Digitale Kinokamera

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Arri Alexa 65 - Kamera
Sony F55 - Kinokamera
Canon C300 - Kamera
Red Epic Dragon im Weltraum
,,Panavized''- Arri Alexa
2 Arri Alexa als 3D-Setup

Digitale Kinokameras werden bei Filmproduktionen aller Etatgrößen etwa seit der letzten Jahrhundertwende zunehmend als Ergänzung zu oder Ersatz für herkömmliche 16-mm- oder 35-mm-Filmkameras verwendet. Anstelle von fotografischem Film setzen diese Kameras Bildsensoren und digitale Medien zur Bildaufzeichnung ein. Die Angaben 16 mm oder 35 mm dienen bei digitalen Kinokameras wie bei mechanischen Kameras zur Kennzeichnung der belichteten Fläche und sind in der Regel mit den entsprechenden Objektiven der Filmkameras kompatibel.

Auflösungsvergleich beim Seitenverhältnis 16:9[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Grafik zeigt einen Auflösungsvergleich verschiedener Systeme:

  • SD-Auflösung
  • 1080p-Auflösung (gängige HDTV-Auflösung im Consumer Bereich)
  • 4K UHD Auflösung (Arri Alexa SXT, Sony F65/F55, Canon C700/C500/C300Mk2, Panasonic Varicam )
  • 8K UHD (Red Weapon Vistavision, Red Helium)

UHDTV resolution chart.svg

Einsatzgründe (pro und contra)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn, insbesondere in Deutschland, noch viel Unsicherheit und kontroverse Diskussionen hinsichtlich der digitalen Kinoproduktion existieren, sind doch Pro und Contra leicht zu trennen. Die Bedenken bei der Transformation von chemisch-mechanischen Methoden hin zu digitalen sind klassische Kritik ähnlich wie beispielsweise beim Übergang von der traditionellen Fotografie zur elektronischen, vom Tonband zum Hard-Disk-Rekorder, vom Bleisatz zu Desktop-Publishing, von der Rillenschallplatte zur Compact Disc usw.

Die Hauptgründe für den Einsatz von digitaler Kinoproduktion sind

  • Sofortige Prüfung des Ergebnisses am Drehort. Bei der Aufzeichnung auf Negativ kann erst nach der Entwicklung und Abtastung überprüft werden, ob die Aufnahmen technisch und inhaltlich einwandfrei sind.
  • Geräuschentwicklung. Analoge Filmkameras verursachen aufgrund des sich bewegenden Filmmaterials eine bisweilen deutliche Geräuschentwicklung, was bei Tonaufnahmen sehr störend sein kann.
  • Größere Produktionssicherheit. Digitale Daten können sofort dupliziert werden.
  • Effizienterer Workflow. Bestimmte Arbeitsschritte entfallen ganz (Filmabtastung) oder rücken zeitlich näher zusammen (Videomuster sind unter Umständen bereits am Set verfügbar).
  • Senkung der Aufnahmekosten. Filmnegativ als Rohmaterial ist im Vergleich zu Videobändern relativ teuer. Gleiches gilt für die Weiterverarbeitung (Entwicklung, Video-Abtastung, Kopierung, Schnitt usw.).
  • Längere Laufzeit. Aufgrund der endlichen Rollenlänge sind Aufnahmen auf Negativmaterial zeitlich begrenzt. Bei Aufnahmen auf 35-mm-Negativ lassen sich beispielsweise Aufnahmezeiten ohne Unterbrechung von ca. 11 Minuten (4-Perf) bis zu 22 Minuten (2-Perf) realisieren. Bei der digitalen Aufzeichnung sind deutlich höhere Aufnahmezeiten von bis zu 50 Minuten möglich (zum Beispiel mit dem Sony SRW-1 Fieldrecorder). In der Praxis sind noch längere Zeiten üblich, vor allem auf Festplatten, und werden oft eingesetzt, insbesondere für Dokumentationen. Die 2008 und 2009 meistverkaufte 35-mm-Kamera bspw. ist digital und bietet derzeit 320 Minuten in 4K- und rund 1200 Minuten in 2K-Auflösung ununterbrochene Aufzeichnungskapazität pro digitalem Magazin.
  • Archivierung. Während Filmmaterial weder verlustfrei umkopiert noch absolut sicher als Original auf Dauer an verschiedenen Orten parallel gesichert werden kann, ermöglichen digitale Kinokameras (wie alle digitalen Datensysteme) ein unendlich oft identisch kopierbares und räumlich dezentral gleichzeitig verwahrbares Master. Alterungsprozesse des Trägermaterials, bei chemischem Film unvermeidbar, gibt es bei digitalem Material in dieser Form nicht. Weiterhin können Originale digitaler Aufzeichnung auch Dritten zugänglich gemacht werden, ohne das Original in Mitleidenschaft zu ziehen, was bei Film nicht möglich ist.
  • Höherer Kontrastumfang; Spezialkameras wie bspw. die Spheron HDRv bieten 20 Blenden Helligkeitsumfang, erheblich mehr als typisches 35-mm-Filmnegativ.

