Fahnenjunker

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Heer/ Luftwaffe Fahnenjunker
114-Fahnenjunker.png Luftwaffe-114-Fahnenjunker.png

Dienstgradabzeichen eines Fahnenjunkers der Bundeswehr am Feldanzug

Dienstgradgruppe der Unteroffiziere o. P.
NATO-Rangcode OF-D[1]
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Fahnenjunker
Dienstgrad Marine Seekadett
Abkürzung (in Listen) Fhj (FJ)
Besoldungsgruppe A5 nach BBesO

Der Fahnenjunker (Abk.: Fhj / in Listen: FJ) ist ein militärischer Dienstgrad der Bundeswehr.

Bei Luftwaffe und Heer ist er ein Offizieranwärter (OA) oder Reserveoffizieranwärter (ROA) des Truppendienstes im niedrigsten Unteroffizierdienstgrad. Bei der Deutschen Marine heißt der entsprechende Dienstgrad Seekadett.

Den Dienstgrad Fahnenjunker erhielt ein Offizieranwärter des Heeres bis einschließlich des 75. Offizieranwärterjahrgangs mit Vollendung des 12. Dienstmonats und nach Bestehen des Offizieranwärterlehrgangs Teil I (OAL I). Ab dem 76. Offizieranwärterjahrgang (ab Sommer 2006) wird er mit Vollendung des 12. Dienstmonats und bestandenem Offizieranwärterlehrgang (OAL) verliehen.

Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften Befehle erteilen.

Abseits der laufbahnrelevanten Lehrgänge werden Fahnenjunker häufig im Rahmen von Truppenpraktika als Hilfsausbilder oder Gruppenführer in der allgemeinen Grundausbildung eingesetzt und übernehmen dort die Ausbildungs- und Führungsverantwortung für acht bis zwölf Soldaten.

Sie werden nach der Bundesbesoldungsordnung A mit der Besoldungsstufe A5 besoldet.

Historisches[Bearbeiten]

Entstehung und Verwendung des Begriffs[Bearbeiten]

Historisch waren die Fahnenjunker meist junge Edelleute, die im Alter von 14 bis 16 Jahren in die militärische Ausbildung kamen. In den Armeen, die sich deutscher Militärbegriffe bedienten (u.a. die russische Armee), bezeichnete Fahnenjunker die Offizieranwärter der Infanterie und der Dragoner. Bei der Kavallerie hießen sie Standartenjunker [2]. Bei der Artillerie, die weder Fahnen noch Standarten führte, nannte man sie Stückjunker (nach der früher üblichen Bezeichnung für Geschütze, Stücke).

In der preußischen Infanterie und des 18. Jahrhunderts hießen die Fahnenjunker auch Freikorporal. Dort rangierten sie bis 1806 als Unteroffiziere zwischen Korporal und Sergeant. Nächsthöherer Offizieranwärterdienstgrad war seit 1807 der Portepeefähnrich. Die bayerische Armee unterschied die Anwärter in Offiziersaspiranten 1. Klasse (Junker, in der Artillerie Conducteur, zwischen Feldwebel und Unterleutnant stehend) und 2. Klasse (Kadett, vor dem Sergeanten rangierend).

Im Heer des deutschen Kaiserreichs hießen die Anwärter zum Berufsoffizier Avantageure oder Aspiranten. 1899 änderte sich die Bezeichnung wieder in Fahnenjunker, die nun allerdings nur Mannschaftsrang besaßen. Ihre Pendants in der Marine hießen Kadett und/oder Seekadett; der nächsthöhere Anwärterrang war Fähnrich.

Die Fahnenjunker hatten bei Dienstantritt ein Abiturientenzeugnis eines Gymnasiums, Realgymnasiums, einer Oberrealschule oder Realschule 1. Ordnung oder aber das Bestehen der Fähnrichsprüfung nachzuweisen .

In der Reichswehr war die Bezeichnung Fahnenjunker zunächst abgeschafft, seit Mitte der 20er Jahre aber wieder in Verwendung. Jetzt bezeichnete Fahnenjunker dienstgradübergreifend alle Offizieranwärter. Die Anwärterdienstgrade waren Fahnenjunker, Fahnenjunker-Gefreiter, Fahnenjunker-Unteroffizier, Fähnrich, Oberfähnrich.

