Haus Thorr

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Haus Thorr
Haus Thorr

Haus Thorr

Alternativname(n): Burg Thorr
Entstehungszeit: 11. bis 12. Jahrhundert
Burgentyp: Niederungsburg, Ortslage
Erhaltungszustand: Erhalten
Bauweise: Backstein
Ort: Bergheim-Thorr
Geographische Lage 50° 56′ 17″ N, 6° 37′ 41,7″ OKoordinaten: 50° 56′ 17″ N, 6° 37′ 41,7″ O
Haus Thorr (Nordrhein-Westfalen)
Haus Thorr

Haus Thorr ist einer der kleineren Landsitze an der Erft. Das Herrenhaus gehört zum gleichnamigen Ortsteil der Stadt Bergheim im Rhein-Erft-Kreis.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg und die ihren Namen von der Burg herleitende Ortschaft liegen am Erftübergang der bedeutenden hier noch schnurgerade erkennbaren Römerstraße von Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) nach Tongeren, dem antiken Aduatuca Tungrorum, die heute Via Belgica genannt wird. Die heutige Straße, die Bundesstraße 55, umgeht den Ort, bedingt durch den Abbau der Braunkohle im mittleren Teil des Rheinischen Braunkohlereviers. Sie kreuzt hier die römische Bezirksstraße von Zülpich (Tolbiacum) nach Neuss (Novaesium), heute Bundesstraße 477. Dazu stößt noch die die Erft begleitende Straße von Lechenich her hier dazu. Heute verläuft - jenseits der Erft - der Erft-Radweg. Der Radrundweg Bergheimer Acht führt mit seiner südlichen Runde an vier Burgen vorbei. Auch eine der Teilstrecken der Wasserburgen-Route ist hier ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Thorr legt nahe, ihn von einem römischen Befestigungsturm turris herzuleiten. Der Ort wird erstmals als Ture 997 (zweifelhaft auch Düren bei Witten) möglich, siehe Thorr, eine Brücke Thurre über den Fluss Arnefe 1051 und ein Ritter Rudolf von Turre 1140 erwähnt. Die jeweiligen Burgherren wurden von den Grafen von Jülich belehnt. Ein Gisilbrecht von Thurre war 1335 Vogt in Bergheim. Die Burg zählte zu den insgesamt 238 jülischen Rittersitzen. 1506 kommt der Besitz durch Heirat von Fritza von Thorre mit Bernhard von Weworden, genannt Bulver, an das damals auf Burg Drove sitzende Geschlecht. Einer der Nachfahren, Adam (von) Drove (* um 1575/1580) kaufte sich den Besitz zum Alleinbesitz zusammen. Sein ältester Sohn, Adam Bertram Droeff, Lic.jur, erbte den Rittersitz, starb aber 1679 unverheiratet und kinderlos in Merode. Es erbten, zwei Nichten, Töchter von Sybilla Christina (von) Drove, († 1662/1663) und Bernhard Kox, der Ehemann seiner Schwester Sybilla Catharina van Wevorden genannt Droff. Sybilla Catharina war bereits im Winter 1666 während einer Pestepidemie auf Schloss Merode gestorben. Die Nichten verkauften die von ihrem Onkel Bertram geerbten Anteile an Bernardus Kox, der nun alleiniger Besitzer war.[1] Dieser nächste Wechsel durch Heirat lässt sich auch am Allianzwappen über dem Eingangsportal des Herrenhauses ablesen: Bernhard Kox, Drossard der Freybaner [2] Herrschaft Merode und Sybilla Catharina van Wevorden genannt Droff, gewesene Eheleute, Anno 1680. Von ihm wird 1680 das neue Herrenhaus erbaut. Auf einem Bild von 1723 zeigt sich der Hof noch als regelmäßige, dreiflügelige und von drei Türmen bewerte Anlage.[3] 1796, zu Beginn der Franzosenzeit, kam der Besitz durch Heirat in bürgerliche Hände, Johann Anton Türk wurde Burgherr. Einer seiner Nachkommen ließ 1860 noch einmal renovieren und zum Teil umbauen. Das Datum steht im Eisengitter der festen Brücke.[4]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zweigeschossige schlichte rechtwinklig zur Straße stehende Herrenhaus von 1680, ein Backsteinbau mit sechs Achsen und einem Walmdach mit kleinen Dachgauben und zwei an den Firstenden aufgesetzten Wetterfahnen, ist bedeutsam. Schmuck ist das Portal aus Hausteinen mit Dreiecksgiebel mit dem Wappen. Zu sehen sind noch die Löcher für die Kette der ehemaligen Zugbrücke. Der parallel zur Straße stehende langgestreckte Ostflügel der Vorburg wurde 1884 erneuert. Der zweite Flügel existiert nicht mehr. Die Wassergräben sind mittlerweile trocken.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lothar Müller-Westphal: Wappen und Genealogien Dürener Familien,in: Beiträge zur Geschichte des Dürener Landes, Band 20, Dürener Geschichtsverein, Düren 1989
  2. Anmerkung: Freibann = Gerichtsbezirk mit freien Bauern, der keiner Herrschaft untergeordnet war
  3. Meynen zitiert aus einer Beschreibung der Grafschaft Jülich
  4. Der Artikel beruht weitestgehend auf den Ausführungen von Henriette Meynen (ohne Quellenangaben), siehe auch Diskussion

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henriette Meynen: Wasserburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis, Hg. vom Erftkreis, Köln, Rheinland Verlag 1980, S. 70 f, ISBN 3-7927-0556-7
  • Weitere Literatur siehe bei Thorr

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]