Der Hauptgrund gegen den Einsatz von digitalen Kinokameras ist:

- Die andere Bildästhetik. Viele namhafte Regisseure und Kameraleute bevorzugen nach wie vor den ,,Look'' vom analogen Filmmaterial gegenüber Digitalbildern. Auch wenn die technische Bildqualität moderner Digitalkameras mittlerweile sogar den analogen Film übertrifft, so können sie aber nicht die Ästhetik von chemischem Film gänzlich nachstellen. Digitalkameras werden von vielen als ,,zu sauber'' wahrgenommen. Berühmte Regisseure die aus diesem Grund nach wie vor ausschließlich auf analogem Film drehen sind Steven Spielberg, Christopher Nolan, Quentin Tarantino

Oft angemerkt wird, dass in der Praxis digital häufig deutlich mehr Material gedreht wird, da die Kosten und die Arbeitsunterbrechung beim Materialwechsel vernachlässigbar sind. Dies begrüßen manche Filmschaffende, bspw. Dokumentarfilmer, oft, wobei allerdings mehr gedrehtes Material nicht nur einen Vorteil darstellen kann: Zwar kann gegebenenfalls die eine wichtige Aufnahme digital aufgezeichnet sein, mehr Material bedeutet meist jedoch auch erhöhte Kosten in der Postproduktion.

Anbieter und Marktsituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftsmodelle der Kamerahersteller unterscheiden sich deutlich. Panavision vermietet seine eigene Millennium DXL-Kamera sowie von ihnen modifizierte digitale Kameras von anderen Herstellern (Arri, Sony) ausschließlich über eigene Rentalhäuser. Arri, Sony, RED Digital Cinema und Canon verkaufen ihre Kameras.

Sony, die im Jahr 2000 als erstes den Markt betraten und außerdem an der Entwicklung der Panavision Genesis beteiligt waren, spielen heutzutage bei Kinofilmen eine eher untergeordnete Rolle. Der Großteil aller digitalen Kinofilme wird auf digitalen Kameras von Arri oder RED gedreht. Sonys aktuelle Flaggschiff-Kamera, die F65, hat bei den großen Hollywood Blockbustern bis auf die Filme Oblivion und After Earth wenig Referenzen vorzuweisen. Sonys günstigere CineAlta-Kameras werden jedoch auch gerne von semiprofessionellen Anwendern eingesetzt und sind auf diesem Markt sehr erfolgreich.

Das 2005 in den Markt eingetretene Start-up-Unternehmen Red Digital Cinema Camera Company konnte sich sehr schnell am Markt etablieren. Schon ihre erste Kamera RED ONE konnte den ein oder anderen Hollywood Blockbuster einfangen (Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten, Die Muppets, District 9). Mit der RED EPIC gelang ihnen aber der endgültige Durchbruch (Der Hobbit, Elysium, Pacific Rim, Der große Gatsby, The Amazing Spider-Man, Prometheus etc.) Gerade für 3D-Filme wird diese Kamera aufgrund der kompakten Größe sehr gerne eingesetzt.

Arri ist mit den digitalen Alexa-Kameras sehr erfolgreich am Markt. Der Großteil aller internationalen TV-Serien und TV-Spielfilme wird heutzutage auf Alexa-Kameras gedreht. Viele große Hollywood-Blockbuster der letzten Jahre wurden auf der Alexa gedreht (James Bond 007: Skyfall, The Avengers, Iron Man 3, Hugo, Gravity, World War Z, Thor – The Dark Kingdom und viele andere).

Aber auch im Werbebereich ist die Kamera sehr erfolgreich. Alle Filme, die bei den Academy Awards 2014 in der Kategorie Beste Kamera oder Bester Film nominiert sind, wurden auf digitalen oder analogen Arri-Kameras gedreht.

