Grup Yorum

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Grup Yorum
Grup Yorum Logo
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Allgemeine Informationen
Genre(s) Folk-Rock, Folk, Protestmusik
Gründung 1985
Website grupyorum.net

Grup Yorum (Yorum bedeutet im Türkischen ‚Interpretation‘ oder ‚Kommentar‘) ist eine türkische Band. Die Gruppe ist vor allem für ihre politischen Songtexte bekannt. Sie wurde von politischen Musikbands wie Inti Illimani aus Chile oder Ruhi Su aus der Türkei inspiriert und im studentischen Umfeld nach dem Militärputsch (1980) in Istanbul 1985 gegründet.[1] Die Musikgruppe gehört zum sozialistisch-revolutionären Spektrum und war vielfacher staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Mitglieder wurden festgenommen, verhaftet und vor Gericht gestellt. Alben der Band wurden verboten. Grup Yorum wird von den türkischen und deutschen Behörden der DHKP-C zugerechnet.[2] Auch unabhängige Beobachter wie der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel meinen, dass sich die Band im Laufe ihrer Geschichte „ideologisch der DHKP-C angenähert“ habe, betonen aber, dass die Gruppe „weitaus mehr Fans“ habe als die DHKP-C Sympathisanten.[3]

Bandgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grup Yorum hat seit 1987 über 20 Alben veröffentlicht. Neben den Alben wurden auch Konzerte verboten. Das letzte Verbot eines Grup-Yorum-Albums ereignete sich im Jahre 2001. Das Album Feda wurde drei Wochen nach der Veröffentlichung verboten und konfisziert. Wie bereits in dem Album Boran Fırtınası von 1998 beschäftigte sich Grup Yorum in diesem Album hauptsächlich mit der Gefängnissituation und dem Gefangenenwiderstand in der Türkei, dem Todesfasten, das weit über hundert Gefangenen das Leben kostete. Die türkischen Sicherheitsbehörden und Gerichte betrachten Grup Yorum als Teil der DHKP-C, die den bewaffneten Kampf propagiert. Gegen Grup Yorum wurden bislang über 400 Verfahren eröffnet, in denen dutzende Mitglieder verhaftet wurden, mehrere Jahre einsitzen mussten und gefoltert wurden.

Im Jahr 2010 feierte die Gruppe in Begleitung des Istanbuler Sinfonieorchesters und zahlreicher Gastmusiker im damaligen Inönü-Stadion vor 50.000 Gästen ihr 25-jähriges Bandjubiläum.[4] Im September 2012 wurden die Grup-Yorum-Sängerin Selma Altın und die -Violinistin Dilan Balcı festgenommen und in Haft verbracht, als sie vor dem gerichtsmedizinischen Institut protestierten. Hierbei wurde Altın ihr Trommelfell zerstört, Balcı wurde ein Arm gebrochen. Der Anwalt Taylan Tanay sagte, die beiden seien in Handschellen gefoltert worden und hätten sich in der Haft hinlegen müssen, während sie von Polizisten getreten wurden.[5] Tanay sagte weiterhin, man habe Selma Altın und Dilan Balcı mit Absicht so behandelt, damit ihre Karrieren als Musikerinnen vorbei seien.[6]

Nach dem Tod von Berkin Elvan, der während der Gezi-Park-Proteste im Jahr 2014 starb, schrieb die Gruppe ein Lied für ihn.[7]

Grup Yorum veranstaltete 5 Jahre lang in Istanbul ein „Volkskonzert“ mit freiem Eintritt, im Jahr 2014 kamen dazu 1,1 Millionen Besucher. 2015 verbot die AKP-Regierung das Konzert wegen der Gefahr eines drohenden „Aufruhrs“. Die Gruppe rief dennoch dazu auf und entwickelte als Gegenkonzept dezentrale Konzerte durch Teile der Band an verschiedenen Orten in der Stadt. Die Polizei verfolgte die Busse der Fans, es kam zu Straßenschlachten und 54 Festnahmen. Auch die Bandmitglieder Selma Altın und Sultan Gökcek wurden festgenommen.[8]

Ende Oktober 2015 wurde Grup Yorum ein Einreisevisum nach Deutschland verwehrt mit der Begründung, elf ihrer Musiker seien im Schengener Informationssystem eingetragen. Die Band wollte am 14. November in Oberhausen ein Konzert unter dem Titel Herz und Stimmen gegen den Rassismus geben.[9]

