Großer Gott, wir loben dich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Evangelisches Gesangbuch, 1929

Großer Gott, wir loben dich ist die Anfangszeile eines ökumenischen deutschen Kirchenliedes, das 1771 von Ignaz Franz nach dem Te Deum (Dich, Gott, loben wir) aus dem 4. Jahrhundert verfasst wurde. Es ist eines der bekanntesten Kirchenlieder und wird wie das Te Deum oft in Gottesdiensten zu freudigen Anlässen oder bei Dankgottesdiensten gesungen, etwa zum Jahresschluss.

Als eines der wenigen ursprünglich katholischen Lieder wird es auch häufig im Protestantismus gesungen (EG 331, GL 380, MG 34). Es ist in seiner englischsprachigen Form (Holy God, we praise thy name) und durch die deutsche Auswanderung nach Nordamerika auch dort zu einem der am weitesten verbreiteten Kirchenlieder geworden.

Melodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekannte Melodie wurde zum ersten Mal im Katholischen Gesangbuch (Wien 1776)[1] abgedruckt. In der Folgezeit haben sich unterschiedliche Varianten herausgebildet. Die beiden heute gängigen, leicht unterschiedlichen Fassungen gehen auf Johann Gottfried Schichts Allgemeines Choralbuch (1819) und Heinrich Bones Gesangbuch Cantate (Mainz 1852) zurück. Hin und wieder vorgeschlagene Alternativmelodien haben sich nicht durchsetzen können.

Melodie von Wien um 1776, Heinrich Bone 1852 (Text von Ignaz Franz 1771):

 \relative c'
{ \key f \major \time 3/4 \small \repeat volta 2 { f2 f4 f4 (e4 ) f4 g4 (a4 ) g4 f2 r4 \break \override Staff.Clef #'break-visibility = ##(#f #f #f) a2 a4 a4 (g4 ) f4 c'4 (bes4 ) a4 a4 g4 r4 } { \break g2 a4 bes2 g4 a2 bes4 c2 r4 \break d2 d4 c4 (bes4 ) a4 bes4 (a4 ) g4 f2. \bar "|." }}
\addlyrics { \small \set stanza = #"1. " Gro -- ßer Gott, wir lo -- ben dich; Herr, wir prei -- sen dei -- ne Stär -- ke. Wie du warst vor al -- ler Zeit, so bleibst du in E -- wig -- keit. }
\addlyrics { \small Vor dir neigt die Er -- de sich und be -- wun -- dert dei -- ne Wer -- ke. }

Quelle: Gotteslob Nr. 380

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großer Gott, wir loben dich, Erstfassung 1776

Der Text paraphrasiert den lateinischen Hymnus Te Deum in der Liturgie der lateinischen Kirche und wurde von dem Priester Ignaz Franz (1719–1790) gedichtet. Ursprünglich hatte das Lied zwölf Strophen. 1778 veröffentlichte Franz eine andere Version, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Die heutige Fassung entstand durch das Zusammenziehen der ursprünglich fünften und sechsten Strophe.

Durch Johann Gottfried Schicht fand 1819 das Lied auch Einzug in protestantische Liederbücher, war jedoch als „geistliches Volkslied“ der Aufklärungszeit angefeindet. Erst im 20. Jahrhundert fand es dort Zustimmung, meist aber stark gekürzt. Die Neuapostolische Kirche passte den Text des Liedes mehrmals an, ersetzte sogar zeitweise zwei Strophen komplett.[2]

Auch in Militärgesangbüchern stand es als Danklied. Das Militärgesangbuch der evangelischen Kirche von 1939 fügte eine den „Führer“ verherrlichende Schlussstrophe hinzu. Das Gesangbuch der Deutschen Christen von 1941 wurde nach diesem Lied „Großer Gott wir loben dich“ benannt und enthielt eine von „jüdischen Elementen“ gereinigte und der nationalsozialistischen Ideologie angepasste Version.[3]

Der Aufbau des Liedes lässt sich in drei Abschnitte teilen: je einen hymnischen Abschnitt über Gott, den Vater (Strophen 1 bis 5) und Gott, den Sohn (Strophen 6 und 7) und schließlich die Bitten (Strophen 8 bis 11).