Panavision waren mit der (in Kooperation mit Mitbewerber Sony entwickelten) Genesis-Kamera schon früh im Digitalmarkt vertreten. Nachdem andere Hersteller aber nach ein paar Jahren modernere, leistungsstärkere Systeme auf den Markt brachten wurde die Genesis komplett vom Markt verdrängt. Daraufhin gab es von Panavision lange keine eigene Kamera mehr und sie konzentrierten sich stattdessen darauf die Kameras ihrer Mitbewerber zu verleihen. Seit 2017 hat Panavision mit der Millennium DXL wieder eine eigene digitale Kinokamera im Angebot die ausschließlich exklusiv über ihrer eigenen Rentalhäuser zu mieten ist. Die Kamera wurde in Kooperation mit dem Mitbewerber Red Digital Cinema entwickelt.

Canon stieg im November 2011, nach dem großen Erfolg ihrer Spiegelreflexkameras mit Video-Funktion im Amateurbereich bzw. semiprofessionellen Bereich, ebenfalls in das Geschäft digitaler Kinokameras ein. Für Kinofilm und Serienproduktionen sowie Werbespots konnten sich die ,,Cinema Eos'' getauften Kameras jedoch nie wirklich als Hauptkameras etablieren. Dafür sind sie jedoch als Dokumentarfilmkamera oder als EB-Spezialkamera (mit geringer Tiefenschärfe) und bei semiprofessionellen Anwendern sehr erfolgreich.

Moderne digitale Kinokameras[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aufgeführten digitalen Kinokameras stellen über 95 Prozent des aktuellen Marktes dar.

Das Kriterium für die Aufnahme in die Tabelle:

  • Nutzung durch mehrere namhafte Regisseure als A-Kamera für internationale große Filmproduktionen in der aktuellen Zeit/Marktsituation

Spezialkameras (zum Beispiel High-Speed-Kameras, Consumer-Cameras, DSLRs etc.) werden der Übersichtlichkeit halber nicht aufgeführt.

Hersteller Modell Speichermedium Sensor-
format/ -größe
Sensor-
auflösung
Ausgabe-
auflösung
Bildwiederhol-
raten
Objektiv-
anschluss
Sucher-
optionen
Format Kontrastumfang Empfindlichkeit seit
Sony Venice externer Rekorder Vollformat CMOS 6048 × 4032 6K, 4K, 2K, HD max.: 30 fps (6K), 60 fps (4K) Arri PL elektronisch 16 bit RAW

XAVC

15 Blenden ISO 500 & 2500 (nativ) 2017
Sony F55 externer Rekorder 16:9 S35 CMOS 4096 × 2160 4K, 2K, HD max.: 60fps (4K), 280 fps (2K) Arri PL elektronisch 16 bit RAW, XAVC 14 Blenden ISO 1250 (nativ) 2013
Arri Alexa 65 Codex SXT Drive 5-perf 65 mm CMOS 6560 × 3100 6,5K / 5K / 4K max.: 60 fps Arri XPL elektronisch ARRIRAW 14 Blenden ISO 800 (nativ) 2014
Arri Alexa LF Codex SXT Drive Vollformat CMOS 4448 × 3096 4,5K / 4K / 2K / HD max.: 90 fps Arri LPL elektronisch ARRIRAW / ProRes 14 Blenden ISO 800 (nativ) 2018
Arri Alexa SXT W Codex SXT Drive 4:3 S35 CMOS 3424 x

2202

3,4K / 2,8K / 2K / HD max.: 120 fps Arri PL elektronisch ARRIRAW / ProRes 14 Blenden ISO 800 (nativ) 2017
Arri Alexa Mini CFast 2.0 4:3 S35 CMOS 3424 x

2202

3,4K / 2,8K / 2K / HD max.: 200fps Arri PL elektronisch ARRIRAW / ProRes 14 Blenden ISO 800 (nativ) 2015
Red Monstro RED Mini Mag Vollformat

CMOS

8192 × 4320 8K max. 60 fps Arri PL, Canon EF, Nikon AF-S/D, Leica M elektronisch Red RAW /

ProRes

14 Blenden ISO 800 (nativ) 2017
Red Helium RED Mini Mag 16:9 S35 mm CMOS 6144 × 3166 8K max. 60fps Arri PL, Canon EF, Nikon AF-S/D, Leica M elektronisch Red RAW /

