eugen-Straße im Wedding, später zogen die Riefenstahls in ein eigenes Haus in Zeuthen bei Berlin.[8]

Riefenstahl wurde 1908 in die Volkschule in Berlin-Neukölln eingeschult.[9] Anschließend besuchte sie das Kollmorgensche Lyzeum, eine private Höhere Knaben- und Mädchenschule in Berlin-Tiergarten, das sie 1918 mit der mittleren Reife verließ.[9] In ihrer Freizeit erhielt Riefenstahl Klavierunterricht und begeisterte sich schon in jungen Jahren für Sport. Sie war Mitglied im Charlottenburger Damen-Schwimmclub Nixe,[10] trat einem Turnverein bei, fuhr Rollschuh, spielte Tennis, ruderte und segelte auf dem Zeuthener See.[11] Nach ihrem Schulabschluss erhielt Riefenstahl für kurze Zeit Mal- und Zeichenunterricht an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Berlin.[12] Außerdem nahm sie hinter dem Rücken ihres strengen Vaters, jedoch mit der Unterstützung ihrer kunstbegeisterten Mutter, Tanzstunden an der Grimm-Reiter-Schule[13][12] am Kurfürstendamm. Dort lernte sie unter anderem rhythmisches Turnen und Tanzen, Improvisation sowie Phantasietanz. Nachdem Riefenstahl bei einer Tanzveranstaltung im Berliner Blüthnersaal für die erkrankte Anita Berber eingesprungen war, erfuhr ihr Vater von den heimlichen Tanzstunden und schickte sie für ein Jahr in ein Pensionat in Thale im Harz. Danach arbeitete Riefenstahl von 1920 bis 1923 als Sekretärin im Betrieb ihres Vaters, wo sie Schreibmaschine, Stenografie und Buchhaltung lernte.

Während dieser Zeit durfte sie ihren Tanzunterricht an der Grimm-Reiter-Schule fortsetzen und erhielt außerdem von 1921 bis 1923 eine klassische Ballettausbildung bei Eugenie Eduardowa.[10] Zusätzlich lernte sie Ausdruckstanz an der Jutta-Klamt-Schule in der Fasanenstraße und nahm Boxunterricht bei Sabri Mahir. 1923 besuchte sie für ein halbes Jahr Mary Wigmans Tanzschule in Dresden, wo sie gemeinsam mit Gret Palucca, Vera Skoronel und Yvonne Georgi unterrichtet wurde. Im selben Jahr ging sie mit dem Tennisprofi Otto Froitzheim ihre erste Beziehung ein und lernte während eines Badeurlaubs an der Ostsee den Banker und späteren Filmproduzenten Harry R. Sokal kennen. Ihrem Debüt als Solo-Tänzerin am 23. Oktober 1923 in München, das von Sokal finanziert worden war, folgte eine sechsmonatige Tournee mit rund 70 Auftritten im In- und europäischen Ausland.[13] Außerdem wurde Riefenstahl von Max Reinhardt für zwei[14] Solo-Auftritte in den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin engagiert.[13][15]

Fred Hildenbrandt beschrieb Riefenstahls Tanzstil mit den Worten: „Dieses sehr schöne Mädchen ringt wohl inständig um einen Rang neben den dreien, die man ernst nimmt: der Impekoven, der Wigman, der Gert. Und wenn man dieses vollkommen gewachsene hohe Geschöpf in der Musik stehen sieht, weht eine Ahnung daher, dass es Herrlichkeiten im Tanz geben könnte, die keine von jenen dreien zu tragen und zu hüten bekam, nicht der heroische Gongschlag der Mary, nicht der süße Geigenlauf der Niddy, nicht die grausame Trommel der Valeska: die Herrlichkeit der Tänzerin, die alle tausend Jahre wiederkehrt. Aber dann beginnt dieses Mädchen ihren Leib zu entfalten, die Ahnung verweht, der Glanz ergraut, der Klang verrostet […].“[16][17] Der Kunstkritiker und Tanzhistoriker John Schikowski urteilte im April 1924 über Riefenstahls Darbietung bei einer Matinée an der Volksbühne Berlin: „Knie- und Hüftgelenke erscheinen zuweilen etwas eingerostet, die früher so wunderbar suggestive Sprache der Arme ist teilweise verstummt; an ihre Stelle trat ein äußerlich effektvolles, aber oft seelenloses Spiel der Hände.“[18]

Im Sommer 1924 zog sich Riefenstahl bei einem Auftritt in Prag eine Knieverletzung zu, die ihre tänzerische Bühnenkarriere beendete. Ein Jahr später trennte sie sich von Froitzheim, mit dem sie zwischenzeitlich verlobt gewesen war.

Schauspielkarriere[Bearbeiten]

Leni Riefenstahl, 1928 (Fotografie von Alexander Binder)

Ihr Filmdebüt gab Riefenstahl als Tänzerin in dem Dokumentarfilm Wege zu Kraft und Schönheit aus dem Jahr 1925, für den mehrere Schülerinnen der Mary-Wigman-Schule ausgewählt worden waren.

Fasziniert von dem 1924 erschienenen Stummfilm Der Berg des Schicksals, suchte Riefenstahl Kontakt zu seinem Regisseur Arnold Fanck, der sich begeistert von ihr zeigte und beschloss, sie als Hauptdarstellerin für sein nächstes Filmprojekt zu verpflichten: „Als ich Leni Riefenstahl sah, war mein erster Eindruck: Naturkind. Keine Schauspielerin, keine ‚Darstellerin‘. Diese Frau tanzt sich selbst. Man musste ihr also eine Rolle schreiben, die aus ihrem Wesen geboren ward.“[19] Und so verfasste Fanck das Drehbuch zu dem Film Der heilige Berg, der von einer Tänzerin handelt, in die sich zwei junge Bergsteiger, gespielt von Luis Trenker und Ernst Petersen, verlieben. Für die 18 Monate dauernden Dreharbeiten erhielt Riefenstahl eine Gage von 20.000 Reichsmark.[20] Während der Außenaufnahmen, die in den Schweizer Alpen gemacht wurden, lernte Riefenstahl Skilaufen. Zudem ließ sie sich von Fanck die Funktionen der Filmkamera erklären. Er zeigte ihr den Umgang mit Objektiven, den Einsatz verschiedener Brennweiten und die Wirkung von Farbfiltern. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten unterwies der Regisseur sie außerdem im Entwickeln, Kopieren und Schneiden des Filmmaterials. Die Uraufführung von Der heilige Berg folgte am 17. Dezember 1926 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin.

Von Mai bis November 1927 fanden, ebenfalls unter der Regie von Fanck, die körperlich sehr anstrengenden Dreharbeiten zu dem Sportfilm Der große Sprung in den Dolomiten statt. Für die Rolle lernte sie mit Hans Schneeberger, der neben Luis Trenker eine der beiden männlichen Hauptrollen spielte, Bergsteigen und -klettern. Privat gingen Riefenstahl und Schneeberger eine dreijährige Beziehung ein. Die Premiere von Der große Sprung fand am 20. Dezember 1927 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin statt. Der Film wurde ein Erfolg, legte Riefenstahl aber auf die Rolle der „Frau zwischen zwei Männern“ im Abenteuer- und Bergmilieu fest, so dass andere Angebote ausblieben. Lediglich in Rolf Raffés wenig beachtetem Historiendrama Das Schicksal derer von Habsburg von 1928 gelang Riefenstahl mit der Verkörperung von Mary Vetsera ein Rollenwechsel.

Danach kehrte Riefenstahl mit dem von Harry Sokal produzierten Drama Die weiße Hölle vom Piz Palü ins Bergfilmgenre zurück. Die Außenaufnahmen, die das Filmteam ins Berninamassiv führten, wurden unter der Anweisung von Fanck gedreht, Georg Wilhelm Pabst übernahm die Regie bei den Innendrehs. Nach seiner Uraufführung am 11. Oktober 1929 in Wien wurde das Werk ein großer nationaler und internationaler Erfolg und Riefenstahl erhielt für ihre schauspielerische Leistung viele positive Kritiken.

Ihr nächster Film, Stürme über dem Mont Blanc aus dem Jahr 1930, wurde stumm gedreht und erst nach Abschluss der Dreharbeiten synchronisiert und musikalisch untermalt. Um den Sprung aus dem Stumm- in den Tonfilm zu schaffen, an dem viele erfolgreiche Stummfilmschauspieler wie Vilma Bánky, Pola Negri oder Lars Hanson scheiterten, nahm Riefenstahl stimmbildenden Unterricht bei Eugen Herbert Kuchenbuch.[21] 1931 erschien ihr zweiter Tonfilm, die Ski-Komödie Der weiße Rausch. Neben der Schauspielerei begann sie, Drehbücher und Drehberichte zu schreiben. Ihren ersten Bericht veröffentlichte sie in der Fachzeitschrift Film-Kurier über Fancks Sportfilm Das weiße Stadion.

Regiedebüt mit Das blaue Licht[Bearbeiten]

Hauptartikel: Das blaue Licht (1932)

1931 schrieb sie die erste Fassung des Manuskripts für ihren Film Das blaue Licht. Dieser handelt von einem geheimnisvollen, blauen Licht, das in Vollmondnächten von einer Bergspitze herab scheint und die jungen Männer eines Bergdorfs magisch anzieht, die dann beim Aufstieg tödlich verunglücken. Das Drehbuch entwickelte sie zusammen mit dem jüdischen Filmtheoretiker und Drehbuchautor Béla Balázs sowie mit Unterstützung von Carl Mayer.[22][23] Sie gründete ihre erste eigene Filmgesellschaft, die L.R. Studiofilm, und überzeugte ihren Mäzen Harry R. Sokal, in das Projekt zu investieren. Riefenstahl übernahm bei Das blaue Licht zudem die weibliche Hauptrolle, Regie, Produktionsleitung und den Schnitt. Die Dreharbeiten, bei denen Sarner Bauern als Laienschauspieler mitwirkten, fanden von Juli bis September 1931 statt. Der Film, der am 24. März 1932 in die Kinos kam, wurde trotz gemischter Kritiken ein Erfolg: Das New Yorker National Board of Review wählte Das blaue Licht 1934 unter die Top Foreign Films und bei der Biennale in Venedig wurde der Film 1932 mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

Am 27. Februar 1932 besuchte Riefenstahl eine Veranstaltung der Nationalsozialisten im Berliner Sportpalast, auf der Adolf Hitler eine Rede hielt. Bald darauf bat sie ihn in einem Brief um ein persönliches Treffen, zu dem es im Mai 1932 in Horumersiel bei Wilhelmshaven kam. Laut Riefenstahls Memoiren habe ihr Hitler bei dieser Gelegenheit offenbart, dass sie ihn mit Das blaue Licht sehr beeindruckt habe und er habe zu ihr gesagt: „Wenn wir einmal an die Macht kommen, dann müssen sie meine Filme machen.“[24][25] In der Folgezeit war Riefenstahl häufig zu Gast bei Feierlichkeiten und offiziellen Empfängen hoher Nazifunktionäre, lernte Joseph und Magda Goebbels, Hermann Göring, Albert Speer und Julius Streicher kennen.

