Hans Lübbert

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Hans Julius Lübbert (* 20. August 1870 in Hamburg; † 22. November 1951 in Hamburg) war ein deutscher Beamter, Manager und Hochschullehrer der Fischereiwirtschaft sowie Politiker.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lübbert war der Sohn von Henry Carl Oppenheim und seiner Ehefrau Dorothea Christine geb. Hansen. Sein Vater verstarb bereits 1877. 1884 heiratete seine Mutter den Berufsoffizier Eduard Lübbert, dessen Namen er annahm.

Lübbert erlangte das Abitur am Gymnasium in Oels. Von 1890 bis 1892 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Kiel und der Universität Rom. 1891 wurde er Mitglied des Corps Saxonia Kiel.[1] Nach einer kaufmännischen Tätigkeit bei der Firma Carl Julius Koppen in Hamburg erhielt er eine wissenschaftliche und praktische Ausbildung im Fischereiwesen. 1902 übernahm er erste Aufgaben in der Fischerei. 1903 wurde ihm die Leitung von Motorversuchen auf den Fahrzeugen der Finkenwärder Hochsee-Segelfischer-Flotte für den Deutschen Seefischerei-Verein übertragen. 1904 wechselte er als Fischereisachverständiger in den Hamburger Staatsdienst, wo er 1907 zum Hamburgischen Staatlichen Fischereidirektor ernannt wurde. Von 1904 bis 1907 war sein Hauptprojekt die Gründung des Cuxhavener Fischmarkts im Alten Fischereihafen Cuxhaven. 1907 gründete er zusammen mit Albert Ballin die Cuxhavener Fischerei AG, die späteren Nordsee Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven AG. 1908 erfolgte auf seine Initiative hin die Gründung der Aalkommission.

Von 1910 bis 1914 hatte Lübbert eine Dozentur am Hamburgischen Kolonialinstitut. Während des Ersten Weltkrieges war er Vorstandsmitglied der Zentraleinkaufsgesellschaft. 1918 war er Mitbegründer der Deutschen Seefischerei AG in Cuxhaven, deren Leiter er bis 1921 war. An der Pariser Friedenskonferenz 1919 nahm er als Sachverständiger teil. Von 1921 bis 1924 war er in der Fraktion der Deutschen Demokratischen Partei Mitglied der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. 1922 nahm er den Dienst als Hamburger Fischereidirektor wieder auf. 1928 erhielt er einen Lehrauftrag für Fischereiwirtschaft an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg. 1930 wurde er als Fischereidirektor zur Disposition gestellt, um sich als Professor für Fischbiologie und Meeresforschung voll seiner wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität widmen zu können.

Zahlreiche größere Forschungsreisen führten ihn während seines Berufslebens nach Ägypten, Belgien, Bulgarien, Chile, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Irland, Island, Italien, Norwegen, Rumänien, Russland, Schottland, Schweden, Spitzbergen und der Türkei.

Er war Herausgeber des Handbuchs der Seefischerei Nordeuropas sowie Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats und der deutschen wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung. Weiterhin war er stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender der Staatlichen Fischmarkt Cuxhaven GmbH, Mitglied des Verwaltungsrates des Deutschen Fischereivereins, des Ausschusses des Deutschen Seefischerei-Vereins und des Landeseisenbahnrates Hamburg sowie stellvertretendes Mitglied des Elbestraßen-Wasser-Beirates.

Da sein Vater Jude war musste er 1933 aus dem Staatsdienst ausscheiden. Die Lehrerlaubnis wurde ihm entzogen und sein Rücktritt von seiner Position im Verwaltungsrat des Deutschen Fischereivereins erzwungen. 1936 wurde er aus der Deutschen Wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung ausgeschlossen. 1938 erfolgte der Entzug der Verantwortung für das Handbuch der Seefischerei.

1945, im Alter von 75 Jahren, wurde er von der Britischen Militärregierung zum Neuaufbau des Hamburgischen Fischereiwesens zum Fischereidirektor wiederberufen.

Auszeichnungen, Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisernes Kreuz II. und I. Klasse am weiß-schwarzen Bande
  • Roter Adlerorden 4. Klasse
  • Oldenburgisches Kriegsverdienstkreuz
  • Bayerischer Verdienstorden vom Heiligen Michael 4. Klasse
  • Ehrenmitglied des Deutschen Fischereivereins
  • Ehrenmitglied des Deutschen Anglerbundes und mehrerer anderer Fischereivereine
  • Ehrendoktor der Universität Hamburg, 1930
  • Ehrenbürger der Stadt Cuxhaven, 1950
  • Lübbertkai und Lübbertstraße in Cuxhaven wurden 1963 nach ihm benannt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Einführung von Motor- und Scheernetz in die deutsche Segelfischerei, 1906
  • Die deutsche Hochsee-Segel-Fischerei in Vergangenheit und Gegenwart, 1909
  • Die Großbritannische Hochseefischerei, 1912
  • Großbritannische Fischereihäfen, 1919
  • Vom Walfänger zum Fischdampfer, 1925
  • Island und seine Wirtschaft, 1928
  • Die Seefischerei von Chile und ihre Entwicklungsmöglichkeiten, 1930
  • Mitherausgeber: Handbuch der Seefischerei Nordeuropas, 11 Bände
  • Veröffentlichung einiger hundert kleinerer Arbeiten in Fachzeitschriften.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1960, 77, 107