Internationaler Zahlungsverkehr

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Internationaler Zahlungsverkehr ist im Zahlungsverkehr die Übertragung von Zahlungsmitteln über Ländergrenzen hinweg.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der internationale Zahlungsverkehr ist Teil des Zahlungsverkehrs und hat durch die Einführung des Euro den Kauf von Sorten und dadurch auch den Außenhandel erheblich entlastet. Ebenso die Tatsache, dass rund die Hälfte der deutschen Importe aus dem Raum der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) kommt und Exporte nur selten in andere Kontinente geliefert werden, zeugen davon, dass der internationale Zahlungsverkehr wirtschaftlich immer mehr dem nationalen gleichkommt.

Dennoch ist der Außenhandel wichtiger denn je. Bedeutende Länder aus dem europäischen Raum gehören bisweilen nicht der Europäischen Union an und zählen teilweise auch nicht zu den Mitgliedsstaaten der EWWU. Dies ist zum Beispiel Deutschlands Nachbarland Schweiz sowie Reiseländer wie Großbritannien und Schweden. Auch Privat- und insbesondere Firmenkunden eines jeden Kreditinstituts beschränken ihre Aktivitäten nicht nur auf den europäischen Raum. So haben zahlreiche Handelspartner von deutschen Unternehmen ihren Sitz beispielsweise in den Vereinigten Staaten oder sind ansässig in den dicht bevölkerten und wirtschaftlich interessanten asiatischen Ländern.

Die Notwendigkeit des Außenhandels gewinnt in Zeiten steigender Bevölkerung, Wirtschaft, internationaler Arbeitsteilung und Verbrauch stetig an Bedeutung.

Übliche Formen des internationalen Zahlungsverkehrs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sortenhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Handel von Sorten, also ausländischem Bargeld, ist eine von vielen Dienstleistungen eines Kreditinstitutes. Eine Bank führt einen bestimmten Bestand von Sorten und hält diesen für Kunden, die diese vor einem Reiseantritt ankaufen, bereit. Durch den unvermeidlichen Umstand, dass die Sorten gekauft, versandt, versichert und gelagert werden müssen, entstehen Personal- und Versicherungskosten, sowie erhebliche Zinsverluste. Die aufgewendeten Kosten werden vom Kreditinstitut dadurch gedeckt, indem sie dem Kunden sowohl beim An- als auch beim Verkauf von Sorten Kosten berechnen.

Die Festlegung eines Preises für den An- und Verkauf von Sorten ist von verschiedenen wirtschaftlichen und logistischen Faktoren abhängig:

  • Der jeweilige und aktuelle Devisenkurs gibt den Preis für ausländisches Buchgeld an und beeinflusst durch tägliche Schwankungen den Sortenpreis mit. Dabei spielt auch die derzeitige Marktsituation eine Rolle, denn die Kurse der Konkurrenz sowie saisonale Einflüsse der Hauptreisezeit und die dadurch größeren Geldbestände sind allesamt Kostenfaktoren.
  • Der Arbeitsaufwand, der durch das Prüfen, Zählen, Verpacken und Versenden der Sorten entsteht, muss im Endeffekt mit Personalkosten gedeckt werden.
  • Die Tatsache, dass Sorten während ihrer Lagerung nicht gewinnbringend angelegt werden können, beschert dem Kreditinstitut Zinsausfälle.

Unterschieden wird dabei, ob der Handel von Sorten mit einer Privatperson oder mit einer anderen Bank stattfindet. Die Banken kalkulieren den Preis untereinander stets geringer ein als es für Schalterpreise üblich wäre, da im Interbankenhandel meist höhere Geldbestände zu verzeichnen sind.

An- und Verkäufe von Kunden können sowohl bar als auch über ein Euro-Konto abgewickelt werden. Eine weitere Möglichkeit wäre die Abrechnung über ein bestehendes Fremdwährungskonto. Dadurch, dass der An- und Verkauf über ein Fremdwährungskonto als Handel mit Buchgeld bewertet wird, erfolgt dabei ein Auf- bzw. Abschlag, der schließlich die Differenz zum aktuellen Sortenpreis regelt. Die Schweiz ist der Schauplatz für den europäischen Sortenhandel. Dort wickeln Kreditinstitute mit größeren Sortenkäufen und -verkäufen ihre Geschäfte ab. Die Abrechnung erfolgt über die Währung Euro oder US-Dollar.

