HSH Nordbank

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  HSH Nordbank AG
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HSH Nordbank in Kiel
Sitz Hamburg und Kiel
Rechtsform Aktiengesellschaft
Bankleitzahl 210 500 00[1]
BIC HSHN DEHH XXX[1]
Gründung 2. Juni 2003
Website www.hsh-nordbank.de
Geschäftsdaten 2015[2]
Bilanzsumme 96,973 Mrd. Euro
Einlagen 44,567 Mrd. Euro
Kundenkredite 56,575 Mrd. Euro
Mitarbeiter 2.384 (Vollzeitstellen)
Leitung
Vorstand Stefan Ermisch (CEO)
Aufsichtsrat Thomas Mirow (Vorsitzender)

Die HSH Nordbank AG (HSH steht für Hamburgisch-Schleswig-Holsteinische) entstand am 2. Juni 2003 durch die Fusion von Hamburgischer Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein.

Sie ist eine norddeutsche Regionalbank mit Hauptsitzen in Hamburg und Kiel und Niederlassungen in sechs weiteren deutschen Städten. Auslandsniederlassungen befinden sich in Athen, Luxemburg, New York, Singapur und Hongkong. In ihrer Kernregion Hamburg und Schleswig-Holstein ist sie eine führende Bank für Geschäftskunden. Als internationaler Spezialfinanzierer liegt der Schwerpunkt auf Transport und Immobilien. Im Transportbereich deckt die HSH Nordbank die gesamte Wertschöpfungskette ab und ist ein bedeutender Schiffsfinanzierer.

Im Oktober 2015 wurde bekannt, dass die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein sich mit der EU-Kommission auf den Umbau der HSH Nordbank geeinigt haben.[3][4] Das 2013 eingeleitete Beihilfeverfahren hat die EU-Kommission im Mai 2016 offiziell beendet.[5]

Am 9. Dezember 2015 hat die Hamburgische Bürgerschaft zur Rettung der angeschlagenen HSH Nordbank Kredite über 16,2 Milliarden Euro bewilligt.[6]

Nach einer Vorgabe der EU muss die HSH Nordbank bis März 2018 verkauft oder abgewickelt werden.[7]

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anteil Anteilseigner
11,91 % Freie und Hansestadt Hamburg
10,56 % Land Schleswig-Holstein
71,68 % HSH Finanzfonds AöR, gemeinsame Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein
5,85 % Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein (SGVSH)
94,9 %
5,10 % Neun Trusts, die von J.C. Flowers & Co. LLC (USA) initiiert wurden
100 % HSH Nordbank AG

Stand: 01. März 2017[8]

Im August 2006 wurde bekannt, dass der Finanzinvestor J.C. Flowers & Co. LLC (USA) den Anteil der WestLB an der HSH Nordbank kauft. Dies war die erste Investition eines externen Unternehmens bei einer deutschen Landesbank. Zu dieser Zeit war Alexander Stuhlmann CEO der HSH.[9] In Schleswig-Holstein regierte eine große Koalition unter MP Peter Harry Carstensen (Kabinett Carstensen I vom 27. April 2005 bis zum 27. Oktober 2009) und in Hamburg ein CDU-Senat unter Ole von Beust (CDU, Senat von Beust II 17. März 2004 bis zum 7. Mai 2008).

2007 und 2008 strebten das Land Schleswig-Holstein und andere Eigentümer der HSH einen Börsengang der HSH an.[10] Mit der Finanzkrise ab 2007 und der Geschäftsentwicklung der HSH wurden diese Pläne obsolet.

Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Vorstand der HSH Nordbank gehören an:[11]

  • Stefan Ermisch, Vorsitzender (CEO) seit 10. Juni 2016 (Mitglied des Vorstands seit 1. Dezember 2012, Chief Financial Officer (CFO) )
  • Torsten Temp (Mitglied seit 1. Mai 2010, Marktvorstand, Shipping-, Projekt- & Immobilienkunden)
  • Oliver Gatzke (Mitglied seit 1. Juli 2016, Finanzvorstand)
  • Ulrik Lackschewitz (Mitglied seit 1. Oktober 2015, Risikovorstand)

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Beteiligungsportfolio der HSH Nordbank bestand (Stand: 30. August 2010) aus zwei Teilportfolien:[12]

Geschäftsfeldunterstützende Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • HSH Nordbank Securities S.A. in Luxemburg
  • HSH Nordbank Private Banking S.A. in Luxemburg (zum 30. September 2011 veräußert) [13]
  • HSH Corporate Finance Gruppe in Hamburg [14]
  • HSH Real Estate AG Gruppe in Hamburg [15]
  • HSH Finance & Science GmbH in Kiel [16]
  • Swift Capital Partners GmbH in Hamburg [17]

Strategische Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • HSH Facility Management Holding AG in Kiel [18]

Neben diesem auf der Webseite der Bank angegebenen Beteiligungsportfolio existieren (Stand Ende 2010) weitere Beteiligungen mit teilweise nennenswerten Ergebniseinflüssen.[19]

Private-Equity-Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Capcellence Private Equity Beteiligungen GmbH & Co. KG, Hamburg
  • HSH Private Equity GmbH, Hamburg
  • Gardeur Beteiligungs GmbH, Mönchengladbach
  • BRINKHOF Holding Deutschland GmbH, Erfurt

Weitere Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • HSH N Funding I, George Town, Cayman Islands
  • HSH N Funding II, George Town, Cayman Islands
  • EALING INVESTMENTS LIMITED, London, Großbritannien
  • Neptune Ship Finance (Luxembourg) S.A.R.L. & CIE, SECS.
  • PREGU GmbH, Hamburg
  • Current, L.P., Dallas, USA

Das Beteiligungsportfolio wurde vom Vorstand der Bank jedoch fehlerhaft und unvollständig wiedergegeben.[20]

Eine weitere Beteiligung besteht beispielsweise an der Dii GmbH zur Realisierung von DESERTEC in der Mittelmeerregion und im Nahen Osten.[21]

Auswirkungen der Finanzkrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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2005 verlor die HSH Nordbank, wie alle Sparkassen und Landesbanken, das Privileg der Staatshaftung. Im Zuge der Finanzkrise musste die HSH Nordbank Wertberichtigungen durchführen, die Gesamtabschreibungen Stand September 2008 betrugen laut Pressemeldungen rund 1,1 Milliarden Euro. Sie hatte damit Belastungen (Gewinn- und Verlustrechnung plus Neubewertungsrücklage) in Höhe von 2,4 Milliarden Euro in ihren Büchern.[22]

Am 24. Oktober 2008 bestätigte der schleswig-holsteinische Finanzminister Rainer Wiegard (Kabinett Carstensen I, 2005−2009, eine große Koalition aus CDU und SPD) dem Norddeutschen Rundfunk, dass die HSH Nordbank den deutschen Finanzmarktstabilisierungsfonds in Anspruch nehmen müsse.[23] Am 3. November 2008 teilte die HSH Nordbank in einer Pressemeldung mit, dass sie bei der Finanzmarktstabilisierungsanstalt (SoFFin) eine Liquiditätshilfe in Form von Garantien für die Emission neuer Schuldtitel in Höhe von insgesamt 30 Mrd. EUR beantragt habe.[24] Die SoFFin gewährte diese Liquiditätsgarantie. Am 10. November 2008 trat Hans Berger wegen der Finanzmarktkrise von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank zurück.[25] Neuer Vorstandsvorsitzender wurde Dirk Jens Nonnenmacher; er war seit dem 1. Oktober 2007 Chief Financial Officer (CFO).[26]

Am 31. Dezember 2008 hatte die HSH eine Bilanzsumme von 208 Mrd. EUR, risikogewichtete Vermögenswerte im Wert von 112 Mrd. EUR und beschäftigte rund 4.300 Mitarbeiter. Trotz der Auswirkungen der Finanzkrise und Inanspruchnahme von Geldern aus dem SoFFin wollte die HSH Nordbank für 2008 zunächst eine Dividende von 70 Millionen Euro auszahlen.[27] Die Bank argumentierte, dass ansonsten institutionelle Anleger ihre Anteile an der HSH Nordbank abziehen würden. Dieses Vorhaben wurde auf Druck der EU im März aufgegeben; keine Dividende wurde ausgezahlt[28].