Ökumenische Fassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Kirchengesangbüchern in Deutschland und Österreich (Gotteslob Nr. 380, Evangelisches Gesangbuch Nr. 331, Mennonitisches Gesangbuch Nr. 34, Alt-katholisches Gesangbuch Nr. 550[4]) steht die von der Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut erarbeitete Textfassung; dazu hier in Synopse das Te Deum in der Übersetzung von Romano Guardini:

Liedtext

Te Deum

1. Großer Gott, wir loben dich;
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann,
Cherubim und Seraphinen
stimmen dir ein Loblied an;
alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh
„Heilig, heilig, heilig“ zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth!
Heilig, Herr der Himmelsheere!
Starker Helfer in der Not!
Himmel, Erde, Luft und Meere
sind erfüllt von deinem Ruhm;
alles ist dein Eigentum.

4. Der Apostel heilger Chor,
der Propheten hehre Menge
schickt zu deinem Thron empor
neue Lob- und Dankgesänge;
der Blutzeugen lichte Schar
lobt und preist dich immerdar.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron,
loben Große, loben Kleine.
Deinem eingebornen Sohn
singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heilgen Geist,
der uns seinen Trost erweist.

6. Du, des Vaters ewger Sohn,
hast die Menschheit angenommen,
bist vom hohen Himmelsthron
zu uns auf die Welt gekommen,
hast uns Gottes Gnad gebracht,
von der Sünd uns frei gemacht.

7. Durch dich steht das Himmelstor
allen, welche glauben, offen;
du stellst uns dem Vater vor,
wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht,
wenn der letzte Tag anbricht.

8. Herr, steh deinen Dienern bei,
welche dich in Demut bitten.
Kauftest durch dein Blut uns frei,
hast den Tod für uns gelitten;
nimm uns nach vollbrachtem Lauf
zu dir in den Himmel auf.

9. Sieh dein Volk in Gnaden an.
Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit es auf der rechten Bahn,
dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit,
nimm es auf in Ewigkeit.

10. Alle Tage wollen wir
dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir
Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett aus Sünden, rett aus Tod,
sei uns gnädig, Herre Gott!

11. Herr, erbarm, erbarme dich.
Lass uns deine Güte schauen;
deine Treue zeige sich,
wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein:
Lass uns nicht verloren sein.

Dich, Gott, loben wir,
dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater,
huldigt das Erdenrund.



Dir rufen die Engel alle,
dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim

mit niemals endender Stimme zu:


Heilig, heilig, heilig
der Herr, der Gott der Scharen!

Voll sind Himmel und Erde
von deiner hohen Herrlichkeit.


Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;


dich der Märtyrer leuchtendes Heer;


dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;

und den Heiligen Fürsprecher Geist.


Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel


und denen, die glauben,
die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes
in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir,
kehrst du einst wieder.

Dich bitten wir denn,
komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst mit kostbarem Blut.

In der ewigen Herrlichkeit
zähle uns deinen Heiligen zu.

Rette dein Volk, o Herr,
und segne dein Erbe;
und führe sie
und erhebe sie
bis in Ewigkeit.


An jedem Tag
benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen,
ja, in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr,
an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.

Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn,

wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt.
In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.

Schweizer Gesangbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Gesangbücher (Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, Nr. 247; Gesangbuch der römisch-katholischen Kirche der deutschsprachigen Schweiz Nr. 175; Gebet- und Gesangbuch der christkatholischen Kirche der Schweiz, Nr. 495) folgen ebenfalls dieser ökumenischen Fassung, haben aber folgende Abweichung in der letzten Strophe:

11. Herr, erbarm, erbarme dich; auf uns komme, Herr, dein Segen.
deine Güte zeige sich allen der Verheissung wegen.
Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

In der Schweiz gibt es außerdem eine in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstandene pazifistische Neufassung von Karl von Greyerz, die im evangelisch-reformierten (Nr. 518), und im christkatholischen Gesangbuch jeweils besonders für den eidgenössischen Dank-, Buss und Bettag vorgesehen ist.

2. Unser Land mit seiner Pracht,
 seine Berge, seine Fluren
 sind die Zeugen deiner Macht,
 deiner Vatergüte Spuren.
 Alles in uns betet an;
 Großes hast du uns getan.