Indessen forderte Balázs von Riefenstahl das zurückgestellte Honorar für seine Arbeit am Drehbuch für Das blaue Licht.[22] Riefenstahl schrieb daraufhin an Streicher: „Ich erteile Herrn Gauleiter Julius Streicher aus Nürnberg – Herausgeber des Stürmer Vollmacht in Sachen der Forderung des Juden Belá Balacs [sic] an mich. Leni Riefenstahl.“[22] Balázs’ Name verschwand aus den Filmcredits.[26]

In der deutsch-amerikanischen Koproduktion SOS Eisberg spielte Riefenstahl zum letzten Mal unter der Regie von Arnold Fanck. Die Dreharbeiten führten sie im Juni 1932 zunächst nach Grönland und Anfang 1933 in die Schweizer Alpen. Aus einer Artikelserie über die Erlebnisse in Grönland, die sie für die Zeitschrift Tempo schrieb, und aus Vorträgen, die sie zum Film hielt, entstand das Buch Kampf in Schnee und Eis, das 1933 erschien. Die Premiere des Films SOS Eisberg fand am 30. August 1933 im Ufa-Palast am Zoo statt. Die US-amerikanische Fassung SOS Iceberg wurde am 22. September 1933 in New York uraufgeführt.

Reichsparteitagstrilogie[Bearbeiten]

Riefenstahl mit Team filmt auf dem Reichsparteitag der NSDAP am 1. September 1934 in Nürnberg

Hauptartikel: Sieg des Glaubens

Mit Sieg des Glaubens entstand der erste von insgesamt drei Dokumentarfilmen, die Riefenstahl in den Jahren 1933 bis 1935 über die Reichsparteitage der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Nürnberg drehte und die auch als „Reichsparteitagstrilogie“ bezeichnet werden.[27] Den Auftrag für Sieg des Glaubens erteilte ihr das Reichspropagandaministerium unter der Leitung Joseph Goebbels’.[13][28] Da Riefenstahl weder NSDAP-Mitglied war[6] noch Erfahrung im Dokumentarfilmgenre hatte und obendrein eine Frau war, stieß die Entscheidung, sie für das Projekt zu verpflichten, zunächst auf Unmut innerhalb der Partei. Genossen wie Arnold Raether und Eberhard Fangauf, die in der Hauptabteilung IV (Film) des Reichspropagandaministeriums tätig waren,[29] versuchten Riefenstahl zu sabotieren, indem sie ihr Filmmaterial und Kameraleute verweigerten und den Nachweis ihrer arischen Abstammung verlangten.[30] Auch Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß unterstellte ihr „Führerbeleidigung“, um sie aus dem Projekt zu drängen. Riefenstahl gelang es jedoch, sich gegen ihre Gegner in der Partei zu behaupten, wobei ihr die Protektion Hitlers half. Dieser wollte keine nüchterne Schilderung des fünften Reichsparteitages, sondern eine auf ihn ausgerichtete propagandistische Inszenierung, die den Zuschauer beeindrucken und begeistern sollte. Hierbei vertraute er auf das künstlerische Talent und die Vision Riefenstahls. Sie schrieb das Drehbuch, wählte Sepp Allgeier, Franz Weihmayr und Walter Frentz als Kameramänner aus, übernahm die Regie und schnitt den 60-minütigen Film aus rund 16.000 Metern Filmmaterial selbst zusammen. Sieg des Glaubens hatte am 1. Dezember 1933 Premiere und wurde begeistert aufgenommen. Riefenstahl selbst war hingegen mit der Endfassung des Films aufgrund einiger ästhetischer Unvollkommenheiten nicht zufrieden.[31] Nach dem Röhm-Putsch im Sommer 1934 wurde der Film wieder aus dem Verkehr gezogen, da er den SA-Stabschef Ernst Röhm noch als „zweitwichtigsten Mann“ an Hitlers Seite zeigte.

Hauptartikel: Triumph des Willens

Riefenstahl mit Heinrich Himmler (links) während der Dreharbeiten zu Triumph des Willens am 9. September 1934 in der Luitpoldarena in Nürnberg

Hitler persönlich beauftragte Riefenstahl, auch den sechsten Reichsparteitag der NSDAP, der vom 5. bis 10. September 1934 in Nürnberg stattfand und zu dem eine halbe Million Menschen erwartet wurde, filmisch zu inszenieren. Er ließ ihr alle künstlerischen Freiheiten und die NSDAP[13] stellte der Regisseurin nahezu unbegrenzte Mittel und ein Team von 170 Mitarbeitern, darunter 36 Kameramänner und neun Flugkameramänner, zur Verfügung.[32] Sie benötigte sieben Monate für die Fertigstellung des rund 110 Minuten dauernden Films. Bei der Uraufführung von Triumph des Willens am 28. März 1935 im Ufa-Palast in Berlin spendete das Premierenpublikum, einschließlich Hitler, langanhaltenden Beifall. Riefenstahl hatte mit innovativen Montagetechniken, ungewöhnlicher Kameraführung und suggestiver musikalischer Untermalung einen Film geschaffen, der eines der wichtigsten Propagandamittel der Nationalsozialisten wurde. Mehr als 20 Mio. Deutsche sahen den Film,[31] der unter anderem in Schulen vorgeführt wurde.[33] Zusätzlich veröffentlichte Riefenstahl das Buch Hinter den Kulissen des Reichsparteitagsfilms.[34] Für Triumph des Willens erhielt Riefenstahl den Nationalen Filmpreis 1934/35, den Preis für den besten ausländischen Dokumentarfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1935 und den Grand Prix bei der Pariser Weltfachausstellung 1937.

Durch die aufwändigen Dreharbeiten zu Triumph des Willens wurden zahlreiche andere Produktionen des übrigen NS-Films vernachlässigt, da Riefenstahl viele Kameraleute für ihr Team beanspruchte. Dies führte in der Folge zu Anfeindungen zwischen Goebbels und der Filmemacherin, welche schließlich Hitler persönlich schlichten musste. Zeit ihres Lebens behauptete sie, gegen den Propagandaminister eine tiefe gegenseitige Abneigung gehegt zu haben.

Hauptartikel: Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht

Anlässlich der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht[35] und aufgrund der Tatsache, dass im September 1934 wegen schlechter Witterungsverhältnisse keine brauchbaren Aufnahmen von der Wehrmacht für die Dokumentation Triumph des Willens gemacht werden konnten,[36] drehte Riefenstahl beim siebten Reichsparteitag der NSDAP im September 1935 den 28-minütigen Kurzfilm Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht. Die Premiere des dritten und letzten Teils der Reichsparteitagstrilogie fand am 30. Dezember 1935 in Berlin statt. Der Film demonstriert für die meisten Kritiker der Nachkriegszeit eine Armee, die sich für einen Angriffskrieg rüstet. Im Interview mit Ray Müller für den Dokumentarfilm Die Macht der Bilder von 1993 meinte Riefenstahl jedoch, sie habe nur eine Übung, eine Show gefilmt. „Weiter nichts.“

Im Januar 1936 wurde Riefenstahl vom italienischen Diktator Benito Mussolini in Rom empfangen. Der „Duce“ hatte die Reichsparteitagstrilogie gesehen und wollte Hitlers Regisseurin für die Verfilmung der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe gewinnen. Riefenstahl lehnte dieses Angebot jedoch unter Hinweis auf ihr kommendes Projekt – die Verfilmung der Olympischen Sommerspiele in Berlin 1936 – ab.

Olympia-Filme[Bearbeiten]

Hauptartikel: Olympia (Film)

Riefenstahl hinter Walter Frentz an der Handkamera während der Dreharbeiten zu Olympia im August 1936
Joseph Goebbels und Riefenstahl bei den Vorarbeiten zu Olympia

Riefenstahl wurde nach eigenen Angaben von Carl Diem, dem Generalsekretär des Organisationskomitees, mit der Verfilmung der XI. Olympischen Spiele beauftragt.[37] Das Projekt wurde vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda finanziert. Um die staatliche Beteiligung zu verschleiern, wurde die Olympia-Film GmbH „auf Veranlassung des Reichs und mit Mitteln des Reichs gegründet.“[38] Als Gesellschafter traten Riefenstahl und ihr Bruder Heinz auf. Für die Produktion stellte das Ministerium ein Budget in Höhe von 1,8 Mio. Reichsmark zur Verfügung, Riefenstahl erhielt ein Honorar von 400.000 RM.[39][40]

Im Herbst 1935 begann Riefenstahl mit den Vorbereitungen der Dreharbeiten. Sie stellte ein großes Kamerateam zusammen,[41] darunter Walter Frentz, Willy Zielke, Gustav Lantschner und Hans Ertl, das im Mai 1936 die ersten Probeaufnahmen anfertigte. Die eigentlichen Dreharbeiten begannen zwei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele mit der Aufzeichnung des Prologs und dem Fackellauf, gefolgt von der Eröffnungsfeier am 1. August 1936. Pro Wettkampftag entstanden rund 15.000–16.000 Meter Filmmaterial,[42] insgesamt summierte sich das Material nach dem Abschluss der Dreharbeiten auf 400.000 Filmmeter.[43] Zehn Monate lang sichtete, archivierte, schnitt und montierte Riefenstahl das Filmmaterial zu den beiden Olympia-Filmen Fest der Völker und Fest der Schönheit zusammen.[44]

Am 20. April 1938 – Hitlers 49. Geburtstag – wurden beide Teile des Olympia-Films im Ufa-Palast am Zoo in Berlin uraufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen. Die deutsche Presse, der die freie Kunstkritik aufgrund Goebbels’ „Kunstbetrachter-Erlasses“ seit Ende 1936 untersagt war, berichtete ausnahmslos positiv. Für den internationalen Verleih fertigte Riefenstahl eine englische, eine französische und eine italienische Version von Olympia an und reiste anschließend durch Europa, um den Film zu vermarkten. Auch hier wurde Olympia zum Erfolg, einzig Großbritannien verweigerte die Aufführung.[45] Neben dem Deutschen Nationalen Filmpreis erhielt Riefenstahl für die Olympia-Filme den schwedischen Polar-Preis, den Ehrenpreis der Regierung von Griechenland, den ersten Preis für den besten Film auf der Biennale in Venedig und das Olympische Diplom zur Olympischen Goldmedaille vom Internationalen Olympischen Komitee beim Filmfestival in Lausanne.