ProRes

14 Blenden ISO 800 (nativ) 2016
Red Gemini RED Mini Mag 16:9 S35 mm CMOS 5120 × 3000 5K max. 96fps Arri PL, Canon EF, Nikon AF-S/D, Leica M elektronisch Red RAW /

ProRes

14 Blenden ISO 800 (nativ) 2017
Canon C700 FF CFast 2.0 Vollformat

CMOS

5952 × 3140 5,9K / 4K / 2K max. 60fps Arri PL, Canon EF elektronisch RAW, XF-AVC 15 Blenden ISO 850 (nativ) 2018
Canon C700 CFast 2.0, Codex Capture Drive 16:9 S35 CMOS 4622 × 2469 4,5K, 4K, 2K, HD max. 120fps (4K RAW) Arri PL, Canon EF elektronisch RAW, ProRes, XF-AVC 14 Blenden ISO 850 (nativ) 2017
Panavision Millenium DXL 2 RED Mini Mag Vollformat

CMOS

8192 × 4320 8K max. 60 fps Arri PL, Canon EF, Nikon AF-S/D, Leica M elektronisch Red RAW /

ProRes

14 Blenden ISO 800 (nativ) 2018
Panasonic Varicam 35 externer Rekorder, SDXC-Karte (UHS-II) 16:9 S35 CMOS 4096 × 2160 4K, UHD, 2K, HD max. 120fps (4K & 2K) Arri PL elektronisch RAW, ProRes 14 Blenden ISO 800 & 5000 2015

Künstler und Pioniere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einsatz von digitaler Bewegtbildproduktion wird oft von Kameramännern, Regisseuren und Produzenten vorangetrieben. Neben weniger bekannten Filmschaffenden und unabhängigen Produktionsfirmen nutzen zahlreiche namhafte Vertreter digitale Kinokameras, zum Beispiel:

Die sechs Filmemacher James Cameron, Robert Zemeckis, David Lynch, Jean-Jacques Annaud, Tim Burton und Anthony Dod Mantle nutzten spezielle Vorteile der digitalen Kinoproduktion und demonstrierten damit deren vielseitige Einsetzbarkeit. Annaud mischte 35-mm-Film und HDCAM. Burton produzierte mit einer äußerst günstigen digitalen Spiegelreflexkamera Animation und James Cameron machte Unterwasser-3-D-Aufnahmen. David Lynch produzierte mit einer digitalen Kleinkamera. Robert Zemeckis produziert seine Filme mit Motion Capture. Anthony Dod Mantle produzierte mit dem besonders kompaktem Kamerakopf der SI-2K von P+S Technik authentische Bilder realer Szenen auf Mumbais Straßen.

Verbreitung und Perspektive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2007 ist die Mehrheit aller verkauften, seit 2008 die Mehrheit aller gelieferten 35-mm-Kameras digital. 2009 wurde erstmals der Oscar für die beste Kameraarbeit an einen größtenteils mit digitalen Kinokameras gedrehten Film vergeben. 2010 schließlich wurde ein mit digitalen Kinokameras gedrehter Film, Avatar, der einspielstärkste Film in der Kinogeschichte.[1] Bei Neuverkäufen übertreffen digitale Kinokameras mechanische Kameras inzwischen erheblich, insbesondere im 35-mm-Segment.

2011 beendeten die beiden wichtigsten Filmkamerahersteller, Arri und Panavision, die Serienfertigung von Filmkameras. Beide fertigen nun nur noch digitale Kinokameras, im Verleih gibt es jedoch bei beiden noch mechanische Kameras.

In den Kinos ist die Verdrängung von Film durch digitale Wiedergabe inzwischen fast so weit fortgeschritten wie in der Fotografie, über 99 % aller verkauften Projektoren sind digital, und auch die Mehrzahl der bestehenden Kinos sind entweder bereits auf digitale Projektion umgestellt oder befinden sich derzeit in der Umrüstung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Stump: Capturing the Shot. Fundamentals, Tools, Techniques, and Workflows for Digital Cinematography. London: Routledge 2014. (Kindle Edition.) ISBN 978-0-24081791-0
  • Carolyn Giardina, Gregg Kilday: Cinematographer Roundtable: Film vs. Digital, Working With Scorsese and Which Phone Takes the Best Pictures. In: The Hollywood Reporter. 6. Januar 2017. online

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Avatar“ bei Box Office Mojo. Abgerufen am 15. August 2011 (englisch).