Hans Kemmer

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Das Ehepaar Elisabeth und Karsten Timmermann knien vor Jesus als Salvator mundi, von Hans Kemmer (1537)
Hans Kemmer: Porträt des Lübecker Kaufmanns Hans Sonnenschein, 1534
Infrarot-Reflektografie einer bemalten Hochzeitsschüssel für den Lübecker Ratsherrn Karsten Timmermann und seine Frau im Museum im Schloss Güstrow, bezeichnet mit „HK“ und datiert auf 1540

Hans Kemmer (* um 1495 in Lübeck; † 2. August 1561 ebd.), auch Johann Kemmer genannt, war ein deutscher Maler der Renaissance.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Ausbildung erfolgte wohl um 1515–1520 in der Wittenberger Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren. Am 5. Oktober 1522 ist Kemmer im Lübecker Niederstadtbuch als Mitglied des Maleramts nachgewiesen, als die Bergenfahrer bei ihm einen Flügelaltar in Auftrag gaben. Wohl kurz zuvor hatte er Anneke, die Witwe des Lübecker Malers Hermann Wickhorst, geheiratet, dessen Werkstatt er übernahm.

Das erste von ihm bekannte Werk, der 1524 fertiggestellte Bergenfahreraltar, verbrannte beim Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942 in der Marienkirche.[1] Zur Zeit dieses ersten belegten Auftrags war der Lübecker Kunstmarkt noch in voller Blüte. Kemmer verdiente offensichtlich gut und erwarb schon 1528 das Haus Königstraße 34. Zwei Altäre aus dieser Zeit befinden sich als sakrale Kunstwerke Kemmers in der Sammlung des St.-Annen-Museums in Lübeck.

Mit der 1530 in Lübeck eingeführten Reformation gingen die Aufträge für Kunstwerke dieser Art zurück. Kemmer dagegen malte schon im selben Jahr im Auftrag des Kaufmanns Johann Wigerinck mit Christus und die Ehebrecherin ein evangelisches Programmbild. Zudem stellte er sich erfolgreich auf die Porträtmalerei um. Vornehmste Lübecker Familien gehörten zu seinen Auftraggebern. So werden ihm auch mehrere Porträts Lübecker Bürgermeister in der Bürgermeistergalerie im Rathaus zugeschrieben. Er wurde mehrfach Ältermann des Maleramtes und signierte mit „HK“. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1543 Margarete Berndes.

Kemmer wurde in der Katharinenkirche begraben. Seine Stieftochter Elsabe Wickhorst heiratete den Drucker Johann Balhorn den Älteren und wurde die Mutter von Johann Balhorn dem Jüngeren.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumsbesitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verloren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altarschrein in der Bergenfahrerkapelle der Lübecker Marienkirche für den im Jahr 1520 verstorbenen Bergenfahrer Tideke Roleves. Auftrag an den Maler Johann Kemmer am 9. Oktober 1522 nach dessen Skizze. Fertigstellung im März 1524. Der Schrein soll wie folgt ausgesehen haben: Das Hauptstück zeigte ein geschnitztes Bildwerk der heiligen Familie; die Innenseite eines Flügels war ebenfalls als Schnitzwerk ausgeführt und zeigte drei Einzelfiguren (Rochus, Antonius und Sebastian). Die Tafel war in zwei Reihen mit Statuetten der zwölf Apostel eingefasst. Der zweite Flügel zeigte ein Gemälde der Kreuzabnahme. Bei geschlossenem Schrein standen sich die drei großen männlichen Heiligen und die drei Frauenbilder (Barbara, Katharina und Dorothea) gegenüber. Das Werk verbrannte am 28./29. März 1942 beim Luftangriff auf Lübeck.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2021/22: Cranach - Kemmer - Lübeck. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation, St. Annen-Museum Lübeck[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Bruns: Die Lübecker Bergenfahrer und ihre Chronistik (= Hansische Geschichtsquellen. Neue Folge, Band 2). Pass & Garleb, Berlin 1900, Die Bergenfahrerkompagnie. Kirchliche Beziehungen und Kirchliche Stiftungen. Nr. 7, S. CXXXI und 298 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Fritz Hirsch, Friedrich Bruns, Gerhard Schaumann: Petrikirche, Marienkirche, Heil.-Geist-Hospital. B. Nöhring, Lübeck 1906, S. 228–229 (Textarchiv – Internet Archive – Mit Abbildungen zwischen den Seiten).
  • K. Schäfer: Der Lübecker Maler Hans Kemmer. In: Monatshefte für Kunstwissenschaft. Band 10, Heft 1. Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1908, S. 1–7, Abbildungen auf Tafel 1–4, JSTOR:24495999 (Textarchiv – Internet Archive, Textarchiv – Internet Archive).
  • Kemmer, Hans. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 20: Kaufmann–Knilling. E. A. Seemann, Leipzig 1927, S. 135–136.
  • A. Bruns (Hrsg.): Lübecker Lebensläufe. 1993, ISBN 3-529-02729-4.
  • Christoph Emmendörffer: Hans Kemmer – Ein Lübecker Maler der Reformationszeit. Leipzig 1997, ISBN 3-363-00670-5.
  • Theodor Gaedertz: Johann Kemmer, der Meister des St. Olavaltars in der Marienkirche zu Lübeck. Leipzig 1901.
  • Gustav Lindtke: Lübecker Reformationskunst – Zu den Bildern von Hans Kemmer im St. Annen-Museum. In: Der Wagen. 1961, S. 21–30.
  • Jan Friedrich Richter (Hrsg.): Lübeck 1500 – Kunstmetropole im Ostseeraum. Katalog, Imhoff, Petersberg 2015 (Nrn. 66, 67, 68, 69, 70, 71).
  • Rita Kauder: Die drei protestantisch geprägten religiösen Bilder Hans Kemmers im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck. In: ZLGAG 62, 1982, S. 83–101.
  • Dagmar Täube (Hrg.): Lucas Cranach der Ältere und Hans Kemmer: Meistermaler zwischen Renaissance Und Reformation. München: Hirmer 2021 ISBN 978-3-7774-3748-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hans Kemmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine Kopie durch den Lübecker Maler Wilhelm Schodde befindet sich im Dom zu Trondheim
  2. Lübecker Nachrichten vom 20. Dezember 2018
  3. Auktionskatalog
  4. Thomas Ribi: Was sucht denn das Pferd da hinter dem Baum? – In Lübeck gibt es einen Maler zu entdecken, den bisher niemand kannte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 27. Oktober 2021 (abgerufen am 19. November 2021).