Überweisung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Auslandsüberweisung

Bankschecks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwendung von Bankschecks beschränkt sich auf den internationalen und nicht selten sogar den interkontinentalen Zahlungsverkehr. Bankschecks eignen sich besonders, wenn die Zahlung in einem Drittland erfolgt, dies jedoch gegenüber dem Zahlungspflichtigen nicht bewusst werden soll. Der Zahlungspflichtige kauft bei seinem Kreditinstitut einen Scheck und stellt somit sicher, dass die ausstellende Bank nun gegenüber dem Begünstigten zur Zahlung verpflichtet ist. Der Vorteil an dieser Sache ist, dass der eigentliche Inkassoweg des Schecks lediglich bis zur bezogenen Bank läuft und nicht bis ins Ausstellungsland. Dadurch wird gewährleistet, dass die Schecks in der Regel schneller eingelöst oder angekauft werden.

Bankschecks können sowohl auf Euro als auch auf Fremdwährung lauten, wobei Schecks mit Fremdwährung auf eine Korrespondenzbank im Land der jeweiligen Währung gezogen werden. Diese Korrespondenzbank löst den Scheck schließlich zulasten der ausstellenden Bank ein. Schecks, die wiederum auf Euro lauten, werden in der Regel auf Inlandsbanken gezogen, statt eine Niederlassung im Ausland aufzusuchen.

Meistens werden mit Bankschecks Orderschecks ausgestellt, die sich von anderen Schecks mit einer Kennzeichnung von zwei parallel laufenden Linien unterscheiden (crossed cheque = gekreuzter Scheck). Diese Schecks werden in Deutschland als Verrechnungsscheck bewertet und sind daher nur auf das Konto des Inhabers gutzuschreiben. Orderschecks können an die Order einer begünstigten Person oder Firma ausgestellt werden. Auch eine Ausstellung an ein ausländisches Kreditinstitut, zu dem keine Korrespondenz besteht, ist mit einer Order mittels Schreiben, den Scheck dem Begünstigten auf dessen Konto gutzuschreiben, möglich. Weitergaben von Orderschecks können nur durch ein Indossament, das auf der Rückseite des Schecks die Niederlegung des Inhaberrechts des Papiers schriftlich festhält, geschehen.

Die Verwendung eines Bankschecks durch den Begünstigten in Fremdwährung ist dahingehend vorteilhaft, dass im Vergleich zum Privatscheck kein Kursrisiko besteht. Da die Belastung stets mit dem Scheckbetrag oder dem Gegenwert sofort bei Ausstellung erfolgt, fährt der Auftraggeber des Schecks entgegen dem Privatscheck einen Zinsverlust ein.

Reiseschecks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Reisescheck, auch Traveler Cheque genannt, ist im Grunde ein besonderer Barscheck. Sie werden international als Zahlungsmittel anerkannt und sind gegen Verlust oder Diebstahl versichert, was sie gegenüber einem üblichen Barscheck oder Bargeld sicherer macht. In der Regel werden verloren gegangene Reiseschecks vor Ort und binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Käufer der Schecks ausweisen und angeben kann, welche Papiere verloren gegangen und welche bereits eingelöst wurden.

Beim Verkauf von Reiseschecks sind besonders die Ausgabebestimmungen zu beachten und vor allem die doppelte Unterschriftenleistung auf dem Scheck. So muss der Käufer von Reiseschecks die Schecks zum ersten Mal bei Aushändigung durch das Kreditinstitut unterschreiben und ein weiteres Mal bei der Einlösung. Zusammen mit den Schecks erhält der Kunde eine Verkaufsabrechnung, in der die numerische Kennzeichnung der einzelnen Schecks aufgelistet ist sowie der Name des Ausgabeinstituts, des Kunden und die genaue Anschrift. Beim Kauf von Reiseschecks fällt außerdem eine Provision an, die in Deutschland mit einem Prozent auf den Nennwert und mindestens zehn Euro fällig wird. Die Abrechnung des Gegenwerts der Schecks erfolgt entweder bar oder über das Kundenkonto. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, dass Reiseschecks auf zwei Personen ausgelegt werden. So werden nach dem Erwerb der Papiere beide Unterschriften der Kunden abgegeben, wogegen beim Einlösen lediglich eine der beiden Unterschriften genügt. Dieser Mehraufwand schlägt sich auch auf die Provision aus, die sich auf einen Satz in Höhe von 1,75 Prozent bei einer Mindestgebühr von 12,50 Euro erhöht.

