Haiʾat Tahrir asch-Scham

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Haiʾat Tahrir asch-Scham
هيئة تحرير الشام
Flag of Hayat Tahrir al-Sham.svg

Flagge der Haiʾat Tahrir asch-Scham
Aufstellung 2017
Land Syrien
Stärke 31.000 (Januar 2017)[1]
Kommandeur
Vorsitzender Hashim al-Sheikh, Kampfname: Abu Jabir[2]
Militärischer Befehlshaber Abu Muhammad al-Dschaulani

Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS, arabisch هيئة تحرير الشام Haiʾat Taḥrīr aš-Šām ‚Komitee zur Befreiung der Levante‘) ist ein extremistisch-islamistisches Bündnis verschiedener Milizen, die im Bürgerkrieg in Syrien kämpfen. Es wird international mehrheitlich als Terrororganisation angesehen, unter anderem von der Türkei, Kanada und den USA.[3] Die iranische Regierung vermutet eine Unterstützung der Dschihadisten durch Saudi-Arabien und Katar.[4]

Gründung und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde Anfang 2017 als Reaktion auf die Friedensgespräche in Astana gegründet, hinter denen die Türkei, der Iran und Russland standen. Mitglieder des Bündnisses lehnen jegliche Friedensgespräche ab, die nicht den Rücktritt von Baschar al-Assad beinhalten. Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörte die Liwa al-Haqq, Dschaisch as-Sunna, Dschabhat Ansar ad-Din, Harakat Nour al-Din al-Zenki so wie die Dschabhat Fatah asch-Scham, die als größte Kraft innerhalb des Bündnisses gilt. Von ihren geschätzten 31.000 Kämpfern entfallen 20.000 auf die Dschabhat Fatah asch-Scham.[5][6] Diese gilt als Nachfolger der al-Nusra-Front und untersteht damit der Chorasan-Gruppe, welche wiederum als syrischer Zweig der al-Qaida gilt.[7]

Entwicklung im Syrienkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe des Januar 2017 attackierte das Bündnis andere Rebellengruppen sowie Regierungstruppen. Zu den ersten Angriffen auf andere Rebellen kam es beim Grenzübergang Bab al-Hawa. Das Bündnis kritisierte im Januar die Operation Schutzschild Euphrat, die von der Türkei gestützt wird. Anfang Februar begann sie damit, FSA-Brigaden anzugreifen, die an dieser Operation teilnehmen.[8][9]

Im Verlaufe des Februar 2017 richtete sich die Offensive vor allem gegen die Salafistenmiliz Ahrar al-Scham und Brigaden der FSA. Diese organisierten sich unter der Führung der Ahrar al-Scham zu einem eigenen Bündnis (Dschabhat Tahrir as-Suriya), um vereint Widerstand zu leisten.[10]

Trotz der Vereinigung handelt es sich bei Haiʾat Tahrir asch-Scham verdeckt um den syrischen Zweig von al-Qaida.[11] Auch deshalb wird die Terrorgruppe vom syrischen Präsidenten Assad und seinen russischen Verbündeten weiterhin als al-Nusra-Front bezeichnet.[12]

Die HTS galt im Sommer 2017 als dominierende Kraft in der Region um Idlib,[13] begann aber im Oktober mit Beginn der türkischen Intervention in der Region an Unterstützung zu verlieren, als sich Kämpfer lokaler Gruppierungen unter dem Eindruck des türkischen Vorgehens abzuspalten begannen.[14]

Im September 2018 kontrollierte die al-Qaida nahestehende Gruppe Hayat Tahrir al-Sham etwa 60 Prozent der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens. Auch einige Tausend Europäer kämpften in der Dschihadistenmiliz.[15]

Anfang Januar 2019 flammten südwestlich von Aleppo Kämpfe zwischen der HTS und der – von der HTS abgespaltenen dschihadistischen und von der Türkei unterstützten Gruppierungen – Nationalen Befreiungsfront (NLF) auf, bei denen die HTS einige Gebiete erobern konnte.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nazeer Rida: Syria: Surfacing of ‘Hai’at Tahrir al-Sham’ Threatens Truce. (Memento des Originals vom 15. Februar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/english.aawsat.com In: aawsat.com. 30. Januar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  2. Tahrir al-Sham:Latest incarnation in Syria, BBC, 28. Februar 2017 (englisch)
  3. Tahrir al-Sham: Al-Qaeda's latest incarnation in Syria
  4. Confrontation between Turkey, Saudi Arabia Root Cause of Tensions among Terrorist Groups in Syria
  5. Leith Fadel: Al-Qaeda merges with former US supplied rebel forces in Syria. In: almasdarnews.com. 28. Januar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  6. Syria Islamist factions, including former al Qaeda branch, join forces: statement. In: reuters.com. Reuters, 28. Januar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  7. Thomas Joscelyn: Al Qaeda and allies announce ‘new entity’ in Syria. In: longwarjournal.org. Public Multimedia Inc., 28. Januar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  8. Hayyaat Tahrir al-Sham raids headquarters of a Division of the “Euphrates Shield” operations. In: syriahr.com. 2. Februar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  9. Aymenn Jawad Al-Tamimi: The Formation of Hay’at Tahrir al-Sham and Wider Tensions in Syria’s Insurgency. In: rubincenter.com. 22. Februar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  10. Syrische Extremisten verbünden sich. In: n-tv.de. RTL Group, 28. Januar 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  11. Al-Qaeda’s Grand Plan for Syria Passes Through Hayat Tahrir al-Sham. (Nicht mehr online verfügbar.) In: stopterrorfinance.org. CATF Reports, 14. Februar 2017, archiviert vom Original am 30. April 2017; abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stopterrorfinance.org
  12. Hayat Tahrir al Sham: Syrian govt's toughest foe in Idlib
  13. Patrick Cockburn: While defeat of Isis dominates global attention, al-Qaeda strengthens in Syria. In: independent.co.uk. The Independent, 6. September 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017 (englisch).
  14. Türkei beginnt offiziell Militäreinsatz. In: Die Tageszeitung. taz, die Tageszeitung. Verlagsgenossenschaft eG, 9. Oktober 2017, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  15. Für die Türkei wäre der Verlust Idlibs ein Tiefschlag
  16. Die Dschihadisten erobern, die Türkei schaut zu. Spiegel Online, 8. Januar 2019, abgerufen am 8. Januar 2019.