Am 24. Februar 2009 haben die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg in einer gemeinsamen Kabinettssitzung ein Rettungspaket für die HSH Nordbank beschlossen, das eine Kapitalzufuhr in Höhe von drei Milliarden Euro (je 1,5 Mrd. pro Bundesland) und eine Zweitverlust-Risikoabschirmung in Höhe von zehn Milliarden Euro auf einen großen Teil der Bilanz beinhaltet.[29] Am 30. April 2009 meldete Deutschland bei der EU-Kommission die Maßnahmen zur Genehmigung an, die diese am 29. Mai 2009 bestätigte. Am 6. Mai 2009 stufte die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s das Rating der HSH um zwei Stufen von (A) auf (BBB+) mit negativem Ausblick herab.

Im Juli 2009 wurde bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, trotz der finanziellen Lage seines Instituts Bonuszahlungen von 2,9 Millionen Euro erhalten solle.[30]

Am 1. September 2009 meldete Deutschland bei der EU-Kommission einen von der Bank ausgearbeiteten Umstrukturierungsplan an. Dieser sollte die langfristige Rentabilität wiederherstellen. Dieser Plan sah die Auslagerung von rund 40 bis 60 % aller Vermögenswerte der HSH auf eine interne Bad Bank vor.

Bis zum 1. Oktober 2009 wurden der HSH aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) im Rahmen der Garantieregelung Ziehungen in Höhe von insgesamt 17 Mrd. EUR genehmigt, die die Emission von Anleihen durch die HSH abdeckten.

Am 13. Oktober 2009 berichtete NDR Info, dass Nonnenmacher über jenes 500-Millionen-Verlustgeschäft informiert war, durch das die HSH an den Rand der Insolvenz geriet.[31] [32] Im Kreis der Eigentümer wurde seine Ablösung diskutiert.[33]

Am 15. Dezember 2010 wurde bekannt, Nonnenmacher werde die HSH Nordbank zum 31. März 2011 verlassen.[34] Dies geschah; Nachfolger wurde Paul Lerbinger (bis 31. Oktober 2012).[35]

Staatsanwaltschaft und Parlamentarischer Untersuchungsausschuss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl im Landtag von Schleswig-Holstein als auch in der Hamburgischen Bürgerschaft wurde im Juni 2009 die Einsetzung jeweils eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses beschlossen. Dort sollen die Umstände der HSH-Nordbank-Krise geklärt werden.[36]

Im August 2009 erklärte die Staatsanwaltschaft Hamburg, dass die Abteilung Wirtschaftskriminalität des Landeskriminalamts (LKA) eine zehnköpfige Sondergruppe mit acht LKA-Beamten und zwei Staatsanwälten eingerichtet habe. Ermittelt werde „in Richtung Untreue und Bilanzfälschung“.[37][38]

Anfang Februar 2010 sagte Nonnenmacher erstmals als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft aus. Er verteidigte umstrittene Geldgeschäfte – bei diesen Geldgeschäften beispielsweise „lagerte die Nordbank riskante Immobilienkredite an eine eigens geschaffene Tochterfirma auf der Kanalinsel Jersey aus. Die Kredite wurden von der französischen BNP Paribas versichert und dann zusammen mit Krediten und verbrieften Kreditportfolios der BNP zu dem Konstrukt Omega 55 verbunden. Die Nordbank konnte damit Risiken für einige Monate auslagern (damit die Risiken nicht in der Bilanz 2007 auftauchen und möglichen Einfluss auf die Hamburgerische Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 nehmen[39] [40]), handelte sich aber im Gegenzug andere ein und musste mehrere hundert Millionen Euro abschreiben …“ – Diese Transaktionen hatten einen Gesamtwert von 17 Milliarden Euro, so die taz,[41] räumte aber auch Fehler der HSH Nordbank ein. Sein Institut habe „nicht immer sorgfältig gearbeitet“ und „Hamburg und Schleswig-Holstein in eine schwierige Lage gebracht“.[42] Eine persönliche Verantwortung für die Krise lehnte er jedoch indirekt ab. Das Geldhaus werde laut seiner Einschätzung voraussichtlich erst 2011 wieder profitabel werden.[43]