Reiseschecks werden bei Kreditinstituten angekauft. Außerdem nehmen in Deutschland viele Hotels, Restaurants und andere Geschäfte Reiseschecks als Zahlungsmittel an. EUR-Reiseschecks, also auf Euro lautende Schecks, werden in Deutschland kostenfrei eingelöst, wogegen im Ausland bei der Einlösung Provisionen anfallen, die in ihrer Höhe von der jeweils einlösenden Stelle abhängig sind. Reiseschecks in Fremdwährung werden für gewöhnlich in der Inlandswährung ausbezahlt. Auf Wunsch des Kunden kann die Einlösung auch in der jeweiligen Fremdwährung erfolgen, wobei der Gegenwert des Schecks zum aktuellen Scheckankaufskurs der Inlandswährung umgerechnet wird. Dadurch erfährt der Kunde eine niedrigere Auszahlung in Fremdwährung als der Scheck eigentlich wert ist. Reiseschecks, die von Dritten vorgelegt werden, werden wie bei einem Verrechnungsscheck mit einem Indossament und Unterschrift auf der Rückseite des Papiers dem Kundenkonto gutgeschrieben.

Reiseschecks besitzen keine Gültigkeitsdauer und können daher problemlos vom Kunden aufbewahrt werden, bis dieser eine nächste Reise unternimmt.

Dokumenteninkasso[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Dokumenteninkasso

Das Dokumenteninkasso ist eine Möglichkeit der Zahlungsabwicklung und der Zahlungssicherung unter Mitwirkung der Bankverbindung des Zahlungspflichtigen. Dabei fungiert die eingeschaltete Bank als Vermittler zweier Handelspartner, so dass sowohl das Interesse des Exporteurs, der als Zahlungsempfänger die Zahlung seiner Lieferung erwartet, als auch das Interesse des Importeurs, der das Eigentum an der gekauften Ware erlangen möchte, geschützt wird. Dabei werden dem Zahlungspflichtigen Dokumente gegen geleistete Zahlung (englisch documents against payment) oder gegen Annahme eines Wechsels (englisch documents against acceptance) ausgehändigt.

Die beteiligten Parteien treten in eine bestimmte Rechtsbeziehung zueinander. Zur Standardisierung des Abwicklungsverfahrens innerhalb des Bankwesens wurden von der Internationalen Handelskammer in Paris Richtlinien entwickelt, die von den Banken in ihrem Vertragsverhältnis zugrunde gelegt werden müssen. Diese „Einheitlichen Richtlinien für Inkassi“ (ERI) sind am 1. Januar 1996 in Kraft getreten und finden seither weltweit Anwendung.

Dokumentenakkreditiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Akkreditiv

Ein Dokumentenakkreditiv ist ein abstraktes, bedingtes Zahlungsversprechen der Bankverbindung des Importeurs. Diese Bank verpflichtet sich gegenüber einem Exporteur, Zahlung zu leisten, sofern akkreditivkonforme Dokumente vorgelegt werden können. Abstrakt in diesem Sinne bedeutet, dass das Versprechen der Schuldnerbank in keinem Rechtsverhältnis des eigentlichen Grundgeschäfts steht, sondern als getrenntes und selbstständiges Handelsgeschäft neben dem Kaufvertrag zu betrachten ist. Der Zusatz bedingt bedeutet hingegen, dass das Schuldversprechen nur dann als erfüllt anzusehen ist, wenn die im Akkreditiv versprochenen Leistungen und die dokumentäre Vorlage der Inhalte vertragsgemäß erfolgte.