Da sie mit Olympia den überragenden Erfolg US-amerikanischer Athleten wie Jesse Owens und Forrest Towns dokumentiert hatte, hoffte Riefenstahl, in den Vereinigten Staaten im Filmgeschäft Fuß fassen zu können. Das US-amerikanische TIME Magazine hatte der Regisseurin bereits im Februar 1936 eine Titelseite mit der Bildunterschrift „Hitler’s Leni Riefenstahl“ gewidmet. Als sie jedoch im November 1938 mit den Olympia-Filmen im Gepäck nach New York reiste, konfrontierte man sie dort mit der Nachricht von der Reichspogromnacht, die sich vom 9. auf den 10. November 1938 ereignet hatte. Die Anti-Nazi-League und das Motion Picture Artists Committee riefen zum Boykott der Olympia-Filme auf und in Hollywood hingen Anti-Riefenstahl-Plakate. Zu den wenigen, die Riefenstahl empfingen, gehörten der Regisseur King Vidor, der Filmproduzent Walt Disney und die Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer. Trotz des Boykotts wurde der Olympia-Film 1956 von einer Hollywood-Jury zu einem der „zehn besten Filme der Welt“ gekürt.[46]

Tiefland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tiefland (Film)

Bereits in den 1930er Jahren hatte es Bestrebungen Riefenstahls gegeben, Eugen d’Alberts Oper Tiefland zu verfilmen, aber erst unter einem Vertrag mit der Tobis konnte sie das Projekt realisieren. Die Dreharbeiten begannen während des Zweiten Weltkriegs am 1. August 1940.[47] Da die Außenaufnahmen aufgrund des Krieges nicht in den Pyrenäen, wo die Handlung des Films spielt, gedreht werden konnten, hatte man den Drehort unter anderem nach Krün verlegt. Die Innenaufnahmen wurden ab 1942 in den Tobis-Filmateliers von Berlin-Johannisthal, der UFA-Stadt in Babelsberg und 1944 – um den Bombardements auf das Reichsgebiet zu entgehen – in den Barrandov-Ateliers in Prag gedreht.[47] Um ihrem Film dennoch Authentizität zu verleihen, besetzte Riefenstahl die Komparsenrollen mit südländisch aussehenden Sinti und Roma, die aus den Zwangslagern Salzburg-Maxglan und Berlin-Marzahn Rastplatz rekrutiert wurden.[48][49] Riefenstahl selbst übernahm neben der Regie auch die weibliche Hauptrolle. Nach Abschluss der Dreharbeiten wurden die beteiligten Sinti und Roma ins Zigeunerlager Auschwitz deportiert, wo die meisten von ihnen ums Leben kamen.[50][51][48] Nach dem Kriegsende im Mai 1945 gelangte das ungeschnittene Filmmaterial in die Hände der französischen Besatzungsmacht, die es bis 1953 unter Verschluss hielt.[52] Riefenstahl konnte Tiefland erst Ende 1953 fertigstellen, seine Uraufführung folgte am 11. Februar 1954 in Stuttgart.

1948 musste sich Riefenstahl vor Gericht der Anklage stellen, die Sinti und Roma nicht entlohnt zu haben und von ihrer Deportation ins Zigeunerlager Auschwitz gewusst zu haben. Sie wurde freigesprochen.[49] In den 1980er Jahren griff die Freiburger Filmemacherin Nina Gladitz die Vorwürfe in ihrem Dokumentarfilm Zeit des Schweigens und der Dunkelheit erneut auf. Riefenstahl sah sich durch den Film in ihrer Ehre verletzt und zog gegen Gladitz vor Gericht. In der zweiten und gleichzeitig letzten Instanz entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe, dass der Dokumentarfilm weiterhin die Aussage treffen dürfe, dass Riefenstahl die Sinti und Roma zwangsverpflichtet und nicht entlohnt habe. Herausschneiden musste Gladitz hingegen die Behauptung, Riefenstahl habe von der geplanten Deportation und Ermordung ihrer Komparsen gewusst.[51]

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau am 27. April 2002 behauptete Riefenstahl: „Wir haben alle Zigeuner, die in Tiefland mitgewirkt haben, nach Kriegsende wiedergesehen. Keinem einzigen ist etwas passiert.“[53] Nachdem der Verein Rom e. V. Strafantrag gestellt hatte, kam es in der Folge zu einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren gegen Riefenstahl wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, das jedoch aufgrund mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt wurde. Die Filmemacherin hatte sich zuvor in einer Unterlassungserklärung verpflichtet, derartige Behauptungen nicht länger aufzustellen[54] und in einer öffentlichen Stellungnahme ihr Bedauern über die Verfolgung und das in den Konzentrationslagern erlittene Leid der Sinti und Roma geäußert.[55]

Sonderfilmtrupp Riefenstahl[Bearbeiten]

Riefenstahl (mit Lederkappe) gibt während der Siegesparade vom 5. Oktober 1939 in Warschau einem vor ihr stehenden Offizier Anweisungen für die Ausrichtung der Kameras, die das Geschehen dokumentieren.
Polen: Truppenbesuch von Riefenstahl mit Pistole, Kamera und Tonfilmwagen beim XIV. Armeekorps
Riefenstahl in Uniform beim Besuch deutscher Truppen des XIV. Armeekorps im besetzten Polen (1939)

Auf Anordnung Hitlers wurde zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 der „Sonderfilmtrupp Riefenstahl“ gebildet,[56] der mit zwei sechssitzigen Mercedes-Limousinen, einem BMW-Motorrad mit Beiwagen sowie Tankkarten für 700 Liter Benzin, einem Tonfilmwagen sowie selbstentworfenen Fantasieuniformen mit Gasmasken und Taschenpistolen ausgestattet wurde. Der Filmtrupp machte sich am 10. September 1939 auf den Weg an die Ostfront, um den Polenfeldzug zu dokumentieren.[57] Nach Riefenstahls Angaben habe sie sich nützlich machen wollen.[58]

Mehrere Schwarz-Weiß-Fotos dokumentieren, dass Riefenstahl und ihr Sonderfilmtrupp am 12. September 1939 Zeugen eines Massakers der deutschen Wehrmacht an mehr als 20 wehrlosen Juden in der polnischen Kleinstadt Konskie wurden. Eines dieser Fotos, das ein deutscher Landser von ihr gemacht hatte, ist mit dem Satz „Leni Riefenstahl fällt beim Anblick der toten Juden in Ohnmacht.“ beschriftet.[59][60] Riefenstahl behauptete später jedoch, nur „in der Ferne“ Schüsse gehört zu haben. „Weder ich noch meine Mitarbeiter haben etwas gesehen!“[3]

Weitere Eindrücke des Krieges sammelte Riefenstahl im Oktober in der zerstörten polnischen Hauptstadt Warschau. Dort fand nach der Kapitulation der letzten polnischen Streitkräfte eine zweistündige Truppenparade der siegreichen deutschen Verbände vor den Augen Hitlers statt. Gemeinsam mit Riefenstahls Kameramännern, die sich ebenfalls in Warschau aufhielten, filmte Regisseur Fritz Hippler die einzige derartige Parade, die Hitler während des Zweiten Weltkriegs in einem eroberten Land abhielt.

Das Angebot Goebbels’, einen Film über die „Siegfriedlinie“ zu drehen, lehnte sie ab und fiel daraufhin beim Propagandaministerium in Ungnade.[61]

Nach der Besetzung von Paris telegrafierte Riefenstahl am 14. Juni 1940 ins Führerhauptquartier: „Mit unbeschreiblicher Freude, tief bewegt und erfüllt mit heißem Dank, erleben wir mit Ihnen mein Führer, Ihren und Deutschlands größten Sieg, den Einzug Deutscher Truppen in Paris. Mehr als jede Vorstellungskraft menschlicher Fantasie vollbringen Sie Taten, die ohnegleichen in der Geschichte der Menschheit sind. Wie sollen wir Ihnen nur danken? Glückwünsche auszusprechen, das ist viel zu wenig, um Ihnen die Gefühle auszusprechen, die mich bewegen.“[62]

Am 21. März 1944 heiratete Riefenstahl den Gebirgsjäger-Offizier Peter Jacob, den sie während der Dreharbeiten zu Tiefland im Herbst 1940 kennengelernt hatte, in Kitzbühel. Wenige Tage später kam es auf dem Berghof am Obersalzberg zum letzten persönlichen Treffen von Riefenstahl und Hitler. Im Juli 1944 fiel Riefenstahls Bruder Heinz an der Ostfront.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Riefenstahl in ihrem Haus bei Kitzbühel in Tirol verhaftet und in das Gefangenenlager der 7. US-Armee nach Dachau gebracht, wo sie mehrfach zu ihrer Rolle im Dritten Reich verhört und mit Bildern aus den Konzentrationslagern konfrontiert wurde. Am 3. Juni 1945 wurde sie aus der Haft entlassen und sie kehrte in das inzwischen von den Franzosen besetzte Kitzbühel zurück. Im Mai 1947 wurde Riefenstahl von der französischen Besatzungsmacht wegen angeblicher Depressionen in eine psychiatrische Anstalt in Freiburg eingewiesen, wo sie mehrere Monate lang mit Elektroschocks behandelt wurde.[63] Im Sommer 1947 wurde ihre Ehe mit Paul Jacob geschieden.

