Hans Alexander Winkler

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Hans Alexander Winkler (* 14. Februar 1900 in Bremerhaven; † 20. Januar 1945 bei Thorn) war ein deutscher Orientalist, Religionswissenschaftler und Ethnologe.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur und einem anschließenden Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg studierte Winkler zunächst in Göttingen Geschichte, Deutsche Philologie und Theologie bevor er sich später verstärkt der Religionsgeschichte und Orientalistik zuwandte.

Als Student war er darauf angewiesen, seinen Unterhalt im Bergbau zu verdienen und trat 1922 der KPD bei, der er bis 1928 angehörte. 1923 heiratete er die armenische Schriftstellerin Hayastan Geworkian, mit der er nach Tübingen übersiedelte.

Akademischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz schwieriger Lebensverhältnisse zeigte Winkler schon früh großes akademisches Talent. 1925 promovierte er in Tübingen und wurde nach erfolgreicher Habilitation 1928 Assistent am dortigen Orientalischen Seminar. Er arbeitete und forschte dort erfolgreich bis zum Sommer 1933, als ihm seine kommunistische Vergangenheit zum Verhängnis wurde. Unter dem Druck der NS-Verwaltung reichte er seinen Rücktritt ein, alle Versuche zu seiner Rehabilitierung blieben erfolglos.

Reisen und Expeditionen nach Ägypten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem abrupten Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn in Tübingen wandte sich Winkler verstärkt der ethnologischen Feldforschung in Ägypten zu. Mit Hilfe der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft unternahm er zunächst 1932 und dann 1933/34 Reisen nach Oberägypten, die reiche religionswissenschaftliche und ethnologische Ergebnisse brachten.

Als einer der ersten begann Winkler, sich für die reichhaltige Felskunst in Oberägypten zu interessieren. Sir Robert Mond, der Leiter der Egypt Exploration Society, erkannte die wissenschaftliche Bedeutung von Winklers Arbeit für die ägyptische Vorgeschichte und finanzierte zwei Forschungsexpeditionen in die Wüstengebiete Oberägyptens. Die erste führte Winkler im Winter 1936/37 in die Berge der ägyptischen Ostwüste und führte zur Entdeckung einer großen Zahl an vorgeschichtlichen Felskunstplätzen. Trotz des frühen Todes seiner Frau im Mai 1937 setzte Winkler seine Arbeit noch im gleichen Jahr in der Ägyptischen Westwüste fort. Nachdem er zunächst in den Oasen von Charga und Dachla geforscht hatte, gelangte er mit Hilfe von Ralph Bagnold in das Uweinat-Gebirge im äußersten Südwesten Ägyptens, wo weitere Felskunstwerke entdeckt und dokumentiert werden konnten.

Der Tod von Robert Mond im Herbst 1938 führte trotz der Erfolge zu einem jähen Ende von Winklers wissenschaftlicher Arbeit, da ihm nun die finanziellen Möglichkeiten fehlten.

Im Auswärtigen Amt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winklers Qualifikationen und sein 1939 erfolgter Eintritt in die NSDAP machten den einst Verstoßenen nun zu einem willkommenen Mitarbeiter im Auswärtigen Amt. 1939 wurde er Kulturattaché in Teheran, musste das Land aber verlassen, als der Iran 1941 von britischen und sowjetischen Truppen besetzt wurde. Er wurde nun zum Deutschen Afrikakorps abbestellt, wo er mit dem Sammeln und Auswerten von kriegsrelevanten Informationen beauftragt war. Im Juni 1942 wurde er schwer verwundet und arbeitete nach seiner Genesung im Innendienst des Auswärtigen Amtes, wo er Kontakte zu verbündeten arabischen Politikern pflegte. Im Mai 1944 erhielt Winkler die Nachricht, dass sein Sohn Haiko fahnenflüchtig und von der Todesstrafe bedroht sei. Winkler bat deswegen darum, seinen Dienst beim Auswärtigen Amt beenden und zur Wehrmacht wechseln zu dürfen. Im September 1944 wurde Winkler zum aktiven Kriegsdienst an der Ostfront eingezogen, wo er am 20. Januar 1945 südlich von Thorn im Wartheland fiel. Aufgrund der schnell vorrückenden russischen Front konnte sein Leichnam nicht mehr vom Schlachtfeld geborgen werden. Wo er seine letzte Ruhestätte fand, ist ungeklärt.

Wissenschaftliche Werke und Verdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winkler hat trotz seines kurzen und von den Wirrungen der Weltpolitik gekennzeichneten Lebens große wissenschaftliche Arbeiten geleistet. Dies betrifft vor allem sein Hauptwerk Ägyptische Volkskunde und seine Forschungen zur Felskunst, die bis heute von bleibendem Wert sind. In der Felskunst der ägyptischen Oasen ist eines der Leitmotive heute nach Winkler benannt: die sogenannten "Winkler Figures", Menschendarstellungen mit stark betontem Unterleib.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegel und Charaktere in der muhammedanischen Zauberei, Berlin 1930.
  • Bauern zwischen Wasser und Wüste. Volkskundliches aus dem Dorfe Kimân in Oberägypten. Stuttgart 1934.
  • Ägyptische Volkskunde. W. Kohlhammer, Stuttgart 1936.
  • Die reitenden Geister der Toten. Eine Studie über die Besessenheit des 'Abd er-Râdi und über Gespenster und Dämonen, Heilige und Verzückte, Totenkult und Priestertum in einem oberägyptischen Dorfe. W. Kohlhammer, Stuttgart 1936.
  • Völker und Völkerbewegungen im vorgeschichtlichen Oberägypten im Lichte neuer Felsbildfunde. Stuttgart 1937.
  • Rock-Drawings of southern Upper Egypt I. Sir Robert Mond Desert Expedition Season 1936-1937 Preliminary Report, London 1938.
  • Rock-Drawings of southern Upper Egypt II. Sir Robert Mond Desert Expedition Season 1937-1938 Preliminary Report, London 1939.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Junginger: Ein Kapitel Religionswissenschaft während der NS-Zeit: Hans Alexander Winkler 1900–1945. In: Zeitschrift für Religionswissenschaft 3, 1993, S. 137–161
  • Horst Junginger: Das tragische Leben von Hans Alexander Winkler (1900–1945) und seiner armenischen Frau Hayastan (1901–1937). In: Bausteine zur Tübinger Universitätsgeschichte. 7, 1995.
  • Jeffrey Herf: Nazi propaganda in the Arab world. Yale University Press, New Haven 2009, ISBN 978-0-300-14579-3. (Winkler: passim, siehe Stichwortverzeichnis. (englisch))
  • Johannes Hürter (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871 – 1945. 5. T – Z, Nachträge. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 5: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger: Schöningh, Paderborn u. a. 2014, ISBN 978-3-506-71844-0, S. 297 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]