3. Zieh uns in dein Liebesreich;
 mach aus Sündern Gotteskinder;
 mach uns dir, o Heiland, gleich:
 Helfer, Kämpfer, Überwinder,
 im Geringsten wahr und treu;
 großer Gott, mach du uns frei.

4. Herr, erbarm, erbarme dich
 deiner blutbefleckten Erde;
 unsre Seele sehnet sich,
 dass du sprichst ein neues „Werde!“.
 Send uns Kraft und Zuversicht,
 die der Waffen Joch zerbricht.

5. Zünd in uns dein Feuer an,
 dass die Herzen gläubig brennen
 und, befreit von Angst und Wahn,
 wir als Menschen uns erkennen,
 die sich über Meer und Land
 reichen fest die Friedenshand.

6. Mach vom Hass die Geister frei,
 frei von Sündenlast und -ketten;
 bricht des Mammons Reich entzwei;
 du nur kannst die Menschheit retten.
 Rette uns aus Schuld und Not,
 Heilger Geist, barmherz’ger Gott.

Text Zürcher Disputation 1984[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strophe 1: Ignaz Franz 1719–1790, Strophen 2–6 Gruppe der Zürcher Disputation 1984[5] nach Karl von Greyerz, 1870–1949.

1. Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.

2. Herr, erbarm, erbarme dich,
denn der Mensch bedroht die Erde.
Unsre Seele sehnet sich,
dass du sprichst ein neues „Werde“!
Gib uns Kraft, Verstand und Mut,
hilf bewahren der Schöpfung Gut.

3. Hilf zu schützen deine Welt
mit den Wassern und den Wäldern,
mit den Tieren ungezählt
in der Luft, im Meer, Wald und Feldern.
Lass uns folgen deiner Spur
für den Schutz der Kreatur.

4. Mach von Angst die Herzen frei,
frei von Zwängen, Süchten, Ketten.
Brich der Habgier Macht entzwei.
Du nur kannst uns daraus retten.
Du nur kennst der vielen Not,
denen Arbeit fehlt und Brot.

5. Sieh, wie Kinder hungern hier,
während Menschen Korn zerstören.
Grössetes Unrecht ists vor dir,
andrer Hilfeschrei nicht zu hören.
Gib uns Kraft, gib eine Sicht,
dass des Elends Joch zerbricht.

6. Ja, erbarm, erbarme dich.
Es bedroht der Mensch die Erde.
Unsere Seele sehnt sich,
dass du sprichst ein neues „Werde!“
und ein Frieden weltweit sei.
Mach für ihn uns Menschen frei.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Großer Gott, wir loben dich – Quellen und Volltexte
 Commons: Großer Gott, wir loben dich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katholisches Gesangbuch, auf allerhöchsten Befehl Ihrer k. k. apostolischen Majestät Marien Theresiens zum Druck befördert. Verlag der Katechetischen Bibliothek, Wien 1776.
  2. apwiki.de – Großer Gott, wir loben dich Textvarianten in der Neuapostolischen Kirche u. a.
  3. Vgl. Michael Fischer, Großer Gott wir loben dich. (PDF; 2,5 MB) Ausführlicher Kommentar zur Liedgeschichte (Februar 2006 / Juli 2007), dort v. a. S. 13–17 zum Te deum und seinen deutschen Versionen unter nationalistischen und militaristischen Vorzeichen
  4. Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland (Hrsg.): Eingestimmt. Gesangbuch des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland. 2. verbesserte und erweiterte Auflage. Alt-Katholischer Bistumsverlag, Bonn 2015, ISBN 978-3-934610-53-8.
  5. Reformationsdisputation in Zürich in Anlehnung der Zürcher Disputationen von Zwingli. Vgl. Alexander Völker: Den Glauben heute bekennen und leben: Das Zürcher „Projekt Bekenntnis“. In: Martin Klöckener, Arnaud Join-Lambert (Hrsg.): Etudes liturgiques et oecuméniques sur l'Eucharistie et la vie liturgique en Suisse. Universitätsverlag Freiburg Schweiz, Freiburg Schweiz 2001, ISBN 3-7278-1337-7, S. 398-423, hier: S. 407 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).