Nach ihrer Entlassung aus der Anstalt wurde sie in den Jahren 1948 bis 1952 in vier Spruchkammerverfahren entnazifiziert und mit dem Beschluss der Berliner Spruchkammer vom 21. April 1952 lediglich als „Mitläuferin“ des Naziregimes eingestuft.[64][65][66] Obwohl ihr kein Berufsverbot erteilt wurde, konnte Riefenstahl nach 1945 – abgesehen von der Fertigstellung des Films Tiefland im Jahr 1954 – kein weiteres Filmprojekt realisieren. Ihre Beteiligung an der NS-Propaganda und ihre Nähe zu Hitler blieben als Makel an ihr haften, weshalb sich viele Sponsoren im deutschen Nachkriegsfilmgeschäft von ihr distanzierten.

Eines ihrer gescheiterten Projekte war der Film Die schwarze Fracht, mit dem sie den modernen Sklavenhandel zwischen Ostafrika und den südarabischen Ländern thematisieren wollte. Sie gründete mit der Stern-Film GmbH ihre eigene Produktionsfirma und flog 1956 in den Sudan und nach Kenia, um geeignete Drehorte zu finden. Zwar war sie von der Steppenlandschaft und den Menschen Ostafrikas begeistert, ihre Reisen brauchten das ihr zur Verfügung stehende Budget jedoch schon nach kurzer Zeit auf. Auch zwei weitere Afrika-Projekte, der Film Afrikanische Symphonie und die Dokumentation Der Nil, scheiterten aus finanziellen Gründen.

Fotografien[Bearbeiten]

Ein Bild des britischen Fotografen George Rodger, das in einer Ausgabe des Sterns abgedruckt war und zwei muskulöse, mit weißer Asche bestäubte Nuba-Ringkämpfer zeigte, weckte Riefenstahls Interesse am Volk der sudanesischen Nuba. 1962 begab sie sich im Alter von 60 Jahren auf eine Expedition in den Sudan, wo sie auf die Masakin-Qisar, einen der etwa 100 Nuba-Stämme, traf. Sie blieb sieben Wochen und belichtete mit verschiedenen Leica- und Leicaflex-Kameras über 200 Filme. Fortan besuchte sie die Nuba alle zwei Jahre, studierte ihre Lebensweise und erlernte ihre Sprache.

Die ersten Nuba-Fotos Riefenstahls wurden 1964 in der Illustrierten Kristall veröffentlicht.[67] Es folgten eine Fotoserie mit dem Titel African Kingdom im Time Life Verlag sowie Fotostrecken in der französischen Paris Match, der italienischen Wochenzeitschrift L’Europeo und im US-amerikanischen Life Magazine.[6] Im Dezember 1969 brachte der Stern die mit 20 Aufnahmen illustrierte Titelgeschichte Leni Riefenstahl fotografiert die Nuba – Was noch nie ein Weißer sah heraus.

1972 arbeitete sie bei den Olympischen Spielen in München als akkreditierte Fotografin für die Sunday Times. Ein Jahr später, 1973, veröffentlichte sie ihren ersten Bildband mit dem Titel Die Nuba – Menschen wie vom anderen Stern. Die darin enthaltenen Fotografien dokumentieren vor allem die alltäglichen Abläufe der Nuba wie die Ernte, Körperbemalungen und rituelle Kämpfe zwischen den Männern. 1974 fotografierte Riefenstahl Mick und Bianca Jagger für eine Bildstrecke in der Sunday Times. Sieben Abzüge aus dieser Serie wurden von Riefenstahl signiert und im Jahr 2014 für 45.600 Euro bei einer Auktion in Wien versteigert.[68] 1976 brachte sie ihren zweiten Bildband Die Nuba von Kau heraus, in dem sie den Schwerpunkt auf Porträtaufnahmen und Bilder von Zeremonien mit tanzenden Frauen legte. Für Die Nuba von Kau hatte Riefenstahl mit Teleobjektiven und großen Brennweiten fotografiert; damit erreichte sie einen verschwimmenden Hintergrund, während der Vordergrund umso deutlicher hervortritt. Mit Mein Afrika folgte 1982 ein dritter Bildband mit Riefenstahl-Fotografien des Schwarzen Kontinents.

Im Alter von 71 Jahren absolvierte Riefenstahl eine Tauchausbildung in Kenia.[6][64][69] Dies ermöglichte es ihr, sich als Unterwasserfotografin zu betätigen und die Bildbände Korallengärten (1978) und Wunder unter Wasser (1990) zu veröffentlichen.

Die letzten Jahre[Bearbeiten]

Im Jahr 1987 veröffentlichte Riefenstahl ihre Memoiren, an denen sie bereits seit 1982 arbeitete. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt und rangierten vor allem im Ausland auf den Bestseller-Listen.[70] In den 1990ern wurden weltweit eine Reihe von Leni-Riefenstahl-Ausstellungen eröffnet, die sich mit der Künstlerin und ihrem Werk befassten. Den Anfang machte die von der japanischen Designerin Eiko Ishioka konzipierte Exposition Leni Riefenstahl – Life im Bunkamura Museum in Shibuya, Tokio, bei deren Eröffnungsfeier im Dezember 1991 Riefenstahl anwesend war.

1992 wirkte Riefenstahl an ihrer Filmbiografie Die Macht der Bilder des Regisseurs Ray Müller mit. Sie gab ihm ausführliche Interviews, besuchte die Drehorte ihrer Filme und gewährte Einblick in ihren Arbeitsalltag. Außerdem durfte Müller sie bei der Feier zu ihrem 90. Geburtstag und bei Fotoshootings mit Siegfried und Roy in Las Vegas sowie mit Helmut Newton filmen. Die Macht der Bilder wurde 1993 veröffentlicht und mit dem Emmy ausgezeichnet. 1996 folgte durch Johann Kresnik am Kölner Schauspielhaus eine Übertragung ihrer Biografie auf die Bühne. Am 30. August 1997 wurde Riefenstahl von der Cineasten-Vereinigung Cinecon im kalifornischen Glendale mit einem Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, da sie „alle Facetten des Filmemachens repräsentiere.“[71]

Im Februar 2000 wurde Riefenstahl von Ray Müller in den Sudan begleitet, wo er sie für die 2003 erschienene Dokumentation Ein Traum von Afrika bei den Nuba filmte. Auf dem Rückflug nach Karthum im März 2000 stürzte sie mit einem Hubschrauber in der Nähe von al-Ubayyid ab und überlebte schwer verletzt. Im Oktober 2000 stellte Riefenstahl auf der Frankfurter Buchmesse das von Angelika Taschen herausgegebene Buch Leni Riefenstahl. Fünf Leben vor.

Riefenstahls Grab auf dem Münchner Waldfriedhof

2002 ließ sie sich für die knapp einstündige ZDF-Arte-Dokumentation Die Maßlosigkeit, die in mir ist – Sandra Maischberger trifft Leni Riefenstahl erneut von einem Kamerateam begleiten und von Sandra Maischberger über ihr Leben und Werk interviewen. Im selben Jahr erschien Riefenstahls 41-minütiger Dokumentarfilm Impressionen unter Wasser. Der Film zeigt eine Auswahl an Unterwasseraufzeichnungen aus 25 Jahren, in denen Riefenstahl mit ihrem Kameramann und Lebensgefährten Horst Kettner insgesamt über 2000 Tauchgänge absolviert hatte. Die Dokumentation erschien fast 50 Jahre nach Tiefland und war ihr letztes Werk. Mit Impressionen unter Wasser verfolgte Riefenstahl, die Anfang der 1990er Jahre aktives Mitglied bei Greenpeace geworden war, nach eigenen Angaben das Ziel, „ins Bewusstsein zu rufen, was die Welt verliert, wenn nichts gegen die Zerstörung der Meere unternommen wird.“[64]

Am späten Abend des 8. September 2003 starb Leni Riefenstahl kurz nach ihrem 101. Geburtstag in ihrem Haus in Pöcking. Sie wurde eingeäschert und ihre Urne am 12. September 2003 auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt.[72]

Wirkung und Rezeption[Bearbeiten]

Öffentliche Wahrnehmung der Person[Bearbeiten]

Schon zu ihren Lebzeiten galt Leni Riefenstahl als Legende[73][74] und auch nach ihrem Tod ist das öffentliche Interesse an ihrer Person ungebrochen. Sie wird in zahllosen wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Veröffentlichungen thematisiert, analysiert und rezensiert – und polarisiert dabei so stark wie kaum eine andere Persönlichkeit der Filmgeschichte. Die einen sehen in ihr Hitlers „Steigbügelhalterin“[75] und eine Propagandistin der nationalsozialistischen Ideologie und faschistischen Ästethik,[76] die anderen halten sie für eine begnadete Künstlerin, der es zum Verhängnis geworden sei, dass das NS-Regime ihre Werke zu Propagandazwecken missbraucht habe.[63][77]

In den 1930er Jahren stieg Riefenstahl in der öffentlichen Wahrnehmung vom „Bergfilm-Starlet“ zur anerkannten und gefeierten „Reichsfilmregisseurin“ auf und wurde im In- und Ausland für Das blaue Licht, Triumph des Willens und Olympia mit Preisen ausgezeichnet. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde Hitlers “Lady Friend” in Großbritannien und den Vereinigten Staaten jedoch weitgehend boykottiert.[78] Auch in Deutschland verkehrte sich das hohe öffentliche Ansehen Riefenstahls nach 1945 ins Gegenteil. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Entnazifizierungsverfahren, denen sich Riefenstahl von 1948 bis 1952 stellen musste, wurden ihre einst vorbehaltlos gefeierten Werke nun kritisch bewertet und eine rein künstlerische Motivation der Filmemacherin angezweifelt. Am 1. Mai 1949 wurde von der Illustrierten Revue erstmals über die Zwangsverpflichtung der später ermordeten Sinti und Roma-Komparsen für den Film Tiefland berichtet. Riefenstahl legte juristische Schritte gegen die Darstellung ein und erreichte unter anderem, dass der Verleger Helmut Kindler vom Amtsgericht München wegen übler Nachrede verurteilt wurde.[79]

