Hans Milch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Milch (* 17. März 1924 in Wiesbaden; † 8. August 1987 ebenda) war ein deutscher Priester, Vertreter des katholischen Traditionalismus und Gründer der Erzbischof Marcel Lefebvre nahestehenden actio spes unica, die maßgebliche Standpunkte und Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils als mit dem katholischen Glauben unvereinbar erachtete.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Philipp Milch wurde 1924 als jüngstes von drei Kindern einer protestantischen Familie geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt und Notar in Wiesbaden, seine Mutter stammte aus dem Raum Koblenz. Nach dem Besuch des humanistischen Gutenberg-Gymnasiums in seiner Heimatstadt legte Hans Milch dort die Abiturprüfung ab, wurde 1942 zum Militärdienst eingezogen und im Zweiten Weltkrieg an der Südfront in Italien eingesetzt. Von März 1945 bis November 1946 war er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Frankreich, wo er einen Priester kennenlernte, mit dem er intensive theologische Gespräche führte. Am 17. April 1946 konvertierte Hans Milch zur katholischen Kirche.

1947 nahm er das Studium der Philosophie und Theologie an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt am Main auf. Die Priesterweihe empfing er am 8. März 1953 im Dom zu Limburg. Zunächst wirkte er als Kaplan in Lorch am Rhein, ab 1954 in Rennerod im Westerwald und schließlich ab 1957 im Dom zu Frankfurt am Main. Am 6. Januar 1962 wurde er in das Amt als Pfarrer von Hattersheim am Main eingeführt, das er bis zum 18. Oktober 1979 innehatte. Nach seiner Amtsenthebung baute er die Kapelle St. Athanasius in Hattersheim.

Von dem geistig verwirrten Luigi Zito, den Hans Milch seelsorgerisch betreute, wurde er am 8. August 1987 in seiner Wiesbadener Wohnung mit zahlreichen Messerstichen ermordet. Die sterblichen Überreste von Pfarrer Milch wurden am 17. August im Beisein von über 1.000 Gläubigen auf dem Wiesbadener Nordfriedhof beigesetzt.[1]

Die actio spes unica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die actio spes unica wurde am 8. Februar 1977 als „Kampf- und Sühnegemeinschaft“ von Pfarrer Hans Milch gegründet.

Dem vorangegangen war die Gründung der „Bewegung für Papst und Kirche“[2] im Jahre 1969, die Hans Milch zusammen mit Walter Hoeres und dem Mannheimer Fritz Feuling ins Leben rief. Ende der 1960er Jahre war Milch der Ansicht, das Zweite Vatikanische Konzil habe „gültige Texte“ verabschiedet, die von so genannten „Modernisten“ absichtlich falsch verstanden und missbraucht würden. Diese Sichtweise blieb in der Folgezeit weitgehend auf einige Kleingruppen beschränkt.

In dem Glauben, Gott für die durch den Einbruch des „Modernismus“ in die katholische Kirche zugefügten Beleidigungen stellvertretend Sühne leisten zu müssen, gründete Hans Milch im Jahre 1972 die Gebets- und Sühnegemeinschaft spes unica, deren Mitglieder sich durch ein Gelübde verpflichteten, täglich für die Rettung der Kirche zu beten, ein Gebet zum Erzengel Michael zu verrichten und jeden Freitag zu fasten. Bereits nach zwei Jahren öffnete Hans Milch die spes unica auch für Menschen, die der Gemeinschaft angehören wollten, ohne sich durch ein Gelübde zu verpflichten. Im selben Jahr, 1974, nahm er Kontakt mit der 1970 in Ecône von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X. auf, und trat für die Ausweitung ihrer Aktivitäten auf Deutschland ein.

Ab Mitte der 1970er betonte Milch in seinen Äußerungen zunehmend, das Konzil sei gegenüber der „progressistischen Katastrophe kein unschuldiges Neutrum“, wie er in einem Rundbrief vom März 1977 an die spes-unica-Mitglieder schrieb, es bestehe vielmehr zwischen dem angenommenen Niedergang des „Erscheinungsbildes der Kirche“ und den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils ein enger Zusammenhang. In einem Rundbrief vom 21. Oktober 1976 richtete er daher eine Anfrage an die Mitglieder der „Bewegung für Papst und Kirche“, um herauszufinden, wieviele diese Überzeugung teilten. Nachdem rund 60 Prozent ihre Zustimmung äußerten, vereinigte Hans Milch am 8. Februar 1977 die beiden Gruppen zur actio spes unica.

Pfarrer Milchs Suspendierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Milchs fortgesetzte öffentliche Kritik an den Bischöfen und die immer stärkere Annäherung an den 1976 suspendierten französischen Erzbischof Marcel Lefebvre führten dazu, dass ab Ende 1978 der Konflikt mit dem damaligen Diözesanbischof von Limburg, Wilhelm Kempf, eskalierte. Nachdem Milch in einem Rundbrief vom 22. Juli 1979 vorbehaltlos die Positionen Lefebvres unterstützt hatte, suspendierte Bischof Kempf Milch am 18. Oktober 1979.

Am 5. Dezember 1981 konnte der Grundstein für die St.-Athanasius-Kapelle in Hattersheim gelegt werden. Die Kapelle wurde am 24. Oktober 1982 von Erzbischof Lefebvre geweiht.

Milch und sein Werk nach dem Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Generalvikar vom Bischöflichen Ordinariat in Limburg, Raban Tilman, schrieb in einem Nachruf: „Mit Trauer nimmt das Presbyterium des Bistums Abschied von seinem Mitbruder, mit dem eine Verständigung nicht mehr möglich war.“[1]

Nach dem Tode Hans Milchs im Jahre 1987 ging die Betreuung der Athanasiusgemeinde an die Priesterbruderschaft St. Pius X. über. Die actio spes unica bemühte sich, das Werk ihres Gründers fortzuführen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Schüler: Pfarrer Hans Milch: eine große Stimme des katholischen Glaubens; mit einer Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Zwei Bände, Actio Spes Unica, o. O. [Hattersheim] 2005, ISBN 3-934692-20-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Ritualmord im Pfarrhaus (Memento vom 28. Juli 2014 im Internet Archive), Hamburger Abendblatt 184/1987, 11. August 1987, S. 18
  2. Vgl. Kathpedia: Bewegung für Papst und Kirche