Heidenschanze bei Dresden

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Die Heidenschanze im Winter

Die Heidenschanze ist eine frühzeitliche Befestigungsanlage bei Coschütz. Sie liegt auf einem Felssporn rechtsseitig etwa 70 Meter über dem Plauenschen Grund (224 m über NN). Die Heidenschanze gilt als das bedeutendste vorgeschichtliche Bodendenkmal bei Dresden und wird als Mittelpunkt eines Siedlungszentrums zwischen dem Elbtalkessel und Tharandt angesehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Zeit der Bandkeramiker um etwa 5000 v. Chr. ist ein Depotfund überliefert, der zeigt, dass "dem imposanten Felsen über der Weißeritz bereits in dieser frühen Zeit eine besondere, vielleicht religiöse Bedeutung zukam." [1]

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung werden in die jüngere Bronzezeit datiert.[2] Hier befand sich eine befestigte Siedlung, die ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum gewesen sein muss. Neben Blockhäusern waren Werkstätten von Bronzeschmelzern und Knochenarbeitern angelegt.

Nach einer Besiedlungslücke von etwa 1400 Jahren (500 v. Chr.–900 n. Chr.) war die Heidenschanze bis zur Eroberung durch Heinrich I. um 1100 von den Elbslawen besiedelt. Sie hatten die alten bronzezeitlichen Befestigungsanlagen "wieder instand gesetzt."[3]
Die ursprüngliche Größe der Anlage betrug etwa fünf Hektar. Sie war mit einem noch heute zu erkennenden bis zu elf Meter hohen Abschnittswall mit vorgelagertem Graben gesichert.

Die archäologischen Ausgrabungen in den fünf Meter starken Kulturschichten auf der Heidenschanze begannen im Jahr 1851 und dauerten bis zur Stilllegung des zeitgleich betriebenen Steinbruches an. Der Steinbruch machte eine Flanke des Bergspornes noch unzugänglicher, veränderte aber das Erscheinungsbild und die Größe der Anlage sehr. Das Ziel der ehemaligen Steinbrechertätigkeit war der Monzonit des Plauenschen Grundes, früher als Syenit Plauenscher Grund bezeichnet. Große Mengen des Straßenpflasters für die Region Dresden stammen aus dem Plauenschen Grund und wurden in einer Vielzahl weiterer Steinbrüche gewonnen. Dem Monzonit liegen dünne kreidezeitliche Schichten in Form von Pläner auf, der mit quartären Schichten bedeckt ist. Ausgewählte Fundstücke von der Heidenschanze bei Dresden sind im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz ausgestellt. Sie veranschaulichen das Thema Metallurgie.

Die Autobahn A 17 unterquert die Anlage im Coschützer Tunnel.

Panoramabild Blick vom Wall in die Heidenschanze

In unmittelbarer Nähe befindet sich der ehemalige „Sandsteinbruch an der Heidenschanze“ von Alt-Coschütz, dessen älteste Schichten in die Calycoceras naviculare-Zone des unteren Obercenomaniums gehören.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtlexikon Dresden A-Z. Verlag der Kunst Dresden 1995, ISBN 3-364-00300-9
  • Konstanze Jünger, Judith Schachtmann: Die Coschützer Heidenschanze in Dresden. Frühe Forscher und Sammler. In: Archæo – Archäologie in Sachsen. Heft 8, 2011, S. 44–49 (Heftinhaltsverz. PDF-Datei; 264 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Judith Oexle (Hrsg.), Landesamt für Archäologie Dresden: Dresden 8000. Dresden, 2006, S. 44
  2. ...wobei "denkbar ist, dass seine Anfänge bis in die frühe Bronzezeit (2200–1500 v. Chr.) zurückreichen...Blütezeit (1000–600 v. Chr.)...", siehe Judith Oexle (Hrsg.), Landesamt für Archäologie Dresden: Dresden 8000. Dresden, 2006, S. 44 f.
  3. Siehe Judith Oexle (Hrsg.), Landesamt für Archäologie Dresden: Dresden 8000. Dresden 2006, S. 44
  4. Walther, H. & Suhr, P., 1997. Proximale Tempestite aus dem tieferen Obercenoman (naviculare-Zone) von Dresden-Coschütz - Freiberger Forschungshefte (Akademie-Verlag) Freiberg C468 (5): 305-317.

Koordinaten: 51° 1′ 16,8″ N, 13° 41′ 13,7″ O