Der „Bericht und Beschlussempfehlung des Ersten Parlamentarischen Untersuchungsausschusses HSH Nordbank“ liegt seit dem 15. August 2011 vor.[44]

Zusammenfassung:

„27 vernommene Zeugen, 50.000 Aktenseiten und 800.000 Euro Kosten: Der Kieler Untersuchungsausschuss zur HSH Nordbank hat […] nach knapp zwei Jahren seinen Abschlussbericht vorgelegt. Darin fordern die Parlamentarier keine personellen Konsequenzen aus der Krise der Landesbank, sondern sprechen sich für einen größeren Einfluss der staatlichen HSH-Anteilseigner im Aufsichtsrat, eine stärkere Risikobeteiligung der Manager sowie einen Verkauf der Landesanteile an der Bank aus. Für die Milliardenverluste der Bank, die von Hamburg und Schleswig-Holstein mit drei Milliarden Euro vor dem Konkurs gerettet wurde, gebe es nicht einen einzelnen Schuldigen, sagte SPD-Obmann Jürgen Weber. Keiner sei ‚frei von Verantwortung‘, so Weber bei der Vorstellung des 439-seitigen Berichts. Die Parlamentarier sehen eine Mitschuld bei den Bankmanagern, dem Aufsichtsrat, Ratingagenturen, der Bankenaufsicht sowie bei der Landespolitik.“[45]

Prozess wegen „Omega 55“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 24. Juli 2013 mussten sich sechs Vorstände der HSH Nordbank, die 2007 im Amt waren, vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer 8 des Landgerichts Hamburg für Veruntreuung von Bankvermögen in einem besonders schweren Fall verantworten. Im Zentrum des Verfahrens steht „Omega 55“.[46][47]

Angeklagt wurden:

  • Hans Berger, der im Dezember 2007, als das Omega-55-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank war. Berger trat im November 2008 zurück.
  • Dirk Jens Nonnenmacher, der dem Vorstand der Bank seit Oktober 2007 angehörte. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef.
  • Peter Rieck, der als (damaliger) stellvertretender Vorsitzender des Vorstands u. a. für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien zuständig war.
  • Jochen Friedrich, der im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr angehörte und zuständig war für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London.
  • Hartmut Strauß, der (damals) für das Risikomanagement der Bank zuständig war.
  • Bernhard Visker, Vorstand seit Januar 2007. Visker war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen.

Damit stand erstmals der komplette Vorstand eines Geldhauses vor Gericht.[48][49][50]

Den Angeklagten wurde vorgeworfen, „als Mitglieder des Vorstands der HSH Nordbank AG im Dezember 2007 die komplexe Finanztransaktion 'Omega 55' genehmigt zu haben, obwohl anhand der ihnen vorgelegten Kreditvorlage eine umfassende Abwägung von Chancen und Risiken des Geschäfts nicht möglich gewesen sei.“ U. a. sei eine allgemein von der Bank bezweckte Verbesserung bankaufsichtsrechtlicher Eigenkapitalkennziffern aufgrund der Struktur dieser Transaktion nicht zu erreichen gewesen. Ebenfalls habe die Kreditvorlage keine aussagekräftigen Angaben über die Ertrags- und Kostensituation des Geschäfts enthalten. Die Staatsanwaltschaft bezifferte den entstandenen Schaden auf 158 Millionen Euro.[51]