Insofern bietet das Akkreditiv eine Möglichkeit, sowohl die Interessen des Käufers als auch die des Verkäufers in einem einzigen Auslandsgeschäft zu schützen. Der Käufer kann sich durch diese Abwicklungsform versichern, dass er seine Leistung nur erbringen muss, sobald der Verkäufer seine Ware versandt hat und dies durch die Vorlage von Dokumenten beweisen kann. Im Gegenzug dazu kann der Verkäufer sicherstellen, dass er nach der Lieferung und dem Nachweis durch Dokumente seine versprochene Bezahlung erhält.

Während das Dokumenteninkasso auf eine eindringliche und detaillierte Prüfung der Dokumente verzichtet, haben die Dokumente bei der Akkreditivabwicklung einen hohen Stellenwert und unterliegen daher einer strengen Prüfung. Da es sich beim Akkreditiv um ein bedingtes Zahlungsversprechen handelt, darf der Rechnungsbetrag nur mit vertragsgerechten Dokumenten ausgezahlt werden. Demzufolge haben sich die Dokumente nach den „Einheitlichen Richtlinien und Gebräuche für Dokumentenakkreditive“ anzupassen.

Als anerkannte Rechtsgrundlage des Dokumentenakkreditivs werden fast weltweit die „Einheitlichen Richtlinien und Gebräuche für Dokumentenakkreditive“ (ERA) akzeptiert. Ihre Verbindlichkeit in der Abwicklung wird erst durch einen Einbezug in den Vertrag gewährleistet, da die ERA noch immer kein internationales Recht bilden. Die ERA wurden von der Internationalen Handelskammer in Paris entwickelt, wobei die aktuelle Fassung der seit dem 1. Januar 1994 in Kraft getretenen Richtlinien anzuwenden ist.

Risiken im Außenhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftliche Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da sich die verschiedenen Handelspartner räumlich sehr voneinander distanzieren, lassen sich weitergehende Informationen zu seinem jeweiligen Vertragspartner eher schwer und umständlich beschaffen, als dies der Fall wäre, wenn das Geschäft im selben Land stattfinden würde. Dazu kommt, dass in verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Gesetze und Gebräuche aufeinandertreffen, die sich im Streitfall nur schwer oder überhaupt nicht durchsetzen lassen.

Wie bei einem Inlandsgeschäft gibt es bei einem Auslandsgeschäft die Risiken, dass ein Käufer die Ware eines Verkäufers nicht abnimmt (Fabrikationsrisiko), nicht bezahlen kann (Bonitätsrisiko) oder dass die Ware eines Verkäufers während des Transportes beschädigt (Transportrisiko) oder verspätet im Ausland ankommt (Erfüllungsrisiko). Durch die Distanz, die sich bei einem Handel ins Ausland ergibt, erhöhen sich genannte Risikofaktoren dementsprechend.

Sofern das Geschäft die Grenzen der EWWU überschreitet, müssen sich die Handelspartner auf eine gemeinsame Währung einigen, mit der das Geschäft abgewickelt werden kann. Ein Nachteil kann sich für denjenigen ergeben, der nicht in seiner Heimatwährung bezahlt, da er ebenso die Kursschwankungen der fremden Währung beachten muss (Kursrisiko). Eine Einigung kann erzielt werden, wenn die Währung eines Drittlandes herangezogen wird. In diesem Fall besteht das Kursrisiko für beide Parteien.

Politische Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den wirtschaftlichen Risiken, gibt es auch eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die auf die politischen Verhältnisse eines Landes zurückzuführen sind. So können außergewöhnliche Großereignisse wie Krieg, Revolution oder Streik einen negativen Einfluss auf die Abwicklung eines Auslandsgeschäfts haben. Ebenso können sich durch langfristige Verträge, Vereinbarungen und Bündnisse Probleme für die Demokratie ergeben, da die Souveränität der Entscheidungsgeber sowie Amtspersonen eingeschränkt wird.

Besonders riskant sind dabei lang- oder kurzfristige politische Entschlüsse. Zum Beispiel kann entschieden werden, dass die Währung eines Landes nicht in eine andere umgetauscht werden darf (Konvertierungsverbot), dass die Währung nicht ins Ausland übertragen werden darf (Transferverbot) oder dass Zahlungen aus staatlicher Seite verboten (Zahlungsverbot) oder verschoben werden (Moratorium).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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