Hannoversches Straßenbahn-Museum

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Museumsgelände

Das Hannoversche Straßenbahn-Museum (HSM) ist ein Museum für Straßenbahnen und verwandte Fahrzeuge in Wehmingen, einem Ortsteil von Sehnde südöstlich von Hannover. Das Museum wird in privater Trägerschaft und durch ehrenamtliche Tätigkeit vom Verein Hannoversches Straßenbahn-Museum e. V. betrieben. Standort ist das Gelände des ehemaligen Kalibergwerks Hohenfels in Wehmingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumseingang
Blick über einen Teil des Museumsgeländes zur Veranstaltung "Feuerwehrtag" 2013. In der Mitte das alte Maschinenhaus, hinten die 2006 gebaute offene Fahrzeughalle.
Gelände mit Hallenüberdachung
Gleisstrecke auf dem Museumsgelände
Gelenkwagen der Düsseldorfer Rheinbahn, seit 2010 wieder betriebsbereit

Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kalibergwerk Hohenfels wurde von 1901 bis 1928 betrieben, dann wurde es stillgelegt, der Schacht aber noch bis 1983 betriebsfähig erhalten. Das Gelände diente ab 1937 als Munitionsanstalt Sehnde, in der Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, die im angegliederten Arbeitslager untergebracht wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände bis 1966 von der britischen Armee genutzt, danach bis 1973 als Bundeswehrstandort.[1][2][3]

Straßenbahnmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1987 gegründete Trägerverein griff beim Aufbau des Museums vielfach auf eine bereits in den 1970er-Jahren begonnene Fahrzeugsammlung des in Konkurs gegangenen Vorgängervereins Deutsches Straßenbahn-Museum Hannover e. V. zurück. Ursprünglich waren mehr als 350 Straßenbahnen, Busse, O-Busse und Nutzfahrzeuge vorhanden. Bis 2016 wurde der Bestand auf rund 140 Schienenfahrzeuge reduziert. Viele Fahrzeuge wurden an andere Museen, Verkehrsbetriebe und private Sammler abgegeben, aber es wurden auch viele Fahrzeuge verschrottet. Dies war teilweise umstritten, doch durch Abstellzeiten im Freien von teilweise mehr als dreißig Jahren befanden sich viele Fahrzeuge in einem schlechten Zustand. Es gab aber auch eine Reihe von Dubletten. Inzwischen verfügt das Museum über viele restaurierte und einsatzfähige Fahrzeuge. Mitte 2016 waren circa 70 Fahrzeuge vorzeigbar und ausgestellt. Von diesen Wagen sind 17 Triebwagen und neun Beiwagen für den Personenverkehr betriebsbereit und zugelassen, ebenso einige Arbeitswagen. Für den Betrieb und die Instandhaltung dieser und auch die Restaurierung weiterer Wagen steht dem Museum ein umfangreiches Ersatzteillager zur Verfügung, wobei die Teile größtenteils aus den verschrotteten Wagen stammen.

Trotz der sehr großen Sammlung (neben den Bahnen existieren auch noch einige Oberleitungsbusse, mehrere Diesel-Omnibusse und natürlich die für den Betrieb unentbehrlichen Nutzfahrzeuge wie z. B. Turmwagen) werden auch neue historische Fahrzeuge beschafft, wenn sie eine Lücke in der Sammlung füllen, ein schlechter erhaltenes ähnliches Fahrzeug ersetzen oder für den Besucherbetrieb einsetzbar sind.

Ein großes Problem des Museums waren und sind fehlende geschützte Abstellplätze für die Exponate, die unter freiem Himmel schnell deutliche Verwitterungsspuren und Schäden bekommen. Anfang 2006 wurde eine seitlich offene Stahlleichtbauhalle als Carport errichtet. Damit stehen jetzt ca. 95 Fahrzeuge unter Dach.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Museum werden zum größten Teil die alten Gleisanlagen des ehemaligen Bergwerks in Normalspur (1435 mm) genutzt. Die Gleise wurden durch eigene Neubauabschnitte ergänzt. Zuletzt wurde im Jahr 2004 der erste Abschnitt der neuen Wendeschleife eröffnet, der die alten Kalibahn-Gleise mit einer Kurve verbindet, und 2005 der Lückenschluss der Oberleitung vollendet, so dass die erste Schleife fertiggestellt war. Die zweite, für den Betrieb von Einrichtungswagen notwendige Wendeschleife wurde Ende 2014 fertiggestellt und ist seit Sommer 2015 mit den zwei neuen Ankunftshaltestellen im Fahrgastbetrieb.

In das Streckennetz einbezogen ist auch ein Teil der früheren Verbindungsstrecke zum Bahnhof Algermissen an der Bahnstrecke Lehrte–Nordstemmen. Seit dem 11. August 2013 ist ein erstes Teilstück von ca. 1,1 km Länge elektrifiziert. Eine kurze Verlängerung wird seit April 2015 befahren. Der endgültige Endpunkt wird bei der Brücke über den Stichkanal Hildesheim sein. Der Bau der Oberleitung für das nächste Teilstück begann im Mai 2016, jedoch muss der Gleiskörper auf diesem Teilstück noch komplett erneuert werden.

Fahrzeugsammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fahrzeugsammlung konzentriert sich auf deutsche Straßenbahnen aus allen Epochen des Straßenbahnverkehrs. Sie wird um einige ausländische Exponate, Arbeitsfahrzeuge und verwandte Fahrzeuge ergänzt, darunter Pferdebahnwagen, ein Wagen der Wuppertaler Schwebebahn sowie ein restauriertes Exemplar der ersten Serie der Budapester Untergrundbahn, der nach der London Underground zweitältesten U-Bahn der Welt. Zuletzt wurde der Hannoversche Triebwagen 227 von den Mitgliedern des Vereins komplett restauriert und ist demnächst wieder im Fahrbetrieb zu sehen.

2017 befinden sich in Aufarbeitung:

  • Beiwagen 1072 (Üstra) – Uerdingen 1947 (Kriegsstraßenbahnwagen)
  • Triebwagen 5103 (Rheinbahn) - Uerdingen 1955 (Düwag)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hannoversches Straßenbahn-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Station 13 - Wehmingen: Bergwerk Hohenfels | Schiffe, Schienen, Schächte | Industriekultur | Architektur & Geschichte | Kultur & Freizeit | Hannover.de | Home - hannover.de. Abgerufen am 10. Juli 2017 (deutsch).
  2. Martin Menz: Hannoversches Straßenbahn-Museum e.V. Kali-Bergwerk Sehnde Wehmingen. Abgerufen am 10. Juli 2017.
  3. Stadtarchiv Sehnde. D i e Z e i t r e i s e Ausgabe 7 Juni Die Geschichte von Hohenfels - PDF. Abgerufen am 10. Juli 2017.

Koordinaten: 52° 17′ 27″ N, 9° 55′ 56″ O