Erft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Erft
Hauptstrang-Oberlauf: Kuhbach
Unterlauf der Erft bei Bergheim

Unterlauf der Erft bei Bergheim

Daten
Gewässerkennzahl DE: 274
Lage Kreis Euskirchen, Rhein-Kreis Neuss, Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen (Deutschland)
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle Südöstlich von Engelgau als Kuhbach
Erftquelle in Holzmülheim
50° 29′ 14″ N, 6° 41′ 14″ O
Quellhöhe ca. 527 m ü. NHN[1] 
(Hauptstrang-Oberlauf)
Erftquelle: ca. 414 m ü. NHN[2]
Mündung Rhein bei Neuss-GrimlinghausenKoordinaten: 51° 11′ 4″ N, 6° 43′ 54″ O
51° 11′ 4″ N, 6° 43′ 54″ O
Mündungshöhe ca. 31 m ü. NHN[1]
Höhenunterschied ca. 496 m
Länge 106,6 km (incl. Kuhbach)[2]
Einzugsgebiet 1837,915 km²[2]
Abfluss am Pegel Neubrück[3]
AEo: 1595,43 km²
Lage: 9,75 km oberhalb der Mündung
NNQ (16.07.2007)
MNQ 1970/2007
MQ 1970/2007
Mq 1970/2007
MHQ 1970/2007
HHQ (04.06.1984)
5,15 m³/s
10,4 m³/s
16,4 m³/s
10,3 l/(s km²)
31,3 m³/s
46,6 m³/s
Linke Nebenflüsse Veybach, Rotbach, Neffelbach
Rechte Nebenflüsse Swist, Gillbach, Norfbach
Großstädte Neuss
Mittelstädte Euskirchen, Erftstadt, Bedburg, Bergheim, Grevenbroich, Kerpen
Kleinstädte Bad Münstereifel
Erftquelle bei Holzmülheim

Erftquelle bei Holzmülheim

Erft bei Grevenbroich

Erft bei Grevenbroich

Die Erft ist ein 106,6 km[2] langer, südwestlicher und orographisch linker Nebenfluss des Rheins. Sie durchfließt drei Landkreise und jeweils deren Kreisstädte; flussabwärts gesehen sind dies: Kreis Euskirchen mit Euskirchen, Rhein-Erft-Kreis mit Bergheim und Rhein-Kreis Neuss mit Neuss in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erft entspringt am Nordwestrand des zur Eifel gehörenden Ahrgebirges im Kreis Euskirchen. Ihre Kilometrierung beginnt südwestlich des Nettersheimer Ortsteils Frohngau auf knapp 527 m ü. NHN auf dem Osthang des Harzbüchel (537 m)[4]. Dort entspringt mit dem Kuhbach der linke Hauptstrang-Oberlauf, der südlich des Himbergs (549,6 m) fließt. Nach 1,3 km Oberlauf-Fließstrecke mündet südlich gegenüber von Frohngau ein ebenfalls Kuhbach genannter, auch 1,3 km langer und rechtsseitiger Bach ein. Den Oberlaufnamen Kuhbach behält das Fließgewässer bis zur weitere 2,4 km flussabwärts im Nettersheimer Ortsteil Holzmülheim gelegenen Erftquelle (ca. 414 m).[2]

Von dort fließt die Erft anfangs in nordöstliche und dann überwiegend in nördliche Richtungen. Im Oberlauf durchfließt sie zunächst das Hochwasserrückhaltebecken Eicherscheid und dann die Stadt Bad Münstereifel. Später berührt sie Euskirchen und Weilerswist, wo sie am Autobahnkreuz Bliesheim von der Bundesautobahn 61 und danach von der Bundesautobahn 553 überquert wird.

Nördlich von Weilerswist empfängt sie ihren größten Nebenfluss, die Swist, unterquert die Bundesautobahn 1 und fließt dann entlang der A 61 über Kerpen – die Bundesautobahn 4 östlich des Kreuzes Kerpen passierend – und Bergheim nach Bedburg. Vor Grevenbroich unterquert die Erft die Bundesautobahn 540 und erreicht Neuss; dort wird an einer Staustufe Wasser von der Erft zur dem Rhein zufließenden Obererft abgeschlagen. Bei Neuss unterquert sie die Bundesautobahn 57. Dann mündet die Erft südlich der Düsseldorfer Josef-Kardinal-Frings-Brücke bei Neuss-Grimlinghausen auf etwa 31 m Höhe in den Rhein. Dorthin wurde sie im Jahre 1475 während einer kriegerischen Belagerung verlegt.

Nebenflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Nebenflüssen der Erft gehören (flussabwärts betrachtet; l = linksseitig, r = rechtsseitig):

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Erft − Quelle bis Mündung − befinden sich diese Ortschaften (flussabwärts betrachtet):

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Auenlandschaft, nahe dem Museum Insel Hombroich, Neuss

Zwischen Türnich und Bedburg ist die Erft stellenweise bis zu 20 Meter breit. Das Flussbett wurde mehrfach verlegt; es musste dem Bergbau des Rheinischen Braunkohlereviers weichen und wurde später begradigt. Durch Zuführung des Sümpfungswassers aus dem Braunkohlebergbau wurde die Erft ein wasserreicher Fluss. 1955 führte die Erft 5 m3 Wasser in der Sekunde ab, zwischen 1965 und 1975 über 26 m3 Wasser. Durch Verlagerung des Tagebaus Garzweiler in Richtung Erkelenz wird zukünftig das Sümpfungswasser nicht mehr in die Erft abgeleitet werden, sondern unter anderem im Feuchtgebiet des Schwalm-Nette-Tals versickern. Dadurch wird die Erft zu einem kleinen Flüsschen mit einer Wasserführung von weniger als 3 m3 Wasser in der Sekunde werden und so ganz erheblich ihr Aussehen verändern. Der Erftverband wird bis 2015 an der Insel Hombroich (Neuss-Holzheim) die Uferbefestigungen entfernen, damit sich die zukünftige Erft ein neues Bett suchen kann. Im Bereich des Zubends in Wevelinghoven werden weitläufig alte Erftbetten aus der Römerzeit in das Renaturierungskonzept des LVR miteinbezogen. Der Rückbau soll bis 2045 bis Bedburg fortgesetzt werden.

Neozoen und Neophyten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Warmwassereinleitung von der Braunkohleindustrie in die Erft können hier eingeschleppte Pflanzenarten wie das Brasilianische Tausendblatt und die südamerikanische Dichtblättrige Wasserpest überleben. Jährlich werden 300 Millionen Kubikmeter aufgewärmtes Grundwasser („Sümpfungswasser“) aus dem Braunkohleabbau in die Erft gepumpt. Hinzu kommt das Kühlungswasser aus dem Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf.[5] Im Winter betragen die mittleren Wassertemperaturen noch 15 °C und im Sommer 28 °C. Der Mittellauf des Flusses ist um 8 °C wärmer als der Oberlauf. Das Warmwasser wird unterhalb von Erftstadt zugeführt. Bereits in den 1990er Jahren meldeten Angler den dreimaligen Fang von Piranhas[6], die im Gegensatz zu den Sonnenbarschen keine fortpflanzungsfähige Population bilden konnten, sondern lediglich ausgesetzte Aquarienfische waren und vermutlich nur wenige Monate überlebten. Außerdem finden sich in der Erft Guppys und Rotwangenschildkröten.[7][8] Aus diesem Grund versuchte der BUND den Bau des Braunkohlekraftwerks Neurath zu stoppen.[5]

Neozoen in der Erft:[9]

Neophyten in der Erft:[9][10][11]

siehe auch: Bioinvasion

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erftland bei Kaster Kartenausschnitt von Christian Sgrothen um 1557

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Erft im 7. Jahrhundert. Sie hieß zunächst „Arnapa“, später „Arnefe“ und „Arlefe“. Schließlich fand man 1320 den Namen „Arfe“.

Hochwasser im September 2007; normalerweise liegt der Wasserspiegel ca. 2 Meter tiefer

Nach dem Fluss Erft wurde 1969 die Stadt Erftstadt sowie der zum 1. Januar 1975 im Rahmen der Kreisreform neu gebildete Erftkreis benannt, der am 1. November 2003 in Rhein-Erft-Kreis umbenannt wurde. Zwei Eisenbahnstrecken, die Erftbahn (BedburgHorrem) und die Erfttalbahn (Euskirchen–Bad Münstereifel), sowie zwei Regionalverkehrslinien, der Rhein-Erft-Express/Rhein-Erft-Bahn und die Erft-Bahn, sind nach dem Fluss benannt.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Ufern der Erft befinden sich unter anderen sehenswerte Burgen, Klöster, Schlösser (flussabwärts betrachtet):

Außerdem:

Freizeit und Erholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der Erft sind gut ausgebaute Radwege angelegt, der 110 km lange Erft-Radweg verläuft von der Quelle bis zur Mündung.

Die Erft wird von Kajak-Fahrern genutzt, eine beliebte Tour startet an der Erprather Mühle und führt über die Römerbrücke (Kajak-Slalomstrecke) bis zum Rhein.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutsche Grundkarte 1:5000
  2. a b c d e Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  3. Gewässerkundliches Jahrbuch 2007 (PDF, 360 kB)
  4. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. a b Tropische Fische und Pflanzen machen's sich in den Flüssen gemütlich, auf taz.de
  6. Piranhas aus Rhein-Nebenfluss gefischt, vom 31. Januar 2007, auf focus.de
  7. Piranhas und Guppys: In der Erft tummeln sich Exoten, vom 28. Januar 2002, auf vistaverde.de
  8. Piranhas bald auch im Rhein?, vom 24. Juli 2009, auf rp-online.de
  9. a b Die Erft – ein tropischer Fluss?, auf erftkanu.de
  10. Vallisneria spiralis L. (Wasserschraube, Hydrocharitaceae), auf aquatischeneophyten.de
  11. Exkursion des Bochumer Botanischen Vereins mit Pflanzenliste vom 29. August 2015

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Erft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Erft – Sammlung von Bildern