Handelsbeziehung

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Unter einer Handelsbeziehung (auch: Außenhandelsbeziehung; englisch trade relation) versteht man im Außenhandel den Handel zwischen zwei Staaten oder die Geschäftsbeziehung zwischen Exporteuren und Importeuren.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Außenhandel bildet die Grundlage der internationalen Arbeitsteilung. Er entsteht dadurch, dass inländische Wirtschaftssubjekte - meist langfristig angelegte - Handelsbeziehungen mit Wirtschaftssubjekten des Auslands unterhalten. Er wird bestimmt durch die Verschiedenartigkeit der Rahmenbedingungen zwischen nationalem und internationalem Geschäft. Diese kommen durch unterschiedliche politische, wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle Rahmenbedingungen zum Ausdruck.[1] Die Gesamtheit aller die Staatsgrenzen überschreitenden Handelsbeziehungen wird Welthandel genannt.

Handelsbeziehungen sind erforderlich, weil oder wenn die nationalen Märkte bestimmte Waren oder Dienstleistungen nicht, teurer oder qualitativ schlechter bereitstellen, also das heimische Angebot zur Deckung der Nachfrage nicht ausreicht. Handelsbeziehungen bestehen zwischen Staaten sowie zwischen Exporteuren und Importeuren auf der Grundlage Business-to-Business, Business-to-Consumer, Business-to-Administration (bei Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen und Staaten) oder Administration-To-Administration (bei Handelsbeziehungen zwischen Staaten).

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt bilaterale und multilaterale Handelsbeziehungen:

Damit beruhen sämtliche Handelsbeziehungen auf vertraglicher Grundlage, wobei meist internationales Recht gilt.

Handelsbeziehungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1969 beschloss die EWG die schrittweise Vereinheitlichung der Abkommen über die Handelsbeziehungen zwischen den Mitgliedstaaten und dritten Ländern und über die Aushandlung der gemeinschaftlichen Abkommen.[2] Danach durften neue Handelsabkommen mit dritten Ländern grundsätzlich nur noch von der Gemeinschaft geschlossen werden. Die heutigen Handelsbeziehungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten und deren Exporteuren/Importeuren unterliegen folgenden Voraussetzungen:[3]

Damit gewähren innereuropäische Handelsbeziehungen den Exporteuren und Importeuren deutliche Wettbewerbsvorteile, die zwischen der EU und Drittstaaten nicht vorhanden sind.

Handelsbeziehungen und Außenhandelsinstrumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handelsbeziehungen sind Gegenstand staatlicher Außenhandelsinstrumente. Mit ihrer Hilfe werden Handelsbeziehungen erleichtert durch Freihandel, Exportkreditversicherung oder Außenhandelsfinanzierung, eingeschränkt durch Handelshemmnisse oder Handelssanktionen und verboten durch Embargo. Der EuGH hat die der Gemeinschaft ausschließlich gemäß Art. 207 AEUV zugewiesene Kompetenz zur Ordnung ihrer äußeren Handelsbeziehungen extensiv interpretiert und in dem so genannten „Naturkautschuk-Gutachten“ diese Zuständigkeit nicht auf den Einsatz der klassischen Außenhandelsinstrumente beschränkt, sondern hierzu auch Maßnahmen im Zuge einer „neuen Weltwirtschaftsordnung“ gerechnet.[4] Nach dem Konzept der „gelenkten Handelsbeziehungen“ (englisch managed trade) sind allerdings nicht „freie“, sondern „faire“ Handelsbeziehungen anzustreben. Damit ist jedoch nicht fairer Handel gemeint, sondern bilateral weitgehend symmetrische Handelsbeziehungen, die für äquivalente ökonomische Effekte sorgen.[5] Die Staaten sollten danach ihre Handelsbeziehungen nach „gewünschten Gesichtspunkten“ organisieren und strukturieren

Handelsbeziehungen und Außenwirtschaftstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handelsbeziehungen sind Erkenntnisobjekt der Außenwirtschaftstheorie. Sie untersucht den Austausch von Waren und Dienstleistungen der Realwirtschaft und lässt die Finanzwirtschaft zunächst unberücksichtigt. In einem zweiten Schritt werden der internationale Zahlungsverkehr sowie der internationale Kreditverkehr analysiert. Ursache der Aufnahme internationaler Handelsbeziehungen sind nach neueren Erkenntnissen steigende Skalenerträge.[6] Im Heckscher-Ohlin-Modell zur Darstellung der Handelsbeziehungen werden zwei Staaten, zwei Güter und zwei Produktionsfaktoren zu Grunde gelegt. Im Ergebnis führt dies zu der Annahme, dass diejenigen Staaten die Güter exportieren, deren Produktion durch besonders viele national vorhandene Faktoren erst möglich und nutzbar wird.[7] Das Heckscher-Ohlin-Modell der Handelsbeziehungen zwischen den Staaten (außer USA) gilt als verifiziert.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Clemens Büter, Außenhandel: Grundlagen internationaler Handelsbeziehungen, 2017, S. 1
  2. ABl. Nr. L326 vom 29. Dezember 1961, S. 39
  3. Clemens Büter, Außenhandel: Grundlagen internationaler Handelsbeziehungen, 2017, S. 31 f.
  4. EuGH, Gutachten vom 4. Oktober 1990, Az.: 1-78 (2)
  5. Katja Gelbrich/Stefan Müller, Handbuch Internationales Management, 2011, S. 928
  6. Wim Kösters, Freihandel versus Industriepolitik, in: Wirtschaftsdienst 1992/I, 1992, S. 51
  7. Paul Krugman/Maurice Melitz/Marc Obstfeld, Internationale Wirtschaft, 2015, S.131 ff.
  8. Peter Zweifel/Robert H. Heller, Internationaler Handel (Theorie und Empirie), 1992, S. 127