Gustav Werner (Pfarrer)

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Gustav Werner

Gustav Albert Werner (* 12. März 1809 in Zwiefalten; † 2. August 1887 in Reutlingen) war evangelischer Pfarrer und Gründer der Gustav-Werner-Stiftung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Werner war ältestes von sechs Kindern des späteren Finanzdirektors von Reutlingen, Johannes von Werner, und dessen Ehefrau, Friedericke Christiane (geb. Fischer). Von 1815 bis 1817 lebte er bei seinen Großeltern in Münsingen, anschließend kam er zu seinem Oheim nach Göppingen. Von 1823 bis 1827 absolvierte Gustav Werner das Evangelische Seminar (Gymnasium) im Kloster Maulbronn und studierte von 1827 bis 1832 Theologie am Tübinger Stift. Anschließend ging er als Privatlehrer nach Straßburg. Dort machte er Bekanntschaft mit dem sozialdiakonischen Lebenswerk von Johann Friedrich Oberlin, das er sich zum Vorbild nahm.

Gustav Werner (Porträtbüste)

1834 wurde Werner Vikar in Walddorf, wo er die erste Kinderrettungsanstalt für Waisenkinder gründete, eine sog. Kleinkinder- und Industrieschule. Auf Vortragsreisen sammelte Werner Spenden für diese Einrichtung. Es kam zum Konflikt mit der Kirchenleitung. Daraufhin zog Werner mit zwei Mitarbeiterinnen und zehn Kindern nach Reutlingen, wo er am 8. November 1841 Albertine Zwißler heiratete. 1840 übersiedelte Gustav Werner mit zehn Kindern und zwei Helferinnen in eine 5-Zimmer-Wohnung, genannt Gottes-Hilfe, nach Reutlingen und gründete dort ein „Rettungshaus“. Bereits 1848 wurden an die 80 Waisenkinder versorgt:

„Im Kreise dieser Kinder konnte Vater Werner die ganze Wärme seines liebevollen Gemüts ausstrahlen lassen, und in der Arbeit an ihren verklärte und reinigte sich sein Wesen, das ja von Natur etwas weiblich Zartes, mütterlich Fürsorgendes hatte, je länger je mehr. Er trachtete danach, seinen Kindern in Wahrheit die Familie zu ersetzen. ‚Das gesetzliche Wesen‘ sagte er, welches meistens in der Anstaltserziehung herrscht, wirkt nur zu oft lähmend, ja tötend auf den göttlichen Lebenskeim, welchen die Elternliebe im Kinde allein sorgsam genug zu pflegen und zu erziehen versteht. Was ich auf die Kinder hauptsächlich wirken lassen möchte, das ist die Sonne der Mütterlichkeit, weil unter ihrem Einfluss die Kinder am besten gedeihen.‘“[1]

Briefmarke von 1949

Bald fügte er seinem „Rettungshaus“ einen Handwerksbetrieb hinzu. 1855 wurde die Anstalt erstmals Bruderhaus genannt, bevor 1881 die Stiftungsurkunde der Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus abgefasst wurde. Drei Jahre vor seinem Tod wurde Gustav Werner 1884 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Reutlingen verliehen.

Es entstanden in Reutlingen auch die Maschinenfabrik zum Bruderhaus und die Papiermaschinenfabrik zum Bruderhaus. Zudem wurde 1861 in Dettingen an der Erms die Papierfabrik zum Bruderhaus eröffnet, die 1981 an Arjowiggins verkauft wurde.

2004 fusionierte die Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus mit der Haus am Berg GmbH, Bad Urach, und fungiert seither als BruderhausDiakonie. Stiftung Gustav Werner und Haus am Berg mit Sitz in Reutlingen.

„Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert!“

Gustav Werner

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oelblatt. Verkehr des Mutterhauses mit den Seinen, Reutlingen 1853.
  • Reden aus dem Wort. Eine Predigtsammlung, Stuttgart 1863.
  • Sendebriefe an die Brüder aus dem Mutterhaus Reutlingen, Band 1 1853–1863, Reutlingen 1863.
  • Sendebriefe an die Brüder aus dem Mutterhaus Reutlingen, Band 2 1864–1876, Reutlingen 1876.

Gedenktag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. August im Evangelischen Namenkalender.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Berger: Werner, Gustav Adolf. In: Hugo Maier (Hrsg.): Who is who der Sozialen Arbeit. Freiburg 1998, S. 620–622.
  • Gerhard Betsch: Biographische Anmerkungen zu Gustav Werner. In: Reutlinger Geschichtsblätter, Jg. 2009, NF. Nr. 48, S. 193–217.
  • Walter Göggelmann: Dem Reich Gottes Raum schaffen. Königsherrschaft Christi, Eschatologie und Diakonie im Wirken von Gustav Werner (1809–1887), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2007 (Veröffentlichungen des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Universität Heidelberg, Band 31), ISBN 978-3-8253-5312-4.
  • Walter Göggelmann: Ein Haus dem Reich Gottes bauen. Diakonie und Sozialform in Gustav Werners Hausgenossenschaft, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2007 (Veröffentlichungen des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Universität Heidelberg, Band 32) ISBN 978-3-8253-5369-8.
  • Walter Göggelmann: Gerechtigkeit und Frieden schaffen. Gustav Werners Einsatz für Bildung und Versöhnung, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009 (Veröffentlichungen des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Universität Heidelberg, Band 38), ISBN 978-3-8253-5587-6.
  • Walter Göggelmann: Der "Fall Gustav Werner". Ein Konflikt in der Württembergischen Kirche, Calwer Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7668-4205-3.
  • Paul Krauss: "Gott im Maschinensaal". Der Christ Gustav Werner, Neske, Pfullingen 1980, ISBN 3-7885-0233-9.
  • Werner Unseld, Martina Schröder, Werner Ströbele u. a.: Wo Daimler Maybach traf. Gustav Werners christliche Fabriken. Hg. Kulturamt der Stadt Reutlingen. Katalog zur Ausstellung im Heimatmuseum Reutlingen, 21. Juni – 25. Oktober 2009. Reutlingen 2009 ISBN 978-3-939775-06-5 (siehe Weblinks).
  • Werner Raupp (Hrsg.): Gustav Werner – der „schwäbische Franziskus“, in: Gelebter Glaube. Erfahrungen und Lebenszeugnisse aus unserem Land. Ein Lesebuch, Metzingen/Württ.: Ernst Franz-Verlag 1993, S. 306–316, 394 (Einl., Quellentexte, Lit.).
  • Theodor SchottWerner, Gustav. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 50–56.
  • Paul Wurster: Gustav Werners Leben und Wirken. Kocher, Reutlingen 1888.
  • Hartmut Zweigle: "Herrschen mög' in unserem Kreise Liebe und Gerechtigkeit. Gustav Werner, Leben und Werk, Calwer Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-7668-4088-2.
  • Markus Maurer: Diakonisches Handeln am Beispiel Gustav Werner. Studienarbeit. Grin-Verlag, München 2013 ISBN 3-640-65057-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gustav Werner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wurster 1888, S. 112