Glutethimid

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Strukturformel
Struktur von Glutethimid
Allgemeines
Freiname Glutethimid
Andere Namen
  • 3-Ethyl-3-phenyl-2,6-piperidindion
  • 3-Ethyl-3-phenylpiperidin-2,6-dion (IUPAC)
Summenformel C13H15NO2
CAS-Nummer 77-21-4
PubChem 3487
ATC-Code

N05CE01

DrugBank DB01437
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Sedativum, Hypnotikum

Eigenschaften
Molare Masse 217,26 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

84 °C [1]

pKs-Wert

9,2 [1]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (999 mg·L−1 bei 30 C°);[1] leicht löslich in Ethylacetat, Aceton und Diethylether; löslich in Methanol[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][3]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22
S: 36
Toxikologische Daten

600 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Glutethimid ist ein Arzneistoff, der als Sedativum und Hypnotikum verwendet wurde. Es wurde 1954 von Ciba patentiert und war in Deutschland unter dem Handelsnamen Doriden® auf dem Markt.

Chemisch gesehen gehört es – wie auch Methyprylon, Pyrithyldion und Thalidomid – zur Gruppe der Piperidindione. Diese wiederum sind strukturelle Abwandlungen der Barbiturate.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirkungsdauer von Glutethimid entspricht der von mittellang wirksamen Barbituraten. Seine Eliminationshalbwertszeit beträgt 5–22 h. Es hat gegenüber Barbituraten keine Vorteile.

Unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Intoxikation mit Glutethimid äußert sich ähnlich wie eine Intoxikation mit Barbituraten. Eine längerfristige Anwendung kann zur Abhängigkeit führen.

Synthese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glutethimid kann ausgehend aus Benzylcyanid synthetisiert werden. Dieses wird mit Natriumamid deprotoniert und mit Ethylbromid alkyliert. Das so erhaltene 2-Phenylbutansäurenitril wird dann einer Michael-Addition an Acrylsäurenitril unterworfen, das erhaltene 2-Ethyl-2-phenyl-1,5-pentandisäuredinitril wird sodann in Eisessig unter Schwefelsäurewirkung zu Glutethimid zyklokondensiert.[5] Das Zwischenprodukt 2-Phenylbutansäurenitril kann auch mit Methylacrylat umgesetzt werden. Der resultierende 4-Cyano-4-ethyl-4-phenylpentansäuremethylester kann dann analog mittels Eisessig und Schwefelsäure zur Zielverbindung zyklisiert werden. Während der gesamten Synthesesequenz wird mit recemischen Edukten und Zwischenverbindungen gearbeitet. Glutethimid fällt somit bei den Synthesevarianten als Racemat an.[6]

Glutethimide synthesis01.svg

Rechtsstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glutethimid ist in der Anlage II des deutschen Betäubungsmittelgesetzes gelistet und zählt somit zu den verkehrsfähigen, aber nicht verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. P. T. Ammon (Hrsg.): Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Aufl., Walter de Gruyter, Berlin u. New York, 2004. S. 662.
  • Eintrag zu Glutethimid. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 2. Januar 2015.
  • H. J. Roth, H. Fenner: Arzneistoffe. Thieme, Stuttgart u. New York, 1988. S. 270–271.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu Glutethimid in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)
  2. The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; ISBN 978-0-911910-00-1.
  3. a b c Datenblatt Glutethimide bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 3. April 2011 (PDF).
  4. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  5. Hampl, F.; Paleček, J. Farmakochemie. VŠCHT Praha, 2002. ISBN 8070804955 S. 116 (tschechisch)
  6. A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances - Synthesis, Patents, Applications, 4. Auflage (2001) Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9.
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