In der Wehrmacht bekamen Soldaten und Unteroffiziere, die die Offizierslaufbahn einschlagen wollten, die Bezeichnung Fahnenjunker ihrem Dienstgrad vorangestellt, z.B. Fahnenjunker-Feldwebel und Fahnenjunker-Stabsfeldwebel. Anfang 1940 wurde Fahnenjunker durch die Bezeichnung Offizieranwärter (O.A.)/ Reserveoffizieranwärter (R.O.A.) ersetzt. Die Dienstgrade lauteten nun z.B. Gefreiter (O.A.) oder Feldwebel (R.O.A.). Mitte/ Ende 1943 (bei unterschiedlichen Fristen in Heer und Luftwaffe) wurde die vorherige Praxis weitestgehend wieder in Kraft gesetzt.

In der Bundeswehr war die Bezeichnung Fahnenjunker erstmals seit 1918 wieder mit dem Unteroffizier eines konkreten Dienstgrades gleichgestellt.

Die NVA der DDR verwendete die Bezeichnung Fahnenjunker nicht. Die Offizieranwärter hießen Offiziersschüler.

Abzeichen[Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert hinein besaßen die im einfachen Soldatenrang stehenden Fahnenjunker keinerlei Abzeichen. Standen sie im Unteroffiziersrang, so waren deren Abzeichen anzulegen (Rock- und Huttresse, besondere Hutpuschel, Unteroffiziersportepee (selten: Offiziersportepee)), Stock, Handschuhe.

Auch im Heer der Kaiserzeit sowie in der Reichswehr unterschieden sich Fahnenjunker durch nichts von den übrigen Soldaten im Mannschaftsrang. Fahnenjunker-Gefreite erhielten indes seit 1927 nach bestandener Fahnenjunker-Prüfung das Recht zum Tragen der Unteroffizierstroddel.

In der Wehrmacht führten die Luftwaffen-Fahnenjunker seit 1940 eine gedrehte Aluminiumschnur quer über das untere Ende der Schulterklappen. Im Heer wurde erst ab Ende 1942 eine besondere Kennzeichnung eingeführt: eine feldgraue Doppelborte (aus Stoff) bzw. eine doppelte Aluminiumtresse (Hoffnungsbalken). Reserveoffiziersanwärter trugen bei Heer und Luftwaffe rote Stoffbalken.

OA-Abzeichen
Unterarm

In der Bundeswehr ist die Kennzeichnung in Heer und Luftwaffe einheitlich: Anfangs war eine quer über das untere Ende der Schulterklappe verlaufende silberne Aufschiebeschlaufe (ähnlich dem U.A.-Abzeichen der Wehrmacht) vorgeschrieben. Diese wurde ab 1963 ersetzt von einem kreisrunden Aufnäher mit gewebtem OA-Stern (identisch mit dem Leutnantsstern), der an beiden Unterärmeln von Jacke, Hemd usw. zu tragen war (Schneeflocke). Der OPi-Stern (Oberpionier der Wehrmacht) war nicht sehr beliebt und hat sich in der Praxis nicht durchgesetzt, wie etwa auf den abnehmbaren Schulterklappen des Hemdes weiterhin die Schlaufen getragen wurden. Seit etwa 1980/81 kennzeichnet eine gedrehte Aluminiumschnur (ähnlich der Luftwaffenausführung von 1940) am unteren Ende der Schulterklappen die Fahnenjunker und übrigen O.A.-Dienstgrade (Discolitze).

In der NVA waren die Schulterklappen der Offizierschüler seitlich und oben mit Metalltresse eingefasst (gleich den Unteroffizieren). Auf dem Tuchfeld führten sie ein gotisches „S“ sowie quer darunter ein bis vier Jahrgangstressen.

Die Offizieranwärter der Marine kennzeichnet traditionell der fünfzackige Goldstern der Seeoffiziere bzw. die Laufbahnabzeichen der nichtseemännischen Dienste.

Andere Staaten[Bearbeiten]

In den Streitkräften der meisten Staaten werden in Anlehnung an die Rangbezeichnung Officer cadet in anglophonen Streitkräften eigenstätige Rangbezeichnungen für Soldaten während ihrer Ausbildung zum Offizier verwendet. Einige Beispiele sind nachfolgend aufgeführt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fahnenjunker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Kürzel OF-D, auch OF(D), steht im Englischen für officer-designate, was zu Deutsch etwa Offizieranwärter heißt.
  2. Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie, 1773–1858, S. 338