Im Oktober 2016 stürmte und verwüstete die Polizei das İdil Kültür Merkezi, nachdem die Band dort gespielt hatte. Die Polizei hinterließ dabei auch zerschlagene Instrumente der Band.[10] Die Band veröffentlichte darauf ein Video "Zerschlagene Instrumente", in dem sie auf den kaputten Instrumenten ein Lied spielen.[11]

Im November 2016 wurden die Mitglieder Ali Araci, Inan Altin, Selma Altın, Sultan Gökcek, Firat Kil, Dilan Poyraz, Helin Bölek und Abdullah Özgün festgenommen.[12] Nach vier Monaten wurden alle festgenommenen Mitglieder wieder freigelassen.[13]

Musikalisch stand die Band zunächst in der Tradition der Özgün Müzik, also der politischen türkischen Folkmusik. Im Laufe der Zeit experimentierte sie auch mit klassischer Musik, Rock und Hip-Hop. „Es sind die Musik, die Melodie und der Rhythmus, die die Menschen berühren. Aber der Musikgeschmack ändert sich. Und damit entwickeln wir uns musikalisch weiter. Nur die Texte, die ändern sich nicht“, erläuterte das Bandmitglied Caner Bozkurt einmal in einem Interview.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grup Yorum gibt auch Konzerte in Europa, unter anderem in Deutschland.[14][15] Die Band steht bei Kalan Müzik unter Vertrag. Die Texte enthalten türkische Sprache, arabisch, Zazaki und andere Dialekte des Kurdischen sowie auch die lasische Sprache, eine fast ausgestorbene Sprache im Norden der Türkei. Einige Mitglieder der Gruppe unterhalten das İdil Kültür Merkezi im Stadtteil Okmeydanı.

Bandmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sıyrılıp Gelen (1987)
  • Haziranda Ölmek Zor / Berivan (1988)
  • Türkülerle (1989)
  • Cemo / Gün Gelir (1989)
  • Gel ki Şafaklar Tutuşsun (1990)
  • Yürek Çağrısı (1991)
  • Cesaret (1992)
  • Hiç Durmadan (1993)
  • İleri (1995)
  • Geliyoruz (1996)
  • Marşlarımız (1997)
  • Boran Fırtınası (1998)
  • Kucaklaşma (1999)
  • Onbeşinci Yıl Seçmeler (2000)
  • Eylül (2001)
  • Feda (2001)
  • Biz Varız (2003)
  • Yürüyüş (2003)
  • In Concert (2005)
  • Yıldızlar Kuşandık (2006)
  • Başeğmeden (2008)
  • Halkın Elleri (2014)
  • Ruhi Su (2015)
  • İlle Kavga (2017)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politischer Protest bei türkischem Konzert in Oberhausen DER WESTEN am 10. Jun. 2013, abgerufen am 19. März 2017
  2. Unutalım gitsin, Taraf vom 19. April 2011 (türkisch)
  3. Deniz Yücel: Wo hört die Musik auf, wo fängt die Propaganda an? Welt-Online, 26. Juni 2015; abgerufen am 24. Januar 2017.
  4. a b Deniz Yücel: Taksim ist überall – Die Gezi-Bewegung und die Zukunft der Türkei. Hamburg 2014, ISBN 978-3-89401-791-0.
  5. Alleged police torture against music group, hurriyetdailynews.com vom 19. September 2012
  6. Leftist musicians 'tortured by Turkish police', AFP vom 19. September 2012
  7. Gezi victim remembered on anniversary of death as police detain protesters, hurriyetdailynews.com vom 11. März 2015
  8. Die Straßen gehören uns, jungewelt.de vom 14. April 2015
  9. Peter Nowak: Wenn eine Band zum Sicherheitsrisiko erklärt wird. Telepolis, 4. November 2015, abgerufen am gleichen Tage
  10. Grup Yorum Zerschlagene Instrumente «  Peter Nowak. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  11. Angst setzt Kräfte frei. Tagesspiegel vom 26.12.2016
  12. Michael Streitberg: Freiheit für Grup Yorum! In: junge Welt. 25. November 2016 (jungewelt.de [abgerufen am 22. Januar 2017]).
  13. Westdeutsche Verlags- und Werbegesellschaft mbH & Co. KG: Alle gefangenen Grup Yorum Mitglieder frei gelassen. "Unser Platz ist nicht in den Gerichten, sondern in den Konzertsälen". In: lokalkompass.de. (lokalkompass.de [abgerufen am 25. Mai 2017]).
  14. Grup Yorum sagte mit mehr als zehntausend Fans in Deutschland „Nein zum Rassismus“, Halkın Sesi vom Juni 2012
  15. Sie stehen hinter Türkei-Protesten, derwesten.de vom Juni 2013