In den 1960er Jahren ging die Berichterstattung über Riefenstahl zurück, jedoch wurden ihre ersten Nuba-Fotografien im In- und Ausland veröffentlicht. Ab den 1970er Jahren setzte vor allem im Ausland die sog. „Riefenstahl Renaissance“ ein: Die Künstlerin und ihre Dokumentarfilme wurden wiederentdeckt und zunehmend unkritisch gewürdigt.[80] Die britische Sunday Times beauftragte sie als Fotografin bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München und beim Telluride Film Festival 1974 wurde sie neben Gloria Swanson und Francis Ford Coppola mit der Silver Medallion für ihre Verdienste um die Filmkunst geehrt. Andrere berühmte Künstler wie Mick Jagger, Andy Warhol, George Lucas, Quentin Tarantino, Jodie Foster, Madonna oder Siegfried und Roy äußerten ihre Bewunderung und förderten damit die Rehabilitierung Riefenstahls. Jedoch gab es auch weiterhin kritische Stimmen und vereinzelte Proteste, wenn öffentliche Auftritte Riefenstahls angekündigt wurden.[71]

Als Riefenstahl 1987 ihre Memoiren veröffentlichte, waren die Reaktionen erneut geteilt. Während die New York Times das über 900 Seiten lange Werk als „fesselnd“ bezeichnete[70] und unter die 100 bemerkenswertesten Bücher des Jahres 1993 wählte,[81] bemängelten andere ein Fehlen an Selbstreflektion und kritischer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.[59][82] Zu ihrem 100. Geburtstag am 22. August 2002 sowie anlässlich ihres Todes am 8. September 2003 veröffentlichten zahlreiche Medien Retrospektiven auf ihr Leben und Werk.[83][84] In ihrem Nachruf fasste die britische Times die Rezeption der Künsterlin zusammen: „Leni Riefenstahl war die einzige Frau, die als Filmemacherin uneingeschränkt Anerkennung fand. Aber damit hört die einhellige Zustimmung auch schon auf. Sie wurde als Bösewicht, Heldin, Lügnerin, Betrügerin, Rassistin, Opfer einer patriarchischen Gesellschaft und vorbildliche Künstlerin um der Kunst willen porträtiert. Vielleicht hat der Filmhistoriker Liam O’Leary die Widersprüche am besten auf den Punkt gebracht, als er sagte: ‚Sie war ein künstlerisches Genie und ein politischer Trottel‘.“[85][83]

Rezeption des Werks[Bearbeiten]

Für viele Filmkenner sind die Reichsparteitagstrilogie und Olympia keine reinen Dokumentationen, sondern Propagandafilme und künstlerische Inszenierungen eines Führer- beziehungsweise Körperkults. Während Sieg des Willens aufgrund von einigen verwackelten und unscharfen Bildern sowie unfreiwillig komischen Szenen[86] als ästhetisch unvollkommen betrachtet wird, gilt Triumph des Willens als perfektionistisches Meisterwerk und bester Propagandafilm aller Zeiten.[87]

Zu den Markenzeichen der Parteitagsfilme werden insbesondere die bildliche Überhöhung Hitlers und die anmutig wirkende Massenchoreografie gezählt. Charakteristisch für Riefenstahls Olympia-Filme seien die idealisierte Darstellung von Kraft, Eleganz und Macht anhand muskulöser, makelloser Körper. Riefenstahl habe die faschistische Ästhetik zwar nicht erfunden, sie jedoch auf geniale Weise ins Medium Film übertragen.[88] Nachdem Riefenstahls Nuba-Bilder veröffentlicht worden waren, warf ihr die US-amerikanische Autorin Susan Sontag in ihrem 1975 erschienenen Essay Faszinierender Faschismus vor, mit den Fotografien im Einklang mit der Nazi-Ideologie physische Stärke und Mut zu glorifzieren und nahtlos an ihre propagandistischen Filme aus der Zeit des Nationalsozialismus anzuknüpfen.[89]

Obwohl ihre Werke umstritten sind, besteht unter Filmwissenschaftlern und -kritikern weitgehend Einigkeit, dass Riefenstahl mit ihrer für die damalige Zeit revolutionären, sehr dynamischen Schnitttechnik und der Verwendung ganz neuer Kameraperspektiven filmische Maßstäbe gesetzt hat,[90] die Generationen von Künstlern nach ihr beinflusst haben. George Lucas griff beispielsweise eine Einstellung aus Triumph des Willens für die Schlussszene in Krieg der Sterne auf,[91] Quentin Tarantino ließ sich während der Vorbereitungen für Inglourious Basterds von Riefenstahl inspirieren[92] und Rammstein provozierte im Musik-Video zum Cover des Depeche Mode-Lieds Stripped mit Filmmaterial aus Olympia. Auch Werbefilme und -kampagnen, Dokumentarfilme sowie Sportfotografien kämen ohne den Einfluss ihrer Werke nicht mehr aus.[93]

Riefenstahls Selbstverständnis[Bearbeiten]

Riefenstahl selbst sah in der Reichsparteitagstrilogie und Olympia rein dokumentarische Werke und wies die NS-Propaganda-Vorwürfe der Öffentlichkeit bis zuletzt vehement zurück: „Triumph des Willens ist ein Dokumentarfilm von einem Parteitag, mehr nicht. Das hat nichts zu tun mit Politik. Denn ich habe aufgenommen, was sich wirklich abgespielt hat und habe es insofern überhöht, als dass ich keinen Kommentar dazu gemacht habe. Ich habe versucht, die Atmosphäre, die da war, durch Bilder auszudrücken und nicht durch einen gesprochenen Kommentar. Und um das ohne Text verständlich zu machen, musste die Bildsprache sehr gut, sehr deutlich sein. Die Bilder mussten das sagen können, was man sonst spricht. Aber deswegen ist es doch keine Propaganda.“[94]

Sie behauptete außerdem, dass sie sich keine Gedanken über die Wirkung der Bilder gemacht und keine Ahnung von ihrer Begabung als Dokumentarfilmerin gehabt habe. In ihrem künstlerischen Wirken sei es ihr immer nur um Ästhetik, nicht um Ideologie gegangen.[95]

Stets betonte Riefenstahl, die nie Mitglied der NSDAP war, dass sie sich nicht für Politik interessiert habe.[96] Sie sei nur eine Mitläuferin des NS-Regimes gewesen und habe erst nach dem Krieg von dessen Verbrechen erfahren. An den Chefredakteur der deutsch-jüdischen Exilzeitung Aufbau in New York, Manfred George, schrieb sie 1949: „Ich bin fast wahnsinnig darüber geworden, und ich fürchte, dass ich niemals mehr frei werden kann von dem Alpdruck dieses ungeheuren Leidens.“[63] In späteren Interviews beteuerte sie immer, die NS-Verbrechen zu verurteilen. Gleichzeitig wehrte sie sich gegen jeden Schuldvorwurf: „[…] wo liegt denn meine Schuld? Sagen Sie mir das doch. Ich habe keine Atombomben geworfen, ich habe niemanden verleugnet. Wo liegt denn meine Schuld?“[97]

Filmische Ausdrucksmittel[Bearbeiten]

Riefenstahl legte bei ihren Filmen großen Wert auf ästhetische, harmonische Aufnahmen und Symbolik. Durch den Einfluss ihres Bergfilm-Mentors Arnold Fanck hatte sie ein Gespür für die Wirkung von Landschaften und Architektur entwickelt[98] und so wählte sie für die märchenhafte Handlung ihres Regiedebüts Das blaue Licht die malerische Kulisse der Brenta in Südtirol. Das Mystische der Erzählung unterstrich sie durch den Einsatz von Nebel, Licht und Schatten. Das blaue Licht, das in Vollmondnächten von einer Kristallgrotte ausgeht, symbolisiert die unerreichbaren Ideale des von Riefenstahl gespielten Bergmädchens Junta. Außerdem experimentierte sie mit Farbfiltern. Durch den Einsatz eines roten Filters gelang es ihr, den blauen Taghimmel auf den Aufnahmen fast schwarz erscheinen zu lassen, so dass sie auf Nachtdrehs mit Scheinwerfern verzichten konnte. Lange Szenen zerschnitt sie, damit die Handlung kurzweiliger wirkte – eine Technik, die sie ebenfalls bei Fanck gelernt hatte.

Der Triumph des Willens sollte interessanter als die statisch wirkende Wochenschau werden.[99] Die Regisseurin positionierte ihre Kameramänner deshalb an mehreren Orten, damit sie Filmmaterial aus unterschiedlichen Blickwinkeln erhielt, was ihr einen dynamischeren Schnitt ermöglichte. Zum ersten Mal in der Dokumentarfilmgeschichte wurden zudem mobile Aufnahmen gemacht. Die Kameramänner filmten auf Rollschuhen und aus fahrenden Autos, platzierten die Kamera in einem Fahnenstangen-Fahrstuhl oder fuhren mit ihr auf Schienen. Die Übergänge der einzelnen Szenen gestaltete Riefenstahl durch die Abstimmung der Grautöne und einen gezielten Toneinsatz (akustische Klammer) möglichst fließend. Ihre Erfahrungen als Tänzerin ließ sie in die Rhythmik der Bilder und in die Choreografie der marschierenden Truppen einfließen. Durch den Schnitt setzte sie dramaturgische Höhepunkte und erzeugte starke Kontraste zwischen der gesichtslosen Menschenmasse und der Einzelperson Hitlers. Dieser wurde zum ersten Mal in Großaufnahme gezeigt und durch Kameraperspektiven wie die Untersicht überhöht inszeniert. Da sie auf eine Kommentierung des Films verzichtete, ließ sie Bilder, Gesänge, Hakenkreuzfahnen und andere Symbole sprechen.