Zwei der Angeklagten (Nonnenmacher und Friedrich) warf die Kammer zusätzlich bewusst falsche Darstellung von Bilanzen vor. Im Quartals-Zwischenbericht für den HSH Konzern vom 31. März 2008 und in einer Pressemitteilung vom 20. Juni 2008 war ein Überschuss in Höhe von 81 Mio. Euro ausgewiesen worden, wohingegen in Wirklichkeit ein Fehlbetrag in Höhe von 31 Mio. Euro vorlag. Die Bilanz wurde später korrigiert und wies dann auch einen Verlust von 77 Millionen Euro aus. Der Vorwurf lautet, die beiden Angeklagten hätten die Bilanz vorsätzlich falsch erstellt.[46][51][52]

Am 9. Juli 2014 endete der Prozess mit einem Freispruch für die Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof ein.[53]

Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob der Bundesgerichtshof das Urteil am 12. Oktober 2016 auf und verwies das Verfahren zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Hamburg zurück.

Beihilfe zur Steuerhinterziehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die HSH Nordbank hat sich Mitte des Jahres 2015 mit der Staatsanwalt Köln auf eine Zahlung von mehr als 22 Millionen Euro Bußgeld geeinigt, damit ein Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen die Bank eingestellt wird. Die HSH Nordbank hatte spätestens seit dem Jahr 2005 reichen Kunden geholfen, Vermögen über eine Tochterfirma in Luxemburg in Briefkastenfirmen in Panama zu verschieben. Die Luxemburger Tochter wurde 2011 verkauft.[54]

Bereits 2013 hatte die HSH Nordbank eingeräumt, dass sie zwischen 2008 und 2011 ihren Kunden mit sogenannten Cum-Ex-Deals dabei geholfen hat, insgesamt bis zu 112 Millionen Euro Kapitalertragssteuern möglicherweise unbegründet zurückerstattet zu bekommen. Für die Vorgänge hat die Bank einschließlich Zinsen im Jahresabschluss 2013 eine Steuerrückstellung in Höhe von 127 Millionen Euro gebildet.[55]

Falschbilanzierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat festgestellt, dass die von der Prüfungsgesellschaft KPMG testierten[56] Konzernabschlüsse der HSH Nordbank AG zu den Abschlussstichtagen 31. Dezember 2008 und 31. Dezember 2009 fehlerhaft sind.

Konsolidierungkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Konzernabschluss zum 31. Dezember 2008 wurden 270 und in den Konzernabschluss zum 31. Dezember 2009 wurden 323 Tochter-, Gemeinschafts- und assoziierte Unternehmen nicht einbezogen. Bei der Beurteilung, ob die nicht einbezogenen Unternehmen wesentlich sind, wurden quantitative Aspekte (z. B. Auswirkungen auf einzelne Abschlussposten) und qualitative Aspekte (z. B. Investments in Finanzvehikel) nicht hinreichend berücksichtigt. Die Nichteinbeziehung von Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen verstößt gegen den Grundsatz der vollständigen Einbeziehung gemäß Internationaler Bilanzstandards.

Geschäfts- oder Firmenwerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben diesen Fehlern in den Konsolidierungskreisen wurden Geschäfts- oder Firmenwerte der Beteiligungen überbewertet. Das Ergebnis vor Steuern in 2008 bzw. das Eigenkapital zum 31. Dezember 2008 sind um EUR 100 Mio. sowie das Eigenkapital zum 31. Dezember 2009 ist um EUR 56 Mio. zu hoch ausgewiesen.

Cash-Flow Prognosen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cash-Flow Prognosen des Managements sind im Konzernanhang zum 31. Dezember 2008 und 2009 nicht belegt. Es fehlen die zahlungsmittelgenerierenden Einheiten sowie die Beschreibung der wesentlichen Annahmen und des Zeitraums.

Verstoß gegen Angabepflichten und Anforderungen der IAS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2008 wird gegen einzelne Anforderungen der Bilanzierung und Angabepflichten der Internationalen Bilanzierungsstandards verstoßen.
Dies betrifft

  • das Nachrangkapital und zugehörige Derivate,
  • Leasinggeschäfte,
  • Forderungen an Kunden,
  • die Neubewertungsrücklage,
  • das Volumen des Kreditrisikoexposures,
  • die Klassenbildung von Finanzinstrumenten,
  • das Devisenergebnis,
  • Zinswährungsswaps,
  • Finanzanlagen,
  • immaterielle Vermögenswerte,
  • die Restlaufzeiten von anderen Rückstellungen,
  • die Bruttobuchwerte wertgeminderter finanzieller Vermögenswerte sowie
  • erhaltene und übertragene Sicherheiten.

Hieraus resultiert zusammenfassend, dass der Konzernjahresfehlbetrag um EUR 140 Mio. zu niedrig ausgewiesen wurde.

Überbewertung von Finanzinstrumenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Konzernabschluss per 31. Dezember 2009 wurden sieben den Kategorien „Kredite und Forderungen“ und „zur Veräußerung verfügbar“ zugeordnete Wertpapiere um EUR 64 Mio. überbewertet und das Konzernergebnis entsprechend zu hoch ausgewiesen.

Fehlende Angaben im Konzernanhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2009 wurden gegen Ausweisvorschriften und Angabepflichten gemäß Internationaler Bilanzierungsstandards verstoßen.
Dies betrifft Angaben

  • zur Fälligkeitsstruktur des Nachrangkapitals,
  • zur Kategorisierung von Zertifikaten einer strukturierten Transaktion,
  • zu den Buchwerten von als Sicherheiten übertragenen Kundenforderungen und
  • zur Höhe der umkategorisierten Wertpapiere.[20]

Die fehlerhafte Bilanzierung des Konzernabschlusses setzt sich auch im Folgejahr fort. In dem am 12. April 2011 veröffentlichten Konzernjahresabschluss der HSH Nordbank zum Geschäftsjahr 1. Januar bis 31. Dezember 2010, wird beispielsweise für die „gardeur Beteiligungs GmbH“ ein Verlust in Höhe von 5,3 Mio. EUR ausgewiesen. Dies ist jedoch lt. Bundesanzeiger das Ergebnis der Gardeur Beteiligungs GmbH aus dem Wirtschaftsjahr 1. Oktober 2008 bis 30. September 2009. Das im relevanten Wirtschaftsjahr 1. Oktober 2009 bis 30. September 2010 erwirtschaftete Jahresergebnis der Gardeur-Gruppe fließt nicht in den HSH-Konzernabschluss ein.[57]

HSH Nordbank Arena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 4. Juli 2007 bis zum 30. Juni 2010 war die HSH Nordbank Namensgeber des Hamburger Volksparkstadions, das in dieser Zeit folglich HSH Nordbank Arena hieß. Mit dem Erwerb der Namensrechte wechselte zum ersten Mal der Sponsoren-Name eines Bundesliga-Stadions, nachdem es zuvor schon mit dem ersten Namensverkauf an AOL im Jahr 2001 Vorreiter in Deutschland gewesen war.