Beim Dreh von Olympia ließ sich Riefenstahl von der griechischen Antike inspirieren. Da sie keine Handlung hatte, inszenierte sie die Athleten wie antike Skulpturen und mythische Archetypen, indem sie die Kameras in Zeitlupe über die halbnackten, gestählten Körper und ihre Bewegungen fahren ließ. Um den Sportlern möglichst nahe kommen zu können, entwicktelte das Team viele neue Aufnahmetechniken. Es wurden Gruben ausgehoben, aus denen die Kameraleute die Stabhochspringer vor dem freien Himmel filmen konnten. Um die Sprints der Läufer aufzunehmen, entwarf die Crew eine Katapultkamera, die mit den Athleten mitgehen konnte. Des Weiteren kamen Ballon-, Unterwasser- und Schienenkameras zum Einsatz. Die Kameramänner verwendeten erstmals Teleobjektive mit einer Brennweite von 600 mm, um auch von weit entfernten Sportlern Nahaufnahmen anfertigen zu können. Wettkampfsequenzenen, die nicht eingefangen werden konnten, ließ Riefenstahl während des Trainings vordrehen. Dieses Material schnitt sie anschließend in die echten Wettkampfaufnahmen hinein, wodurch dramatische Szenen auf Spielfilmniveau entstanden.[100] Um den Marathonlauf nicht monoton erscheinen zu lassen, griff sie ebenfalls zu Elementen des Spielfilms. Die Aufnahmen zeigen die erschöpften Läufer, gleichzeitig vermittelt die eingespielte, antreibende Musik jedoch ihren ungebrochenen Willen, das Ziel zu erreichen.[101] Neu war auch, dass Riefenstahl die Turmsprungszenen in unterschiedlicher Schnelligkeit und teilweise rückwärts ablaufen ließ. In beiden Teilen wechselt die Kameraführung zwischen reportagehaftem Panorama, Schwenk, Passagen aus der Untersicht, in Zeitlupe, mit subjektiver Kamera und Parallelfahrten. Die Montage legt Schwerpunkte auf symbolische Überhöhung durch optische Überblendungen, auf emotionalisierende Musik oder auf die Spannung zwischen sportlichem Wettkampf und Publikumsanfeuerung. Ein weiteres Gestaltungsmerkmal ist der Wechsel zwischen rein musikalisch illustrierten Passagen und Teilen, die durch Sprecher und Publikumsreaktionen scheinbar authentisch kommentiert wirken.

Verhältnis zu Hitler[Bearbeiten]

Riefenstahl und Adolf Hitler, 1934

Über das Verhältnis von Leni Riefenstahl zu Adolf Hitler wurde schon in den 1930er und 1940er Jahren viel spekuliert. Dabei wurde der Regisseurin mehrfach unterstellt, eine sexuelle Beziehung mit dem Reichskanzler unterhalten zu haben. Auch nach dem Tod des Diktators wurde die Gerüchteküche immer wieder mit angeblichen Enthüllungen angeheizt. So sollte beispielsweise aus den vermeintlich echten Tagebuchaufzeichnungen von Eva Braun, die Riefenstahls ehemaliger Schauspielkollege Luis Trenker dem Boulevardblatt Wochenend zugespielt hatte, hervorgehen, dass die Regisseurin nackt vor Hitler getanzt habe. 1948 legten die Angehörigen Brauns und Riefenstahl rechtliche Schritte gegen den Verlag ein. Vor Gericht erwirkten sie eine einstweilige Verfügung, laut der die Aufzeichnungen eine völlig freie Darstellung aus der Feder eines noch unbekannten Autors im Tagebuch-Ich-Stil seien.[102] Trenkers Erklärung, wie er zu den Aufzeichnungen gekommen sei, stellte sich als fadenscheinig heraus und später räumte er ein, dass er „nur einen Jux mitgemacht habe.“[102]

Riefenstahl selbst bestritt stets, das zwischen ihr und Hitler mehr als eine rein freundschaftlich-berufliche Beziehung bestanden habe. Sie habe zwar gespürt, dass Hitler sie durchaus „als Frau begehrte“, aber zu Intimitäten sei es nie gekommen. Der bekanntgewordene Schriftwechsel, in dem sich die Regisseurin und der Reichskanzler siezen, ist herzlich und förmlich zugleich und unterstützt Riefenstahls Aussage. Auch der Pressechef der NSDAP, Otto Dietrich, sprach von einer über Jahre andauernden künstlerischen, kameradschaftlich-freundschaftlichen Verbundenheit der beiden.[103] Riefenstahl erklärte ihre Freundschaft zu Hitler damit, dass sie zwischen dem Politiker und dem „Menschen Hitler“ differenziert habe. Sie leugnete nie, dass sie der Persönlichkeit des Diktators verfallen war. Sie habe an das Gute in ihm geglaubt und das Dämonische aus Verblendung zu spät erkannt.[104]

Hitler verehrte Riefenstahl vor allem als Künstlerin, über die er einmal sagte: „Vier Paradefrauen habe ich gehabt: Frau Troost, Frau Wagner, Frau Scholtz-Klink und Leni Riefenstahl.“[105]

Pressestimmen zum Tod Leni Riefenstahls[Bearbeiten]

Der Daily Telegraph zitierte am 10. September 2003 die Reaktionen Europäischer Zeitungen auf Riefenstahls Tod:

The Guardian: „Leni Riefenstahl blieb bis zuletzt ein Magnet für die Kontroverse. Das Interesse an ihrem Leben und Schaffen versiegt auch jetzt nicht. Madonna und Jodie Foster haben in den frühen 90er Jahren viel Zeit damit verbracht, die Rechte für die Riefenstahl-Memoiren zu bekommen. Riefenstahl nahm mit ihrer mystischen Kameraführung und der Einführung der Dominanz des Bildes in die Politik die Gigantik des Hollywood-Megafilms vorweg. Ihre frühen Filme geben Historikern und Cineasten schwierige Fragen über das Verhältnis zwischen der größten Tragödie des 20. Jahrhunderts und seiner größten Kunstform auf.“

Kommersant: „Die gesamte Kunst Riefenstahls dokumentiert ihre Gleichgültigkeit darüber, mit welchem ideologischen Gedankentum die Schönheit ausgefüllt ist.“

Iswestija: „Leni Riefenstahl war eine der widersprüchlichsten Personen nicht nur in der Geschichte des Kinos, sondern des gesamten 20. Jahrhunderts.“

Gaseta: „Wie auch immer man zur Persönlichkeit Leni Riefenstahls steht, muss man ihre Bedeutung für die Kultur und die Geschichte des 20. Jahrhunderts anerkennen […] Es gibt nicht viele, die so viel Einfluss auf die Entwicklung des Kinos genommen haben.“

Filmografie[Bearbeiten]

Darstellerin[Bearbeiten]

Regisseurin[Bearbeiten]

Produzentin[Bearbeiten]

  • 1932: Das blaue Licht
  • 1933: Sieg des Glaubens (Dokumentarfilm)
  • 1934: Triumph des Willens (Dokumentarfilm)
  • 1935: Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht (Dokumentarfilm)
  • 1937: Wilde Wasser
  • 1938: Olympia, 1. Teil – Fest der Völker (Dokumentarfilm)
  • 1938: Olympia, 2. Teil – Fest der Schönheit (Dokumentarfilm)
  • 1939: Dokumentation des Polenfeldzugs (Sonderfilmtrupp Riefenstahl)
  • 1943: Josef Thorak, Werkstatt und Werk (Dokumentarfilm)
  • 1944: Arno Breker – Harte Zeit, starke Kunst
  • 1944: Atlantik-Wall
  • 1954: Tiefland
  • 2002: Impressionen unter Wasser

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur und Bildbände[Bearbeiten]

Werke von Leni Riefenstahl[Bearbeiten]

Literatur über Leni Riefenstahl (Auswahl)[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • 1993: Die Macht der Bilder (The Wonderful Horrible Life of Leni Riefenstahl) – Regie: Ray Müller
  • 2001: Hitlers Frauen: Leni Riefenstahl – Die Regisseurin. 45 Min., ein Film von Guido Knopp, Produktion: ZDF
  • 2002: Die Maßlosigkeit, die in mir ist – Sandra Maischberger trifft Leni Riefenstahl. 59 Min., Movieman Productions München in Koproduktion mit ZDF/arte
  • 2003: Leni Riefenstahl – Ihr Traum von Afrika – Regie: Ray Müller
  • 2007: Hitlers nützliche Idole: Leni Riefenstahl – Die Regisseurin. Künstlerin und Opportunistin. 45 Min., ein Film von Oliver Halmburger und Anja Greulich, Produktion: ZDF, Erstsendung: 20. März 2007, Inhaltsangabe (Memento vom 11. Januar 2008 im Internet Archive) des ZDF.
  • 2015: Leni Riefenstahl – Der Preis des Ruhms, 45. Min., ein Film von Jens Monath, Produktion: ZDF.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Dez. 1991 – Jan. 1992: Leni Riefenstahl – Life im Bunkamura Museum in Shibuya, Tokio
  • Juni – Aug. 1996: Fotoausstellung im Barsokevitsch-Valokuvakeskus Photographic Centre im finnischen Kuopio
  • Juli – Okt. 1996: Leni Riefenstahl – der Rhythmus eines Blicks im Palazzo della Ragione in Mailand
  • April – Mai 1997: Leni Riefenstahl – der Rhythmus eines Blicks im Palazzo delle Esposizioni in Rom
  • Aug. – Sept. 1997: Fotoausstellung in der Galerie Andreas Schlüter in Hamburg
  • Dez. 1998 – März 1999: Leni Riefenstahl-Ausstellung im Filmmuseum Potsdam
  • Juli – Aug. 1999: Fotoausstellung in der Casa de Cultura de Calp im spanischen Calpe
  • April 2000: Fotoausstellung im Cultureel Centrum im belgischen Knokke-Heist
  • Sept. – Nov. 2004: Ausstellung im Ernst-Barlach-Museum in Wedel
  • Mai 2013 – Aug. 2013: Ausstellung im Dokumentationszentrum Prora

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leni Riefenstahl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Beschreibung der Leni Riefenstahl-Ausstellung vom 4. Dezember 1998 – 14. März 1999. In: Filmmuseum-Potsdam.de, abgerufen am 5. Mai 2015
  2. Quentin Tarantino verehrt Leni Riefenstahl. In: Spiegel Online. 1. August 2009, abgerufen am 5. Mai 2015
  3. a b Barbara Möller: Was die „Reichsgletscherspalte“ bis zuletzt verschwieg. In: DIE WELT. 2. Juni 2013, abgerufen am 5. Mai 2015
  4. Rainer Rother: Die Unberührbare. In: Berliner Zeitung. 10. September 2003, abgerufen am 5. Mai 2015
  5. Thomas Senne: Mythos Riefenstahl. In: Deutschlandradio Kultur. 15. Oktober 2005, abgerufen am 5. Mai 2015
  6. a b c d e f g h Die Ästhetin des absolut Schönen. Süddeutsche Zeitung. 19. Mai 2010, abgerufen am 5. Mai 2015
  7. a b Mario Leis: Leni Riefenstahl. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-50682-6, S. 9
  8. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 15, 18 f.
  9. a b Mario Leis: Leni Riefenstahl. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-50682-6, S. 15
  10. a b Birgit Haustedt: Die Wilden Jahre in Berlin. edition ebersbach, Dortmund 1999, ISBN 3-931782-59-X, S. 159
  11. Mario Leis: Leni Riefenstahl. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-50682-6, S. 14
  12. a b Mario Leis: Leni Riefenstahl. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-50682-6, S. 17
  13. a b c d e Wilhelm Kühlmann: Killy Literaturlexikon Band 9 Os – Roq. Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-022045-2, S. 632
  14. Laut Riefenstahls Memoiren sei sie an sechs Abenden und bei einigen Matinéen aufgetreten. Karin Wieland widerspricht dem und bestätigt in ihrer Biografie Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen – unter Berufung auf eine Auskunft des Archivars des Deutschen Theaters – nur zwei Auftritte am 16. und 20. Dezember 1923.
  15. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 104
  16. Claudia Lenssen: Leni Riefenstahl. Leben und Werk. Henschel Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89487-319-1, S. 23
  17. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 108
  18. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 107
  19. Arnold Fanck: Wie der heilige Berg entstand. In: Stadtarchiv Freiburg K 1/26, Ordner 35 Nr. 1a.
  20. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 124
  21. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 148
  22. a b c Hanno Loewy: Das Menschenbild des fanatischen Fatalisten oder: Leni Riefenstahl, Béla Balázs und DAS BLAUE LICHT. In: Institutionelles Repositorium der Universität Kontanz. 1999, abgerufen am 5. Mai 2015 (PDF)
  23. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 158 ff.
  24. Leni Riefenstahl: Memoiren. Knaus Verlag, München/Hamburg 1987, ISBN 3-8135-0154-X, S. 158
  25. Albert Speer versprach Riefenstahl später ein mehr als 200.000 Quadratmeter großes Studiogelände in der Welthauptstadt Germania, siehe Jens Monaths ZDF-Dokumentation Leni Riefenstahl – Der Preis des Ruhms aus dem Jahr 2015.
  26. 1952 brachte Riefenstahl Das blaue Licht erneut heraus. Sie hatte eine neue Fassung geschnitten, in der sie auch zuvor nicht verwendetes Filmmaterial nutzte. Die Rahmenhandlung des ursprünglichen Werks ging veloren, die Dialoge wurden neu synchronisiert und die Filmmusik von Giuseppe Becce neu vertont. In dieser Version wurde Balázs Name unter „Mitarbeit am Drehbuch“ genannt, wohingegen Riefenstahl für Buch, Regie und Bildgestaltung verantwortlich gezeichnet wurde, vgl. Hanno Loewy: Das Menschenbild des fanatischen Fatalisten oder: Leni Riefenstahl, Béla Balázs und DAS BLAUE LICHT. In: Institutionelles Repositorium der Universität Kontanz. 1999, S. 20, abgerufen am 5. Mai 2015 (PDF).
  27. Die Honorare für die Parteitagsfilme ermöglichten Riefenstahl den Bau der Villa Riefenstahl in Berlin.
  28. Der Film-Kurier Nr. 199 vom 25. August 1933 schrieb: „Vom Reichsparteitag der NSDAP wird auf Weisung der Reichsleitung von der Reichspropagandaleitung Hauptabteilung IV (Film) ein Film hergestellt, dessen künstlerische Leitung auf besonderen Wunsch des Führers Fräulein Leni Riefenstahl übernimmt […].“ Abgedruckt in Karin Wielands Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 298
  29. Raether hatte als Leiter der Hauptabteilung die Oberaufsicht inne und Fangauf oblag die technische Organisationsleitung.
  30. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 299 f.
  31. a b Timo Sackmann: Riefenstahl, Leni (1902–2003). In: Zukunft braucht Erinnerung – Das Online-Portal zu den historischen Themen unserer Zeit. 4. Oktober 2004, abgerufen am 5. Mai 2015
  32. Birgit Haustedt: Die Wilden Jahre in Berlin. edition ebersbach, Dortmund 1999, ISBN 3-931782-59-X, S. 194
  33. Britta Gürke: Abscheu und Faszination: Triumph des Willens. In: n-tv. 27. März 2009, abgerufen am 5. Mai 2015
  34. Leni Riefenstahl: Hinter den Kulissen des Reichsparteitagsfilms. In: leniriefenstahl.it, abgerufen am 5. Mai 2015
  35. Hermann Kappelhoff: Kriegerische Mobilisierung: Die mediale Organisation des Gemeinsinns. In: Multimediale Publikationen, Freie Universität Berlin. Berlin 2011, Kapitel 04 TAG DER FREIHEIT: Ein Fest der Verschmelzung, abgerufen am 5. Mai 2015
  36. Inhaltsangabe zu Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht. In: Online-Filmdatenbank. 29. September 2004, abgerufen am 5. Mai 2015
  37. In der sportgeschichtlichen Forschung ist jedoch umstritten, wer der tatsächliche Auftraggeber des Olympiafilms gewesen ist. Viele Forscher halten das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda für den wahren Auftraggeber, vgl. B. Hannah Schaub: Riefenstahls Olympia: Körperideale – ethische Verantwortung oder Freiheit des Künstlers? Fink Verlag, München 2003, ISBN 3-7705-3790-4, S. 19. Abrufbar in: Digitale Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek.
  38. Schreiben von Karl Ott, Ministerialrat im RMVP, an das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg vom 30. Januar 1936, vgl. Daniel Wildmann: Begehrte Körper: Konstruktion und Inszenierung des arischen Männerkörpers im Dritten Reich. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1998, ISBN 978-3-8260-1417-8, S. 30.
  39. Daniel Wildmann: Begehrte Körper: Konstruktion und Inszenierung des arischen Männerkörpers im Dritten Reich. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1998, ISBN 978-3-8260-1417-8, S. 30
  40. Laut Karin Wieland soll Riefenstahls Honorar lediglich 250.000 Reichsmark betragen haben, vgl. Karin Wieland: Dietrich & Riefenstahl – Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen. Deutscher Tachenbuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-423-34789-1, S. 330
  41. In der Literatur varrieren die Angaben zur Anzahl der Kameraleute zwischen 34 und 48, vgl. B. Hannah Schaub: Riefenstahls Olympia: Körperideale – ethische Verantwortung oder Freiheit des Künstlers? Fink Verlag, München 2003, ISBN 3-7705-3790-4, S. 21. Abrufbar in: Digitale Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek.
  42. B. Hannah Schaub: Riefenstahls Olympia: Körperideale – ethische Verantwortung oder Freiheit des Künstlers? Fink Verlag, München 2003, ISBN 3-7705-3790-4, S. 26. Abrufbar in: Digitale Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek.
  43. B. Hannah Schaub: Riefenstahls Olympia: Körperideale – ethische Verantwortung oder Freiheit des Künstlers? Fink Verlag, München 2003, ISBN 3-7705-3790-4, S. 28. Abrufbar in: Digitale Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek.
  44. 1958 schnitt die Regisseurin die Olympia-Filme neu; es kam zu Aufführungen in Berlin, Bremen und Hamburg. Der zweite Teil wurde in Götter des Stadions umbenannt.
  45. Peter V. Brinkemper: Leni Riefenstahls 100jähriges Vermächtnis für Hollywood. In: Heise Online. 22. August 2002, abgerufen am 6. Mai 2015.
  46. B. Hannah Schaub: Riefenstahls Olympia: Körperideale – ethische Verantwortung oder Freiheit des Künstlers? Fink Verlag, München 2003, ISBN 3-7705-3790-4, S. 13. Abrufbar in: Digitale Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek.
  47. a b Ulrich J. Klaus: Deutsche Tonfilme: Filmlexikon der abendfüllenden deutschen und deutschsprachigen Tonfilme nach ihren deutschen Uraufführungen. 13. Jahrgang, 1944/45, Klaus, Berlin/Berchtesgaden 2002, ISBN 3-927352-12-8, S. 231
  48. a b Reimar Gilsenbach, Otto Rosenberg: Riefenstahls Liste. Zum Gedenken an die ermordeten Komparsen. In: Berliner Zeitung. 17. Februar 2001, abgerufen am 5. Mai 2015
  49. a b Jörg Thomann: Statt Blumen: Riefenstahl droht neuer Prozess. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. August 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  50. Reimar Gilsenbach: Oh Django, sing deinen Zorn. Sinti und Roma unter den Deutschen. BasisDruck, Berlin 1993, ISBN 978-3-86163-054-8, S. 167
  51. a b Hanno Kühnert: Wenn Juristen Vergangenheit klären. In: Die Zeit. 27. März 1987, abgerufen am 5. Mai 2015