Die Bank gab aufgrund der Finanzkrise die Namensrechte, die ursprünglich bis 2013 vereinbart waren, im Jahr 2010 durch fristgerechte Kündigung vorzeitig ab.[58] Das Fußball-Sponsoring war nach den Stützungsaktionen der öffentlichen Hand nicht mehr vermittelbar und wurde auch zur Einsparung eingestellt. Ab dem 1. Juli 2010 wurde Imtech neuer Namenssponsor des Imtech Arena benannten Stadions.[59]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: HSH Nordbank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Geschäftsbericht 2015
  3. FAZ.net / Carsten Germis 19. Oktober 2015: HSH Nordbank wird bis 2018 privatisiert
  4. HSH: Pressemitteilung 19. Oktober 2015
  5. EU-Kommission: Pressemitteilung 2. Mai 2016
  6. 16,2 Milliarden Euro für Rettungspaket, NDR vom 9. Dezember 2015
  7. HSH Nordbank: Frist für Kaufinteressenten läuft ab. (handelsblatt.com [abgerufen am 22. März 2017]).
  8. HSH Nordbank Eigentümer / Organisation. HSH Nordbank AG, abgerufen am 22.03.2017.
  9. ftd.de, 30. August 2008: US-Investoren steigen bei HSH ein (Memento vom 28. Juni 2013 im Webarchiv archive.is); FTD 30. August 2006: Christopher Flowers: Auf Beutezug (Memento vom 28. Juni 2013 im Webarchiv archive.is) (Porträt Christopher Flowers)
  10. Frank M. Drost: HSH Nordbank hält Kurs auf Börse. In: Handelsblatt.com. 26. November 2007, abgerufen am 23. Juni 2013.
  11. Homepage, abgerufen am 8. August 2016
  12. Homepage der HSH Nordbank AG – Beteiligungen. In: Unternehmensprofil. HSH Nordbank AG, abgerufen am 30. August 2010.
  13. www.hsh-nordbank-pb.com
  14. www.hshcf.com
  15. www.hsh-realestate.com
  16. Willkommen beim Wissenschaftsportal der HSH Nordbank AG
  17. http://www.scpartners.de/deutsch/impressum.html
  18. Übersicht auf der Homepage der HSH
  19. eBundesanzeiger; Jahresabschluss und Konzernabschluss der HSH Nordbank AG zum 31. Dezember 2010; abgerufen am 29. Mai 2011
  20. a b eBundesanzeiger vom 20. September 2011 und vom 23. September 2011 – Veröffentlichungen nach § 37q Abs. 2 Satz 1 WpHG
  21. [1] Gesellschafter der Dii GmbH, dii-eumena.com (abgerufen am 12. November 2012)
  22. Nina Luttmer, Financial Times Deutschland: HSH schreibt abermals 500 Mio ab (Memento vom 24. September 2008 im Internet Archive) – abgerufen am 25. September 2008
  23. Schleswig-Holstein Magazin im NDR Fernsehen: HSH Nordbank ist offenbar auf staatliche Hilfe angewiesen, 24. Oktober 2008
  24. Pressemitteilung der HSH Nordbank vom 10. November 2008: HSH Nordbank nutzt Garantiefonds; abgerufen am 11. Januar 2009
  25. Pressemitteilung der HSH Nordbank vom 10. November 2008: Vorstandsvorsitzender Hans Berger tritt zurück; abgerufen am 11. Januar 2009
  26. Pressemitteilung der HSH Nordbank vom 17. November 2008: Aufsichtsrat der HSH Nordbank bestellt Dirk Jens Nonnenmacher zum Vorstandsvorsitzenden; abgerufen am 11. Januar 2009
  27. HSH Nordbank schüttet trotz Krise 70 Millionen an Investoren aus. In: Wirtschaftswoche, 7. Januar 2009 (abgerufen am 16. Januar 2009)
  28. HSH Nordbank stoppt geplante Ausschuettung der 200 Millionen Dividende In: Hamburger Abendblatt, 24. März 2009 (abgerufen am 16. Februar 2011)
  29. dpa-AFX-Information vom 24. Februar 2009: Kiel und Hamburg beschließen Rettungspaket für HSH Nordbank (abgerufen am 24. Februar 2009)
  30. DIRK JENS NONNENMACHER Millionenzahlungen für HSH-Vorstandschef auf Spiegel online, 10. Juli 2009