  52. Bogusław Drewniak: Der deutsche Film 1938–1945: Ein Gesamtüberblick. Droste, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0731-X, S. 456
  53. Riefenstahl: Der Staatsanwalt ermittelt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. August 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  54. Holocaust-Leugnung: Verfahren gegen Leni Riefenstahl eingestellt. In: Spiegel Online. 18. Oktober 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  55. Ermittlungsverfahren statt Glückwunsch-Telegramm. In: manager magazin. 22. August 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  56. In einem Schreiben aus dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda vom 10. September 1939 heißt es: „Am 5.9.39 übermittelte Major d. G. Kratzer des OKW eine Anordnung des Führers, nach der im Rahmen der Einsatzstelle des Propagandaministeriums ein ‚Sonderfilmtrupp Riefenstahl‘ aufzustellen war.“ Abgedruckt bei Jürgen Trimborn: Riefenstahl: Eine deutsche Karriere. 1. Auflage, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-7466-2033-3, S. 304
  57. Wilfried Mommert: Riefenstahl-Biografie „Eine deutsche Karriere“. In: Schwäbische Zeitung. 4. November 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  58. Siehe Leni Riefenstahl – Der Preis des Ruhms, ZDF-Dokumentation von Jens Monath (2015).
  59. a b Barbara Möller: Ein Genie auf dem Irrweg. In: Hamburger Abendblatt. 21. August 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  60. Von Steven Bach mit den Worten “Leni is captured in a snapshot at the moment gunfire begins at Konskie” kommentierte Schwarz-Weiß-Aufnahme von Riefenstahl.
  61. Peter Hartmann: Berlin 1936: Wie Olympia die Unschuld verlor. In: Die Weltwoche. Ausgabe 32/2008, abgerufen am 5. Mai 2015
  62. Siehe Leni Riefenstahl – Der Preis des Ruhms, ZDF-Dokumentation von Jens Monath (2015).
  63. a b c Alice Schwarzer: Leni Riefenstahl: Propagandistin oder Künstlerin?. In: EMMA. Januar/Februar 1999, abgerufen am 5. Mai 2015
  64. a b c Christopher Jones (Aufzeichnung): Ich habe einen Traum. In: ZEIT ONLINE. 22. August 2002, abgerufen am 5. Mai 2015
  65. Aufarbeitung der NS-Vergangenheit – Braunes Erbe vor Gericht. In: Süddeutsche Zeitung. 24. März 2009, abgerufen am 5. Mai 2015
  66. Wolfgang Benz: Die 101 wichtigsten Fragen – das Dritte Reich. Beck Verlag, München 2012, ISBN 978-3-406-64907-3, S. 85
  67. Thorben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. transcript Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-773-8, S. 215
  68. Als Leni Riefenstahl Mick Jagger fotografierte. In: Kurier.at vom 21. November 2014, abgerufen am 21. Mai 2015
  69. a b Tabellarischer Lebenslauf von Leni Riefenstahl. In: Lebendiges Museum Online. Abgerufen am 5. Mai 2015
  70. a b Best Sellers: October 3, 1993. In: The New York Times. 3. Oktober 1993, abgerufen am 9. Mai 2015 (englisch)
  71. a b Kevin Thomas: Film Group Honors Leni Riefenstahl. In: Los Angeles Times. 31. August 1997, abgerufen am 21. Mai 2015 (englisch)
  72. Weitere Ansichten des Grabs von Leni Riefenstahl auf knerger.de
  73. Anna Maria Sigmund: „Die Frauen der Nazis: Leni Riefenstahl – Die Amazonenkönigin.“ Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 978-3-800-03699-8, S. 117.
  74. Martina Kaden: Leni Riefenstahl: Sanfter Tod einer Legende. In: Berliner Zeitung. 10. September 2003, abgerufen am 5. Mai 2015.
  75. Siehe Jens Monaths ZDF-Dokumentation Leni Riefenstahl – Der Preis des Ruhms aus dem Jahr 2015.
  76. So beispielsweise Georg Seeßlen: Triumph des Unwillens. In: taz. 22. August 2002, abgerufen am 6. Mai 2015; Susan Sontag: Fascinating Fascism. In: The New York Review of Books., Ausgabe vom 6. Februar 1975, abgerufen am 5. Mai 2015; Peter Reichel: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus. Fischer, Frankfurt am Main 1993, S. 269 f.
  77. Richard Corliss: That Old Feeling: Leni’s Triumph. In: TIME Magazine. 22. August 2002, abgerufen am 21. Mai 2015 (englisch)
  78. „Snubbed, she leaves“. In: The Tampa Daily Times, 12. Dezember 1938, S. 1 (pa/usa). Lecture By Leni Riefenstahl, Nazi Movie Maker, Canceled After Protests. In: The New York Times, 09-01-1960, S. 2. Zu den Vorführungen des NS-Films Triumph des Willens in New York. In: FAZ, 30. Juni 1960. Leni Riefenstahl in England nicht willkommen. In: Abendzeitung, 15. Dezember 1960
  79. Schreiendes Unrecht. In: Spiegel Online. 26. November 1984, abgerufen am 8. Mai 2015.
  80. Thorben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. transcript Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-773-8, S. 214
  81. Notable Books of 1993. In: The New York Times. 5. Dezember 1993, abgerufen am 9. Mai 2015 (englisch)
  82. Leni Riefenstahl. In: Wissen.de, abgerufen am 9. Mai 2015
  83. a b Reaktionen zum Tod Leni Riefenstahls. In: Deutsche Welle. 10. September 2009, abgerufen am 8. Mai 2015.
  84. Leni Riefenstahl. In: The Telegraph. 10. September 2003, abgerufen am 9. Mai 2015 (englisch)
  85. Leni Riefenstahl – Director whose films of the Nazi era combined a disturbing dimension of genuine art with the naked propaganda of their message. In: The Times. 10. September 2003, abgerufen am 8. Mai 2015.
  86. In einer Szene bekommt Hitler beispielsweise einen Blumenstrauß überreicht, mit dem er offensichtlich nichts anzufangen weiß und den er deshalb Rudolf Heß in die Hand drückt. In einer anderen Szene kämpft er mit seinen zerzausten Haaren.
  87. Ray Müller in der Dokumentation Die Macht der Bilder
  88. Beatrix Novy: NS-Olympiade in ästhetisch-heroisierenden Bildern. In: Deutschlandradio Kultur. 20. April 2013, abgerufen am 21. Mai 2015
  89. Susan Sontag: Fascinating Fascism. In: The New York Review of Books., Ausgabe vom 6. Februar 1975, abgerufen am 5. Mai 2015
  90. Jan Gimpel:Der wichtigste Film Leni Riefenstahls wird immer stärker als Meisterwerk gesehen. In: Tagesspiegel. 2. Januar 2000, abgerufen am 9. Mai 2015
  91. Christiane Kuller: Der Führer in fremden Welten: Das Star-Wars-Imperium als historisches Lehrstück? In: Zeithistorische Forschungen. Heft 1/2006, abgerufen am 21. Mai 2015
  92. Quentin Tarantino verehrt Leni Riefenstahl. In: Focus Online. 1. August 2009, abgerufen am 21. Mai 2015
  93. Wiebke Brauer: Die Frau, die den perfekten Nazi-Körper schuf. In: Spiegel Online. 19. April 2008, abgerufen am 21. Mai 2015
  94. Zitate von Leni Riefenstahl: „Ich bedaure zu 100 Prozent, Hitler kennengelernt zu haben“ – Eine Sammlung von Zitaten Leni Riefenstahls über ihr Leben, den Tod und ihr Werk. In: Spiegel Online. 9. September 2003, abgerufen am 7. Mai 2015
  95. Riefenstahl im Interview für die Dokumentation Sandra Maischberger trifft Leni Riefenstahl (2002).
  96. Gleichwohl war sie ohne Bedenken bereit, ihren Einfluss zugunsten von Parteiinteressen einzusetzen. So intervenierte sie 1936 bei Goebbels gegen die Ernennung des vom Deutschen Archäologischen Institut ausersehenen Kandidaten zum Leiter des Zweiginstituts in Athen und verschaffte die Stelle einem Bewerber, der Landesgruppenleiter der NSDAP/AO in Griechenland war. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Roemische Abteilung, 77 (1970), S. VII, X. Auch soll sie 1934 gegenüber einem britischen Reporter ihre Begeisterung über Hitlers Buch Mein Kampf geäußert haben: „Das Buch machte auf mich einen enormen Eindruck“, bekannte sie. „Ich wurde ein überzeugter Nationalsozialist, nachdem ich die erste Seite gelesen hatte.“ (Pembroke Stevens: Hitler – By A Woman. His Film Star Friend Flies here. Daily Express, 26. April 1934.)
  97. Riefenstahl in einem Interview-Ausschnitt in der Dokumentation Leni Riefenstahl – Der Preis des Ruhms (2015)
  98. Jerzy Toeplitz: Geschichte des Films, hier: Der Film im Zeichen des Hakenkreuzes. Aus dem Polnischen übertragen. Rogner und Bernhard, München 1987, Reprint bei Zweitausendeins
  99. Aussage Riefenstahls in Ray Müllers Dokumentarfilm Die Macht der Bilder.
  100. Ray Müller in der Dokumentation Die Macht der Bilder
  101. Riefenstahl in Ray Müllers Dokumentarfilm Die Macht der Bilder
  102. a b Marc von Lübke: Gefälschtes Eva-Braun-Tagebuch: Als Leni nackt vor Hitler tanzte. In: Spiegel Online. 26. Februar 2015, abgerufen am 22. Mai 2015
  103. Jürgen Trimborn: Riefenstahl: Eine deutsche Karriere. 1. Auflage, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-7466-2033-3, S. 131
  104. André Müller: „Man will, dass ich mich schuldig fühle – man will, dass ich tot bin“ (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive). In: Die Weltwoche, Nr. 33, 2002 (Interview mit Riefenstahl).
  105. Werner Jochmann (Hrsg.): Monologe im Führerhauptquartier 1941–1944, nach den Aufzeichnungen des Heinrich Heim. Albrecht Knaus, Hamburg 1980, S. 235. Vorabdruck in Der Spiegel ab Nr. 11, 1980; das Zitat nur in Vorab-Ankündigung des Herausgebers,  Rudolf Augstein: Feldherr bin ich wider Willen. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1980 (online).