  31. Peter Hornung, Jürgen Webermann: HSH-Chef genehmigte offenbar verlustreiches Geschäft (Memento vom 16. Oktober 2009 im Internet Archive). Auf: NDR Info, 13. Oktober 2009
  32. Wir haben den Anfangsverdacht der Untreue. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Nordbank-Chef Nonnenmacher. In: Hamburger Abendblatt, 17. Oktober 2009
  33. „Landesregierungen fordern Rauswurf Nonnenmachers“ auf Spiegel Online, 9. November 2010
  34. spiegel.de: Nonnenmacher geht zum 31. März
  35. siehe auch Interview (Juli 2013) mit Hilmar Kopper, damals AR-Vorsitzender der HSH Nordbank
  36. Untersuchungsausschuss zur Nordbank beschlossen. In: Hamburger Morgenpost, 12. Juni 2009
  37. Polizei ermittelt wegen „Untreue und Bilanzfälschung“. In: Hamburger Abendblatt, 8. August 2009
  38. Hierzu der Hamburger Staatsanwalt Wilhelm Möllers im Februar 2010 gegenüber dem NDR: „Das Verfahren ist bisher gegen niemanden eingestellt.Dossier: Die Zockerbank, NDR 45 Min vom 2. Februar 2010
  39. Michael Naumann: HSH-Verlust schon 2008 bekannt. In: Hamburger Abendblatt, 12. Januar 2010 (abgerufen am 6. Februar 2010)
  40. SPD wirft Senat „Täuschung der Öffentlichkeit“ vor. In: Die Welt, 11. Januar 2010 (abgerufen am 6. Februar 2010)
  41. Dr. No geht baden. In: taz, 19. November 2009
  42. vgl. Untersuchungsausschuss: HSH-Chef Nonnenmacher räumt Fehler ein bei Spiegel Online, 5. Februar 2010 (abgerufen am 5. Februar 2010)
  43. vgl. HSH Nordbank: Nonnenmacher räumt schwere Fehler ein (Memento vom 7. Februar 2010 im Internet Archive) bei ndr.de, 5. Februar 2010 (abgerufen am 5. Februar 2010)
  44. „Bericht und Beschlussempfehlung des Ersten Parlamentarischen Untersuchungsausschusses HSH Nordbank“ Drucksache 17/1675 15. August 2011
  45. „HSH: Keiner schuld, viele verantwortlich“ (Memento vom 25. September 2011 im Internet Archive) NDR, 16. August 2011
  46. a b Handelsblatt 23. Juli 2013: Bankvehikel. Das ominöse Omega
  47. Der Spiegel 30/2013 (S. 36–38): Botox für die Bilanz
  48. Handelsblatt 24. Juli 2013: Prozessauftakt HSH Nordbank. Omega 55 verfolgt Dr. No
  49. manager-magazin 24. Juli 2013: HSH-Vorstand vor Gericht. Dr. No und der ominöse Omega-55-Deal
  50. manager-magazin 24. Juli 2013: HSH-Prozess: Banker auf der Anklagebank (Fotostrecke – Die Angeklagten)
  51. a b Pressestelle des Hanseatischen Oberlandesgerichts 2. Mai 2013: Verfahren gegen ehemalige Vorstandsmitglieder der HSH Nordbank – Entscheidung des Landgerichts über die Eröffnung des Hauptverfahrens
  52. Stern-Online 24. Juli 2013: Eher landet ein Dieb im Gefängnis als ein Banker.
  53. Staatsanwaltschaft legt Berufung gegen HSH-Urteil ein
  54. NDR, Nordbank: Millionen-Bußgeld für Panama-Geschäfte (Memento vom 19. August 2015 im Internet Archive), 18. August 2015
  55. HSH Nordbank, HSH Nordbank trifft Vorsorge für Cum-Ex-Geschäfte der Jahre 2008–2011, 17. Dezember 2013
  56. http://inn-hh.de/images/kpmghshbil_445.jpg
  57. eBundesanzeiger vom 18. Oktober 2011 Konzernabschluss der HSH Nordbank von 2010 und der Gardeur Beteiligungs GmbH zum 30. September 2009 und zum 30. September 2010
  58. HSH Nordbank beendet Namensrecht-Vertrag mit dem HSV auf hsh-nordbank.de
  59. "Imtech Arena" bringt 25 Millionen! In: Hamburger Morgenpost. 22. August 2009, abgerufen am 26. November 2015.

Koordinaten: 54° 19′ 27″ N, 10° 8′ 10″ O